Hypermobilität — Risiken erkennen, Chancen nutzen

Ein muskulöser Mann in kurzen grauen Shorts und freiem Oberkörper kann sich aufgrund seiner Hypermobilität extrem verbiegen. Der Kopf zeigt fast um 90 Grad nach oben, Hüfte und Beine bilden beinahe eine gerade Linie, der Rumpf ist komplett verdreht.

© fizkes | shutterstock.com

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Symptome, Ursachen und effektive Selbsthilfe auf einen Blick

Du kannst deinen Kopf um fast 180 Grad drehen oder mit deinem Handgelenk atemberaubende Verrenkungen vollführen? So beeindruckend solche „Kunststücke“ für andere sein mögen, so sehr hast du womöglich mit den Folgen deiner überbeweglichen Gelenke zu kämpfen. Denn Hypermobilität wird in der klinischen Praxis oft entweder nicht erkannt oder per se mit einer Schädigung bzw. Krankheit gleichgesetzt.

Dieser Artikel plädiert für einen Mittelweg: Wir nehmen Hypermobiltät als möglichen Grund deiner Beschwerden ernst, verdeutlichen dir aber auch die Chancen, die in der großen Beweglichkeit deines Körpers liegen. Konkret erfährst du,

  • was Hypermobilität genau ist und welche unterschiedlichen Formen es gibt,
  • worin häufig die Ursachen für die Beschwerden liegen,
  • welche Symptome damit in Verbindung stehen können,
  • wie Diagnostik und Behandlung herkömmlicherweise aussehen und
  • wie du dir mit einfachen Übungen für zuhause selbst helfen kannst.
Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

Mehr über Roland Liebscher-Bracht

1. Hypermobilität — Fluch oder Segen?


Ein gelenkiger Körper ist Fluch und Segen zugleich. Wenn du dich schon länger mit deiner Hypermobilität (engl.: Hypermobility) und ihren Folgen beschäftigst, weißt du bestimmt, was wir damit meinen. Geschmeidigkeit und Bewegungstalent werden oft mit Vergnügen, Lebensfreude und Gesundheit assoziiert — sei es beim Tanz, im Zirkus oder im Rahmen des Leistungssports. Doch was für Akrobaten, Eiskunstläufer oder Turner oft die Grundlage ihres Lebensunterhalts und das Ergebnis harten Trainings darstellt, kann für manchen „Normalo“ unter uns zu einem echten Problem werden.

Die Vorstellung, dass Hypermobilität per se etwas Gutes sei, macht nämlich vor der klinischen Praxis nicht halt. So stehen viele Ärzte und Therapeuten bei ihren hypermobilen Patienten vor einem Rätsel. Weite Teile der Medizin konzentrieren sich nunmal seit jeher auf Bewegungseinschränkungen, Steifigkeit und Blockierungen. Die Folge: Hypermobiltät wird übersehen, Symptome werden fehlgedeutet und die passende Behandlung bleibt aus. 1) Hinzu kommt: Da viele Betroffene nicht krank aussehen und Röntgen, MRT oder Blutuntersuchung meist ohne Befund bleiben, werden sie allzu schnell als Hypochonder oder faul abgetan. Da verwundert es nicht, dass Patienten mitunter verzweifelt, ängstlich oder depressiv reagieren. 2)

Zu Unkenntnis, Unverständnis und einer generell positiven Sicht auf Überbeweglichkeit kommen unnötige Dramatisierungen am anderen Ende der Bewertungsskala. Hypermobilität wird aus dieser Perspektive grundsätzlich als etwas Krankhaftes betrachtet. Die Tatsache, dass viele hypermobile Menschen sehr gut mit ihrer Überbeweglichkeit leben und die Folgen der vermeintlichen Krankheit hervorragend kompensieren können, geht dabei vollkommen unter.

Wir möchten dich deshalb ermutigen, Hypermobilität als Chance zu begreifen. Das bedeutet nicht, deine vielleicht vorhandenen Beschwerden zu verharmlosen. Im Gegenteil.

📌 Deine Chance: Du bist kein Wikinger

Aus der Faszien-Forschung wissen wir, dass der menschliche Körper von Natur aus ein sehr geschmeidiges Bindegewebe (Faszien sind der elastische Teil des Bindegewebes) aufweisen kann. Ist das Bindegewebe bei Menschen demgegenüber stark und fest, spricht die Faszien-Forschung von „Wikingern.“ Einen solchen Wikinger-Körper beweglich und schmerzfrei zu halten, ist richtig harte Arbeit. Fällt der nötige Ausgleich für einseitige Bewegungsmuster weg, kommt es in dieser Gruppe schnell zu Beschwerden im Bewegungsapparat: Schmerzen, Bandscheibenschäden oder Arthrosen sind die Folgen, von denen wir täglich hören und deren Krankheitsbilder wir längst als Normalität anerkannt haben.

Warum sich deshalb die Einschätzung „hypermobil“ — zumindest bei leichten bis mittleren Formen — an einem völlig falschen Maßstab orientiert und welche Chancen sich dadurch für dich ergeben, erklärt dir Roland im folgenden Video: 

Unser Schmerzspezialist bringt es im Video auf den Punkt: Liegt bei dir keine Grunderkrankung vor, kannst du deinen hypermobilen Körper mit gezieltem Spannungsaufbau und cleverem Krafttraining so in Funktion bringen, dass er bei voller Beweglichkeit ein Leben lang schmerzfrei arbeitet. Wie das geht, verraten wir dir im Kapitel zur Behandlung und im Übungsteil.

2. Formen von Hypermobilität und ihre Ursachen


Hypermobilität — die erhöhte Beweglichkeit einer oder mehrerer Gelenke — ist weiter verbreitet, als du vielleicht glaubst. Ihr Vorkommen wird in Deutschland auf etwa zehn Prozent geschätzt, wobei Frauen und junge Menschen deutlich überrepräsentiert sind. 3) Dies gilt zumindest für die sogenannte konstitutionelle Hypermobilität.

Konstitutionelle Hypermobilität — Was ist das?

Besonders in der englischsprachigen Literatur wird Hypermobilität (Joint Hypermobility Disorder) häufig als Krankheitszustand behandelt. Geht die übermäßige Beweglichkeit mit Beschwerden einher, sprechen einige Mediziner auch hierzulande von einem Hypermobilitätssyndrom. Sachse und Janda, zwei führende Forscher auf dem Gebiet der Hypermobilität, bevorzugen hingegen die Bezeichnung konstitutionelle Hypermobilität.

Ein junges blondes Mädchen sitzt gut gelaunt im Schneidersitz in einer Turnhalle

© Igor Smirnoff | shutterstock.com

Diese Sichtweise richtet ihr Augenmerk auf deine gesamte körperliche Verfassung — die Konstitution. Eine relativ große Beweglichkeit gilt hier als unabänderliches Merkmal deiner Natur, das lebenslang erhalten bleibt.

„Für diese Hypermobilität findet sich kein pathologischer Hintergrund, keine neurologischen oder orthopädischen Krankheiten. […] Die starke Beweglichkeit besteht von Kind auf und und bleibt als Bewegungstyp im Erwachsenenalter bestehen. Die meisten […] bleiben beschwerdefrei, von besonderen Belastungssituationen abgesehen.“ 4)

Ausschlaggebend für die hohe Beweglichkeit sind  zwei verschiedene Faktoren:

  • ein sehr geschmeidiges Bindegewebe mit schwachen Sehnen und Bändern sowie
  • eine zu geringe Muskelspannung (muskuläre Hypotonie), oft begleitet von schwach ausgeprägter Muskulatur (Hypotrophie) — jeweils ohne bestehende Grunderkrankung.

Die entscheidende Frage ist also: Unter welchen Umständen löst diese allgemeine Form der Hypermobilität Beschwerden aus? Wie erkennt man das? Und was kannst du als „geschmeidiger“ Typ selbst dagegen tun? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der folgenden Absätze und Kapitel. Zuvor widmen wir uns noch weiteren Ursachen von Hypermobilität und einigen Sonderformen der Bindegewebsschwäche.

Zu sehen ist das Modell eines DNA-Abschnitts.

Hypermobilität im Rahmen von Erbkrankheiten

Nicht immer ist Hypermobilität unabhängig von krankhaften Prozessen in deinem Körper. So kann eine Überbeweglichkeit der Gelenke im Rahmen des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) und des Marfan-Syndroms (MFS) auftreten. Dabei handelt es sich um Erbkrankheiten, bei denen angeborene Enzymdefekte eine Schlaffheit des Bindegewebes (Bindegewebsschwäche) auslösen und mitunter zu einem stark ausgeprägten Krankheitsbild führen.

EDS-Patienten leiden unter

  • einer überdehnbaren, trockenen und äußerst empfindlichen Haut sowie
  • weichem, brüchigem Körpergewebe in den Sehnen bzw. der Gelenkkapsel, wodurch
  • eine Instabilität der Gelenke entsteht.

Die Medizin konnte verschiedene Ausprägungen des Ehlers-Danlos-Syndrom identifizieren, denen sechs Krankheitstypen zugeordnet werden. Am häufigsten kommt der hypermobile Typ vor (hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom = heds). Bei einem kleinen Prozentteil der Patienten mit heds wurden Mutationen auf dem Gen Tenascin-X-B (TNXB) festgestellt. Da die Symptome bei dieser Form weitgehend mit denen der konstitutionellen Hypermobilität übereinstimmen, ist ein Nachweis der Erkrankung ausschließlich auf genetischer Ebene möglich.

Betroffene mit Marfan-Syndrom sind

  • oft überdurchschnittlich große und schlanke Typen,
  • haben sehr lange Extremitäten und
  • zeigen häufig Fehlbildungen der Wirbelsäule.
  • Zudem sind Herz, Blutgefäße, Lunge und Augen bei dieser Erkrankung extrem verletzlich und
  • die Patienten haben mit ständig herausspringenden Kniescheiben oder ausgekugelten Schultern (Luxationen oder Subluxationen) zu kämpfen.

Viele Beschwerden entwickeln sich meist erst in der Pubertät und nehmen im Erwachsenenalter nochmals zu. Dann stellen chronische Schmerzen an Muskeln und Gelenken neben Augenproblemen die häufigsten Einschränkungen dar. 5)

Detaillierte Informationen zum EDS liefert dir diese Spezial-Seite. Alles, was du über MFS wissen musst, erfährst du bei der Marfan Hilfe (Deutschland) e.V. Wenn du selbst betroffen bist, dich schon gut auskennst und bereits zahlreiche Behandlungsmethoden in Anspruch nimmst, kann unser Angebot dir vielleicht neue Ideen und Impulse liefern. Mit Dehn-/Kräftigungsübungen und Faszien-Rollmassagen kannst du versuchen, deine Muskelkraft zu erhalten, Faszien zu straffen, Schmerzen zu lindern und die Stabilität deiner Gelenke zu verbessern.

Schwangere fasst sich an rot markierten Rücken

© Coffeemill | shutterstock.com

Weitere Ursachen

Neben der allgemein-konstitutionellen und der krankheitsbedingten Hypermobilität kann eine Gelenküberbeweglichkeit auch weitere, durchaus überraschende Ursachen haben.

Hormonelle Veränderungen, beispielsweise in der Schwangerschaft, führen ganz natürlich zu gelockerten Bändern im Beckenbereich, um den späteren Geburtsvorgang zu erleichtern. Da dies auch die Bänder im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) betrifft, kommt es bei Schwangeren dort oft zu Schmerzen.

Wie bereits erwähnt, kann intensive sportliche Betätigung zur Entstehung einer Hypermobilität (Gebrauchs- oder Leistungshypermobilität) beitragen. Auch sogenannte Schlangenmenschen, die ihren Körper extrem biegen können, haben ihre „Gummi-Gelenke“ dank jahrelangem Training erworben. Beschwerden ergeben sich hier vor allem dann, wenn der Sport oder die Akrobatik nicht mehr betrieben wird. Bildet sich nämlich die antrainierte Muskulatur zurück, verlieren die schwachen, überdehnten Bänder ihren Schutz — Schmerzen sind dann auch bei Schlangenmenschen vorprogrammiert.

Schließlich können auch Unfälle zu instabilen Bändern führen, woraus eine Hypermobilität im betroffenen Bereich resultiert. Ist nur ein bestimmter Abschnitt des Bewegungsapparates überbeweglich — etwa die Schulter oder die Halswirbelsäule –, spricht man von lokaler Hypermobilität. Diese kann sich auch als Folge rheumatischer Erkrankungen wie Arthritis herausbilden. Klingt zum Beispiel die rheumatische Entzündung und damit die Schwellung an einem Gelenk ab, können die Kapseln und Bänder danach schlaff und locker sein.

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3. Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität


Egal, worin die konkreten Ursachen einer Hypermobilität liegen: Das Spektrum an Symptomen und möglichen Beschwerden ist breit. Wird die konstitutionelle Hypermobilität zu einem „krankmachenden“ Faktor, kämpfen Betroffene oft mit chronischen Beschwerden.

  • Gelenkinstabilität, generalisierte Schmerzen und Erschöpfung gelten als Leitsymptome. Dabei treten die Gelenkschmerzen überdurchschnittlich oft an der Lendenwirbelsäule auf, doch auch die Hals- und Brustwirbelsäule können betroffen sein. 6) Hypermobile Patienten klagen dann über brennende oder klopfende Schmerzen an der HWSKopfschmerzen, einen steifen Nacken und Nackenschmerzen.
  • Häufig kommen weitere gesundheitliche Probleme wie Hernien (Brüche im Bereich der Eingeweide), Blutergüsse, Dehnungsstreifen, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen der Dickdarm-Schleimhaut hinzu. Typischen Beschwerden einer Craniomandibulären Dysfunktion und starke Gesichtsschmerzen bis hin zu einer Trigeminusneuralgie sind möglich.
  • Viele Patienten berichten ihrem Arzt bei der Untersuchung auch von einem ständigen Durstgefühl und einem Heißhunger auf salziges Essen.
  • Erhöhte Nervosität, Schlafstörungen oder Ängste sind ebenfalls mögliche Begleiterscheinungen eines Hypermobilitätssyndroms.

