Bruxismus/Zähneknirschen — Alle Informationen zum Stressventil mit Folgen

Eine junge Frau mit Sommersprossen und lockigem Haar ist in Schwarz weiß abgebildet. Sie hält sich mit der rechten Hand die rechte Gesichtshälfte und schaut ein wenig gequält

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Zähneknirschen (Bruxismus, englisch „Bruxism“) verursacht charakteristische Beschwerden, die Auswirkungen auf den gesamten Körper haben können. Häufig liegt hinter den „Knirschern“ eine lange Suche nach den Ursachen vielfältigster Symptome. Eine individuelle Behandlungsmethode für sich selbst zu finden, erweist sich oftmals als sehr schwer.

Die Symptome im Zusammenhang mit dem Zähneknirschen sind so umfangreich, dass eine Behandlung des Bruxismus häufig an einem völlig falschen Punkt ansetzt.

Hast auch du schon einen langen Leidensweg hinter dir und willst dich endlich von deinen Zahnschmerzen, Kiefergelenksproblemen oder Schmerzen in der Kiefermuskulatur befreien? Dann lass uns der Verbissenheit jetzt ein Ende setzen – ganz ohne Schmerzmittel, Schienen und Operationen. Lies hier nach, 

Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

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1. Ursachen von Zähneknirschen: Muskeln, Faszien, Stress


Eine junge Studentin sitzt vor einem Buch und hält sich mit beiden Händen ihre Schläfen. Neben ihr liegt ein weiterer Stapel Bücher. Ihre Augen sind geschlossen, sie wirkt gestresst und müde

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Zähneknirschen (Bruxismus oder englisch Bruxism) wird als eine sich wiederholende Aktivität der Kaumuskulatur beschrieben, die mit starkem, meist unbewusstem Pressen und Knirschen der Zähne einhergeht. Dieses vermehrte Kieferpressen und Zähnepressen wird seit geraumer Zeit als Begleiterscheinung von Erkrankungen beobachtet und gilt als Ausdruck von Frustration, Angst und psychischer Erregung. 1)

Lange wurde Bruxismus (Bruxism) in der Kieferheilkunde und von Zahnärzten als sogenannte „Parafunktion” beschrieben, über die das menschliche Bewusstsein keine Kontrolle hat. Solche Bewegungsmuster, vermehrte Muskelaktivitäten der sogenannten Pterygoidei (Kaumuskeln) weichen von der üblichen Norm ab und sind somit Überfunktionen des Kausystems. 2)

Hierzu zählen Kieferpressen, Zähnepressen und Zungenbeißen, Zähneknirschen sowie Wangen- und Lippenbeißen, die allesamt Nebenfunktionen des Kausystems mit schädlicher Wirkung darstellen. Folgeschäden von diesen Muskelaktivitäten sieht vor allem der Zahnarzt, der bei dir Schäden an Zähnen und insbesondere der Zahnsubstanz feststellt. 

Viele Ärzte sind ratlos

Leider sind es in vielen Fällen nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte selbst, die ratlos sind. Sie behandeln oftmals nur symptomatisch die einzelnen Schmerz-Zustände und sind überfragt, wenn sie sich das komplexe Beschwerdebild ihrer Patienten ansehen.

Viel zu oft kommt es daher erst gar nicht zu einer umfangreichen Begutachtung der einzelnen Krankengeschichten der Patienten. Schnelle Abhilfe bei Schmerzen schaffen starke Medikamente, die von den Ärzten verschrieben werden. Auf Schmerzmittel zurückzugreifen, ist aber langfristig keine Lösung und bringt viele Risiken und Nebenwirkungen mit sich. Es lohnt sich also zunächst, den Blick auf die Entstehung von Bruxismus (Bruxism) zu richten und die Gründe zu erforschen, warum du mit den Zähnen knirschst.

