Interview mit Prof. Dr. med. Oliver Tobolski

Titel: Neue Anwendungsbeobachtung zur Wirksamkeit der LNB Schmerztherapie bei der Behandlung von Leistungssportlern.

Erschienen in der Zeitschrift „Fitness Tribune“

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Oliver Tobolski (T), Roland Liebscher-Bracht (RLB); Interviewer: Chefredakteur Jean-Pierre Schupp (JPS)

Prof. Dr. med. Tobolski praktiziert seit 2001 in Köln mit Schwerpunkt Sportorthopädie und Sporttraumatologie. 2010 gründete er Sporthomedic, eine Praxisklinik mit fünf Fachärzten, spezialisiert auf degenerative Gelenkerkrankungen vornehmlich des Knie-, Sprung- und Schultergelenkes; weitere Behandlungsschwerpunkte sind die Fuß- und Handchirurgie, die Kinderorthopädie sowie Implantationen künstlicher Gelenke. Wissenschaftlich engagierte er sich erstmals an der Universitätsklinik zu Münster. Hier betreute und prüfte er im Rahmen experimenteller Studien diverse Behandlungsverfahren und erhielt die Zulassung als Prüfungsleiter für klinische Studien. Lehrtätigkeiten sowohl an der Deutschen Sporthochschule als auch an der Rheinischen Fachhochschule Köln schlossen sich an.

Roland Liebscher-Bracht entwickelte seit 1986 zusammen mit seiner Frau Dr. Petra Bracht eine neue Theorie der Schmerzentstehung. Seit 2007 unterrichten beide die daraus resultierende LNB Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht. Sein Part besteht in der Vermittlung der so getauften Osteopressur, der therapeutischen Engpassdehnungen und der seit 1986 parallel entwickelten Bewegungstherapie LNB Motion. Inzwischen nahmen über 4.000 Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker (Schmerztherapeuten, Orthopäden, Chirurgen, Osteopathen , Chiropraktiker, Neuraltherapeuten, Akupunkteure, Allgemeinmediziner, Naturheilärzte sowie Anwender der Triggerpunkttherapie, FDM, Dorn, Rolfing usw.) an den Ausbildungen teil. Auch Psychotherapeuten, Kieferorthopäden und Zahnärzte entdecken zunehmend die Vorzüge der LNB Therapie.

Das ging voraus: Professor Tobolski führte eine kontrollierte, nicht randomisierte Anwendungsbeobachtung an Leistungssportlern durch. Untersucht wurden die Zielparameter Geometrie von Becken und Wirbelsäule mittels digitaler 3D-Rekonstruktion, die Knorpeldicke mittels Ultraschall, die Schmerzintensität mittels visueller analog Skala (VAS) sowie die körperliche Leistungsfähigkeit mittels one-leg-hop, jeweils vor und nach einer LNB Behandlung.  Die Auswertung brachte erstaunliche Ergebnisse in Bezug auf Schmerzreduktion, Haltungsverbesserung und Leistungssteigerung.

JPS: In Ihrer Praxisklinik SPORTHOMEDIC in Köln werden Leistungssportler und auch Freizeitsportler schon seit 3 Jahren nach der Methode von Liebscher & Bracht behandelt. Wie sind Sie auf die LNB Schmerztherapie aufmerksam geworden? Was hat Sie an der Methode am meisten fasziniert?

Interview:

OT: Die LNB-Schmerztherapie habe ich über einen Kollegen vor ca. 2 Jahren kennen gelernt. Mich fasziniert das schnelle Ansprechen der Patienten mit chronifizierten Schmerzen und die „Logik“ der Behandlung.

JPS: Mit Ihrer Schmerztherapie verfolgen Sie einen völlig neuen Ansatz der Schmerztheorie. Worin sehen Sie demnach die Ursache für die Entstehung von Schmerzen? Wo setzt die LNB Schmerztherapie an?

RLB: Wir wissen nach nun fast 30 Jahren, dass über 90 Prozent der heute am häufigsten auftretenden Schmerzen rein funktionell sind. Dass diese von uns so titulierten Alarmschmerzen und parallel dazu Verschleißvorgänge und andere Schädigungen der Struktur vor allem durch Verkürzungen und Zugspannungserhöhungen der Muskeln und Faszien ausgelöst werden. An diese Ursache setzt unsere Therapie an.

JPS: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Hauptschwierigkeiten bei der Behandlung von Schmerzsyndromen bei Leistungssportlern und auch bei Normalsportlern bzw. mit welchen Problemen kommen diese Sportler zu Ihnen?

OT: Die meisten Patienten, sowohl normal- als auch leistungsorientierte Sportler kommen mit Beschwerden des unteren Rückens zu uns. Sie berichten von Verletzungsanfälligkeiten, insbesondere der Oberschenkelmuskulatur, von immer wiederkehrenden Beschwerden des unteren Rückens sowie Bewegungseinschränkungen im Bereich der Brust- und Halswirbelsäulenmuskulatur, insbesondere bei Sportlern, die Überkopf-Sportarten durchführen. Durch die LNB-Behandlung sind wir nun in der Lage, diese Beschwerden ohne große bildgebende Diagnostik und ohne größere invasive Maßnahmen sinnvoll und nachhaltig zu therapieren.

JPS: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht bei der Behandlung dieser Schmerzsyndrome?

