Studie zeigt: Viele Schulter-OPs sind überflüssig!

Seit einiger Zeit sorgt eine Studie über Schulteroperationen für reichlich Wirbel unter Ärzten und Patienten. Was zeigt die Studie? Zur Behandlung von Schulterschmerzen wurden manche Studien-Teilnehmer an der Schulter operiert, anderen wurde dieser Eingriff nur vorgetäuscht. Eine dritte Gruppe bekam gar keine Behandlung. Als die Wissenschaftler untersuchten, wer anschließend weniger Schmerzen hatte, erhielten sie ein überraschendes Ergebnis.

Im Video erklärt Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht, welche Ursachen meist für Schulterschmerzen verantwortlich sind. Und du erfährst, in welchen Fällen dir eine Schulteroperation nur wenig hilft.

Auf dieser Seite kannst du die Ergebnisse der Studie nachlesen und selbst nachvollziehen, wie all das zu erklären ist.

  1. Was geschah in der Studie zu Schulteroperationen?
  2. Wie kann es sein, dass Schulteroperationen nicht helfen?
  3. Welche Alternative gibt es, um Schulterschmerzen zu behandeln?

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1. Was geschah in der Studie zu Schulteroperationen?

In der englischen Studie zu Schulteroperationen ging es darum, die Wirksamkeit gängiger Operationsmethoden zu überprüfen.1)

Zur Untersuchung wurde an 32 verschiedenen Krankenhäusern in Großbritannien eine Placebo-kontrollierte Studie durchgeführt. Die teilnehmenden Patienten litten seit mindestens drei Monaten unter Schulterschmerzen. Sie hatten zuvor herkömmliche Physiotherapie durchlaufen und mindestens eine Spritze gegen die Schmerzen bekommen — ohne, dass ihre Beschwerden deutlich besser wurden.

1.1 Aufbau der Studie

Die Versuchsleiter teilten diese Probanden in drei Gruppen mit jeweils rund 100 Patienten ein.

In einem olivgrünen Kreis sieht man ein Stethoskop.

In der ersten Gruppe erhielten Patienten eine normale Spiegelung des Schultergelenks (Arthroskopie) mit einer „subacromialen Dekompression“. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich eine operative Methode, die häufig bei Schulterschmerzen angewandt wird. 

Die Chirurgen führten über einen kleinen Hauteinschnitt ein langes, dünnes Rohr mit einer Kamera (Arthroskop) und chirurgischen Werkzeugen in das Schultergelenk ein. So konnten sie das Gelenk untersuchen und Weichteile sowie ungewöhnliche Verknöcherungen operativ entfernen.

Dieser Eingriff soll die Sehnen entlasten und Platz unter dem Schulterdach schaffen, damit sich der Gelenkspalt wieder vergrößert und Patienten ihre Schulter ohne schmerzhafte Reibung im Gelenk bewegen können.

In einem olivgrünen Kreis sieht man eine Gedankenwolke mit einem medizinischen Kreuz in der Mitte.

In der zweiten Gruppe dachten die Patienten ebenfalls, dass ihre Schulter operiert wurde — allerdings fand das nie statt. In Wirklichkeit bekamen sie eine Placebo-Operation.

Zur Arthroskopie wurde genau wie bei der ersten Gruppe ein langes, dünnes Rohr mit einer Kamera in das Schultergelenk eingeführt. Allerdings untersuchten die Chirurgen damit das Gelenk nur, aber führten keine weiteren Eingriffe durch.

Nach der Operation sahen die Patienten die typische Narbe an der Schulter und gingen fest davon aus, dass sie eine vollständige Schulteroperation bekommen hatten.

In einem olivgrünen Kreis sieht man den Umriss einer Person, auf deren Schulter drei Striche zeigen.

In der dritten Gruppe bekamen die Patienten weder eine echte noch eine Schein-Operation. Sie wurden nur medizinisch beobachtet.

Zwar kontrollierten Ärzte regelmäßig den Gesundheitszustand ihrer Patienten, aber auf eine Schulteroperation mussten diese zunächst warten. 