1.1. Stress als Auslöser von Bruxismus

„Beiß’ doch mal die Zähne zusammen!” oder „Sei nicht so verbissen!” sind typische Redewendungen, wenn es mal wieder nicht so rund läuft und wir uns durch eine schwere Zeit kämpfen müssen. Wir arbeiten unter Druck und wollen Anforderungen gerecht werden. Auch private und seelische Belastungen begleiten uns täglich. Doch leider bleibt uns für diese Emotionen häufig nicht viel Zeit.

Nachts verarbeiten wir unbewusst, was uns beschäftigt, und unsere Psyche arbeitet auf Hochtouren. Dies kann sich auch körperlich auswirken. Nicht selten zucken einzelne Körperteile im Schlaf. Wir drehen und wenden uns und oftmals werden wir von intensiven Träumen aus dem Schlaf gerissen. Den Rest der Nacht verbringen wir schlaflos und der Stress und die Müdigkeit begleiten uns auch am nächsten Tag.

Angestauter Stress belastet uns, allgemeine Stresssituationen und unverarbeitete Spannungen sowie psychische Anspannung versucht der Körper, nachts abzubauen. Dies äußert sich bei vielen in Kieferpressen und Zähneknirschen. 3)

1.2. Zähneknirschen am Tag und in der Nacht

Vor allem für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, dass Anspannungen, Verbissenheit und Konflikte durch ein Zusammenspiel des Aufeinanderpressens der Zahnreihen und vermehrter Aktivität der Kaumuskeln kompensiert und abgebaut werden.

Es hat sich gezeigt, dass emotionaler Stress bei der Diagnose von Bruxismus (Bruxism) eine große Rolle spielt.

Hierfür spricht unter anderem der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem limbischen System, als emotionales Zentrum des zentralen Nervensystems (ZNS), und unserem Kau-Organ. 4)

Die Verarbeitung von Stress geschieht unbewusst im Schlaf (Schlafbruxismus) und kann somit nur schwer kontrolliert werden. Knirscher bemerken im wachen Zustand hingegen schnell, wenn sie ihre Zähne aufeinanderpressen. Sie können diese Angewohnheit dann direkt unterbinden und das Kieferpressen beziehungsweise Zähneknirschen vermeiden. Diejenigen, die von nächtlichem Zähneknirschen betroffen sind, wachen am nächsten Morgen meist mit Schmerzen am Kiefergelenk, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen oder einer verspannten Muskulatur des Kauapparats auf. 5)

Das Risiko, Langzeitschäden durch Zähneknirschen davonzutragen, ist beim Schlafbruxismus gegenüber dem Wachbruxismus deutlich erhöht. Dies soll die Wichtigkeit der Therapie für „Wach-Knirscher” in keinster Weise abmildern, gibt jedoch Hinweise auf eine individuell angepasste Behandlungsmöglichkeit, die an der Ursache ansetzt.

2. Ein umfangreicher Symptomcheck bei Zähneknirschen


Wusstest du, dass die Schmerzen und Folgen von Zähneknirschen tatsächlich deinen ganzen Körper betreffen können? Im Falle einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), einer Fehlsteuerung des Kiefergelenks, strahlen die Schmerzen oftmals in den gesamten Oberkörper aus. Sicher muss nicht immer diese Erkrankung des Kiefergelenks hinter deinen Beschwerden stecken. Wichtig ist aber, dass du deine Schmerzen beobachtest und mit deinem Arzt darüber sprichst.