Gelenk- und Muskelschmerzen

Da Schmerzen im Bewegungsapparat die häufigste Form hypermobilitätsbedingter Beschwerden darstellen, verdienen sie einen genaueren Blick. Wodurch kommt es hier zu den Schmerzen? Welche Tätigkeiten lösen sie aus? Und worin liegen die Risiken, wenn du nicht rechtzeitig gegensteuerst? Antworten darauf bekommst du jetzt.

Woher kommen die Schmerzen?

Bemerkst du bei einer Gelenkhypermobilität Schmerzen an einem oder mehreren Gelenken deines Körpers, ist fast immer die erhöhte Nachgiebigkeit der Faszien schuld. Diese betrifft vor allem Sehnen und Bänder, aber auch die bindegewebigen Strukturen von Gelenkkapsel und Knorpel. Die Bänder sind dabei oft verlängert und überdehnt, die Kapsel ist gelockert.

Da die Gelenke nun zu wenig durch das Bindegewebe gesichert werden, ist eine stärkere Haltearbeit der — oft bereits geschwächten — Muskulatur nötig. Um die drohende Instabilität aufzufangen, erhöhen die Muskeln ihre Spannung immer mehr. Irgendwann ist die Überlastung allerdings so groß, dass die Spannungserhöhung auch in Ruhephasen nicht aufgegeben“ 7) wird.

„Wenn im Rahmen einer konstitutionellen Hypermobilität Schmerz auftritt, steht demnach (Anm. d. Autors) der Belastungs- und Ermüdungsschmerz an erster Stelle. 8)

Ein Mann hält sich vor Schmerzen die Lendenwirbelsäule, die als Folge seiner Hypermobilität überlastet ist

Diesen Überlastungs- und Ermüdungsschmerz bemerkst du vor allem abends, er kann dich bei schweren Verläufen aber auch schon im Laufe des Tages quälen. Leidest du dagegen (zusätzlich) unter einem morgendlichen Anlaufschmerz, könnte sich dahinter eine Arthrose verbergen. Mehr darüber liest du weiter unten, wenn es um mögliche Komplikationen und Spätfolgen aufgrund von Hypermobilität geht.

Welche Tätigkeiten lösen die Schmerzen aus?

Bei vielen hypermobilen Patienten mit LWS-Syndrom können bestimmte Haltungsbelastungen die Schmerzen auslösen: häufiges Sitzen, Autofahren, monotone Garten – oder Haushaltsarbeit im Stehen, sogar ein gemächlicher Einkaufsbummel. Liegen die Probleme eher im Bereich von Halswirbelsäule oder Nacken, sind dafür meist ein permanent überstreckter Kopf und eine überlastete Muskulatur des Schultergürtels verantwortlich. Einseitige Büro-Arbeit vor dem PC gilt hier als Ursachen-Klassiker — das ist bei „Wikingern“ nicht anders als bei dir. 9)

Bei jungen Patienten sind die Schmerzen demgegenüber fast nur belastungsabhängig. Besonders tückisch ist, dass die übermäßige Beanspruchung während der Aktivität oft unbemerkt bleibt:

„Das Fußballspiel kann schnell und schmerzfrei absolviert, der Umzug gestemmt, die Party getanzt werden. Darauf aber folgt eine zunehmend verlängerte und schmerzhafte Erschöpfungs- und Erholungsphase, oft über mehrere Tage.“ 10)

Risiken und Spätfolgen

Hypermobilität kann nicht nur zu sehr unangenehmen Überlastungsschmerzen und chronischer Erschöpfung führen, sondern auch strukturelle Schäden in deinem Körper nach sich ziehen. Eine allgemein hypermobile Wirbelsäule neigt dazu, an bestimmten Stellen hypermobile Segmente mit permanenter Überdehnung auszubilden, die zu Blockaden in benachbarten Regionen führen. Genau dort kann es im Laufe der Zeit zu Bandscheibenvorfällen kommen, wenn die auf die Wirbelsäule einwirkenden Kräfte überhandnehmen. Jetzt droht massiver Schaden, den dein Körper mit der Schaltung von Alarmschmerzen verhindern möchte. Was dabei genau passiert, kannst du in unserem Spezial-Artikel zum Bandscheibenvorfall nachlesen.

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Im Bereich der Hals- und Wirbelsäule erhöht eine Hypermobilität  auch das Risiko des Wirbelgleitens (Spondylolysthese). Weiches Bindegewebe  begünstigt in diesem Fall eine Lockerung der Haltevorrichtungen deiner Wirbel am Wirbelbogen. Welche Prozesse daraufhin beim Wirbelgleiten ablaufen, erklären wir dir unserem Schmerzlexikon-Artikel dazu.

Chronische Kopfschmerzen und Migräne gelten ebenfalls als mögliche Folgen (Komorbiditäten) einer lange unbehandelten Hypermobilität. Wie du bestimmt weißt, sind ein brettharter Nacken und Spannungskopfschmerzen generell weitverbreitet. „Das Ausbalancieren und Stabilisieren des Kopfes auf dem Hals“ 11) stellt also schon „Wikinger“ und Personen mit gesunden Bandstrukturen vor echte Probleme. Für Patienten mit „überelastischen Bändern und Sehnen ist es eine kaum zu bewältigende Arbeit.“ 12) Die Folge: Muskeln im Hals- und Nackenbereich sind permanent überspannt, was zu unterschiedlichen Stufen von Kopfschmerzen führt — bis hin zur Migräne. Begleitend kann bei vielen Betroffenen eine Verschiebung des Atlaswirbels diagnostiziert werden, genauer gesagt eine atlanto-axiale Instabilität. Was sich dahinter verbirgt und wie du deinen Atlas wieder körpergerecht ausrichtest, liest du in unserem Beitrag zur Atlaskorrektur.

Bein eines Mannes mit Knieschmerzen, die durch rote Kreise symbolisiert werden. Kniegelenksarthrose ist eine häufige Begleiterscheinung bei Hypermobilität und verursacht Schmerzen im Knie

© Sergey Tinyakov | shutterstock.com

Die zu starke Überstreckbarkeit der Gelenke in alle Richtungen kann außerdem zu Lasten des Knorpels gehen. Grundsätzlich ist es für deine Gelenk-Gesundheit großartig, dass du so viele Gelenkwinkel einnehmen kannst. Das Problem bei der Hypermobilität ist jedoch, dass du den „Ausschlag“ in alle Richtungen meist nicht gezielt durchführst. Außerdem werden durch die Überdehnung „Knorpelstellen auf dauer stark belastest, die dafür gar nicht vorgesehen sind“. 13) An den betroffenen Gelenken kann es zu Entzündungen kommen, Arthrose kann entstehen. 14) Wenn du mehr über die Funktionsweise deines Knorpels erfahren willst, legen wir dir unseren großen Arthrose-Artikel ans Herz. Infos speziell zur Kniearthrose bekommst du hier, alles Wichtige zur Hüftarthrose hier.

Damit nicht genug: Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Hypermobilität ein Risikomerkmal für die Entstehung des Fibromyalgie-Syndroms darstellt — und dies bereits im Kindesalter. 15) Schmerzen an Füßen, Waden und der Patellasehne scheinen im Rahmen der Symptomatik ebenfalls gehäuft vorzukommen, gleiches gilt für das Karpaltunnelsyndrom. Gerade im Bereich des Handgelenks sind es ungewöhnliche Schlafstellungen, die bei hypermobilen Patienten leicht zu Druckschädigungen sensibler Strukturen führen können. 16)

4. Hypermobilität diagnostizieren


Wollen Ärzte und Therapeuten die Überbeweglichkeit ihres Patienten feststellen, stehen sie vor einem Grundproblem. Denn Hypermobilität ist immer relativ. Ihre Diagnostik braucht zwingend einen Vergleichswert, an dem sich die Untersuchungsergebnisse ablesen lassen.

Wo aber soll man die Grenze ziehen zwischen noch „normalen“ Werten und „schon“ hypermobilen Befunden?

Während bei der lokalen Hypermobilität einfach das Gelenk der anderen Körperseite als Vergleichsgröße dient, fällt diese Option bei der Bewertung einer generalisierten Hypermobilität weg. Der einzig mögliche Maßstab bleiben die durchschnittlichen Beweglichkeitswerte der Bevölkerung. Wie oben erwähnt, sind diese Werte jedoch keineswegs „normal“.

Herangezogen werden also keine „natürlichen“ Angaben, sondern die Ergebnisse einer bereits bewegungseingeschränkten Gesamtbevölkerung. Die Diagnose „Hypermobilität“ ist deshalb stets mit Vorsicht zu genießen.

Vielleicht bist du jetzt aber trotzdem neugierig, wie eine konstitutionelle Hypermobilität festgestellt wird, oder du möchtest dich selbst testen. Dann kannst du dich am Beighton Score orientieren. Dabei handelt es sich um einen Beweglichkeitstest, der in der klinischen Praxis häufig eingesetzt wird. Um das gesamte Bewegungsverhalten eines Patienten erfassen zu können, werden hier über den ganzen Körper verteilte Bewegungsprüfungen durchgeführt. So wird die Überstreckbarkeit an den kleinen Fingern, Daumen, Ellbogen, Knien und der Wirbelsäule getestet. Jeder einzelne Test fließt in das Gesamtergebnis ein und ermöglicht am Ende eine altersabhängige Übersicht über das Bewegungssystem des Patienten.

Beighton Score zur Diagnostik bei Hypermobilität

Einzeltest zur BeweglichkeitAuswertung
Kleiner Finger: passive Überstreckung über 90 Grad (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Daumen: passive Bewegung bis an den Unterarm (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Ellenbogen: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Knie: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Beugung der Wirbelsäule: Patient kann beide Handflächen bei durchgestreckten Knien am Boden ablegen1 Punkt
Hypermobilität liegt vor ab:

4 von 9 Punkten bei Erwachsenen jünger als 50 Jahre
3 von 9 Punkten bei Erwachsenen älter als 50 Jahre
5 von 9 Punkten bei Kindern
Maximalpunktzahl: 9 Punkte

Falls du dir unter den einzelnen Tests nur schlecht etwas vorstellen kannst, hilft dir dieses YouTube-Video bestimmt weiter. Auch wenn das Video in englischer Sprache ist, siehst du dort ganz konkret, wie die Gelenk-Prüfungen nacheinander durchgeführt werden und kannst dich direkt selbst testen:

Bitte beachte: Der Beighton Score gibt lediglich einen Hinweis darauf, ob der Patient hypermobil ist. Eine Aussage über bestehende Beschwerden sind damit nicht möglich. Zu diesem Zweck wurden die Brighton Criteria entwickelt. Sie erlauben es, Schmerzen, Instabilitäten oder internistische Symptome abzubilden. Damit lässt sich Überbeweglichkeit klarer als komplexes Phänomen mit einem spezifischen Krankheitsbild erfassen. Je nach Befund, „werden aus hypermobilen Menschen Patienten mit Hypermobilitätssyndrom.“ 17)

Brighton Criteria zur Diagnostik eines Hypermobilitätssyndroms

Kriterien
Hauptkriterien:
Positiver Beighton Score (siehe oben)
Schmerzen in vier oder mehr Gelenken seit über 3 Monaten
Nebenkriterien:
Beighton Score nur in wenigen Gelenken auffällig
Rückenschmerzen
Wirbelgleiten
Schmerzen in mindestens ein bis drei Gelenken
Mehrmalige Verrenkungen von Gelenken
Auffällig dehnbare Haut und andere Hautprobleme
Sehr schlanker Körperbau
Fallende Augenlider
Neigung zu Hernien (Bruch im Bereich der Eingeweide), Hämorrhoiden, Venenproblemen oder blauen Flecken
Bekannter Mitralklappenprolaps (meist angeborene Fehlbildung am Herzen), Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall) oder Rektalprolaps (Mastdarmvorfall mit Austritt der Darmwand aus dem After)
Der Test ist positiv ab:

2 Hauptkriterien
1 Hauptkriterium + 2 Nebenkriterien
4 Nebenkriterien
2 Nebenkriterien + familiäre Vorbelastung

5. Behandlung von Beschwerden bei Hypermobilität


Ob du nun „nur“ hypermobil bist oder nach einer Untersuchung auch die Kriterien des Hypermobilitätssyndroms erfüllst, spielt für unsere Behandlung nur eine untergeordnete Rolle. Im einen Fall kann dir unser Ansatz helfen, Schmerzen und anderen Beschwerden effektiv vorzubeugen. Im anderen Fall kannst du unsere Übungen vielleicht als Ergänzung deines bisherigen Therapieprogramms betrachten, die deine Schmerzen lindern und dich ein Stück weit unabhängiger von Ärzten oder Schmerzmitteln machen können.

Medikamente helfen nicht langfristig

Der Grundgedanke unseres Behandlungsansatzes lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“, weitestgehend ohne den Einsatz von Schmerzmitteln. Im Falle der Hypermobilität steht diese Maxime im Einklang mit der schulmedizinischen Sichtweise: Denn „Medikamente“, so heißt es in der Ärzte Zeitung, „helfen den Betroffenen meist nicht“. 18) Viel wichtiger sei in der Krankengymnastik die gezielte Tonisierung, also die Spannungserhöhung, Kräftigung und Straffung des muskulär-faszialen Netzwerks.