1.2 Ergebnis der Studie

Nach jeweils sechs und zwölf Monaten untersuchten die Studienleiter, ob sich die Schulterschmerzen bei den Patienten der unterschiedlichen Gruppen verringert hatten. Man sollte denken, dass die Beschwerden nach einer richtigen Operation deutlich reduziert sind und Patienten keine Schmerzen zu beklagen haben. Doch das Studienergebnis war anders.

Zwischen der Gruppe eins, die eine richtige Operation erhalten hatte, und der Gruppe zwei mit Placebo-Eingriff, konnte kein Unterschied festgestellt werden!

  • Die Schulteroperation zur Vergrößerung des Gelenkspalts war unnötig. Schließlich hatte die Placebo-Operation der zweiten Gruppe fast die gleiche Wirkung auf die Schulterschmerzen, obwohl die Chirurgen eine solche Schulteroperation nur vorgetäuscht hatten.
  • Patienten der dritten Gruppe, die gar keine Schulteroperation erhielten, hatten am Ende der Studie ebenfalls weniger Schulterschmerzen. Gemäß der Untersuchung waren sie nach einem Jahr sogar gleichauf mit Patienten aus den beiden „OP-Gruppen“. Es konnte lediglich ein leichter, klinisch nicht relevanter Vorteil der zwei OP-Gruppen festgestellt werden.

Keine Operation durchzuführen, hatte also nahezu den gleichen Effekt auf die Schulterschmerzen wie eine aufwendige Schulteroperation – so lautet das Ergebnis der Studie.2) Willst du mehr dazu erfahren? Dann kannst du die Studie selbst im englischen Original nachlesen.

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2. Wie kann es sein, dass Schulteroperationen nicht helfen?

Lange Zeit war sich die medizinische Forschung uneinig, wie Schulterschmerzen speziell unter dem Schulterdach (Impingement) am besten zu behandeln sind. Einige Berichte deuteten bereits darauf hin, dass Bewegungstherapie besser geeignet ist als eine Schulteroperation.3) Dennoch berichteten viele Ärzte weiterhin von guten Ergebnissen durch Schulteroperationen.4)

Die Studie aus Großbritannien zeigt, dass Schulteroperationen nicht effektiv sind.5) Dafür gibt es drei Gründe:

  1. Ein Jahr nach ihrer Schulteroperation berichten Patienten über Schulterschmerzen, die genauso stark sind wie bei Betroffenen, die keine Operation hatten.
  2. In der zweiten Studiengruppe wurde nur der Anschein einer Schulteroperation erweckt. Trotzdem berichten die Patienten von einer Verbesserung ihrer Schulterschmerzen. Ein chirurgischer Placebo-Effekt könnte dafür verantwortlich sein, vermuten die Wissenschaftler. Allein das Gefühl, eine Operation erhalten zu haben, scheint die Schmerzen zu lindern.
  3. Obwohl die erste Studiengruppe eine reguläre Operation erhielt und Gruppe zwei nur eine Schein-OP, bekamen beide dieselbe Nachbehandlung. Die Schmerzlinderung könnte daher auch durch gezielte Bewegungstherapie im Anschluss an die OP zu erklären sein.

2.1 Was passiert bei einer Schulteroperation?

Die medizinische Theorie lautete bisher, dass Schmerzen unter dem Schulterdach oft durch Reibung entstehen. Demzufolge sollten bei einer Schulteroperation zur Dekompression alle Veränderungen beseitigt werden, die für Reibung sorgen.

Die Grafik zeigt das menschliche Skelett und die Knochen im Schultergelenk.

Normalerweise ist unter deinem Schulterdach genügend Platz, sodass sich der Oberarmknochen im Schultergelenk flexibel bewegen kann. Damit dein Oberarm stabil im Gelenk sitzt, ist er von einer Muskel-Sehnen-Platte (Rotatorenmanschette) umschlossen. 

  • Wenn es rund um das Schultergelenk zu Veränderungen im Gewebe kommt, haben Oberarm und Rotatorenmanschette weniger Platz.
  • Im Engpass unter dem Schulterdach entsteht dadurch eine Reibung, die zu Schmerzen und Entzündungen führen kann. Man spricht vom sogenannten Impingement-Syndrom.
  • Kalkablagerungen in der Schulter oder ein entzündeter Schleimbeutel können den Platz in der Schulter ebenfalls einschränken und zum Impingement-Syndrom beitragen.

