Aktuelle Übersichtsstudie

Karpaltunnelsyndrom – schonende Therapieformen gewinnen an Bedeutung

Jeder sechste erwachsene Mensch im arbeitsfähigen Alter erkrankt am Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine der am häufigsten auftretenden Nervenkrankheiten. Jeder sechste erwachsene Mensch im arbeitsfähigen Alter ist im Laufe des Lebens mindestens einmal davon betroffen. Erhöhtes Risiko einer Erkrankung besteht durch Veranlagung, Verletzungen, Entzündungen oder Wassereinlagerungen. Menschen, deren Handgelenke dauerhaft hoher Belastung ausgesetzt sind, können häufiger davon betroffen sein. Dazu zählen alle, die handwerkliche Berufe ausüben, aber auch alle, die zum Beispiel länger anhaltende Fehlhaltungen an der Tastatur eines Computers einnehmen. 1) Letzten Endes kann fast jeder davon betroffen sein, an einem Karpaltunnelsyndrom zu erkranken.

Der Unterarm und die Hand auf diesem Bild sind grafisch bearbeitet, um die anatomischen Hintergründe eines Karpaltunnelsyndroms darzustellen. Der Karpaltunnel ist eingekreist. Hier sieht man den Mittelarmnerv, der unter dem Karpalband verläuft.

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Operation ist die gängigste Therapieform

Die am häufigsten angewendete Therapie ist eine Operation, bei der das Karpalband oder Retinaculum flexorum, ein Bindegewebsband, durchtrennt wird. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass der Mittelhandnerv wieder mehr Platz erhält. Bei dem Karpaltunnelsyndrom wird dieser Nerv im Handgelenkstunnel, dem Karpaltunnel, eingeklemmt. Bei Fortschreiten der Krankheit kann das zu einer dauerhaften Schädigung dieses Nervs führen. Im Anfangsstadium haben die Betroffenen das Gefühl, dass die Hand einschläft. Im weiteren Krankheitsverlauf entstehen Kribbelmissempfindungen einzelner Finger. Diese Missempfindungen können sich bis zu einer völligen Ertaubung steigern.

Studie zum aktuellen Stand der internationalen Forschung

Das Institut für Bewegungswissenschaft, Arbeitsbereich Bewegungs- und Trainingswissenschaft an der Universität Hamburg setzt mit seiner Studie „Physio- und sporttherapeutische Interventionen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms”2) genau dort an. Die Studie, die Anfang 2022 veröffentlicht wurde, stellt eine systematische Übersichtsarbeit dar. Sie gibt darin einen Überblick über den Stand der internationalen Forschung zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms mit konservativen Therapiemethoden. Die Studie identifizierte insgesamt 461 aktuelle deutsch- und englischsprachige Studien, die die Wirksamkeit von physio- und sporttherapeutischen Angeboten zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms untersuchten.

Veröffentlichung

Gräf, J. K., Lüdtke, K., & Wollesen, B. (2022). Physio- und sporttherapeutische Interventionen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms : Eine systematische Übersichtsarbeit [Physiotherapy and sports therapeutic interventions for treatment of carpal tunnel syndrome: A systematic review]. Schmerz (Berlin, Germany)36(4), 256–265.

Effektivität von physio- und sporttherapeutischen Behandlungsformen unter der Lupe

Ziel der Studie war es, einen Überblick über klinische Studien zur Effektivität von physio- oder sporttherapeutischen Behandlungsformen im Vergleich zu den etablierten Therapien wie einer Operation zu liefern. Dafür konnten 26 Studien herangezogen werden, in denen der aktuelle Forschungsstand zu einzelnen nichtinvasiven oder nichtmedikamentösen Therapien abgebildet wird. Beurteilungskriterien waren wie bei einer Operation die Effektivität in der Schmerzlinderung und die Verbesserung der Funktionalität der Hand.

Manuelle Therapieformen mindestens so gut wie Operation

Das Ergebnis war deutlich: mehrere Studien, die manuelle Therapieformen, also Behandlungen mit speziellen Handgriff- und Mobilisationstechniken, einer klinischen Bewertung unterzogen haben, belegen, dass diese schnellere Verbesserungen erzielen als eine Operation. Teilweise konnte bereits nach einer zweiwöchigen Behandlung eine klinisch relevante Verringerung von Schmerzintensität und Symptomstärke festgestellt sowie eine verbesserte Funktionalität der Hand erzielt werden 3)4)5). Auch langfristig, etwa nach Ablauf eines Jahres, konnte festgestellt werden, dass die Erfolge durch eine physio- oder sporttherapeutische Maßnahme mit denen einer erfolgreichen Operation vergleichbar sind.

Operation ist nicht unbedingt die beste Wahl zur Behandlung

Nach einer Operation sind die Patienten oft bis zu zwei Monate arbeitsunfähig. Zudem ist eine Operation immer mit Risiken verbunden. Sie bedeutet einen erheblichen Eingriff, der nicht rückgängig gemacht werden kann, belastet den Körper, hinterlässt Narben und kann dauerhaft schädliche Nachwirkungen haben. Bei bis zu 20 Prozent der Operierten treten die Krankheitssymptome weiterhin auf.

Kombination von manuellen und nicht-invasiven Therapieformen oft noch effektiver

In einigen Studien wurde die Wirkungsweise einer Kombination verschiedener nicht-operativer Therapien analysiert. So erzielte beispielsweise eine physiotherapeutische Behandlung in Kombination mit dem Tragen einer Schiene oder der Anbringung eines textilen Klebebandes noch bessere Behandlungsergebnisse als die isolierte Anwendung nur einer dieser Therapien. Selbst Laser- und Ultraschall-Behandlungen erzielten bei der Schmerzreduktion eine klinisch relevante Verbesserung des Krankheitsbildes. Allerdings war diese nicht so bedeutend wie die Wirkung der manuellen Therapien.

