Atlaswirbel verschoben? Achte auf diese Symptome

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Du leidest an Kopf- und Nackenschmerzen, vielleicht auch an Schwindel, Tinnitus, Konzentrationsstörungen oder sogar Herzrhythmusstörungen?1) Grund dafür kann neben vielen anderen Ursachen auch der Atlas, dein oberster Halswirbel, sein. Verschiebt er sich, können vielfältige Beschwerden am ganzen Körper auftreten. Auf dieser Seite erfährst du,

  1. welche Funktion der Atlas im Körper übernimmt,
  2. wie du die Symptome eines verschobenen Atlaswirbels erkennst
  3. und mit welchen Übungen du viele dieser Symptome selbstständig behandeln kannst.

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1. Der Atlaswirbel und seine Funktion im Körper

Grafische Darstellung von den Wirbeln Atlas und Axis. Atlas ist grau dargestellt, Axis hellbraun.

Als Atlas wird der erste Halswirbel (C1) beziehungsweise der erste Wirbel deiner Wirbelsäule bezeichnet. Er ist das zentrale Elemente der sogenannten Kopfgelenke — das sind die Gelenke zwischen Schädel und Atlas sowie zwischen Atlas und zweitem Halswirbel. Erst dank dieser Gelenke kann sich der Kopf überhaupt bewegen. Im Sprachgebrauch wird dieser Bereich Genick genannt.

Im Gegensatz zu allen anderen Wirbeln deines Körpers verfügt der Atlaswirbel über keinen Wirbelkörper. Stattdessen setzt er sich aus einem vorderen und einem hinteren Wirbelbogen sowie einer dicken Knochenmasse zusammen. Letztere verbindet beide Bögen miteinander. In der Mitte des Atlaswirbels verläuft der Kanal, in dem sich das Rückenmark durch die komplette Wirbelsäule zieht. Auf der vorderen Seite des Atlaswirbels sitzen sogenannte Querfortsätze. An der Rückseite befinden sich Überreste der Dornfortsätze. An dieser Stelle setzen die vielen kleinen Muskeln der Nackenmuskulatur an.

Gemeinsam mit dem zweiten Halswirbel (Axis) und den umliegenden Muskeln und Bändern bildet er ein eigenes System, in dem viele Nerven zusammenkommen (auch Nackenrezeptorenfeld genannt).2) Die Nerven in der Muskulatur steuern die Stellung des Kopfes und der einzelnen Gelenke, aber auch die Spannung der Nackenmuskulatur und der Sehnen. Das System ist auch an der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt. Es sendet Informationen an unser Gehirn, die dieses in eine entsprechende Reaktion umsetzt.

Manchmal verschiebt sich der Atlaswirbel ein wenig, wodurch das Fundament unseres Skeletts gewissermaßen in Schieflage gerät. Liegt eine Fehlstellung in diesem Bereich vor, bekommt das Gehirn fehlerhafte Informationen. Daraufhin reagiert der Körper mit der falschen Antwort und die Auswirkungen lassen sich manchmal im ganzen Körper bemerken. Genauere Erklärungen dazu und wie es überhaupt dazu kommt, erfährst du in unserem Schmerzlexikon-Artikel zum Thema Atlaskorrektur.

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2. Symptome eines verschobenen Atlaswirbels

Eine Frau liegt mit Schwindel auf ihrem Bett und legt einen Arm über ihr Gesicht.

2.1 Schwindel

Schwindel kann vielfältige Ursachen haben, die du bitte immer ärztlich abklären lässt. Neben einer Störung im Innenohr, dem Gehirn oder Kreislaufbeschwerden kann in einigen Fällen auch eine falsch geleitete Information der sogenannten Stellungswahrnehmer (Propriozeptoren) aus der oberen Halswirbelsäule der Grund dafür sein. Diese Fehlinformationen entstehen, wenn der Atlas nicht richtig positioniert ist.

Ein einfacher biomechanischer Zusammenhang liefert die Erklärung: Die Rezeptoren in der Nackenmuskulatur sind mit dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr verbunden.