2.2 Warum wirken Schulteroperationen nicht?

Die meisten Operationsmethoden werden nur sehr selten anhand von Placebo-kontrollierten Studien untersucht und ausgewertet.6) Daher weiß man vergleichsweise wenig über den Erfolg der chirurgischen Maßnahmen. Hartwig Bauer, langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, sagt dazu in der Süddeutschen Zeitung:

„Wir schneiden manchmal nur, weil wir daran glauben wollen und die Patienten überzeugt sind, dass der Eingriff hilft.“7)

Die englische Studie zeigt nun, dass es bei einem schmerzhaften Impingement-Syndrom nichts nützt, Veränderungen im Gewebe des Schultergelenks chirurgisch zu entfernen.8) 

Roland Liebscher-Bracht steht neben einem menschlichen Skelett und zeigt mit seiner Hand auf den Oberarm im Schultergelenk.

Wie Roland Liebscher-Bracht im Video erklärt, liegt die entscheidende Ursache für Schulterschmerzen häufig in den Muskeln und Faszien rund um das Schultergelenk.

  • Im modernen Alltag nutzen viele Menschen nur einen Bruchteil der möglichen Bewegungswinkel ihrer Schulter.9)
  • Dadurch „verkürzen“ die kleinen Muskeln rund um dein Schultergelenk und das elastische Bindegewebe (Faszie) wird fest und unnachgiebig. Die einzelnen Fasern lassen sich dann nur schwer gegeneinander verschieben.10)
  • So entstehen hohe Spannungen im Gewebe, die zu weiteren Schäden und somit zu Schmerzen führen können.

Während einer Schulteroperation (subacromiale Dekompression) entfernen Chirurgen kleine Verknöcherungen und vermeintlich störende Weichteile im Schultergelenk. Gegen die zu hohen Spannungen der Muskeln und Faszien wirkt die OP allerdings nicht. Daher kehren nach einer Schulteroperation die Schmerzen oft zurück.

Um Spannungen zu reduzieren, die Schmerzen im Schultergelenk verursachen, eignet sich vor allem eine ausgewogene Bewegungstherapie. Dadurch kannst du die zu hohen Spannungen der Muskeln und Faszien senken.

3. Welche Alternativen gibt es, um Schulterschmerzen zu behandeln?

Unabhängig von der englischen Studie zeigten in der Vergangenheit bereits mehrere Untersuchungen, dass Schulteroperationen zur Dekompression nicht gegen Schmerzen helfen.11)

Die Placebo-Kontrolle zeigt: Die Effektivität dieser Schulteroperation ist widerlegt, weil eine Dekompression unter dem Schulterdach keine Schmerzlinderung bringt. 

Obwohl die ersten beiden Gruppen der englischen Studie unterschiedliche – beziehungsweise nur eine vorgetäuschte Operation – erhielten, absolvierten die Patienten in beiden Gruppen die gleiche physiotherapeutische Nachbehandlung. Das könnte erklären, warum sie zunächst weniger Schulterschmerzen hatten.12)

Patienten mit weniger Schmerzen machten regelmäßig Dehn- und Bewegungsübungen für ihr Schultergelenk. 

Um muskulär-fasziale Spannungen zu reduzieren, die Schmerzen im Schultergelenk verursachen, eignet sich eine ausgewogene Bewegungstherapie hervorragend. Indem du deine Schulter vorsichtig, aber gezielt bewegst und dehnst, lösen sich die hohen Spannungen der verkürzten Muskulatur und die Faszien werden geschmeidig. Solche Übungen können helfen, damit deine Schulterschmerzen nachlassen.

Ein Mann kniet am Boden auf einer grauten Trainingsmatte. Er hat sich nach vorne gebeugt und stützt seinen Oberkörper mit gestreckten Armen am Boden ab.

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Eine Frau steht in Richtung einer grünen Wand und streckt die Arme hinter dem Kopf in die Höhe, dabei zieht sie ein grünes Band, den Schulterretter von Liebscher & Bracht, auseinander.
Eine Frau steht der Kamera abgewandt in Richtung einer grünen Wand und streckt beide Arme mit Hilfe des Schulterretters nach hinten.

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