Im Folgenden findest du einen Symptom-Katalog, an dem du dich orientieren kannst und der dir bei der Selbstbeobachtung hilft. Stellst du die folgenden Symptome an dir fest:

  • Schmerzende Schläfen und allgemeine Kopfschmerzen (zum Beispiel myofasziale Schmerzen der Kaumuskeln im Bereich des Trigeminusnervs),
  • Rückenschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • unbewusstes, nächtliches Beißen auf Wangen und Zunge,
  • Ohrenschmerzen und Tinnitus,
  • Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen,
  • Halsentzündung,
  • Knackgeräusche im Kiefergelenk,
  • unkontrollierte Kieferbewegung,
  • Fehlkontakte bei der Okklusion (Jeglicher Kontakt zwischen Zähnen des Oberkiefers und des Unterkiefers),
  • Nacken- und Schulterverspannungen,
  • Brustschmerzen,
  • Druckgefühl am gesamten Kiefer (besteht eine Fehlstellung, können Unterkiefer und Oberkiefer unterschiedlich stark betroffen sein),
  • allgemeine Müdigkeit,
  • Zahnabrasion (abgebrochene Zähne) sowie Schäden an der Zahnsubstanz,
  • Zahnschmerzen, Karies, schmerzende Kaumuskulatur,
  • Veränderungen im Zahnhalteapparat: Zahnlockerung-, Wanderung oder auch Zahnverlust,
  • Fehlbiss (veränderte Zahnstellung, dadurch problematische Okklusion als Zusammenbiss der Zähne von Unter- und Oberkiefer),
  • eingeschränkte Mundöffnung (Kieferklemme/Kiefersperre) und beidseitige Kapselreizung?

Um zu verstehen, wie es zu diesen umfangreichen Schmerz-Zuständen kommt, schauen wir uns die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk genauer an. Beide gehören zum craniomandibulären System, das fürs Kauen, aber auch für andere im Mundraum liegende Funktionen wie etwa Schlucken und Sprechen verantwortlich ist. Dieses System unterhält zusätzlich über das Nervensystem funktionelle Verbindungen zu anderen Körperbereichen, die durch zahlreiche Wechselwirkungen durchaus beeinträchtigt werden können.

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3. Die Rolle von Kaumuskulatur und Kiefergelenk beim Zähneknirschen


Kaumuskulatur und Kiefergelenk bilden eine funktionelle Einheit, die aus vier Skelettmuskeln besteht. Diese sind maßgeblich am Kauakt beteiligt. Unterschieden wird zwischen denjenigen Kaumuskeln, die für das Schließen des Mundes verantwortlich sind und solchen, die das Öffnen veranlassen. Beides zusammen bringt den Kauvorgang in Bewegung.

  • Zu den Kieferschließern gehört der Musculus masseter (Kaumuskel) sowie der Musculus temporalis (Schläfenmuskel). Beide sind Kieferschließer, wobei M. temporalis zusätzlich die Funktion hat, den Unterkiefer zurückziehen zu können.
  • Am Öffnen des Kiefers sind der Musculus pterygoidei medialis und der Musculus pterygoidei lateralis beteiligt. Sie sind hauptsächlich für das Vorschieben vom Kiefer und für Mahlbewegungen nach links und rechts zuständig.

Überbelastungen des Kiefergelenks und Überspannungen der Kaumuskulatur sorgen für Schmerzen

Eine Überbelastung der Kieferschließer M. masseter, M. temporalis und der Mm. pterygoidei können heftige Schmerzen auslösen. Auf unseren Kiefer wirken enorme Kräfte ein, bei denen es zu Überspannungen in der gesamten Gesichtsmuskulatur und dem Kiefergelenk kommt.

Wenn wir vermehrt weiche Nahrung zu uns nehmen und nicht mehr richtig den Mund aufmachen, verkümmert unser Öffnungswinkel mit der Zeit.

Dadurch nimmt die Beißkraft ab und die Kaumuskeln „verkürzen“ allmählich. Die angestaute Kraft setzt sich in den Muskeln fest und entlädt sich nachts, indem wir die Zähne fest aufeinanderpressen.