Es kann auch sein, dass die Wirbelarterie auf der Höhe des Atlas durch eine übermäßige Bewegung gereizt wird oder dass ein erhöhter Druck auf ihr lastet. Dadurch verengt das Gefäß. In diesem Fall können Bereiche des Gehirns und des Innenohrs beeinträchtigt sein, die von dieser Arterie versorgt werden. Bei einer Atlasfehlstellung liegt hierin eine mögliche Erklärung für Symptome wie

  • Benommenheit,
  • Konzentrationsstörungen
  • oder Leistungsabfall,

besonders, wenn du den Kopf über eine längere Zeit nach vorne beugst, etwa bei der Arbeit am PC.

Dennoch ist die Rolle der Halswirbelsäule bei der Entstehung von Schwindel in der Forschung umstritten. Hintergründe dazu kannst du in unserem Spezial-Artikel zum Thema Schwindel nachlesen.

Das rechte Ohr einer dunkelhäutigen Person in Nahaufnahme

© pexels

2.2 Tinnitus

Tinnitus oder Ohrgeräusche können zu einer extremen Belastung werden. Auch dafür kann neben vielfältigen anderen Ursachen ein verschobener Atlaswirbel der Grund sein.

Der Atlas und das Innenohr liegen anatomisch dicht beieinander.

Bei einer Fehlstellung des Atlas oder Bewegungseinschränkungen wird die Wirbelarterie manchmal leicht komprimiert. Möglicherweise entstehen dadurch Verwirbelungen, die du im Ohr als Rauschen oder Druckgefühl wahrnimmst.

Eine Studie hat ergeben, dass eine Atlastherapie bei Tinnitus sinnvoll sein kann, wenn die Beschwerden durch muskuläre Spannungen ausgelöst werden.3) Auch bei Patienten, die einen Tinnitus durch ein Schleudertrauma erlitten haben, konnte eine Atlastherapie dabei helfen, dass sich die Muskulatur vollständig entspannt und die Symptome mittelfristig verschwinden.

Eine junge Frau liegt im Bett und hält sich mit der rechten Hand ihren Kopf. Ihr Gesicht ist von Schmerzen erfüllt

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2.3 Kopfschmerzen

Viele Haltungen im Alltag können der Wirbelsäule schaden, zum Beispiel langes Sitzen am Schreibtisch ohne den nötigen Ausgleich. Das gilt auch für den Atlaswirbel: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass hierdurch vor allem Kopfschmerzen ausgelöst werden.4) In einer anderen Studie mit Kopfschmerzpatientinnen und -patienten ergaben sich bei über der Hälfte der Untersuchten Befunde im Bereich der Halswirbelsäule.5)

Diese Ergebnisse zeigen, dass Kopfschmerzen oft durch Störungen im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule und damit dem Atlaswirbel stehen. Doch nicht nur das: Migräne, Schwindel, Tinnitus oder Nackenschmerzen können in einer Kettenreaktion folgen.

Eine Funktionsstörung, die sich zwischen dem Hinterhauptbein und dem Atlaswirbel festsetzt, bezeichnet man als Atlasblockade. Betroffene spüren starke Kopfschmerzen, wobei sich der Kopf noch gut bewegen lässt.

Kopfschmerzen machen sich auch bemerkbar, wenn die Blockade zwischen dem Atlaswirbel und dem direkt darunter liegenden Axis liegt. In diesem Fall spüren die Betroffenen eine starke Bewegungseinschränkung, wenn sie den Kopf drehen wollen. Besonders bei dieser Art von Blockade ist eine Behandlung gut möglich.

Eine Person ist von hinten zu sehen. Sie hält sich mit der linken Hand den Hinterkopf und hat den Kopf nach unten geneigt. Die Hand einer anderen Person liegt auf der rechten Schulter.

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2.4 Nackenschmerzen

Der Bereich der Halswirbelsäule ist extrem empfindlich und mit besonders vielen Schmerzrezeptoren ausgestattet. Daher treten Nackenschmerzen bei zu hohen Spannungen rund um den Atlas gehäuft auf. Eine falsche Schlafposition oder eine ungünstige Haltung bei der Arbeit sind häufige Auslöser dafür, wie wir uns durch unser Verhalten im Alltag eine Atlasblockade zuziehen.

Sitzen wir zum Beispiel stundenlang am Schreibtisch vor dem Computer, wird der Kopf permanent nach vorne geschoben und der Rücken meist gerundet. Ein sogenannter Geierhals und ein Brettnacken sind da vorprogrammiert, weil der Kopf beim Blick auf den Monitor oft zusätzlich überstreckt wird. Dies zieht den Atlas langfristig in eine unnatürliche Position.