Eigenaktivität als Basis

Die Empfehlung, bei stabilisierenden Kräftigungsübungen auf die Eigenaktivität des Patienten zu setzen, deckt sich ebenfalls mit unserem Grundsatz.

„Der hypermobile Patient muss von Anfang an wissen, dass Selbstübungen hier zum festen Bestand des therapeutischen Vorgehens gehören.“ 19)

Das richtige „Krafttraining“

Schließlich können wir auch die in der Literatur zu findende Warnung unterschreiben, im Rahmen der Krankengymnastik nicht „blind“ auf reines Krafttraining zu setzen. 20) Sind nämlich bestimmte Muskeln deines Körpers als Reaktion auf hypermobile Nachbarbereiche extrem überspannt, kann eine zusätzliche Spannungserhöhung durch Krafttraining deine Schmerzen sogar verschlimmern. Um dies zu verhindern, arbeiten unsere Übungen mit einer Kombination aus Dehnung und sanfter Kräftigung mit moderaten Wiederholungen ein- oder zweimal täglich.

Eine Frau mit einer blauen Bandage an ihrem hypermobilen Ellenbogen

© Robert Kneschke | shutterstock.com

Das Problem mit Bandagen und co.

Skeptisch sind wir in Bezug auf alle Hilfsmittel, die deine überbeweglichen Gelenke von außen — und damit künstlich — stabilisieren sollen. Sicherlich profitieren Patienten in schweren Fällen von Bandagen, Schienen, Orthesen, einem Korsett oder gar einer stabilisierenden Operation. Meistens gilt aus unserer Sicht jedoch das, was wir auch bei Schmerzzuständen von „Wikingern“ immer wieder betonen: Bandagen und co. schieben das Problem nur auf die lange Bank und machen es dadurch manchmal sogar schlimmer. Die eigentliche Ursache — Überspannungen dort, ein schwaches muskulär-fasziales Gewebe hier — bleibt bestehen. Spätestens wenn das stabilisierende Hilfsmittel wieder weggelassen wird, können die Schmerzen zurückkehren.

6. Übungen bei Hypermobilität — So kannst du dir selber helfen


Zugegeben, die Liste an möglichen Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität ist ziemlich lang. Die gute Nachricht für dich lautet jedoch: Es muss nicht so weit kommen. In vielen Fällen kannst du mithilfe unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen gezielt gegensteuern. Übst und rollst du regelmäßig, stehen die Chancen gut, dass sich deine Symptome abschwächen und mögliche Komplikationen ausbleiben. Und selbst wenn du bereits chronische Rückenschmerzen, Arthrose oder einen Bandscheibenvorfall hast, kannst du mit unserem Behandlungsangebot nur gewinnen. Probiere es einfach aus, finde heraus, was dir gut tut, und gewinne die Kontrolle über deinen hypermobilen Körper zurück.

Wie gehst du jetzt am besten vor? 

Falls deine Schmerzen aufgrund der Gelenküberbeweglichkeit nicht so stark sind, dass du die Hilfe einer der von uns ausgebildeten Schmerzspezialisten benötigst, erzielst du mit unserem Selbsthilfe-Angebot die besten Ergebnisse. Solltest du unsere Vorgehensweise schon von anderen Schmerzzuständen kennen, gibt es bei der Behandlung deines Hypermobilitätssyndroms einige Besonderheiten, die du unbedingt beachten solltest. Dies gilt für unsere Übungen genauso wie für die Faszien-Rollmassage. Was ganz konkret wichtig ist und wie du Schritt für Schritt vorgehst, zeigt dir Roland Liebscher-Bracht in den folgenden beiden Videos.

Unter den Videos findest du jeweils eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, damit du sie immer wieder schnell nachlesen kannst. Ganz am Ende dieses Kapitels wartet schließlich eine Checkliste mit allgemeinen Tipps zur Durchführung unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen auf dich.

Los geht’s mit einer unserer Übungen. Am Beispiel eines hypermobilen Handgelenks verdeutlichen dir Roland und Ina, wie du Dehnung und Kräftigung clever miteinander kombinieren kannst.

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Schritt für Schritt: Die Übung zum Nachlesen

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk maximal, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen.

1. Setze dich auf die Knie und bringe das Handgelenk in die größtmögliche Dehnung, indem du deine Fingerspitzen in Richtung Knie zeigen lässt. Dein Ellenbogen sollte komplett durchgestreckt sein. In dieser maximalen Dehnung spannst du deine Muskulatur im Unterarm jetzt so fest es geht an — als wollten die Finger mit aller Macht in den Boden. Halte diese Maximalspannung für zehn Sekunden, ehe du die Spannung kurz herausnimmst.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist dabei nicht maximal, da die Patientin ihren Oberkörper leicht nach vorne nimmt.

2. Verkleinere jetzt den Dehnungswinkel, indem du mit deinem Oberkörper ein Stück nach vorne gehst. In dieser Position spannst du wieder voll an, drückst also Handfläche und Finger mit maximaler Kraft in den Boden. Halte auch diese Anspannung für zehn Sekunden.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist stark verringert, da die Patientin ihren Oberkörper nach vorne nimmt.

3. Nachdem du kurz locker gelassen hast, gehst du noch etwas weiter nach vorne. Drücke Handfläche und Finger ein letztes Mal so fest du kannst in den Boden, ehe du nach zehn Sekunden am Ende deiner Kräftigungsübung angekommen bist.

📌Übungen gegen Schmerzen bei Hypermobilität — das Grundprinzip

Du hast gar keine Schmerzen am Handgelenk? Keine Sorge, das oben gezeigte Prinzip gilt bei Hypermobilität für all unsere Übungen. Gehe am besten auf unseren YouTube-Kanal, suche nach demjenigen Schmerzzustand, der dir gerade die größten Probleme macht, und passe die dort gezeigte Dehnübung immer den Muskeln und Faszien deines hypermobilen Körpers an. Das heißt: Bei jeder Übung kombinierst du Dehnung mit Kräftigung, um nach und nach wieder Stabilität in dein System zu bringen. Drei Stufen sind dazu notwendig:

  1. Maximale Dehnung, maximale Anspannung
  2. Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung
  3. Weitere Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung

Auch bei unseren Faszien-Rollmassagen macht deine Gelenkhypermobilität ein besonderes Vorgehen nötig. Alle Einzelheiten verrät dir unser Schmerzspezialist in diesem Video:

Halten wir in puncto Faszien-Rollmassage bei Hypermobilität fest: Schnelles Hin- und Herrollen bringt deine Fibroblasten dazu, vermehrt Bindegewebe zu produzieren. Insbesondere dann, wenn bei dir eine Schwäche des Bindegewebes als Ursache der Hypermobilität in Frage kommt, kann eine Stimulation des faszialen Gewebes mithilfe der Rollmassagen vielversprechend sein. Denn je mehr Bindegewebe dein Körper rund um ein schmerzhaftes, hypermobiles Gelenk herstellt, umso stabiler werden die Verhältnisse in diesem Bereich. Gleichzeitig erreichst du mit dem Rollen auch eine Spannungserhöhung deiner Muskulatur. Beide Prozesse zusammen können — in Verbindung mit den oben beschriebenen Übungen — viele deiner Beschwerden mildern. Alle Vorteile unserer Faszienrollen und -kugeln siehst du hier auf einen Blick.

📌 Checkliste für die Liebscher & Bracht-Übungen

Damit bei deinen Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Kräftigung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Übung noch ruhig atmen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die Kräftigungs-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jede Übung solltest du insgesamt zwei bis zweieinhalb Minuten investieren.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und -intensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sollten die Schmerzen aufgrund der Übungen zunehmen, besteht kein Grund zur Panik. Eine Erstverschlimmerung kann eine normale Reaktion deines Körpers sein. Wenn sich deine gesamte Körperstatik durch regelmäßiges Training verändert, muss sich der Bewegungsapparat erst nach und nach daran anpassen. Geht es dir nach den Übungen aber dauerhaft schlechter statt besser, signalisiert dir dein Körper, dass du es womöglich übertreibst. Pausiere dann einfach für einen oder zwei Tage und/oder verringere bei deinen nächsten Übungseinheiten ein wenig die Intensität, um dich anschließend wieder in kleinen Schritten zu steigern. So führst du deinen Körper schonend an die für dich richtige Acht oder Neun auf der Schmerzskala heran.

Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse nicht selten sind. Die Fehlspannungen rund um deine Gelenke und die Bindegewebsschwäche können stark ausgeprägt sein. Es kann daher einige Wochen dauern, bis dein Gehirn neue Anspannungsprogramme für deine Muskeln speichert und die Fibroblasten in Fahrt kommen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, hast du gute Karten, dass deine Hypermobilität mit der Zeit immer weniger Beschwerden verursacht.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Üben und Rollen!

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Der Visionär

Roland Liebscher-Bracht

Rundes Bild, aufwärts vom Hals ab, von Roland Liebscher - Bracht lächelnd mit weißen Hintergrund

Symptome, Ursachen und effektive Selbsthilfe auf einen Blick

Du kannst deinen Kopf um fast 180 Grad drehen oder mit deinem Handgelenk atemberaubende Verrenkungen vollführen? So beeindruckend solche „Kunststücke“ für andere sein mögen, so sehr hast du womöglich mit den Folgen deiner überbeweglichen Gelenke zu kämpfen. Denn Hypermobilität wird in der klinischen Praxis oft entweder nicht erkannt oder per se mit einer Schädigung bzw. Krankheit gleichgesetzt.

Dieser Artikel plädiert für einen Mittelweg: Wir nehmen Hypermobiltät als möglichen Grund deiner Beschwerden ernst, verdeutlichen dir aber auch die Chancen, die in der großen Beweglichkeit deines Körpers liegen. Konkret erfährst du,

  • was Hypermobilität genau ist und welche unterschiedlichen Formen es gibt,
  • worin häufig die Ursachen für die Beschwerden liegen,
  • welche Symptome damit in Verbindung stehen können,
  • wie Diagnostik und Behandlung herkömmlicherweise aussehen und
  • wie du dir mit einfachen Übungen für zuhause selbst helfen kannst.
Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

Mehr über Roland Liebscher-Bracht
Ein muskulöser Mann in kurzen grauen Shorts und freiem Oberkörper kann sich aufgrund seiner Hypermobilität extrem verbiegen. Der Kopf zeigt fast um 90 Grad nach oben, Hüfte und Beine bilden beinahe eine gerade Linie, der Rumpf ist komplett verdreht.

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1. Hypermobilität — Fluch oder Segen?


Ein gelenkiger Körper ist Fluch und Segen zugleich. Wenn du dich schon länger mit deiner Hypermobilität (engl.: Hypermobility) und ihren Folgen beschäftigst, weißt du bestimmt, was wir damit meinen. Geschmeidigkeit und Bewegungstalent werden oft mit Vergnügen, Lebensfreude und Gesundheit assoziiert — sei es beim Tanz, im Zirkus oder im Rahmen des Leistungssports. Doch was für Akrobaten, Eiskunstläufer oder Turner oft die Grundlage ihres Lebensunterhalts und das Ergebnis harten Trainings darstellt, kann für manchen „Normalo“ unter uns zu einem echten Problem werden.

Die Vorstellung, dass Hypermobilität per se etwas Gutes sei, macht nämlich vor der klinischen Praxis nicht halt. So stehen viele Ärzte und Therapeuten bei ihren hypermobilen Patienten vor einem Rätsel. Weite Teile der Medizin konzentrieren sich nunmal seit jeher auf Bewegungseinschränkungen, Steifigkeit und Blockierungen. Die Folge: Hypermobiltät wird übersehen, Symptome werden fehlgedeutet und die passende Behandlung bleibt aus. 21) Hinzu kommt: Da viele Betroffene nicht krank aussehen und Röntgen, MRT oder Blutuntersuchung meist ohne Befund bleiben, werden sie allzu schnell als Hypochonder oder faul abgetan. Da verwundert es nicht, dass Patienten mitunter verzweifelt, ängstlich oder depressiv reagieren. 22)

Zu Unkenntnis, Unverständnis und einer generell positiven Sicht auf Überbeweglichkeit kommen unnötige Dramatisierungen am anderen Ende der Bewertungsskala. Hypermobilität wird aus dieser Perspektive grundsätzlich als etwas Krankhaftes betrachtet. Die Tatsache, dass viele hypermobile Menschen sehr gut mit ihrer Überbeweglichkeit leben und die Folgen der vermeintlichen Krankheit hervorragend kompensieren können, geht dabei vollkommen unter.

Wir möchten dich deshalb ermutigen, Hypermobilität als Chance zu begreifen. Das bedeutet nicht, deine vielleicht vorhandenen Beschwerden zu verharmlosen. Im Gegenteil.

📌 Deine Chance: Du bist kein Wikinger

Aus der Faszien-Forschung wissen wir, dass der menschliche Körper von Natur aus ein sehr geschmeidiges Bindegewebe (Faszien sind der elastische Teil des Bindegewebes) aufweisen kann. Ist das Bindegewebe bei Menschen demgegenüber stark und fest, spricht die Faszien-Forschung von „Wikingern.“ Einen solchen Wikinger-Körper beweglich und schmerzfrei zu halten, ist richtig harte Arbeit. Fällt der nötige Ausgleich für einseitige Bewegungsmuster weg, kommt es in dieser Gruppe schnell zu Beschwerden im Bewegungsapparat: Schmerzen, Bandscheibenschäden oder Arthrosen sind die Folgen, von denen wir täglich hören und deren Krankheitsbilder wir längst als Normalität anerkannt haben.