An dieser Stelle kommt in der Kieferheilkunde oft die Schienentherapie mit Kunststoff-Schiene zum Einsatz. Sie soll den Abrieb der Zähne verhindern. Ist die Zahnsubstanz wie beispielsweise der Zahnschmelz erst einmal angegriffen, nehmen auch weitere Zahnprobleme wie Karies und empfindliche Zähne oder Zahnfleisch zu. Aufgrund der Überspannungen, die meist schon längere Zeit bestehen, kommt es häufig zu einer Fehlsteuerung des Kiefergelenks, die auch craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) genannt wird. Muskel- und Gelenkfunktionen sind fehlreguliert, sodass das Kräftegleichgewicht gestört ist. Diese Fehlstellung kann Auslöser für weitere Störungen sein.

3.1. Gesunder Kiefer, gesunder Körper

Um zu verstehen, wie wichtig ein gut funktionierendes Kiefergelenk für deine Gesundheit ist, verraten wir dir noch ein paar harte Fakten. Nur so kannst du nachvollziehen, warum deine Schmerzen teilweise deinen ganzen Körper betreffen.

Das Kiefergelenk ist das komplizierteste Gelenk im menschlichen Körper. Beim Kauen muss es äußerst komplexe Bewegungen ausführen.

Die Zweiteilung in das linke und das rechte Kiefergelenk hilft bei der Mahlbewegung beim Zerkleinern der Nahrung. Die richtige Ausführung der Kieferbewegungen wird über die Sensomotorik des Körpers gesteuert.

Sogenannte „Mechanosensoren” in der Schleimhaut, den Zähnen und in der Kaumuskulatur sind hierfür zuständig. 6)

Gerät das Kausystem jedoch durch Überlastungen der Muskulatur außer Kontrolle, ist auch die Sensomotorik des Kiefergelenks gestört. Hier sind insbesondere Faszien für bestimmte Aufgaben wie Fixierung, Stabilisierung und Übertragung muskulärer Kräfte verantwortlich sind. 7)

Überspannte Muskeln und verklebte Faszien können körperliche Funktionen lahmlegen

Wenn die Muskulatur und das sie umgebende Fasziengewebe überlastet sind, kann dies wiederum Auswirkungen auf andere Funktionssysteme haben, die unmittelbar mit dem Kauapparat verbunden sind. Denn über Muskeln und Nervenbahnen ist das Kiefergelenk beziehungsweise der gesamte Kauapparat mit dem Kopf, dem Gehirn beziehungsweise Hirnstamm und der Wirbelsäule verbunden. Daran wird deutlich, was passiert, wenn das Kausystem nicht mehr angemessen funktioniert: Schmerzen äußern sich dann an Kopf und Hals sowie im Schulterbereich.

3.2. Beinlängendifferenz durch Fehlstellungen des Kiefergelenks?

Wusstest du, dass Beckenschiefstand mit Beinlängendifferenz und Skoliose der Wirbelsäule zu 80 Prozent durch Okklusionsstörungen (Störungen der harmonischen Verzahnung von Ober- und Unterkiefer) und der damit einhergehenden CMD entstehen? 8). Auslöser hierfür ist eine ungleichmäßige Belastung der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks: Verändert sich die Bisslage von Oberkiefer und Unterkiefer über längere Zeit, werden die Muskeln unterschiedlich stark beansprucht. Überspannte Muskeln und unnachgiebig gewordene Faszien der Kaumuskulatur verursachen Schmerzen und signalisieren dir, dass etwas nicht nach Plan läuft.

Bei einer anhaltenden Funktionsstörung des Kiefergelenks wird vor allem das Iliosakralgelenk, das über Muskelfunktionsketten mit dem Kiefergelenk verbunden ist, stark beeinträchtigt. Auf Dauer kommt es zu einer Fehlhaltung deines gesamten Bewegungsapparates.

Wenn du also die Diagnose einer Beinlängendifferenz bekommen hast, solltest du dein Kiefergelenk und die Stellung deines Bisses in einer weiterführenden Diagnostik überprüfen lassen.

