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Therapeuten-Wissen

Manuelle Therapie – Wirksamkeit, Kritik & Alternativen

Manuelle Therapie gehört zu den beliebtesten Fortbildungen für Physiotherapeuten. Doch wie gut wirken die Techniken wirklich?

1.1 Unterschied zu anderen Behandlungsformen

Manuelle Therapie darf nur von Ärzten und Physiotherapeuten, die entsprechend ausgebildet sind, durchgeführt werden. Eine manualtherapeutische Behandlung wird ärztlich verordnet, die Krankenkasse bezahlt die Leistung. Zu anderen gängigen Behandlungsformen gibt es Unterschiede:

Manuelle Therapie ist eine Behandlungsform innerhalb der Physiotherapie. Physiotherapeuten können die Manuelle Therapie in einer mehrjährigen Zusatzausbildung erlernen und die Techniken dann im Rahmen ihrer physiotherapeutischen Tätigkeit anbieten.

Im Gegensatz zur Manuellen Therapie handelt es sich bei Krankengymnastik um eine aktive Behandlungsform. Das heißt: Beschwerden werden mithilfe von Mobilisationsübungen behandelt, die der Patient selbst durchführt. Spezielle Handgriffe, wie sie die Manuelle Therapie kennt, sind bei der Krankengymnastik nicht vorgesehen.

Abgesehen von Abrechnungsunterschieden (Manuelle Therapie wird im Gegensatz zur Osteopathie gänzlich von den Krankenkassen bezahlt) gibt es auch technische Differenzen: Die Osteopathie versucht, mit sanften Einwirkungen auf den Körper Beschwerden zu lindern. Bei den Mobilisations- und vor allem Manipulationstechniken der Manuellen Therapie können die Einwirkungen durchaus kräftiger ausfallen.

Die speziellen Handgriffe und Mobilisationstechniken der Manuellen Therapie sind mit den Anwendungen einer klassischen Massage nicht vergleichbar. Zudem gehört die ausgiebige Diagnose über Palpation („Abtasten“) ebenfalls fest zum Behandlungskanon der Manuellen Therapie – in der Massage ist dies nicht vorgesehen.

Liebscher & Bracht-Therapie

Es gibt sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen Manueller Therapie und der Liebscher & Bracht-Therapie: Beide Therapieformen versuchen, die Patienten wieder in Bewegung zu bringen und haben ähnliche theoretische Ausgangspunkte. Mit der Osteopressur nutzt die Liebscher & Bracht-Therapie allerdings eine Technik, die im Gegensatz zu einigen Behandlungstechniken der Manuellen Therapie keine Risiken birgt und an fest definierten Knochenpunkten des Körpers ansetzt.

Mehr über das Verhältnis von Liebscher & Bracht-Therapie und Manueller Therapie erfährst du in Kapitel 4.

1.2 Grundlagen der Manuellen Therapie

Zu den Grundlagen der Manuellen Therapie gehört die Ansicht, dass Bewegungseinschränkungen und Schmerzen als Ergebnis komplexer Symptomketten angesehen werden.3) Ein einfaches Beispiel macht dir klar, was damit gemeint ist: Wenn ein Patient an Drehschwindel leidet, kann das auf eine Kreislauferkrankung hindeuten. Der Schwindel kann aber durchaus auch durch eine Störung in der Halswirbelsäule verursacht werden.

Trifft Letzteres zu, ist der Schwindel ein Fall für den Manuellen Therapeuten. Er spricht dann von einer „segmentalen Dysfunktion“, also einer Blockade in der Halswirbelsäule, die Nerven beeinflussen und so auch Schwindel auslösen kann.

Mit speziellen Techniken der Manuellen Therapie soll diese Blockade wieder gelöst werden.4) Um herauszufinden, ob die Ursache des Schwindels wirklich eine solche Blockade ist, tastet der Therapeut die Region zunächst nach Verspannungen und Verhärtungen ab. Dieses Vorgehen nennt sich „Palpation“ und ist das wichtigste Instrument zur Diagnose in der Manuellen Therapie.

Doch wie genau löst eine Blockade in der Halswirbelsäule überhaupt ein Symptom wie Schwindel aus? Oder anders gefragt:

Wie entsteht eine segmentale Dysfunktion?

Alle Strukturen unseres Körpers lassen sich in Segmente, also gleichartige Abschnitte, einteilen. Die Zuordnung zu einem Segment ergibt sich durch einen gemeinsamen Spinalnerv, der die Strukturen miteinander verbindet.