Warum sich deshalb die Einschätzung „hypermobil“ — zumindest bei leichten bis mittleren Formen — an einem völlig falschen Maßstab orientiert und welche Chancen sich dadurch für dich ergeben, erklärt dir Roland im folgenden Video: 

Unser Schmerzspezialist bringt es im Video auf den Punkt: Liegt bei dir keine Grunderkrankung vor, kannst du deinen hypermobilen Körper mit gezieltem Spannungsaufbau und cleverem Krafttraining so in Funktion bringen, dass er bei voller Beweglichkeit ein Leben lang schmerzfrei arbeitet. Wie das geht, verraten wir dir im Kapitel zur Behandlung und im Übungsteil.

2. Formen von Hypermobilität und ihre Ursachen


Hypermobilität — die erhöhte Beweglichkeit einer oder mehrerer Gelenke — ist weiter verbreitet, als du vielleicht glaubst. Ihr Vorkommen wird in Deutschland auf etwa zehn Prozent geschätzt, wobei Frauen und junge Menschen deutlich überrepräsentiert sind. 23) Dies gilt zumindest für die sogenannte konstitutionelle Hypermobilität.

Konstitutionelle Hypermobilität — Was ist das?

Besonders in der englischsprachigen Literatur wird Hypermobilität (Joint Hypermobility Disorder) häufig als Krankheitszustand behandelt. Geht die übermäßige Beweglichkeit mit Beschwerden einher, sprechen einige Mediziner auch hierzulande von einem Hypermobilitätssyndrom. Sachse und Janda, zwei führende Forscher auf dem Gebiet der Hypermobilität, bevorzugen hingegen die Bezeichnung konstitutionelle Hypermobilität.

Ein junges blondes Mädchen sitzt gut gelaunt im Schneidersitz in einer Turnhalle

© Igor Smirnoff | shutterstock.com

Diese Sichtweise richtet ihr Augenmerk auf deine gesamte körperliche Verfassung — die Konstitution. Eine relativ große Beweglichkeit gilt hier als unabänderliches Merkmal deiner Natur, das lebenslang erhalten bleibt.

„Für diese Hypermobilität findet sich kein pathologischer Hintergrund, keine neurologischen oder orthopädischen Krankheiten. […] Die starke Beweglichkeit besteht von Kind auf und und bleibt als Bewegungstyp im Erwachsenenalter bestehen. Die meisten […] bleiben beschwerdefrei, von besonderen Belastungssituationen abgesehen.“ 24)

Ausschlaggebend für die hohe Beweglichkeit sind  zwei verschiedene Faktoren:

  • ein sehr geschmeidiges Bindegewebe mit schwachen Sehnen und Bändern sowie
  • eine zu geringe Muskelspannung (muskuläre Hypotonie), oft begleitet von schwach ausgeprägter Muskulatur (Hypotrophie) — jeweils ohne bestehende Grunderkrankung.

Die entscheidende Frage ist also: Unter welchen Umständen löst diese allgemeine Form der Hypermobilität Beschwerden aus? Wie erkennt man das? Und was kannst du als „geschmeidiger“ Typ selbst dagegen tun? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der folgenden Absätze und Kapitel. Zuvor widmen wir uns noch weiteren Ursachen von Hypermobilität und einigen Sonderformen der Bindegewebsschwäche.

Zu sehen ist das Modell eines DNA-Abschnitts.

Hypermobilität im Rahmen von Erbkrankheiten

Nicht immer ist Hypermobilität unabhängig von krankhaften Prozessen in deinem Körper. So kann eine Überbeweglichkeit der Gelenke im Rahmen des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) und des Marfan-Syndroms (MFS) auftreten. Dabei handelt es sich um Erbkrankheiten, bei denen angeborene Enzymdefekte eine Schlaffheit des Bindegewebes (Bindegewebsschwäche) auslösen und mitunter zu einem stark ausgeprägten Krankheitsbild führen.

EDS-Patienten leiden unter

  • einer überdehnbaren, trockenen und äußerst empfindlichen Haut sowie
  • weichem, brüchigem Körpergewebe in den Sehnen bzw. der Gelenkkapsel, wodurch
  • eine Instabilität der Gelenke entsteht.

Die Medizin konnte verschiedene Ausprägungen des Ehlers-Danlos-Syndrom identifizieren, denen sechs Krankheitstypen zugeordnet werden. Am häufigsten kommt der hypermobile Typ vor (hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom = heds). Bei einem kleinen Prozentteil der Patienten mit heds wurden Mutationen auf dem Gen Tenascin-X-B (TNXB) festgestellt. Da die Symptome bei dieser Form weitgehend mit denen der konstitutionellen Hypermobilität übereinstimmen, ist ein Nachweis der Erkrankung ausschließlich auf genetischer Ebene möglich.

Betroffene mit Marfan-Syndrom sind

  • oft überdurchschnittlich große und schlanke Typen,
  • haben sehr lange Extremitäten und
  • zeigen häufig Fehlbildungen der Wirbelsäule.
  • Zudem sind Herz, Blutgefäße, Lunge und Augen bei dieser Erkrankung extrem verletzlich und
  • die Patienten haben mit ständig herausspringenden Kniescheiben oder ausgekugelten Schultern (Luxationen oder Subluxationen) zu kämpfen.

Viele Beschwerden entwickeln sich meist erst in der Pubertät und nehmen im Erwachsenenalter nochmals zu. Dann stellen chronische Schmerzen an Muskeln und Gelenken neben Augenproblemen die häufigsten Einschränkungen dar. 25)

Detaillierte Informationen zum EDS liefert dir diese Spezial-Seite. Alles, was du über MFS wissen musst, erfährst du bei der Marfan Hilfe (Deutschland) e.V. Wenn du selbst betroffen bist, dich schon gut auskennst und bereits zahlreiche Behandlungsmethoden in Anspruch nimmst, kann unser Angebot dir vielleicht neue Ideen und Impulse liefern. Mit Dehn-/Kräftigungsübungen und Faszien-Rollmassagen kannst du versuchen, deine Muskelkraft zu erhalten, Faszien zu straffen, Schmerzen zu lindern und die Stabilität deiner Gelenke zu verbessern.

Schwangere fasst sich an rot markierten Rücken

© Coffeemill | shutterstock.com

Weitere Ursachen

Neben der allgemein-konstitutionellen und der krankheitsbedingten Hypermobilität kann eine Gelenküberbeweglichkeit auch weitere, durchaus überraschende Ursachen haben.

Hormonelle Veränderungen, beispielsweise in der Schwangerschaft, führen ganz natürlich zu gelockerten Bändern im Beckenbereich, um den späteren Geburtsvorgang zu erleichtern. Da dies auch die Bänder im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) betrifft, kommt es bei Schwangeren dort oft zu Schmerzen.

Wie bereits erwähnt, kann intensive sportliche Betätigung zur Entstehung einer Hypermobilität (Gebrauchs- oder Leistungshypermobilität) beitragen. Auch sogenannte Schlangenmenschen, die ihren Körper extrem biegen können, haben ihre „Gummi-Gelenke“ dank jahrelangem Training erworben. Beschwerden ergeben sich hier vor allem dann, wenn der Sport oder die Akrobatik nicht mehr betrieben wird. Bildet sich nämlich die antrainierte Muskulatur zurück, verlieren die schwachen, überdehnten Bänder ihren Schutz — Schmerzen sind dann auch bei Schlangenmenschen vorprogrammiert.

Schließlich können auch Unfälle zu instabilen Bändern führen, woraus eine Hypermobilität im betroffenen Bereich resultiert. Ist nur ein bestimmter Abschnitt des Bewegungsapparates überbeweglich — etwa die Schulter oder die Halswirbelsäule –, spricht man von lokaler Hypermobilität. Diese kann sich auch als Folge rheumatischer Erkrankungen wie Arthritis herausbilden. Klingt zum Beispiel die rheumatische Entzündung und damit die Schwellung an einem Gelenk ab, können die Kapseln und Bänder danach schlaff und locker sein.

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3. Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität


Egal, worin die konkreten Ursachen einer Hypermobilität liegen: Das Spektrum an Symptomen und möglichen Beschwerden ist breit. Wird die konstitutionelle Hypermobilität zu einem „krankmachenden“ Faktor, kämpfen Betroffene oft mit chronischen Beschwerden.

  • Gelenkinstabilität, generalisierte Schmerzen und Erschöpfung gelten als Leitsymptome. Dabei treten die Gelenkschmerzen überdurchschnittlich oft an der Lendenwirbelsäule auf, doch auch die Hals- und Brustwirbelsäule können betroffen sein. 26) Hypermobile Patienten klagen dann über brennende oder klopfende Schmerzen an der HWSKopfschmerzen, einen steifen Nacken und Nackenschmerzen.
  • Häufig kommen weitere gesundheitliche Probleme wie Hernien (Brüche im Bereich der Eingeweide), Blutergüsse, Dehnungsstreifen, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen der Dickdarm-Schleimhaut hinzu. Typischen Beschwerden einer Craniomandibulären Dysfunktion und starke Gesichtsschmerzen bis hin zu einer Trigeminusneuralgie sind möglich.
  • Viele Patienten berichten ihrem Arzt bei der Untersuchung auch von einem ständigen Durstgefühl und einem Heißhunger auf salziges Essen.
  • Erhöhte Nervosität, Schlafstörungen oder Ängste sind ebenfalls mögliche Begleiterscheinungen eines Hypermobilitätssyndroms.

Gelenk- und Muskelschmerzen

Da Schmerzen im Bewegungsapparat die häufigste Form hypermobilitätsbedingter Beschwerden darstellen, verdienen sie einen genaueren Blick. Wodurch kommt es hier zu den Schmerzen? Welche Tätigkeiten lösen sie aus? Und worin liegen die Risiken, wenn du nicht rechtzeitig gegensteuerst? Antworten darauf bekommst du jetzt.

Woher kommen die Schmerzen?

Bemerkst du bei einer Gelenkhypermobilität Schmerzen an einem oder mehreren Gelenken deines Körpers, ist fast immer die erhöhte Nachgiebigkeit der Faszien schuld. Diese betrifft vor allem Sehnen und Bänder, aber auch die bindegewebigen Strukturen von Gelenkkapsel und Knorpel. Die Bänder sind dabei oft verlängert und überdehnt, die Kapsel ist gelockert.

Da die Gelenke nun zu wenig durch das Bindegewebe gesichert werden, ist eine stärkere Haltearbeit der — oft bereits geschwächten — Muskulatur nötig. Um die drohende Instabilität aufzufangen, erhöhen die Muskeln ihre Spannung immer mehr. Irgendwann ist die Überlastung allerdings so groß, dass die Spannungserhöhung auch in Ruhephasen nicht aufgegeben“ 27) wird.

„Wenn im Rahmen einer konstitutionellen Hypermobilität Schmerz auftritt, steht demnach (Anm. d. Autors) der Belastungs- und Ermüdungsschmerz an erster Stelle. 28)

Ein Mann hält sich vor Schmerzen die Lendenwirbelsäule, die als Folge seiner Hypermobilität überlastet ist

Diesen Überlastungs- und Ermüdungsschmerz bemerkst du vor allem abends, er kann dich bei schweren Verläufen aber auch schon im Laufe des Tages quälen. Leidest du dagegen (zusätzlich) unter einem morgendlichen Anlaufschmerz, könnte sich dahinter eine Arthrose verbergen. Mehr darüber liest du weiter unten, wenn es um mögliche Komplikationen und Spätfolgen aufgrund von Hypermobilität geht.

Welche Tätigkeiten lösen die Schmerzen aus?

Bei vielen hypermobilen Patienten mit LWS-Syndrom können bestimmte Haltungsbelastungen die Schmerzen auslösen: häufiges Sitzen, Autofahren, monotone Garten – oder Haushaltsarbeit im Stehen, sogar ein gemächlicher Einkaufsbummel. Liegen die Probleme eher im Bereich von Halswirbelsäule oder Nacken, sind dafür meist ein permanent überstreckter Kopf und eine überlastete Muskulatur des Schultergürtels verantwortlich. Einseitige Büro-Arbeit vor dem PC gilt hier als Ursachen-Klassiker — das ist bei „Wikingern“ nicht anders als bei dir. 29)

Bei jungen Patienten sind die Schmerzen demgegenüber fast nur belastungsabhängig. Besonders tückisch ist, dass die übermäßige Beanspruchung während der Aktivität oft unbemerkt bleibt:

„Das Fußballspiel kann schnell und schmerzfrei absolviert, der Umzug gestemmt, die Party getanzt werden. Darauf aber folgt eine zunehmend verlängerte und schmerzhafte Erschöpfungs- und Erholungsphase, oft über mehrere Tage.“ 30)

Risiken und Spätfolgen

Hypermobilität kann nicht nur zu sehr unangenehmen Überlastungsschmerzen und chronischer Erschöpfung führen, sondern auch strukturelle Schäden in deinem Körper nach sich ziehen. Eine allgemein hypermobile Wirbelsäule neigt dazu, an bestimmten Stellen hypermobile Segmente mit permanenter Überdehnung auszubilden, die zu Blockaden in benachbarten Regionen führen. Genau dort kann es im Laufe der Zeit zu Bandscheibenvorfällen kommen, wenn die auf die Wirbelsäule einwirkenden Kräfte überhandnehmen. Jetzt droht massiver Schaden, den dein Körper mit der Schaltung von Alarmschmerzen verhindern möchte. Was dabei genau passiert, kannst du in unserem Spezial-Artikel zum Bandscheibenvorfall nachlesen.

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Im Bereich der Hals- und Wirbelsäule erhöht eine Hypermobilität  auch das Risiko des Wirbelgleitens (Spondylolysthese). Weiches Bindegewebe  begünstigt in diesem Fall eine Lockerung der Haltevorrichtungen deiner Wirbel am Wirbelbogen. Welche Prozesse daraufhin beim Wirbelgleiten ablaufen, erklären wir dir unserem Schmerzlexikon-Artikel dazu.