Dein Orthopäde wird dir dann vermutlich zu einer Einlage raten, die deine Beinlängendifferenz ausgleichen soll. Dies wird dir auf Dauer aber wahrscheinlich nicht helfen, denn auch hier wird nicht an der Ursache angesetzt, sondern nur das Symptom kaschiert.

3.3 Zähneknirschen und Hirnstamm

Wie gesagt: Bei einer Funktionsstörung des Kiefergelenks leiden die Betroffenen häufig unter vielfältigen Beschwerden. Aufgrund der überspannten Muskulatur und den verklebten, das Gelenk umgebenden Faszien wird ein ganzheitliches System aus den Angeln gehoben. Betrachtungen unseres Körpers zeigen das Ausmaß dieser Funktionsstörung.

Eine erworbene Fehlbelastung, die an der Gesichts- beziehungsweise Kiefermuskulatur beginnt, zieht aufgrund von Fehlsteuerungen weitere Fehlschaltungen im Organismus nach sich. 

Störungen des fünften Hirnnervs

Die Nervenbahnen geben über den Trigeminusnerv, den fünften Hirnnerv, Signale über den Hirnstamm weiter. Von diesem werden auch andere Körperfunktionen gesteuert, unter anderem die Funktionen der Atemwege (Atmung), der Blutdruck und die einzelnen Reflexe.

Er gilt als Schaltzentrale und ist deshalb auch so angreifbar. Liegen mehrere Nervenbahnen nebeneinander und behindern sich aufgrund von Fehlregulierungen, kann es zu erheblichen Einschränkungen im gesamten System kommen. Diese Komplexität erklärt, warum es so schwer ist, ein Symptom alleine zu betrachten und auf Grundlage dessen eine Therapie anzusetzen!

Hirnnerv und Muskelverspannungen

Reagiert dein Trigeminusnerv gereizt und sendet Alarmsignale an den Hirnstamm aus, entstehen Reiz-Projektionen in anderen Bereichen, wie etwa im Innenohr oder beim Gleichgewichtssinn. Da der Hirnstamm unmittelbar in das Rückenmark übergeht, das wiederum die komplette Skelettmuskulatur steuert, können die verschiedensten Bereiche in ihrer Funktionsweise negativ beeinträchtigt sein.

Der Hirnstamm reguliert unter anderem die Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur. Hier treten schmerzhafte Verspannungen der Muskulatur als Folge der Fehlsteuerung auf.

So verursacht ein Fehlbiss in einigen Fällen auch eine Muskelstörung der Kreuzdarmbeine, was eine Beinlängendifferenz nach sich ziehen kann. Diese ist jedoch reversibel, sobald die Fehlfunktion im Kiefergelenk behoben wird. Das Problem ist jedoch, dass zwischendurch viel Zeit bei einer orthopädischen Behandlung verstreicht, die nicht an der eigentlichen Ursache ansetzt. So können sich Schädigungen an der Wirbelsäule entwickeln und auch die Bandscheiben belastet werden. Langfristig kann es bei einem Beckenschiefstand mit Beinlängendifferenz daher zur oben erwähnten Skoliose kommen.

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4. Behandlung von Zähneknirschen


Beim Kieferpressen und Zähneknirschen gilt es, das komplexe System unseres Körpers zu verstehen und ganzheitlich zu betrachten. Leider behandeln zu viele Ärzte mit ihren Maßnahmen die Symptome, anstatt das Problem an der Wurzel zu packen. Möglicherweise bist auch du mit den konventionellen Behandlungsmethoden gescheitert? Wir sagen dir, warum!

