Karpaltunnelsyndrom — Wenn taube Hände den Alltag lähmen

Frau umgreift mit einer Hand das Handgelenk der anderen Hand. Mit dieser bedient sie eine Maus.

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Wir erklären dir, was ein Karpaltunnelsyndrom ist, wie es entsteht und welche Möglichkeiten du hast, um wieder beschwerdefrei zu werden

Schmerzen im Handgelenk, Missempfindungen, Kribbeln in den Fingern, Taubheit und Kraftverlust. Kommt dir das bekannt vor? Dann leidest du vielleicht unter einem Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird ein Nerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt und verursacht diese Beschwerden. Wir erklären dir in diesem Beitrag, was ein Karpaltunnelsyndrom ganz genau ist, welche Symptome auftreten können und welche Ursachen es für die Beschwerden gibt. Außerdem zeigen wir dir, welche Behandlungsmöglichkeiten dir offenstehen und mit welchen Übungen du deine Schmerzen selbst lindern kannst.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

Mehr über Roland Liebscher-Bracht

1. Karpaltunnelsyndrom im Überblick


Bei einem Karpaltunnelsyndrom wird der mittlere Armnerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt. Dieser Nerv versorgt verschiedene Bereiche der Hand und kann  daher Beschwerden wie Kribbeln in den Fingern, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Funktionsstörungen hervorrufen. In diesem Kapitel geben wir dir einen Überblick über den Bereich des Handgelenks, in dem der Karpaltunnel, die Sehnen und der Nerv verlaufen, damit du eine bessere Vorstellung von den anatomischen Strukturen  bekommst. Im nächsten Kapitel erklären wir dir die typischen Symptome, die beim Karpaltunnelsyndrom auftreten. Kapitel 3 klärt dich über die Ursachen auf. Danach lernst du wirksame  Behandlungsmethoden kennen und erfährst, wie du mit  unseren Übungen in die Schmerzfreiheit starten kannst .

Das Karpaltunnelsyndrom steht seit 2015 auf der Liste der anerkannten Berufskrankheiten und wird wie folgt definiert: “Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnelsyndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hand oder durch Hand-Arm-Schwingungen.”1) Zwischen drei und zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an der Einengung des Nervs.

So, jetzt noch einmal ganz in Ruhe: Das Karpaltunnelsyndrom wird oft einfach als KTS abgekürzt oder mit “C” geschrieben, also Carpaltunnelsyndrom oder CTS. Der sogenannte Karpaltunnel ist die Verbindungsstraße zwischen deinem Unterarm und deiner Hand und wird dort durch die Knochen der Handwurzel begrenzt.

Schematische Darstellung eines Karpaltunnelsyndroms mit Karpalband und Medianusnerv

© decade3d – anatomy online | shutterstock.com

Gebildet wird der Karpaltunnel durch die Knochen der Handwurzel und das darüber liegende Karpalband. Im Karpaltunnel verlaufen acht Beugesehnen der oberflächlichen und tiefen Fingerbeugemuskeln. Einer von ihnen ist der Nervus medianus, auch medianus Nerv, Medianusnerv oder mittlerer Armnerv bzw. Mittelnerv genannt. Der medianus Nerv verläuft von der Schulter bis in die Finger und steuert dort die Muskelbewegungen und den Tastsinn der Hand. Auf Höhe deiner Handgelenke verläuft das Karpalband quer über den Karpalkanal samt Sehnen und Nerven. Es sorgt dafür, dass die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven an ihrem vorgesehenen Platz bleiben. Sehnenscheiden sind die mit Gelenkschmiere gefüllten Hüllen um die Sehnen.

Der Karpaltunnel selbst ist nicht als starre Röhre zu verstehen. Denn auch die Handwurzelknochen, die zusammen mit dem Karpalband den Kanal bilden, sind nicht starr. Durch unterschiedliche Handbewegungen kommt es zu einer Verschiebung der Handwurzelknochen und damit zu Änderungen in der Tiefenausdehnung des Karpaltunnels. Das bedeutet, dass bei manchen Handbewegungen viel  Platz im Karpalkanal vorhanden ist, während er bei anderen Bewegungen sehr flach und eng wird. Dieser Effekt entsteht vor allem durch das Karpalband, das quer über den Karpalkanal auf Höhe des Handgelenks verläuft und eine Art Deckel für den Karpaltunnel bildet.