Chronische Kopfschmerzen und Migräne gelten ebenfalls als mögliche Folgen (Komorbiditäten) einer lange unbehandelten Hypermobilität. Wie du bestimmt weißt, sind ein brettharter Nacken und Spannungskopfschmerzen generell weitverbreitet. „Das Ausbalancieren und Stabilisieren des Kopfes auf dem Hals“ 31) stellt also schon „Wikinger“ und Personen mit gesunden Bandstrukturen vor echte Probleme. Für Patienten mit „überelastischen Bändern und Sehnen ist es eine kaum zu bewältigende Arbeit.“ 32) Die Folge: Muskeln im Hals- und Nackenbereich sind permanent überspannt, was zu unterschiedlichen Stufen von Kopfschmerzen führt — bis hin zur Migräne. Begleitend kann bei vielen Betroffenen eine Verschiebung des Atlaswirbels diagnostiziert werden, genauer gesagt eine atlanto-axiale Instabilität. Was sich dahinter verbirgt und wie du deinen Atlas wieder körpergerecht ausrichtest, liest du in unserem Beitrag zur Atlaskorrektur.

Bein eines Mannes mit Knieschmerzen, die durch rote Kreise symbolisiert werden. Kniegelenksarthrose ist eine häufige Begleiterscheinung bei Hypermobilität und verursacht Schmerzen im Knie

© Sergey Tinyakov | shutterstock.com

Die zu starke Überstreckbarkeit der Gelenke in alle Richtungen kann außerdem zu Lasten des Knorpels gehen. Grundsätzlich ist es für deine Gelenk-Gesundheit großartig, dass du so viele Gelenkwinkel einnehmen kannst. Das Problem bei der Hypermobilität ist jedoch, dass du den „Ausschlag“ in alle Richtungen meist nicht gezielt durchführst. Außerdem werden durch die Überdehnung „Knorpelstellen auf dauer stark belastest, die dafür gar nicht vorgesehen sind“. 33) An den betroffenen Gelenken kann es zu Entzündungen kommen, Arthrose kann entstehen. 34) Wenn du mehr über die Funktionsweise deines Knorpels erfahren willst, legen wir dir unseren großen Arthrose-Artikel ans Herz. Infos speziell zur Kniearthrose bekommst du hier, alles Wichtige zur Hüftarthrose hier.

Damit nicht genug: Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Hypermobilität ein Risikomerkmal für die Entstehung des Fibromyalgie-Syndroms darstellt — und dies bereits im Kindesalter. 35) Schmerzen an Füßen, Waden und der Patellasehne scheinen im Rahmen der Symptomatik ebenfalls gehäuft vorzukommen, gleiches gilt für das Karpaltunnelsyndrom. Gerade im Bereich des Handgelenks sind es ungewöhnliche Schlafstellungen, die bei hypermobilen Patienten leicht zu Druckschädigungen sensibler Strukturen führen können. 36)

4. Hypermobilität diagnostizieren


Wollen Ärzte und Therapeuten die Überbeweglichkeit ihres Patienten feststellen, stehen sie vor einem Grundproblem. Denn Hypermobilität ist immer relativ. Ihre Diagnostik braucht zwingend einen Vergleichswert, an dem sich die Untersuchungsergebnisse ablesen lassen.

Wo aber soll man die Grenze ziehen zwischen noch „normalen“ Werten und „schon“ hypermobilen Befunden?

Während bei der lokalen Hypermobilität einfach das Gelenk der anderen Körperseite als Vergleichsgröße dient, fällt diese Option bei der Bewertung einer generalisierten Hypermobilität weg. Der einzig mögliche Maßstab bleiben die durchschnittlichen Beweglichkeitswerte der Bevölkerung. Wie oben erwähnt, sind diese Werte jedoch keineswegs „normal“.

Herangezogen werden also keine „natürlichen“ Angaben, sondern die Ergebnisse einer bereits bewegungseingeschränkten Gesamtbevölkerung. Die Diagnose „Hypermobilität“ ist deshalb stets mit Vorsicht zu genießen.

Vielleicht bist du jetzt aber trotzdem neugierig, wie eine konstitutionelle Hypermobilität festgestellt wird, oder du möchtest dich selbst testen. Dann kannst du dich am Beighton Score orientieren. Dabei handelt es sich um einen Beweglichkeitstest, der in der klinischen Praxis häufig eingesetzt wird. Um das gesamte Bewegungsverhalten eines Patienten erfassen zu können, werden hier über den ganzen Körper verteilte Bewegungsprüfungen durchgeführt. So wird die Überstreckbarkeit an den kleinen Fingern, Daumen, Ellbogen, Knien und der Wirbelsäule getestet. Jeder einzelne Test fließt in das Gesamtergebnis ein und ermöglicht am Ende eine altersabhängige Übersicht über das Bewegungssystem des Patienten.

Beighton Score zur Diagnostik bei Hypermobilität

Einzeltest zur BeweglichkeitAuswertung
Kleiner Finger: passive Überstreckung über 90 Grad (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Daumen: passive Bewegung bis an den Unterarm (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Ellenbogen: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Knie: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Beugung der Wirbelsäule: Patient kann beide Handflächen bei durchgestreckten Knien am Boden ablegen1 Punkt
Hypermobilität liegt vor ab:

4 von 9 Punkten bei Erwachsenen jünger als 50 Jahre
3 von 9 Punkten bei Erwachsenen älter als 50 Jahre
5 von 9 Punkten bei Kindern
Maximalpunktzahl: 9 Punkte

Falls du dir unter den einzelnen Tests nur schlecht etwas vorstellen kannst, hilft dir dieses YouTube-Video bestimmt weiter. Auch wenn das Video in englischer Sprache ist, siehst du dort ganz konkret, wie die Gelenk-Prüfungen nacheinander durchgeführt werden und kannst dich direkt selbst testen:

Bitte beachte: Der Beighton Score gibt lediglich einen Hinweis darauf, ob der Patient hypermobil ist. Eine Aussage über bestehende Beschwerden sind damit nicht möglich. Zu diesem Zweck wurden die Brighton Criteria entwickelt. Sie erlauben es, Schmerzen, Instabilitäten oder internistische Symptome abzubilden. Damit lässt sich Überbeweglichkeit klarer als komplexes Phänomen mit einem spezifischen Krankheitsbild erfassen. Je nach Befund, „werden aus hypermobilen Menschen Patienten mit Hypermobilitätssyndrom.“ 37)

Brighton Criteria zur Diagnostik eines Hypermobilitätssyndroms

Kriterien
Hauptkriterien:
Positiver Beighton Score (siehe oben)
Schmerzen in vier oder mehr Gelenken seit über 3 Monaten
Nebenkriterien:
Beighton Score nur in wenigen Gelenken auffällig
Rückenschmerzen
Wirbelgleiten
Schmerzen in mindestens ein bis drei Gelenken
Mehrmalige Verrenkungen von Gelenken
Auffällig dehnbare Haut und andere Hautprobleme
Sehr schlanker Körperbau
Fallende Augenlider
Neigung zu Hernien (Bruch im Bereich der Eingeweide), Hämorrhoiden, Venenproblemen oder blauen Flecken
Bekannter Mitralklappenprolaps (meist angeborene Fehlbildung am Herzen), Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall) oder Rektalprolaps (Mastdarmvorfall mit Austritt der Darmwand aus dem After)
Der Test ist positiv ab:

2 Hauptkriterien
1 Hauptkriterium + 2 Nebenkriterien
4 Nebenkriterien
2 Nebenkriterien + familiäre Vorbelastung

5. Behandlung von Beschwerden bei Hypermobilität


Ob du nun „nur“ hypermobil bist oder nach einer Untersuchung auch die Kriterien des Hypermobilitätssyndroms erfüllst, spielt für unsere Behandlung nur eine untergeordnete Rolle. Im einen Fall kann dir unser Ansatz helfen, Schmerzen und anderen Beschwerden effektiv vorzubeugen. Im anderen Fall kannst du unsere Übungen vielleicht als Ergänzung deines bisherigen Therapieprogramms betrachten, die deine Schmerzen lindern und dich ein Stück weit unabhängiger von Ärzten oder Schmerzmitteln machen können.

Medikamente helfen nicht langfristig

Der Grundgedanke unseres Behandlungsansatzes lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“, weitestgehend ohne den Einsatz von Schmerzmitteln. Im Falle der Hypermobilität steht diese Maxime im Einklang mit der schulmedizinischen Sichtweise: Denn „Medikamente“, so heißt es in der Ärzte Zeitung, „helfen den Betroffenen meist nicht“. 38) Viel wichtiger sei in der Krankengymnastik die gezielte Tonisierung, also die Spannungserhöhung, Kräftigung und Straffung des muskulär-faszialen Netzwerks.

Eigenaktivität als Basis

Die Empfehlung, bei stabilisierenden Kräftigungsübungen auf die Eigenaktivität des Patienten zu setzen, deckt sich ebenfalls mit unserem Grundsatz.

„Der hypermobile Patient muss von Anfang an wissen, dass Selbstübungen hier zum festen Bestand des therapeutischen Vorgehens gehören.“ 39)

Das richtige „Krafttraining“

Schließlich können wir auch die in der Literatur zu findende Warnung unterschreiben, im Rahmen der Krankengymnastik nicht „blind“ auf reines Krafttraining zu setzen. 40) Sind nämlich bestimmte Muskeln deines Körpers als Reaktion auf hypermobile Nachbarbereiche extrem überspannt, kann eine zusätzliche Spannungserhöhung durch Krafttraining deine Schmerzen sogar verschlimmern. Um dies zu verhindern, arbeiten unsere Übungen mit einer Kombination aus Dehnung und sanfter Kräftigung mit moderaten Wiederholungen ein- oder zweimal täglich.

Eine Frau mit einer blauen Bandage an ihrem hypermobilen Ellenbogen

© Robert Kneschke | shutterstock.com

Das Problem mit Bandagen und co.

Skeptisch sind wir in Bezug auf alle Hilfsmittel, die deine überbeweglichen Gelenke von außen — und damit künstlich — stabilisieren sollen. Sicherlich profitieren Patienten in schweren Fällen von Bandagen, Schienen, Orthesen, einem Korsett oder gar einer stabilisierenden Operation. Meistens gilt aus unserer Sicht jedoch das, was wir auch bei Schmerzzuständen von „Wikingern“ immer wieder betonen: Bandagen und co. schieben das Problem nur auf die lange Bank und machen es dadurch manchmal sogar schlimmer. Die eigentliche Ursache — Überspannungen dort, ein schwaches muskulär-fasziales Gewebe hier — bleibt bestehen. Spätestens wenn das stabilisierende Hilfsmittel wieder weggelassen wird, können die Schmerzen zurückkehren.

6. Übungen bei Hypermobilität — So kannst du dir selber helfen


Zugegeben, die Liste an möglichen Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität ist ziemlich lang. Die gute Nachricht für dich lautet jedoch: Es muss nicht so weit kommen. In vielen Fällen kannst du mithilfe unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen gezielt gegensteuern. Übst und rollst du regelmäßig, stehen die Chancen gut, dass sich deine Symptome abschwächen und mögliche Komplikationen ausbleiben. Und selbst wenn du bereits chronische Rückenschmerzen, Arthrose oder einen Bandscheibenvorfall hast, kannst du mit unserem Behandlungsangebot nur gewinnen. Probiere es einfach aus, finde heraus, was dir gut tut, und gewinne die Kontrolle über deinen hypermobilen Körper zurück.

Wie gehst du jetzt am besten vor? 

Falls deine Schmerzen aufgrund der Gelenküberbeweglichkeit nicht so stark sind, dass du die Hilfe einer der von uns ausgebildeten Schmerzspezialisten benötigst, erzielst du mit unserem Selbsthilfe-Angebot die besten Ergebnisse. Solltest du unsere Vorgehensweise schon von anderen Schmerzzuständen kennen, gibt es bei der Behandlung deines Hypermobilitätssyndroms einige Besonderheiten, die du unbedingt beachten solltest. Dies gilt für unsere Übungen genauso wie für die Faszien-Rollmassage. Was ganz konkret wichtig ist und wie du Schritt für Schritt vorgehst, zeigt dir Roland Liebscher-Bracht in den folgenden beiden Videos.

Unter den Videos findest du jeweils eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, damit du sie immer wieder schnell nachlesen kannst. Ganz am Ende dieses Kapitels wartet schließlich eine Checkliste mit allgemeinen Tipps zur Durchführung unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen auf dich.

Los geht’s mit einer unserer Übungen. Am Beispiel eines hypermobilen Handgelenks verdeutlichen dir Roland und Ina, wie du Dehnung und Kräftigung clever miteinander kombinieren kannst.

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Schritt für Schritt: Die Übung zum Nachlesen

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk maximal, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen.

1. Setze dich auf die Knie und bringe das Handgelenk in die größtmögliche Dehnung, indem du deine Fingerspitzen in Richtung Knie zeigen lässt. Dein Ellenbogen sollte komplett durchgestreckt sein. In dieser maximalen Dehnung spannst du deine Muskulatur im Unterarm jetzt so fest es geht an — als wollten die Finger mit aller Macht in den Boden. Halte diese Maximalspannung für zehn Sekunden, ehe du die Spannung kurz herausnimmst.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist dabei nicht maximal, da die Patientin ihren Oberkörper leicht nach vorne nimmt.

2. Verkleinere jetzt den Dehnungswinkel, indem du mit deinem Oberkörper ein Stück nach vorne gehst. In dieser Position spannst du wieder voll an, drückst also Handfläche und Finger mit maximaler Kraft in den Boden. Halte auch diese Anspannung für zehn Sekunden.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist stark verringert, da die Patientin ihren Oberkörper nach vorne nimmt.