Von einer segmentalen Dysfunktion oder Blockade spricht man, wenn bestimmte Gelenkbewegungen ohne sichtbare Gründe (also ohne Läsionen oder anderweitige Schäden) eingeschränkt sind. Das kann dann zu weiteren Symptomen führen, die durch die Verbindung über den Spinalnerv auch in ganz anderen Strukturen auftreten und so kann beispielsweise eine Blockade in der Halswirbelsäule auch Schwindel auslösen.5)

2.2 Weichteil- und Entspannungstechniken

Mit Weichteil- und Entspannungstechniken wirkt die Manualtherapie gezielt auf Muskeln und Faszien ein. Auf diese Weise sollen Verspannungen gelöst und ein erhöhter Muskeltonus gesenkt werden.

Triggerpunktbehandlung

Bei myofaszialen Triggerpunkten handelt es sich um dauerhafte Verspannungen im Muskelgewebe. Das tückische an Triggerpunkten ist, dass die Schmerzen häufig in Körperbereichen auftreten, die vom eigentlichen Triggerpunkt entfernt liegen: So kann beispielsweise ein Triggerpunkt im vierköpfigen Oberschenkelmuskel zu Knieschmerzen führen.

Das Auffinden von Triggerpunkten mittels Palpation ist daher der erste Schritt bei der Behandlung. Anschließend gibt es verschiedene Techniken, die Manuelle Therapeuten nutzen können, um die Triggerpunkte aufzulösen:

3.1 Voraussetzungen und Ablauf der Weiterbildung

Laut der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM) benötigen Physiotherapeuten eine abgeschlossene Ausbildung, um die Manuelle Therapie zu erlernen.

Für Ärzte wird das abgeschlossene Medizinstudium samt Approbation vorausgesetzt sowie eine Facharztanerkennung, um die Zusatzbezeichnung „Manuelle Medizin/Chirotherapie“ zu tragen.

Der Ablauf der Weiterbildung hängt vom jeweiligen Kursanbieter ab: Wie oben erwähnt, existiert bis heute kein einheitliches Konzept der Manuellen Therapie und damit auch keine einheitliche Ausbildung. Wird die Ausbildung über eines der Seminare der DGMM absolviert, ist der Ablauf wie folgt:

Ärzte: 320 Weiterbildungsstunden entsprechend der Musterweiterbildungsordnung.

Physiotherapeuten: 260 Unterrichtseinheiten als Mindestdauer der Weiterbildung. Sollte innerhalb von vier Jahren abgeschlossen werden.

Nach der Ausbildung kannst du außerdem auch Fachlehrer in Manueller Therapie werden. Dafür sind verschiedene Assistenztätigkeiten und eine abschließende Fachlehrerprüfung nötig.17)

3.2 Anbieter einer Weiterbildung in „Manueller Therapie“

Neben den drei Seminaren der DGMM gibt es eine Vielzahl weiterer Anbieter für Kurse in Manueller Therapie. Sie sind unterschiedlich umfangreich und für einige gibt es auch Fortbildungspunkte, was für dich besonders interessant sein dürfte, wenn du fachlicher Leiter oder Inhaber einer Praxis bist.

Kritik #1: Manuelle Therapie wirkt kaum

Ist die Manuelle Therapie in der Lage, für dauerhafte Beschwerdefreiheit zu sorgen? Das ist umstritten. Untersuchungen zeigen, dass die Behandlungseffekte meist nur kurzfristig andauern.18)19) Bei Rückenschmerzen20)21), Nackenschmerzen 22)23) und Kniearthrose 24) erzielt Manuelle Therapie zudem nur geringe Effekte.

Doch warum ist das so? Eine Antwort gibt das Schmerzmodell nach Liebscher & Bracht:

Kritik #2: Manuellen Therapie kann schaden

Eine häufige Kritik an den Techniken der Manuelle Therapie betrifft die der Manipulation. Besonders an der Wirbelsäule birgt diese Technik nicht unerhebliche Risiken 26). Meist liegen diese zwar im milden bis moderaten Bereich, berichtet wird aber auch von ernsten Zwischenfällen und sogar Todesfolgen 27).

Kritik #3: Manuelle Therapie ist ungenau

Die grundlegende Theorie, dass Manuelle Therapie komplexe Symptomketten erkennen und behandeln kann, erfährt ebenfalls Kritik. Welche biomechanischen Auswirkungen die Techniken auf Gelenke haben und warum die Therapie überhaupt wirken soll, ist bisher zumindest nicht eindeutig erklärt.30)31) Fraglich ist in diesem Zusammenhang auch, inwiefern es überhaupt möglich ist, mit Palpation die biomechanischen Ursachen für Symptome zu „ertasten“.32)

Generell seien die Techniken zu „unpräzise“, um den erwünschten Wirkungsbereich wirklich zu treffen.33)

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Fortbildungspunkte für Physiotherapeuten – das solltest du wissen

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