Hör‘ auf, dich zu schonen!

„Sie haben Schmerzen? Dann sollten sie das Gelenk unbedingt schonen!“ — so lautet leider immer noch viel zu häufig die Empfehlung einiger Ärzte und Therapeuten. Doch viele Studien belegen mittlerweile: Schonung kann die Schmerzen nicht reduzieren, sondern macht sie in der Regel noch schlimmer. Warum das so ist, erklären wir dir in diesem Video-Beitrag.

🎬 In diesem Video veranschaulicht Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht, welche Schonhaltungen viele Betroffene bei Rücken- und Hüftbeschwerden einnehmen und was dir daran nicht gut tut:

🏃 Bewegung essentiell für Zellerneuerung

Der menschliche Körper besteht nicht aus Metall und Stahl, sondern aus Zellen. Diese Zellen reproduzieren sich permanent – innerhalb eines einzigen Jahres sind wir sozusagen „runderneuert“. Damit dies funktioniert, ist es wichtig, dass du deine Zellen regelmäßig belastest. Das bedeutet natürlich nicht überlasten, aber eben auch nicht schonen. Dein Körper muss dauernd in Bewegung bleiben.

Es gibt viele Situationen, in denen sich die Menschen schonen: eine Verletzung, Schmerzen an verschiedenen Stellen im Körper, bei Bandscheibenvorfällen oder bei Arthrose. Doch genau in diesen Fällen ist eine Schonung Gift! Warum? Ganz einfach: Immer wenn du dich schonst, fährt sich dein Stoffwechsel herunter. So werden die Zellen immer schlechter ernährt, wodurch sie sich nicht mehr oder nur sehr schlecht erneuern können. Das verzögert letztendlich alle Reparatur- und Erneuerungs-Prozesse in deinem Körper.

Exkurs: Keine Schonung bei Verletzungen an den Bändern

Ein Extremfall, in dem sich viele Betroffene typischerweise schonen, ist eine Bänderverletzung am Fuß. Die klassische Schulmedizin empfiehlt, den Fuß zunächst hochzulegen und völlig ruhigzustellen. Hier sind wir völlig anderer Meinung! Auch Sport-Physiotherapeuten gehen bereits anders mit solchen Verletzungen um und arbeiten mit vorsichtiger Mobilisation. In unserem Beispiel könnte das so aussehen: Wenn du dich am Band verletzt hast, kannst du im ersten Moment kaum auftreten. Aber genau das solltest du trotzdem tun. Dabei stützt du dich an einem Geländer, Tisch oder etwas Ähnlichem ab. Die Belastung des Fußes soll dabei ganz langsam und vorsichtig erfolgen.

🚨 Schlechte Schonhaltung bei Rücken- und Hüftschmerzen

Menschen mit Schmerzen im unteren Rücken oder Problemen an der Hüfte wird häufig die sogenannte Stufenlagerung zur Schonung empfohlen. Dabei liegt der Patient auf dem Rücken und die Waden werden hochgelagert. Zwischen Ober- und Unterschenkel besteht ein 90-Grad-Winkel.

Schonung bei Rückenschmerzen und Hüftschmerzen

In dieser Position haben die Patienten weniger Schmerzen im unteren Rücken und in der Hüfte. Doch warum ist das so? Versuche, dir die Position genau vorzustellen: Eigentlich nimmt der Patient hier eine Sitzhaltung ein – nur eben im Liegen. Das ist auch genau der Grund, warum die Schmerzen in dieser Position nachlassen. Der Körper gibt zwar Ruhe, weil in diesem Moment nicht an “verkürzten” Muskeln gezogen wird. Damit wird der Schmerz jedoch nur symptomatisch behandelt, an der Ursache selbst wird nicht gearbeitet. Auf lange Sicht werden deine Beschwerden so nicht besser. Der Grund für deine Schmerzen ist nämlich einer unnachgiebiger und verkürzter Hüftbeuger.

Der Hüftbeuger ist ein sehr wichtiger Muskel, der von der Wirbelsäule über das Becken und die Leisten bis an die Oberschenkel läuft. Dieser Muskel ist durch häufiges Sitzen meist viel zu kurz bzw. unelastisch. Damit verursacht er Rückenschmerzen im unteren Bereich, sorgt für Hüftschmerzen, zermürbt Bandscheiben und zerstört die Hüfte, sodass sie Arthrose bekommt. Du siehst, Probleme mit dem Hüftbeuger können eine ganze Reihe von Schäden in deinem Körper verursachen.

Dein Körper registriert die “Verkürzung” des Muskels und ihre Auswirkungen und sendet einen Alarmschmerz in die entsprechende Körperregion. Schonung hilft dir dabei aber nicht, denn der Muskel und die umliegenden Faszien müssen gedehnt werden. Dann können auch deine Beschwerden nachlassen oder ganz verschwinden.

💡 Übungen, die Schmerzen lindern und deinem Körper nachhaltig gut tun  

Eine Frau sitzt auf einer Matte, Beine leicht herangezogen. Sie beugt sich mit dem Oberkörper in Richtung ihrer Füße. Roland Liebscher-Bracht legt seine Hände auf ihren Rücken.

Die erste Übung wirkt deinem Hohlkreuz entgegen, das bei starken Verkürzungen des Hüftbeugers entsteht. Nimm dazu deine Fußsohlen aneinander und lasse die Knie nach außen sinken. Der Winkel deiner Knie sollte 90 Grad oder mehr betragen. Dann umgreife mit deinen Händen deine Füße und lasse dich in die Dehnung nach vorne sinken. Ziel ist es dabei, dass dein unterer Rücken rund wird. Ziehe dich so weit nach vorne, dass du eine deutliche Dehnung im unteren Rücken spürst. Halte diese Position zwei Minuten lang.

Keine Schonung - Übung zu Dehnung des Hüftbeugers

Dann lege dich auf den Rücken und lasse die Beine bzw. Knie aufgestellt. Jetzt bringst du deine Wirbelsäule so weit es geht auf die Matte. Dabei kippt dein Becken ein wenig nach vorne. Wenn du das gemacht hast, strecke langsam und Stück für Stück deine Beine. Du merkst dabei schnell: Je näher die Knie zum Boden kommen, umso schwerer fällt es dir, die Wirbelsäule am Boden zu halten. Daraus ergibt sich eine Dehnung für deinen Hüftbeuger. Strecke deine Beine nur so weit, wie du die Wirbelsäule am Boden halten kannst, und achte darauf, dass du auf deiner persönlichen Schmerzskala unter einer zehn bleibst. Begib dich immer weiter in die Dehnung und halte sie zwei Minuten lang.

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