3. Nachdem du kurz locker gelassen hast, gehst du noch etwas weiter nach vorne. Drücke Handfläche und Finger ein letztes Mal so fest du kannst in den Boden, ehe du nach zehn Sekunden am Ende deiner Kräftigungsübung angekommen bist.

📌Übungen gegen Schmerzen bei Hypermobilität — das Grundprinzip

Du hast gar keine Schmerzen am Handgelenk? Keine Sorge, das oben gezeigte Prinzip gilt bei Hypermobilität für all unsere Übungen. Gehe am besten auf unseren YouTube-Kanal, suche nach demjenigen Schmerzzustand, der dir gerade die größten Probleme macht, und passe die dort gezeigte Dehnübung immer den Muskeln und Faszien deines hypermobilen Körpers an. Das heißt: Bei jeder Übung kombinierst du Dehnung mit Kräftigung, um nach und nach wieder Stabilität in dein System zu bringen. Drei Stufen sind dazu notwendig:

  1. Maximale Dehnung, maximale Anspannung
  2. Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung
  3. Weitere Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung

Auch bei unseren Faszien-Rollmassagen macht deine Gelenkhypermobilität ein besonderes Vorgehen nötig. Alle Einzelheiten verrät dir unser Schmerzspezialist in diesem Video:

Halten wir in puncto Faszien-Rollmassage bei Hypermobilität fest: Schnelles Hin- und Herrollen bringt deine Fibroblasten dazu, vermehrt Bindegewebe zu produzieren. Insbesondere dann, wenn bei dir eine Schwäche des Bindegewebes als Ursache der Hypermobilität in Frage kommt, kann eine Stimulation des faszialen Gewebes mithilfe der Rollmassagen vielversprechend sein. Denn je mehr Bindegewebe dein Körper rund um ein schmerzhaftes, hypermobiles Gelenk herstellt, umso stabiler werden die Verhältnisse in diesem Bereich. Gleichzeitig erreichst du mit dem Rollen auch eine Spannungserhöhung deiner Muskulatur. Beide Prozesse zusammen können — in Verbindung mit den oben beschriebenen Übungen — viele deiner Beschwerden mildern. Alle Vorteile unserer Faszienrollen und -kugeln siehst du hier auf einen Blick.

📌 Checkliste für die Liebscher & Bracht-Übungen

Damit bei deinen Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Kräftigung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Übung noch ruhig atmen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die Kräftigungs-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jede Übung solltest du insgesamt zwei bis zweieinhalb Minuten investieren.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und -intensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sollten die Schmerzen aufgrund der Übungen zunehmen, besteht kein Grund zur Panik. Eine Erstverschlimmerung kann eine normale Reaktion deines Körpers sein. Wenn sich deine gesamte Körperstatik durch regelmäßiges Training verändert, muss sich der Bewegungsapparat erst nach und nach daran anpassen. Geht es dir nach den Übungen aber dauerhaft schlechter statt besser, signalisiert dir dein Körper, dass du es womöglich übertreibst. Pausiere dann einfach für einen oder zwei Tage und/oder verringere bei deinen nächsten Übungseinheiten ein wenig die Intensität, um dich anschließend wieder in kleinen Schritten zu steigern. So führst du deinen Körper schonend an die für dich richtige Acht oder Neun auf der Schmerzskala heran.

Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse nicht selten sind. Die Fehlspannungen rund um deine Gelenke und die Bindegewebsschwäche können stark ausgeprägt sein. Es kann daher einige Wochen dauern, bis dein Gehirn neue Anspannungsprogramme für deine Muskeln speichert und die Fibroblasten in Fahrt kommen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, hast du gute Karten, dass deine Hypermobilität mit der Zeit immer weniger Beschwerden verursacht.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Üben und Rollen!

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Der Visionär

Roland Liebscher-Bracht

Rundes Bild, aufwärts vom Hals ab, von Roland Liebscher - Bracht lächelnd mit weißen Hintergrund
Ein muskulöser Mann in kurzen grauen Shorts und freiem Oberkörper kann sich aufgrund seiner Hypermobilität extrem verbiegen. Der Kopf zeigt fast um 90 Grad nach oben, Hüfte und Beine bilden beinahe eine gerade Linie, der Rumpf ist komplett verdreht.

© fizkes | shutterstock.com

Symptome, Ursachen und effektive Selbsthilfe auf einen Blick

Du kannst deinen Kopf um fast 180 Grad drehen oder mit deinem Handgelenk atemberaubende Verrenkungen vollführen? So beeindruckend solche „Kunststücke“ für andere sein mögen, so sehr hast du womöglich mit den Folgen deiner überbeweglichen Gelenke zu kämpfen. Denn Hypermobilität wird in der klinischen Praxis oft entweder nicht erkannt oder per se mit einer Schädigung bzw. Krankheit gleichgesetzt.

Dieser Artikel plädiert für einen Mittelweg: Wir nehmen Hypermobiltät als möglichen Grund deiner Beschwerden ernst, verdeutlichen dir aber auch die Chancen, die in der großen Beweglichkeit deines Körpers liegen. Konkret erfährst du,

  • was Hypermobilität genau ist und welche unterschiedlichen Formen es gibt,
  • worin häufig die Ursachen für die Beschwerden liegen,
  • welche Symptome damit in Verbindung stehen können,
  • wie Diagnostik und Behandlung herkömmlicherweise aussehen und
  • wie du dir mit einfachen Übungen für zuhause selbst helfen kannst.
Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

Mehr über Roland Liebscher-Bracht

1. Hypermobilität -- Fluch oder Segen?

Ein gelenkiger Körper ist Fluch und Segen zugleich. Wenn du dich schon länger mit deiner Hypermobilität (engl.: Hypermobility) und ihren Folgen beschäftigst, weißt du bestimmt, was wir damit meinen. Geschmeidigkeit und Bewegungstalent werden oft mit Vergnügen, Lebensfreude und Gesundheit assoziiert — sei es beim Tanz, im Zirkus oder im Rahmen des Leistungssports. Doch was für Akrobaten, Eiskunstläufer oder Turner oft die Grundlage ihres Lebensunterhalts und das Ergebnis harten Trainings darstellt, kann für manchen „Normalo“ unter uns zu einem echten Problem werden.

Die Vorstellung, dass Hypermobilität per se etwas Gutes sei, macht nämlich vor der klinischen Praxis nicht halt. So stehen viele Ärzte und Therapeuten bei ihren hypermobilen Patienten vor einem Rätsel. Weite Teile der Medizin konzentrieren sich nunmal seit jeher auf Bewegungseinschränkungen, Steifigkeit und Blockierungen. Die Folge: Hypermobiltät wird übersehen, Symptome werden fehlgedeutet und die passende Behandlung bleibt aus. 41) Hinzu kommt: Da viele Betroffene nicht krank aussehen und Röntgen, MRT oder Blutuntersuchung meist ohne Befund bleiben, werden sie allzu schnell als Hypochonder oder faul abgetan. Da verwundert es nicht, dass Patienten mitunter verzweifelt, ängstlich oder depressiv reagieren. 42)

Zu Unkenntnis, Unverständnis und einer generell positiven Sicht auf Überbeweglichkeit kommen unnötige Dramatisierungen am anderen Ende der Bewertungsskala. Hypermobilität wird aus dieser Perspektive grundsätzlich als etwas Krankhaftes betrachtet. Die Tatsache, dass viele hypermobile Menschen sehr gut mit ihrer Überbeweglichkeit leben und die Folgen der vermeintlichen Krankheit hervorragend kompensieren können, geht dabei vollkommen unter.

Wir möchten dich deshalb ermutigen, Hypermobilität als Chance zu begreifen. Das bedeutet nicht, deine vielleicht vorhandenen Beschwerden zu verharmlosen. Im Gegenteil.

📌 Deine Chance: Du bist kein Wikinger

Aus der Faszien-Forschung wissen wir, dass der menschliche Körper von Natur aus ein sehr geschmeidiges Bindegewebe (Faszien sind der elastische Teil des Bindegewebes) aufweisen kann. Ist das Bindegewebe bei Menschen demgegenüber stark und fest, spricht die Faszien-Forschung von „Wikingern.“ Einen solchen Wikinger-Körper beweglich und schmerzfrei zu halten, ist richtig harte Arbeit. Fällt der nötige Ausgleich für einseitige Bewegungsmuster weg, kommt es in dieser Gruppe schnell zu Beschwerden im Bewegungsapparat: Schmerzen, Bandscheibenschäden oder Arthrosen sind die Folgen, von denen wir täglich hören und deren Krankheitsbilder wir längst als Normalität anerkannt haben.

Warum sich deshalb die Einschätzung „hypermobil“ — zumindest bei leichten bis mittleren Formen — an einem völlig falschen Maßstab orientiert und welche Chancen sich dadurch für dich ergeben, erklärt dir Roland im folgenden Video: 

Unser Schmerzspezialist bringt es im Video auf den Punkt: Liegt bei dir keine Grunderkrankung vor, kannst du deinen hypermobilen Körper mit gezieltem Spannungsaufbau und cleverem Krafttraining so in Funktion bringen, dass er bei voller Beweglichkeit ein Leben lang schmerzfrei arbeitet. Wie das geht, verraten wir dir im Kapitel zur Behandlung (Kap. 5) und im Übungsteil (Kap. 6).

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2. Formen von Hypermobilität und ihre Ursachen

Hypermobilität — die erhöhte Beweglichkeit einer oder mehrerer Gelenke — ist weiter verbreitet, als du vielleicht glaubst. Ihr Vorkommen wird in Deutschland auf etwa zehn Prozent geschätzt, wobei Frauen und junge Menschen deutlich überrepräsentiert sind. 43) Dies gilt zumindest für die sogenannte konstitutionelle Hypermobilität.

Konstitutionelle Hypermobilität — Was ist das?

Besonders in der englischsprachigen Literatur wird Hypermobilität (Joint Hypermobility Disorder) häufig als Krankheitszustand behandelt. Geht die übermäßige Beweglichkeit mit Beschwerden einher, sprechen einige Mediziner auch hierzulande von einem Hypermobilitätssyndrom. Sachse und Janda, zwei führende Forscher auf dem Gebiet der Hypermobilität, bevorzugen hingegen die Bezeichnung konstitutionelle Hypermobilität.

Ein junges blondes Mädchen sitzt gut gelaunt im Schneidersitz in einer Turnhalle

© Igor Smirnoff | shutterstock.com

Diese Sichtweise richtet ihr Augenmerk auf deine gesamte körperliche Verfassung — die Konstitution. Eine relativ große Beweglichkeit gilt hier als unabänderliches Merkmal deiner Natur, das lebenslang erhalten bleibt.

„Für diese Hypermobilität findet sich kein pathologischer Hintergrund, keine neurologischen oder orthopädischen Krankheiten. […] Die starke Beweglichkeit besteht von Kind auf und und bleibt als Bewegungstyp im Erwachsenenalter bestehen. Die meisten […] bleiben beschwerdefrei, von besonderen Belastungssituationen abgesehen.“ 44)

Ausschlaggebend für die hohe Beweglichkeit sind  zwei verschiedene Faktoren:

  • ein sehr geschmeidiges Bindegewebe mit schwachen Sehnen und Bändern sowie
  • eine zu geringe Muskelspannung (muskuläre Hypotonie), oft begleitet von schwach ausgeprägter Muskulatur (Hypotrophie) — jeweils ohne bestehende Grunderkrankung.

Die entscheidende Frage ist also: Unter welchen Umständen löst diese allgemeine Form der Hypermobilität Beschwerden aus? Wie erkennt man das? Und was kannst du als „geschmeidiger“ Typ selbst dagegen tun? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der folgenden Absätze und Kapitel. Zuvor widmen wir uns noch weiteren Ursachen von Hypermobilität und einigen Sonderformen der Bindegewebsschwäche.

Zu sehen ist das Modell eines DNA-Abschnitts.

Hypermobilität im Rahmen von Erbkrankheiten

Nicht immer ist Hypermobilität unabhängig von krankhaften Prozessen in deinem Körper. So kann eine Überbeweglichkeit der Gelenke im Rahmen des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) und des Marfan-Syndroms (MFS) auftreten. Dabei handelt es sich um Erbkrankheiten, bei denen angeborene Enzymdefekte eine Schlaffheit des Bindegewebes (Bindegewebsschwäche) auslösen und mitunter zu einem stark ausgeprägten Krankheitsbild führen.

EDS-Patienten leiden unter

  • einer überdehnbaren, trockenen und äußerst empfindlichen Haut sowie
  • weichem, brüchigem Körpergewebe in den Sehnen bzw. der Gelenkkapsel, wodurch
  • eine Instabilität der Gelenke entsteht.

Die Medizin konnte verschiedene Ausprägungen des Ehlers-Danlos-Syndrom identifizieren, denen sechs Krankheitstypen zugeordnet werden. Am häufigsten kommt der hypermobile Typ vor (hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom = heds). Bei einem kleinen Prozentteil der Patienten mit heds wurden Mutationen auf dem Gen Tenascin-X-B (TNXB) festgestellt. Da die Symptome bei dieser Form weitgehend mit denen der konstitutionellen Hypermobilität übereinstimmen, ist ein Nachweis der Erkrankung ausschließlich auf genetischer Ebene möglich.

Betroffene mit Marfan-Syndrom sind

  • oft überdurchschnittlich große und schlanke Typen,
  • haben sehr lange Extremitäten und
  • zeigen häufig Fehlbildungen der Wirbelsäule.
  • Zudem sind Herz, Blutgefäße, Lunge und Augen bei dieser Erkrankung extrem verletzlich und
  • die Patienten haben mit ständig herausspringenden Kniescheiben oder ausgekugelten Schultern (Luxationen oder Subluxationen) zu kämpfen.