Weitere Techniken, die sich in der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms bewährt haben

Eine Faszien-Behandlung bewirkte ebenfalls eine klinisch relevante Verbesserung des Krankheitsbildes. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass verschiedene Mobilisations- und Massagetechniken sowie Yoga ebenfalls positive Effekte auf das Krankheitsbild haben.

Auswirkungen auf die Therapiewahl

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Es existiert eine Vielfalt von sporttherapeutischen, technischen und manuellen Therapieangeboten, die für sich genommen oder in Kombination miteinander eine wirkungsvolle Alternative zu einer Operation darstellen. Diese Behandlungsformen haben sich zum Teil schon über viele Jahre in der Praxis bewährt und werden deswegen kontinuierlich eingesetzt. Im Ergebnis stehen diese nicht-operativen Behandlungen denen einer Operation in keiner Weise nach. Im Gegenteil, eine Verbesserung des Krankheitsbildes wird in der Regel schneller erreicht. Der Patient wird zudem nicht den Risiken ausgesetzt, die eine Operation immer mit sich bringt, angefangen von der Gefahr, Infektionen in die Operationswunde hineinzutragen bis zu Komplikationen bei der Narbenbildung.

Auch in der Langzeitbeobachtung erzielen die nicht-operativen Therapien Behandlungsergebnisse, die denen einer erfolgreichen Operation gleichzusetzen sind. Da sie keinen massiven Eingriff in den Körper darstellen wie eine Operation, gewinnen sie immer mehr an Bedeutung.

Fazit zur Forschungslage

Ein Großteil dieser Studien befasste sich mit der operativen Nachversorgung. Bei den rein nicht-operativen Therapieformen gibt es ermutigende Studienansätze, die in einigen Fällen allerdings nur eine bedingte Aussagekraft haben, da sie methodische Ungenauigkeiten aufweisen. Weitere Studien mit sorgfältiger Methodik und längeren Laufzeiten wären erforderlich, um eindeutige Aussagen machen und klare Handlungsempfehlungen aussprechen zu können.

Die mit den oben genannten Einschränkungen wissenschaftlich belegten Erfolge der schonenden Therapieformen zeigen zumindest die Tendenz auf, dass beim Karpaltunnelsyndrom der Griff zum Operationsmesser mit größerem Bedacht erfolgt.

Die Liebscher & Bracht-Therapie

Die Ergebnisse dieser aktuellen internationalen Übersichtsstudie decken sich mit den Beobachtungen von beständigen Behandlungserfolgen der Liebscher & Bracht-Therapie beim Karpaltunnelsyndrom. Die Liebscher & Bracht-Therapie ist auf drei Behandlungstechniken aufgebaut, die Prinzipien der manuellen Therapie, aber auch physio- und sporttherapeutischer Übungsmethoden gezielt nutzen. Sie hat sich seit nunmehr 30 Jahren in der Praxis bewährt und wird kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert.

Zur Qualitätssicherung unserer Therapie haben wir den Forschungsbereich Liebscher & Bracht Research ins Leben gerufen. Ziel ist es, die evidenzbasierten Therapieerfolge für die Wissenschaft – und für unsere Patienten – nachvollziehbar und wissenschaftlich belegbar zu machen. Deswegen führen wir aufwändige eigene Studien durch und kooperieren mit international renommierten medizinischen Forschungsstätten. So wollen wir unseren Beitrag leisten, die wissenschaftliche Forschung weiterzubringen und unseren Patienten eine wissenschaftlich erwiesen wirksame Therapie anzubieten, die ihnen ein gesundes schmerzfreies Leben ermöglicht.

Quellen & Studien

  • ↑1 Fernández-de-Las-Peñas, C., Cleland, J., Palacios-Ceña, M., Fuensalida-Novo, S., Alonso-Blanco, C., Pareja, J. A., & Alburquerque-Sendín, F. (2017). Effectiveness of manual therapy versus surgery in pain processing due to carpal tunnel syndrome: A randomized clinical trial. European journal of pain (London, England), 21(7), 1266–1276.
  • ↑2 Gräf, J. K., Lüdtke, K., & Wollesen, B. (2022). Physio- und sporttherapeutische Interventionen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms : Eine systematische Übersichtsarbeit [Physiotherapy and sports therapeutic interventions for treatment of carpal tunnel syndrome: A systematic review]. Schmerz (Berlin, Germany)36(4), 256–265.
  • ↑3 Schmid, A. B., Elliott, J. M., Strudwick, M. W., Little, M., & Coppieters, M. W. (2012). Effect of splinting and exercise on intraneural edema of the median nerve in carpal tunnel syndrome--an MRI study to reveal therapeutic mechanisms. Journal of orthopaedic research : official publication of the Orthopaedic Research Society, 30(8), 1343–1350.
  • ↑4 Wolny, T., & Linek, P. (2018). The Effect of Manual Therapy Including Neurodynamic Techniques on the Overall Health Status of People With Carpal Tunnel Syndrome: A Randomized Controlled Trial. Journal of manipulative and physiological therapeutics, 41(8), 641–649.
  • ↑5 Wolny, T., & Linek, P. (2019). Is manual therapy based on neurodynamic techniques effective in the treatment of carpal tunnel syndrome? A randomized controlled trial. Clinical rehabilitation, 33(3), 408–417.

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