Forscher der Universität Oxford beweisen

OP bei Schulterschmerzen oft vermeidbar

Bei Menschen, die unter chronischen Schulterschmerzen leiden, die durch eine Verengung von Schulterblatt zu Schultergelenk verursacht werden, ist in den meisten Fällen eine Operation unnötig. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in „The Lancet“, einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, 2018 veröffentlicht wurde.1)

Veröffentlichung

Beard, et al.:  Arthroscopic subacromial decompression for subacromial shoulder pain (CSAW): a multicentre, pragmatic, parallel group, placebo-controlled, three-group, randomised surgical trial. Lancet (London, England), 391(10118), 329–338. Externer Link Icon

Ursache der Schulterschmerzen beim subakromialen Impingement

In der Schulter entstehen häufig Schmerzen, wenn zwischen dem Knochenfortsatz am Schulterblatt und dem Schultergelenk der Abstand geringer ist, als es für einen normalen Bewegungsablauf erforderlich wäre.  Die Entstehung einer solchen Verengung wird zum einen durch eine erbliche Veranlagung begünstigt.  Aber auch eine  Verletzung oder eine länger anhaltende Fehl- oder Überbelastung kann die Ursache für eine Beeinträchtigung sein. Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel verändern sich, teilweise werden diese Veränderungen von entzündlichen Prozessen begleitet. Die betroffenen Körperpartien  beanspruchen mehr Raum. Dadurch entsteht ein erhöhter Druck im Bewegungsapparat an der Schulter. Der Körper leitet diese  Information in Form von Schmerzen an das Gehirn weiter. Ein weiterer Folgeschaden, der durch die Verengung in der Schulter entstehen kann, ist eine Verletzung in der Rotatorenmanschette. Einzelne Sehnen können dadurch so stark abgenutzt werden, dass sie reißen.

Operation ist  häufig angewendete  Therapieform

Eine gängige Behandlungsmethode zur Beseitigung der dadurch auftretenden Schmerzen ist die Schulterdach-Erweiterung oder subakromiale Dekompression. Dieser Begriff umschreibt einen operativen Eingriff, bei dem der entzündete Schleimbeutel unter dem Schulterdach entfernt wird. Der Schleimbeutel bildet sich im nachoperativen Heilungsprozess wieder aus. Zusätzlich wird ein Teil des Schulterdachknochens mit einer Fräse abgetragen. Auf diese Weise wird zwischen Schulterblatt und Schultergelenk mehr Raum geschaffen. Der Druck auf die betroffenen Körperteile lässt nach und damit ist nach dieser Lehrauffassung die Ursache für den entzündlichen Prozess beseitigt.

Grafik von Schultergelenk mit Beschreibung einzelner Bestandteile subakromiales Schultersyndrom Impingement der Schulter

©Jana Mechmershausen

Studie belegt: Operation ist weitgehend nutzlos

Eine großangelegte klinische Studie in Großbritannien hat die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode genauer untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Dieser operative Eingriff erbrachte keine erkennbare Verbesserung des Krankheitsbildes.

Die Studie wurde von Forschern der University of Oxford in einem Zeitraum von fast drei Jahren zwischen 2012 und 2015 durchgeführt. 32 Kliniken in Großbritannien beteiligten sich und insgesamt 313 Patienten nahmen daran teil.

Die Patienten wurden in drei ungefähr gleich große Gruppen aufgeteilt: Bei einem Drittel der Patienten wurde die Operation tatsächlich durchgeführt. Einem weiteren Drittel wurde mitgeteilt, dass die Operation durchgeführt worden sei. Stattdessen wurde jedoch lediglich eine Schulterspiegelung vorgenommen, das heißt, eine medizinische Begutachtung des inneren Schultergelenks mit einer optischen Sonde, einem sogenannten Arthroskop. Das letzte Drittel erhielt gar keine Therapie, hatte aber nach drei Monaten einen zusätzlichen Arzttermin.

Ergebnis: Operation, Placebo-Effekt und Nichtbehandlung nahezu gleich in ihrer Wirkung

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Krankheitsbild bei der Patientengruppe, die sich einer Operation unterzogen hatte, kaum von dem der Vergleichsgruppe unterschied, die lediglich in dem Glauben war, operiert worden zu sein.

Die Gruppe der Patienten, bei denen gar keine Behandlung durchgeführt worden war, schnitt wiederum auch nur geringfügig schlechter ab als die Gruppe, die eine Behandlung erhalten hatten. Die Unterschiede aller drei Gruppen wurden nach wissenschaftlichen Kriterien als zu geringfügig bewertet, als dass sich daraus Rückschlüsse auf eine besondere Wirksamkeit einer Operation ziehen ließen.

Schlussfolgerungen für Therapiewahl

Die Forscher regen an, dass die Ergebnisse ihrer Studie Patienten übermittelt werden sollten, die vor der Entscheidung stehen, eine solche Operation durchführen zu lassen und rechnen damit, dass Chirurgen, die Kenntnis von dieser Studie haben, nun zurückhaltender sind mit der Empfehlung, bei subakromialen Schulterschmerzen eine Operation vorzunehmen. Für Schulterschmerz-Patienten bedeutet das, gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt die verschiedenen Therapieangebote gründlich abzuwägen. Eine Operation der Schulter gehört nach dem Erkenntnisstand dieser Studie nicht mehr zu den Therapien, die eine deutliche Verringerung ihrer Schmerzen erwirken können.

Schlucht geöffnet mit Sicht auf Himmel Symbolbild für Therapie bei subakromialem Schultersyndrom Impingement Schulter

Schmerz in der Sackgasse: Bei sogenannter „Schulterenge“ wird gerne operiert — dabei ist das meist unnötig.
© Ondrej Bucek | shutterstock.com

Behandlung des subakromialen Impingement mit der Liebscher & Bracht-Therapie

Die Liebscher & Bracht-Therapie hat bei der Behandlung des subakromialen Impingements in vielen Fällen Erfolge erzielen können und Patienten langfristig von ihren Schmerzen befreit.

Zur Qualitätssicherung der Therapie hat Liebscher & Bracht  den Forschungsbereich Liebscher & Bracht Research ins Leben gerufen. Ziel ist es, die evidenzbasierten Therapieerfolge für die Wissenschaft – und für Patienten – nachvollziehbar und wissenschaftlich belegbar zu machen. Deswegen führt Liebscher & Bracht aufwändige eigene Studien durch und geht Kooperationen mit international renommierten medizinischen Forschungsstätten ein. So möchte Liebscher & Bracht einen Beitrag leisten, die wissenschaftliche Forschung weiterzubringen und Patienten eine wissenschaftlich erwiesene wirksame Therapie anzubieten, die ihnen ein gesundes und schmerzfreies Leben ermöglicht.

Dehnübungen bei Schulterschmerzen

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Quellen & Studien

  • ↑1 Beard, D. J., Rees, J. L., Cook, J. A., Rombach, I., Cooper, C., Merritt, N., Shirkey, B. A., Donovan, J. L., Gwilym, S., Savulescu, J., Moser, J., Gray, A., Jepson, M., Tracey, I., Judge, A., Wartolowska, K., Carr, A. J., & CSAW Study Group (2018). Arthroscopic subacromial decompression for subacromial shoulder pain (CSAW): a multicentre, pragmatic, parallel group, placebo-controlled, three-group, randomised surgical trial. Lancet (London, England), 391(10118), 329–338.

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