Viele Beschwerden entwickeln sich meist erst in der Pubertät und nehmen im Erwachsenenalter nochmals zu. Dann stellen chronische Schmerzen an Muskeln und Gelenken neben Augenproblemen die häufigsten Einschränkungen dar. 45)

Detaillierte Informationen zum EDS liefert dir diese Spezial-Seite. Alles, was du über MFS wissen musst, erfährst du bei der Marfan Hilfe (Deutschland) e.V. Wenn du selbst betroffen bist, dich schon gut auskennst und bereits zahlreiche Behandlungsmethoden in Anspruch nimmst, kann unser Angebot dir vielleicht neue Ideen und Impulse liefern. Mit Dehn-/Kräftigungsübungen und Faszien-Rollmassagen kannst du versuchen, deine Muskelkraft zu erhalten, Faszien zu straffen, Schmerzen zu lindern und die Stabilität deiner Gelenke zu verbessern.

Schwangere fasst sich an rot markierten Rücken

© Coffeemill | shutterstock.com

Weitere Ursachen

Neben der allgemein-konstitutionellen und der krankheitsbedingten Hypermobilität kann eine Gelenküberbeweglichkeit auch weitere, durchaus überraschende Ursachen haben.

Hormonelle Veränderungen, beispielsweise in der Schwangerschaft, führen ganz natürlich zu gelockerten Bändern im Beckenbereich, um den späteren Geburtsvorgang zu erleichtern. Da dies auch die Bänder im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) betrifft, kommt es bei Schwangeren dort oft zu Schmerzen.

Wie bereits erwähnt, kann intensive sportliche Betätigung zur Entstehung einer Hypermobilität (Gebrauchs- oder Leistungshypermobilität) beitragen. Auch sogenannte Schlangenmenschen, die ihren Körper extrem biegen können, haben ihre „Gummi-Gelenke“ dank jahrelangem Training erworben. Beschwerden ergeben sich hier vor allem dann, wenn der Sport oder die Akrobatik nicht mehr betrieben wird. Bildet sich nämlich die antrainierte Muskulatur zurück, verlieren die schwachen, überdehnten Bänder ihren Schutz — Schmerzen sind dann auch bei Schlangenmenschen vorprogrammiert.

Schließlich können auch Unfälle zu instabilen Bändern führen, woraus eine Hypermobilität im betroffenen Bereich resultiert. Ist nur ein bestimmter Abschnitt des Bewegungsapparates überbeweglich — etwa die Schulter oder die Halswirbelsäule –, spricht man von lokaler Hypermobilität. Diese kann sich auch als Folge rheumatischer Erkrankungen wie Arthritis herausbilden. Klingt zum Beispiel die rheumatische Entzündung und damit die Schwellung an einem Gelenk ab, können die Kapseln und Bänder danach schlaff und locker sein.

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3. Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität

Egal, worin die konkreten Ursachen einer Hypermobilität liegen: Das Spektrum an Symptomen und möglichen Beschwerden ist breit. Wird die konstitutionelle Hypermobilität zu einem „krankmachenden“ Faktor, kämpfen Betroffene oft mit chronischen Beschwerden.

  • Gelenkinstabilität, generalisierte Schmerzen und Erschöpfung gelten als Leitsymptome. Dabei treten die Gelenkschmerzen überdurchschnittlich oft an der Lendenwirbelsäule auf, doch auch die Hals- und Brustwirbelsäule können betroffen sein. 46) Hypermobile Patienten klagen dann über brennende oder klopfende Schmerzen an der HWSKopfschmerzen, einen steifen Nacken und Nackenschmerzen.
  • Häufig kommen weitere gesundheitliche Probleme wie Hernien (Brüche im Bereich der Eingeweide), Blutergüsse, Dehnungsstreifen, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen der Dickdarm-Schleimhaut hinzu. Typischen Beschwerden einer Craniomandibulären Dysfunktion und starke Gesichtsschmerzen bis hin zu einer Trigeminusneuralgie sind möglich.
  • Viele Patienten berichten ihrem Arzt bei der Untersuchung auch von einem ständigen Durstgefühl und einem Heißhunger auf salziges Essen.
  • Erhöhte Nervosität, Schlafstörungen oder Ängste sind ebenfalls mögliche Begleiterscheinungen eines Hypermobilitätssyndroms.

Gelenk- und Muskelschmerzen

Da Schmerzen im Bewegungsapparat die häufigste Form hypermobilitätsbedingter Beschwerden darstellen, verdienen sie einen genaueren Blick. Wodurch kommt es hier zu den Schmerzen? Welche Tätigkeiten lösen sie aus? Und worin liegen die Risiken, wenn du nicht rechtzeitig gegensteuerst? Antworten darauf bekommst du jetzt.

Woher kommen die Schmerzen?

Bemerkst du bei einer Gelenkhypermobilität Schmerzen an einem oder mehreren Gelenken deines Körpers, ist fast immer die erhöhte Nachgiebigkeit der Faszien schuld. Diese betrifft vor allem Sehnen und Bänder, aber auch die bindegewebigen Strukturen von Gelenkkapsel und Knorpel. Die Bänder sind dabei oft verlängert und überdehnt, die Kapsel ist gelockert.

Da die Gelenke nun zu wenig durch das Bindegewebe gesichert werden, ist eine stärkere Haltearbeit der — oft bereits geschwächten — Muskulatur nötig. Um die drohende Instabilität aufzufangen, erhöhen die Muskeln ihre Spannung immer mehr. Irgendwann ist die Überlastung allerdings so groß, dass die Spannungserhöhung auch in Ruhephasen nicht aufgegeben“ 47) wird.

„Wenn im Rahmen einer konstitutionellen Hypermobilität Schmerz auftritt, steht demnach (Anm. d. Autors) der Belastungs- und Ermüdungsschmerz an erster Stelle. 48)

Ein Mann hält sich vor Schmerzen die Lendenwirbelsäule, die als Folge seiner Hypermobilität überlastet ist

Diesen Überlastungs- und Ermüdungsschmerz bemerkst du vor allem abends, er kann dich bei schweren Verläufen aber auch schon im Laufe des Tages quälen. Leidest du dagegen (zusätzlich) unter einem morgendlichen Anlaufschmerz, könnte sich dahinter eine Arthrose verbergen. Mehr darüber liest du weiter unten, wenn es um mögliche Komplikationen und Spätfolgen aufgrund von Hypermobilität geht.

Welche Tätigkeiten lösen die Schmerzen aus?

Bei vielen hypermobilen Patienten mit LWS-Syndrom können bestimmte Haltungsbelastungen die Schmerzen auslösen: häufiges Sitzen, Autofahren, monotone Garten – oder Haushaltsarbeit im Stehen, sogar ein gemächlicher Einkaufsbummel. Liegen die Probleme eher im Bereich von Halswirbelsäule oder Nacken, sind dafür meist ein permanent überstreckter Kopf und eine überlastete Muskulatur des Schultergürtels verantwortlich. Einseitige Büro-Arbeit vor dem PC gilt hier als Ursachen-Klassiker — das ist bei „Wikingern“ nicht anders als bei dir. 49)

Bei jungen Patienten sind die Schmerzen demgegenüber fast nur belastungsabhängig. Besonders tückisch ist, dass die übermäßige Beanspruchung während der Aktivität oft unbemerkt bleibt:

„Das Fußballspiel kann schnell und schmerzfrei absolviert, der Umzug gestemmt, die Party getanzt werden. Darauf aber folgt eine zunehmend verlängerte und schmerzhafte Erschöpfungs- und Erholungsphase, oft über mehrere Tage.“ 50)

Risiken und Spätfolgen

Hypermobilität kann nicht nur zu sehr unangenehmen Überlastungsschmerzen und chronischer Erschöpfung führen, sondern auch strukturelle Schäden in deinem Körper nach sich ziehen. Eine allgemein hypermobile Wirbelsäule neigt dazu, an bestimmten Stellen hypermobile Segmente mit permanenter Überdehnung auszubilden, die zu Blockaden in benachbarten Regionen führen. Genau dort kann es im Laufe der Zeit zu Bandscheibenvorfällen kommen, wenn die auf die Wirbelsäule einwirkenden Kräfte überhandnehmen. Jetzt droht massiver Schaden, den dein Körper mit der Schaltung von Alarmschmerzen verhindern möchte. Was dabei genau passiert, kannst du in unserem Spezial-Artikel zum Bandscheibenvorfall nachlesen.

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Im Bereich der Hals- und Wirbelsäule erhöht eine Hypermobilität  auch das Risiko des Wirbelgleitens (Spondylolysthese). Weiches Bindegewebe  begünstigt in diesem Fall eine Lockerung der Haltevorrichtungen deiner Wirbel am Wirbelbogen. Welche Prozesse daraufhin beim Wirbelgleiten ablaufen, erklären wir dir unserem Schmerzlexikon-Artikel dazu.

Chronische Kopfschmerzen und Migräne gelten ebenfalls als mögliche Folgen (Komorbiditäten) einer lange unbehandelten Hypermobilität. Wie du bestimmt weißt, sind ein brettharter Nacken und Spannungskopfschmerzen generell weitverbreitet. „Das Ausbalancieren und Stabilisieren des Kopfes auf dem Hals“ 51) stellt also schon „Wikinger“ und Personen mit gesunden Bandstrukturen vor echte Probleme. Für Patienten mit „überelastischen Bändern und Sehnen ist es eine kaum zu bewältigende Arbeit.“ 52) Die Folge: Muskeln im Hals- und Nackenbereich sind permanent überspannt, was zu unterschiedlichen Stufen von Kopfschmerzen führt — bis hin zur Migräne. Begleitend kann bei vielen Betroffenen eine Verschiebung des Atlaswirbels diagnostiziert werden, genauer gesagt eine atlanto-axiale Instabilität. Was sich dahinter verbirgt und wie du deinen Atlas wieder körpergerecht ausrichtest, liest du in unserem Beitrag zur Atlaskorrektur.

Bein eines Mannes mit Knieschmerzen, die durch rote Kreise symbolisiert werden. Kniegelenksarthrose ist eine häufige Begleiterscheinung bei Hypermobilität und verursacht Schmerzen im Knie

© Sergey Tinyakov | shutterstock.com

Die zu starke Überstreckbarkeit der Gelenke in alle Richtungen kann außerdem zu Lasten des Knorpels gehen. Grundsätzlich ist es für deine Gelenk-Gesundheit großartig, dass du so viele Gelenkwinkel einnehmen kannst. Das Problem bei der Hypermobilität ist jedoch, dass du den „Ausschlag“ in alle Richtungen meist nicht gezielt durchführst. Außerdem werden durch die Überdehnung „Knorpelstellen auf dauer stark belastest, die dafür gar nicht vorgesehen sind“. 53) An den betroffenen Gelenken kann es zu Entzündungen kommen, Arthrose kann entstehen. 54) Wenn du mehr über die Funktionsweise deines Knorpels erfahren willst, legen wir dir unseren großen Arthrose-Artikel ans Herz. Infos speziell zur Kniearthrose bekommst du hier, alles Wichtige zur Hüftarthrose hier.

Damit nicht genug: Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Hypermobilität ein Risikomerkmal für die Entstehung des Fibromyalgie-Syndroms darstellt — und dies bereits im Kindesalter. 55) Schmerzen an Füßen, Waden und der Patellasehne scheinen im Rahmen der Symptomatik ebenfalls gehäuft vorzukommen, gleiches gilt für das Karpaltunnelsyndrom. Gerade im Bereich des Handgelenks sind es ungewöhnliche Schlafstellungen, die bei hypermobilen Patienten leicht zu Druckschädigungen sensibler Strukturen führen können. 56)

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4. Hypermobilität diagnostizieren?

Wollen Ärzte und Therapeuten die Überbeweglichkeit ihres Patienten feststellen, stehen sie vor einem Grundproblem. Denn Hypermobilität ist immer relativ. Ihre Diagnostik braucht zwingend einen Vergleichswert, an dem sich die Untersuchungsergebnisse ablesen lassen.

Wo aber soll man die Grenze ziehen zwischen noch „normalen“ Werten und „schon“ hypermobilen Befunden?

Während bei der lokalen Hypermobilität einfach das Gelenk der anderen Körperseite als Vergleichsgröße dient, fällt diese Option bei der Bewertung einer generalisierten Hypermobilität weg. Der einzig mögliche Maßstab bleiben die durchschnittlichen Beweglichkeitswerte der Bevölkerung. Wie oben erwähnt, sind diese Werte jedoch keineswegs „normal“.

Herangezogen werden also keine „natürlichen“ Angaben, sondern die Ergebnisse einer bereits bewegungseingeschränkten Gesamtbevölkerung. Die Diagnose „Hypermobilität“ ist deshalb stets mit Vorsicht zu genießen.

Vielleicht bist du jetzt aber trotzdem neugierig, wie eine konstitutionelle Hypermobilität festgestellt wird, oder du möchtest dich selbst testen. Dann kannst du dich am Beighton Score orientieren. Dabei handelt es sich um einen Beweglichkeitstest, der in der klinischen Praxis häufig eingesetzt wird. Um das gesamte Bewegungsverhalten eines Patienten erfassen zu können, werden hier über den ganzen Körper verteilte Bewegungsprüfungen durchgeführt. So wird die Überstreckbarkeit an den kleinen Fingern, Daumen, Ellbogen, Knien und der Wirbelsäule getestet. Jeder einzelne Test fließt in das Gesamtergebnis ein und ermöglicht am Ende eine altersabhängige Übersicht über das Bewegungssystem des Patienten.