4.1. Die üblichen Behandlungsmethoden bei Zähneknirschen

  • Schienentherapie mit Schiene aus Kunststoff, Aufbissschiene (sie beugt einem Abrieb des Zahnschmelzes vor und minimiert das Risiko, weitere Folgeschäden davonzutragen; Veränderung der Zahnführung; die Okklusionsschiene wird meist von den Krankenkassen übernommen)
  • Medikamente wie Muskelrelaxanzien, um die überspannten Muskeln und Faszien zu beruhigen (wirkt zwar akut, aber nur für die Dauer der Anwendung und bringt mitunter starke Nebenwirkungen mit sich)
  • Botulinumtoxin (Botox, kurzfristig für Muskelentspannung im Kiefer, schwächt aber praktisch nur den Muskel für circa sechs Monate und ist mit 400 Euro pro Behandlung kostspielig!)
  • Physiotherapie (kann helfen, ist aber unheimlich zeitintensiv und du bist an feste Termine gebunden; davon haben wir doch alle schon genug, oder?!)
  • Psychotherapie (Stress beziehungsweise psychische Belastung und Anspannung können auf einer anderen Ebene abgebaut werden, Atmungsstörungen lassen häufig nach, die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung steigt)

4.2. Ursachen behandeln — zahnmedizinische Spätfolgen umgehen

Die Folgen von einem nicht behandelten Bruxismus (Bruxism) können für die Patienten und deren Zähne weitreichend sein. Wird dauerhaft mit den Zähnen geknirscht beziehungsweise werden die Zähne mit starkem Druck fest aufeinandergepresst, kann dies nicht nur die Zahnoberfläche und Zahnsubstanz zerstören, sondern allgemein für Entzündungen im gesamten Mundraum sorgen 9) Bei manchen Knirschern bedarf es im Extremfall auch Zahnersatz oder neuer Füllungen. Hierbei sind nicht nur einzelne Zähne betroffen, sondern auch der Zahnhalteapparat, ganze Zahnreihen, das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur.

Die Forschung belegt, dass die Symptome einer Dysfunktion der Kiefergelenke (CMD) umso umfangreicher werden, je länger sie besteht und nicht behandelt wird. Außerdem kommen im Zeitverlauf immer mehr Schmerzpunkte hinzu 10)

Auffällig ist außerdem, dass die Ursachen und Auswirkungen in Wechselwirkung treten können. Stress kann den Betroffenen belasten und zu Kieferpressen und Zähneknirschen verleiten. Umgekehrt kann Kieferpressen und Zähneknirschen, vor allem aufgrund der Schmerzen, zu Stress und seelischer Belastung führen.

Entgegen der üblichen Behandlungsansätze haben wir die Vision, dich gänzlich von den Ursachen deiner Schmerzen zu befreien. Die Überbelastung deines Kiefergelenks durch muskuläre und fasziale Überspannungen muss abgebaut werden, um dich auch langfristig von deinen Schmerzen zu erlösen. Wie du das mit einfachen Übungen und ein paar Minuten täglich schaffen kannst, liest du im letzten Kapitel.

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5. Zähneknirschen mit unseren Übungen loswerden


Wir wissen, dass du einiges ausprobiert hast, doch selbst die Aufbissschiene (auch als Knirscherschiene oder Okklusionsschiene bekannt) hilft dir nicht wirklich bei der Behandlung deiner Schmerzen. Sie erfüllt zwar ihren Zweck und schützt deine Zähne und die Zahnoberfläche vor unbewussten Kaubewegungen, behebt aber nicht die Ursache deiner Beschwerden. Weder kann sie etwas gegen deine Kopfschmerzen bewirken noch bei Verspannungen in Rücken-, Nacken- und Schultermuskulatur helfen. Die Fehlfunktion deiner Kiefergelenke durch überspannte Kaumuskeln und verklebte Faszien muss behoben werden. Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht setzt genau hier an und zeigt dir einfache Übungen, mit denen du Überspannungen deiner Gesichtsmuskulatur abbaust und ihnen langfristig vorbeugst.