Man sieht die Rückseite einer dunkelhäutigen Frau mit schwarzen Haaren und Afro-Frisur. Die Frau sitzt seitlich auf einem Sessel und lehnt ihre rechte Seite gegen die Rückenlehne. Sie trägt eine weiße Hose

© pexels

2.5 Rückenschmerzen

Ist der Atlaswirbel verschoben, gerät die komplette Statik des Körpers durcheinander. Immerhin trägt der Atlas den etwa 6 Kilogramm schweren Kopf — und dieser verschiebt sich ebenfalls leicht, sobald der Atlas nicht mehr richtig ausgerichtet ist.

Durch dieses Ungleichgewicht hat eine Körperseite mehr zu tragen, was eine Ausgleichsreaktion auf der anderen Seite provoziert. Die Folge: Durch die einseitige Belastung kommt es zu erhöhten muskulär-faszialen Spannungen, wodurch sich auch eine Seite des Beckens leicht nach oben verziehen kann. So entstehen nicht selten ein Beckenschiefstand mit begleitenden Rückenschmerzen, die besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule zu spüren sind.

Viele unserer Patientinnen und Patienten mit Bandscheibenvorfällen haben auch einen Beckenschiefstand und massive Verspannungen im Bereich des Atlaswirbels. Eine Atlaskorrektur kann dafür sorgen, dass sich der Körper neu ausrichtet. Dadurch lässt sich auch die Belastung neu verteilen, was eine Entlastung und Regeneration der Bandscheiben ermöglichen kann.

3. Behandlung & Selbsthilfe bei verschobenem Atlaswirbel

Da im Bereich des Atlaswirbels viele Muskeln, Bänder und Faszien ansetzen, ist er sehr empfindlich. Kommt es zu hohen Spannungen im Nacken, kann das aus unserer Perspektive am Atlas „ziehen“, der daraufhin minimal verrutscht – nach vorne, hinten oder zu den Seiten.

Das kannst du jetzt tun:

Damit der Atlas — auch dauerhaft — an seinem Platz bleibt, solltest du regelmäßig unsere Dehnübungen machen. So können die Muskeln, Bänder und Faszien rund um den Atlaswirbel flexibel bleiben und nicht irgendwann zu stark am Wirbel ziehen.

Wie die Übungen genau funktionieren, zeigen wir dir in diesem Video:

Bei einer diagnostizierten Fehlstellung des Atlas ist die sogenannte Atlaskorrektur eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Dadurch soll der verschobene Wirbel wieder an seinen Platz gebracht werden, damit keine fehlerhaften Informationen an das Gehirn gesendet werden und der Körper dann falsch reagiert. Eine manuelle Behandlung kann schwierig sein, da sich die Querfortsätze nicht gut erreichen lassen. Atlaskorrekturen werden neben Ärzten und Heilpraktikern vor allem von Chiropraktikern durchgeführt.

Wir von Liebscher & Bracht wenden unsere manualtherapeutische Technik, die sogenannte Osteopressur, an. Dabei werden bestimmte Schmerzrezeptoren in der Knochenhaut des Atlas und der umliegenden Wirbel gedrückt.

Das Drücken sendet ein Signal zur Entspannung ans Gehirn, woraufhin die Spannungen der Muskeln und Faszien wieder auf ein natürliches Level heruntergefahren werden. Ein solcher Effekt tritt auch dann ein, wenn der zweite Halswirbel, der Axis, gedrückt wird. Durch die Entspannung werden die Gelenkflächen und Wirbelkörper nicht mehr so stark aufeinander gepresst. Das Gehirn nimmt dies wahr und der Schmerz wird meist eingestellt. Die Osteopressur üben Zertifizierte Liebscher & Bracht-Therapeuten aus. Am schnellsten findest du die nächstgelegene Praxis in unserem Therapeuten-Finder.

Quellen & Studien

  • ↑1,↑2 Physiopraxis 2013; 11(05): 40-42
  • ↑3 https://www.tinnitusjournal.com/articles/the-influence-of-atlas-therapy-on-tinnitus.pdf
  • ↑4 Tilscher, H. (2007): Die Kopfgelenke und ihre besondere Bedeutung beim Kopfschmerz. In: Manuelle Medizin, S. 243
  • ↑5 Böhni, U.W. (2014): Diagnose der Dysfunktion und Therapie der Kopfgelenkregion. In: Manuelle Medizin, S.259.

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