Beighton Score zur Diagnostik bei Hypermobilität

Einzeltest zur BeweglichkeitAuswertung
Kleiner Finger: passive Überstreckung über 90 Grad (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Daumen: passive Bewegung bis an den Unterarm (mithilfe der anderen Hand)Jeweils 1 Punkt rechts und links
Ellenbogen: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Knie: Überstreckung mehr als 10 GradJeweils 1 Punkt rechts und links
Beugung der Wirbelsäule: Patient kann beide Handflächen bei durchgestreckten Knien am Boden ablegen1 Punkt
Hypermobilität liegt vor ab:

4 von 9 Punkten bei Erwachsenen jünger als 50 Jahre
3 von 9 Punkten bei Erwachsenen älter als 50 Jahre
5 von 9 Punkten bei Kindern
Maximalpunktzahl: 9 Punkte

Falls du dir unter den einzelnen Tests nur schlecht etwas vorstellen kannst, hilft dir dieses YouTube-Video bestimmt weiter. Auch wenn das Video in englischer Sprache ist, siehst du dort ganz konkret, wie die Gelenk-Prüfungen nacheinander durchgeführt werden und kannst dich direkt selbst testen:

Bitte beachte: Der Beighton Score gibt lediglich einen Hinweis darauf, ob der Patient hypermobil ist. Eine Aussage über bestehende Beschwerden sind damit nicht möglich. Zu diesem Zweck wurden die Brighton Criteria entwickelt. Sie erlauben es, Schmerzen, Instabilitäten oder internistische Symptome abzubilden. Damit lässt sich Überbeweglichkeit klarer als komplexes Phänomen mit einem spezifischen Krankheitsbild erfassen. Je nach Befund, „werden aus hypermobilen Menschen Patienten mit Hypermobilitätssyndrom.“ 57)

Brighton Criteria zur Diagnostik eines Hypermobilitätssyndroms

Kriterien
Hauptkriterien:
Positiver Beighton Score (siehe oben)
Schmerzen in vier oder mehr Gelenken seit über 3 Monaten
Nebenkriterien:
Beighton Score nur in wenigen Gelenken auffällig
Rückenschmerzen
Wirbelgleiten
Schmerzen in mindestens ein bis drei Gelenken
Mehrmalige Verrenkungen von Gelenken
Auffällig dehnbare Haut und andere Hautprobleme
Sehr schlanker Körperbau
Fallende Augenlider
Neigung zu Hernien (Bruch im Bereich der Eingeweide), Hämorrhoiden, Venenproblemen oder blauen Flecken
Bekannter Mitralklappenprolaps (meist angeborene Fehlbildung am Herzen), Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall) oder Rektalprolaps (Mastdarmvorfall mit Austritt der Darmwand aus dem After)
Der Test ist positiv ab:

2 Hauptkriterien
1 Hauptkriterium + 2 Nebenkriterien
4 Nebenkriterien
2 Nebenkriterien + familiäre Vorbelastung

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Die effektivsten Übungen gegen Schulterschmerzen:

Ratgeber Deckblatt links "Schulterschmerzen - Effektive Liebscher & Bracht Übungen gegen Schulterschmerzen" mit Bild von einem lächelnden Mann darauf (Roland) - Rechts daneben aufgeschlagen der Ratgeber mit links Text und rechts mit mehreren Fotos zu den Übungen.
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5. Behandlung von Beschwerden bei Hypermobilität

Ob du nun „nur“ hypermobil bist oder nach einer Untersuchung auch die Kriterien des Hypermobilitätssyndroms erfüllst, spielt für unsere Behandlung nur eine untergeordnete Rolle. Im einen Fall kann dir unser Ansatz helfen, Schmerzen und anderen Beschwerden effektiv vorzubeugen. Im anderen Fall kannst du unsere Übungen vielleicht als Ergänzung deines bisherigen Therapieprogramms betrachten, die deine Schmerzen lindern und dich ein Stück weit unabhängiger von Ärzten oder Schmerzmitteln machen können.

Medikamente helfen nicht langfristig

Der Grundgedanke unseres Behandlungsansatzes lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“, weitestgehend ohne den Einsatz von Schmerzmitteln. Im Falle der Hypermobilität steht diese Maxime im Einklang mit der schulmedizinischen Sichtweise: Denn „Medikamente“, so heißt es in der Ärzte Zeitung, „helfen den Betroffenen meist nicht“. 58) Viel wichtiger sei in der Krankengymnastik die gezielte Tonisierung, also die Spannungserhöhung, Kräftigung und Straffung des muskulär-faszialen Netzwerks.

Eigenaktivität als Basis

Die Empfehlung, bei stabilisierenden Kräftigungsübungen auf die Eigenaktivität des Patienten zu setzen, deckt sich ebenfalls mit unserem Grundsatz.

„Der hypermobile Patient muss von Anfang an wissen, dass Selbstübungen hier zum festen Bestand des therapeutischen Vorgehens gehören.“ 59)

Das richtige „Krafttraining“

Schließlich können wir auch die in der Literatur zu findende Warnung unterschreiben, im Rahmen der Krankengymnastik nicht „blind“ auf reines Krafttraining zu setzen. 60) Sind nämlich bestimmte Muskeln deines Körpers als Reaktion auf hypermobile Nachbarbereiche extrem überspannt, kann eine zusätzliche Spannungserhöhung durch Krafttraining deine Schmerzen sogar verschlimmern. Um dies zu verhindern, arbeiten unsere Übungen mit einer Kombination aus Dehnung und sanfter Kräftigung mit moderaten Wiederholungen ein- oder zweimal täglich.

Eine Frau mit einer blauen Bandage an ihrem hypermobilen Ellenbogen

© Robert Kneschke | shutterstock.com

Das Problem mit Bandagen und co.

Skeptisch sind wir in Bezug auf alle Hilfsmittel, die deine überbeweglichen Gelenke von außen — und damit künstlich — stabilisieren sollen. Sicherlich profitieren Patienten in schweren Fällen von Bandagen, Schienen, Orthesen, einem Korsett oder gar einer stabilisierenden Operation. Meistens gilt aus unserer Sicht jedoch das, was wir auch bei Schmerzzuständen von „Wikingern“ immer wieder betonen: Bandagen und co. schieben das Problem nur auf die lange Bank und machen es dadurch manchmal sogar schlimmer. Die eigentliche Ursache — Überspannungen dort, ein schwaches muskulär-fasziales Gewebe hier — bleibt bestehen. Spätestens wenn das stabilisierende Hilfsmittel wieder weggelassen wird, können die Schmerzen zurückkehren.

6. Übungen bei Hypermobilität -- So kannst du dir selber helfen

Zugegeben, die Liste an möglichen Beschwerden und Risiken durch Hypermobilität ist ziemlich lang. Die gute Nachricht für dich lautet jedoch: Es muss nicht so weit kommen. In vielen Fällen kannst du mithilfe unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen gezielt gegensteuern. Übst und rollst du regelmäßig, stehen die Chancen gut, dass sich deine Symptome abschwächen und mögliche Komplikationen ausbleiben. Und selbst wenn du bereits chronische Rückenschmerzen, Arthrose oder einen Bandscheibenvorfall hast, kannst du mit unserem Behandlungsangebot nur gewinnen. Probiere es einfach aus, finde heraus, was dir gut tut, und gewinne die Kontrolle über deinen hypermobilen Körper zurück.

Wie gehst du jetzt am besten vor? 

Falls deine Schmerzen aufgrund der Gelenküberbeweglichkeit nicht so stark sind, dass du die Hilfe einer der von uns ausgebildeten Schmerzspezialisten benötigst, erzielst du mit unserem Selbsthilfe-Angebot die besten Ergebnisse. Solltest du unsere Vorgehensweise schon von anderen Schmerzzuständen kennen, gibt es bei der Behandlung deines Hypermobilitätssyndroms einige Besonderheiten, die du unbedingt beachten solltest. Dies gilt für unsere Übungen genauso wie für die Faszien-Rollmassage. Was ganz konkret wichtig ist und wie du Schritt für Schritt vorgehst, zeigt dir Roland Liebscher-Bracht in den folgenden beiden Videos.

Unter den Videos findest du jeweils eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, damit du sie immer wieder schnell nachlesen kannst. Ganz am Ende dieses Kapitels wartet schließlich eine Checkliste mit allgemeinen Tipps zur Durchführung unserer Übungen und Faszien-Rollmassagen auf dich.

Los geht’s mit einer unserer Übungen. Am Beispiel eines hypermobilen Handgelenks verdeutlichen dir Roland und Ina, wie du Dehnung und Kräftigung clever miteinander kombinieren kannst.

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Schritt für Schritt: Die Übung zum Nachlesen

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk maximal, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen.

1. Setze dich auf die Knie und bringe das Handgelenk in die größtmögliche Dehnung, indem du deine Fingerspitzen in Richtung Knie zeigen lässt. Dein Ellenbogen sollte komplett durchgestreckt sein. In dieser maximalen Dehnung spannst du deine Muskulatur im Unterarm jetzt so fest es geht an — als wollten die Finger mit aller Macht in den Boden. Halte diese Maximalspannung für zehn Sekunden, ehe du die Spannung kurz herausnimmst.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist dabei nicht maximal, da die Patientin ihren Oberkörper leicht nach vorne nimmt.

2. Verkleinere jetzt den Dehnungswinkel, indem du mit deinem Oberkörper ein Stück nach vorne gehst. In dieser Position spannst du wieder voll an, drückst also Handfläche und Finger mit maximaler Kraft in den Boden. Halte auch diese Anspannung für zehn Sekunden.

Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Patientin eine Dehn- und Kräftigungsübung bei Hypermobilität des Handgelenks. Die Patientin kniet auf einer roten Übungsmatte und dehnt ihr rechtes Handgelenk, indem die Finger der rechten Hand bei durchgestrecktem Ellenbogen auf dem Boden liegend zum rechten Knie zeigen. Der Dehnungswinkel des Handgelenks ist stark verringert, da die Patientin ihren Oberkörper nach vorne nimmt.

3. Nachdem du kurz locker gelassen hast, gehst du noch etwas weiter nach vorne. Drücke Handfläche und Finger ein letztes Mal so fest du kannst in den Boden, ehe du nach zehn Sekunden am Ende deiner Kräftigungsübung angekommen bist.

📌Übungen gegen Schmerzen bei Hypermobilität — das Grundprinzip

Du hast gar keine Schmerzen am Handgelenk? Keine Sorge, das oben gezeigte Prinzip gilt bei Hypermobilität für all unsere Übungen. Gehe am besten auf unseren YouTube-Kanal, suche nach demjenigen Schmerzzustand, der dir gerade die größten Probleme macht, und passe die dort gezeigte Dehnübung immer den Muskeln und Faszien deines hypermobilen Körpers an. Das heißt: Bei jeder Übung kombinierst du Dehnung mit Kräftigung, um nach und nach wieder Stabilität in dein System zu bringen. Drei Stufen sind dazu notwendig:

  1. Maximale Dehnung, maximale Anspannung
  2. Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung
  3. Weitere Verringerung der Dehnung, maximale Anspannung

Auch bei unseren Faszien-Rollmassagen macht deine Gelenkhypermobilität ein besonderes Vorgehen nötig. Alle Einzelheiten verrät dir unser Schmerzspezialist in diesem Video:

Halten wir in puncto Faszien-Rollmassage bei Hypermobilität fest: Schnelles Hin- und Herrollen bringt deine Fibroblasten dazu, vermehrt Bindegewebe zu produzieren. Insbesondere dann, wenn bei dir eine Schwäche des Bindegewebes als Ursache der Hypermobilität in Frage kommt, kann eine Stimulation des faszialen Gewebes mithilfe der Rollmassagen vielversprechend sein. Denn je mehr Bindegewebe dein Körper rund um ein schmerzhaftes, hypermobiles Gelenk herstellt, umso stabiler werden die Verhältnisse in diesem Bereich. Gleichzeitig erreichst du mit dem Rollen auch eine Spannungserhöhung deiner Muskulatur. Beide Prozesse zusammen können — in Verbindung mit den oben beschriebenen Übungen — viele deiner Beschwerden mildern. Alle Vorteile unserer Faszienrollen und -kugeln siehst du hier auf einen Blick.

📌 Checkliste für die Liebscher & Bracht-Übungen

Damit bei deinen Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Kräftigung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Übung noch ruhig atmen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die Kräftigungs-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jede Übung solltest du insgesamt zwei bis zweieinhalb Minuten investieren.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und -intensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sollten die Schmerzen aufgrund der Übungen zunehmen, besteht kein Grund zur Panik. Eine Erstverschlimmerung kann eine normale Reaktion deines Körpers sein. Wenn sich deine gesamte Körperstatik durch regelmäßiges Training verändert, muss sich der Bewegungsapparat erst nach und nach daran anpassen. Geht es dir nach den Übungen aber dauerhaft schlechter statt besser, signalisiert dir dein Körper, dass du es womöglich übertreibst. Pausiere dann einfach für einen oder zwei Tage und/oder verringere bei deinen nächsten Übungseinheiten ein wenig die Intensität, um dich anschließend wieder in kleinen Schritten zu steigern. So führst du deinen Körper schonend an die für dich richtige Acht oder Neun auf der Schmerzskala heran.

Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse nicht selten sind. Die Fehlspannungen rund um deine Gelenke und die Bindegewebsschwäche können stark ausgeprägt sein. Es kann daher einige Wochen dauern, bis dein Gehirn neue Anspannungsprogramme für deine Muskeln speichert und die Fibroblasten in Fahrt kommen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, hast du gute Karten, dass deine Hypermobilität mit der Zeit immer weniger Beschwerden verursacht.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Üben und Rollen!

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