Mach den Mund auf: Für einen Abbau der Überspannungen ist es wichtig, dass wir wieder den Mund aufmachen. Viel zu häufig pressen wir, ob bewusst oder unbewusst, die Zähne aufeinander. Dadurch verändert sich der Öffnungswinkel und unser Kiefergelenk ist in seiner Funktionsweise deutlich eingeschränkt. Die verkürzte Muskulatur und die verfilzten Faszien führen dauerhaft zu den beschriebenen Begleiterscheinungen an Gebiss, Zähnen und deinem gesamten Körper.

5.1. Faszien-Rollmassagen und Übungen gegen dein Zähneknirschen

Patientin führt Übung mit Mini-Kugel an Kaumuskulatur aus

1.Übung: Faszien-Rollmassage mit der Mini-Kugel

  • Mit dieser Faszien-Rollmassage kannst du die Regeneration deiner verfilzten Faszien im Kieferbereich ankurbeln und viel Spannung aus dem gesamten System nehmen.
  • Setze dich dafür auf einen Stuhl und nimm die kleine Faszien-Kugel zur Hand. Mit der Kugel massierst du deinen Unterkiefer.
  • Greife die Kugel am besten mit beiden Händen und suche am Unterkiefer diejenigen Schmerzpunkte, die am empfindlichsten sind. Führe dort spiralförmige Bewegungen aus und gehe Schritt für Schritt mit konstant hohem Druck mit der Kugel am Unterkiefer entlang.
  • Behandele beide Seiten deines Unterkiefers gleichermaßen. Mit langsamen, kreisenden Bewegungen löst du die Verfilzungen an den Faszien und das Gewebe kann sich wieder entspannen.
Eine Frau massiert ihre Schläfe mit der Mini-Faszienrolle.

2. Übung: Faszien-Rollmassage mit der Mini-Rolle 

  • Nimm die Mini-Rolle mit beiden Händen und setze sie an deiner Schläfe an.
  • Rolle langsam, aber mit ausreichend Druck, von oben bis zum Ohr.
  • Führe auch diese Übung an beiden Seiten aus.

Diese beiden Faszien-Rollmassagen erhöhen langfristig die Geschmeidigkeit deiner Faszien. Sie bilden die Grundlage für die folgende Übung.

Patientin führt Übung gegen Bruxismus aus und unterstützt die Mundöffnung mit einer Hand am Kinn und der anderen an der Stirn

 3. Übung: Mund auf — Überspannung raus

  • Arbeite auch bei dieser Übung mit beiden Händen.
  • Es geht darum, deinen Mund wieder zu öffnen und eine Dehnung in dein Kiefergelenk zu bekommen.
  • Halte hierfür mit einer Hand deine Stirn und mit der anderen dein Kinn fest.
  • Öffne den Mund so weit es geht und unterstütze mit deinen Händen die Öffnung.
  • Halte die Öffnung zwei bis zweieinhalb Minuten bei und atme tief ein und aus. Du wirst merken, wie sich eine intensive Dehnung im Kiefer breitmacht.

Wenn du merkst, dass dir diese Übung hilft, teste unbedingt auch unseren Premium-Übungsbereich 30 Tage kostenfrei. Dort findest du noch mehr Übungsvideos für alle Körperbereiche und du kannst dir dein persönliches Schmerzfrei-Programm zusammenstellen. Deinen persönlichen Kieferretter gegen Kieferpressen und Zähneknirschen kannst du ab sofort in unserem Online-Shop bestellen.

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5.2. Auf regelmäßiges Üben kommt es an

Unsere große Vision ist es, dich langfristig von deinen Schmerzen zu befreien und dir so viele Informationen an die Hand zu geben, dass du dir selbst helfen kannst. Auch bei Krankheiten und umfangreichen Beschwerde-Bildern ist es wichtig, nicht den Mut zu verlieren und die Suche nach der Ursache deiner Symptome nicht frühzeitig abzubrechen.

Denn kennst du die Ursache für deine Beschwerden, ist deine Chance, schmerzfrei zu werden, sehr hoch.

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