OT: Die LNB-Schmerztherapie versetzt uns in die Lage, Patienten sehr nachhaltig und sehr schnell zu therapieren und ihnen bereits am Ende der Behandlung Verbesserungen der Beschwerdesymptomatik aufzuzeigen. Dadurch können die Patienten sehr viel schneller in ihre sportliche Betätigung und in ihr Training zurückkommen.

JPS: Welche Rolle spielen dabei die Engpassdehnungen?

RLB: Diese speziell entwickelten Übungen normalisieren die Bewegungsprogramme im PAG (periaquäduktales Grau) und bringen das oft verfilzte Fasziensystem wieder in den genetisch geplanten gesunden Zustand. Beides korrigiert die meist überhöhten Zugspannungen.

JPS: Sie haben aktuell eine Anwendungsbeobachtung zum Thema „Visualisierung des Therapieerfolges einer LNB Behandlung mit Hilfe der 4 D Rasterstereographie beim Leistungssportler“ durchgeführt. Was waren Ihre Gründe für die Durchführung der Anwendungsbeobachtung?

OT: Die Anwendungsbeobachtung war für uns deswegen spannend, um zu überprüfen, ob die Eindrücke, die wir im Rahmen der LNB-Behandlung gewonnen haben objektivierbar sind.

JPS: Welche Ergebnisse hat die Anwendungsbeobachtung hervorgebracht? Können Sie hier auch einige Beispiel nennen, die für Sie besonders beeindruckend waren?

OT: Durch die 4-dimensionale Wirbelsäulenvermessung konnten wir zeigen, dass Patienten vor der Behandlung deutlich schlechter „standen“ als nach der Behandlung. Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass die objektive Leistungsfähigkeit des leistungsorientierten Sportlers unter der LNB-Behandlung zu steigern war. Zusammenfassend hat die Anwendungsbeobachtung gezeigt:

1.) Die Behandlung mit LNB führt zu einer deutlichen Aufrichtung des Patienten, sämtliche Haltungsparameter werden nachhaltig verbessert.

2.) Die objektiven Leistungsparameter (single-leg-hop) werden unter der LNB-Therapie deutlich besser, die gemessene Sprungweite stieg um knapp 10 Prozent

3.) Auch messbare Parameter (Knorpeldicke retropatellar) verändert sich positiv bei Patienten mit Beschwerden der unteren Extremitäten.

4.) Die Schmerzen der untersuchten Probanden konnten nach nur einer Behandlung vom VAS-Wert 5,1 auf 1,9 gesenkt werden, also um durchschnittlich 61,4 Prozent

Am meisten hat mich fasziniert, dass die Patienten schon nach einer LNB-Behandlung, wahrscheinlich aufgrund der verbesserten Haltungsparameter, diese deutliche Leistungssteigerung beim sogenannten single-leg-hop nachweisen konnten, das heißt ihre Sprungkraft steigerte sich durch die eingeleitete Therapie nachhaltig.

JPS: Wie lassen sich diese erstaunlichen Erfolge mit der LNB Schmerztherapie erklären?

RLB: Unsere Therapie setzt exakt an den Ursachen an. Wenn das Bewegungssystem von den „Bremskräften“ befreit wird, finden parallel zur Schmerzreduzierung regelrechte Leistungsexplosionen statt.

JPS: Welche relevanten Schlussfolgerungen ziehen Sie aus diesen Ergebnissen?
Welche Rückschlüsse lassen die Ergebnisse dieser Studie auf die Schmerzbehandlung über den Leistungssport hinaus auch bei Freizeitsportlern und sportlich nicht so aktiven Menschen zu?

OT: Aus meiner Sicht zeigt die Anwendungsbeobachtung folgendes: Die LNB-Therapie hat nachweisbare Auswirkungen auf die Haltung, minimiert die Schmerzen und steigert die Leistungsfähigkeit. Darunter sind wir in der Lage, Patienten zügig und nebenwirkungsfrei gut zu behandeln und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern.

JPS: Welche Bedeutung haben die Ergebnisse dieser Studie für die Zukunft der LNB Schmerztherapie?

RLB: Diese Studie ist ein wichtiger weiterer Schritt zur wissenschaftlichen Anerkennung der fast unglaublichen Effekte die wir mit unserer Therapie erreichen. Besonders gefreut hat mich, dass Prof. Tobolski in einem Design die signifikante Verbesserung von gleich 4 Parametern nachweisen konnte. Dies stützt unser Erklärungsmodell gewaltig.

JPS: Wie sehen Sie die Zukunft von LNB bezogen auf den Leistungssport und natürlich auch für „normale“ Sportler und Schmerzpatienten?

OT: Ich glaube, dass wir mit der LNB-Schmerztherapie und insbesondere auch mit der LNB-Motion-Therapie in der Lage sein werden, Patienten gar nicht erst zu Patienten werden zu lassen. Ich glaube weiterhin, dass die LNB-Therapie dazu geeignet ist, durch die Harmonisierung der Bewegungsparameter und die Schmerzbefreiung eine Leistungssteigerung herbeizuführen. Zum anderen aber auch die Verletzungsanfälligkeit der Sportler zu reduzieren. Wir werden dadurch in die Lage versetzt, Verletzungen gar nicht erst auftreten zu lassen und das ist für den Leistungssport mehr als interessant.