Beim Karpaltunnelsyndrom wird nun der medianus Nerv gereizt oder geschädigt. Dies geschieht oft durch sich ständig wiederholende Bewegungen, also Streckung und Beugung, der Handgelenke bzw. der Hohlhand. Verstärkt wird die Reizung des Nervus medianus, wenn diese Bewegungen mit großem Kraftaufwand ausgeübt werden.

📌In Kürze: Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
Beim Karpaltunnelsyndrom (auch KTS, Carpaltunnelsyndrom oder CTS genannt) wird der Medianus Nerv im Handgelenk eingeengt und verursacht deshalb Beschwerden und Schmerzen.

 
2. Symptome beim Karpaltunnelsyndrom


Die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom beginnen  meist nachts und werden im späteren Stadium — auch tagsüber — immer intensiver.

Frühe Symptome des Syndroms:

Die meisten Betroffenen mit einem  Karpaltunnelsyndrom schildern, dass ihnen zu Beginn nachts oder früh am Morgen die Hand eingeschlafen ist. Treten die Beschwerden nur nachts und morgens auf, verschwinden sie  oft durch Ausschütteln der Hände. Auch ein Umlagern der Hand in der Nacht kann anfänglich die Schmerzen lindern. Manche Betroffene berichten, dass es ihnen hilft, die Hand unter kaltes Wasser zu halten.

Die Reizung betrifft in diesem Stadium hauptsächlich den Mittelfinger und den Ringfinger. Später sind auch Daumen und Zeigefinger von dem Reizsyndrom beeinträchtigt. Hier noch einmal die ersten Symptome auf einen Blick:

  • Einschlafen der Finger oder Kribbeln in den Fingern nachts und am Morgen
  • Missempfindungen und Gefühlsstörungen zuerst im Mittelfinger und Ringfinger
  • Ausschütteln der Hände hilft ebenso wie kaltes Wasser

Spätere Symptome des Syndroms:

Gefühlsstörungen durch kribbelnde Hände fangen meist an den Handinnenflächen an und dehnen sich im späteren Verlauf nach und nach auf immer mehr Finger aus. Da der Mittelnerv (medianus Nerv) bis in die Schulter verläuft, können starke Schulterschmerzen auftreten. Alltägliche Tätigkeiten, wie Telefonieren, Zeitunglesen oder Fahrradfahren, fallen den Betroffenen immer schwerer.

Ein permanentes Gefühl von Taubheit in den Händen führt zum Verlust der Fingerfertigkeit bzw. Fingergeschicklichkeit. Dies merken viele beim Ausüben von Handarbeiten oder beim Öffnen und Schließen von Knöpfen. Im Extremfall ist die Schädigung im Mittelnerv so groß, dass der Muskel des Daumenballens, der von diesem Nerv gesteuert wird, sich immer weiter zurückbildet.

Schon früher können Betroffene beispielsweise kaum noch eine Tasse in der Hand halten. Durch Verlust von Tastsinn, Sensibilität und Kraft rutschen den Patienten Tassen und andere Gegenstände gegen ihren Willen  einfach aus der Hand.

Hier die Symptome im späteren Stadium des Karpaltunnelsyndroms kurz und bündig:

  • Missempfindungen und Schmerzen in den Händen
  • Eingeschränkter Tastsinn und vermeintliche Ungeschicklichkeit
  • Verlust der Sensibilität in Handfläche und Fingern sowie ausgeprägtes Taubheitsgefühl
  • Kraftverlust und im Extremfall Muskelabbau im Daumenballen

3. Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms


Der Grund für das Entstehen eines Karpaltunnelsyndroms ist der ansteigende Gewebedruck im Karpaltunnel.2) Dieser Druck erhöht sich vor allem wegen zu hoher Spannungen in den Muskeln, Sehnen und Faszien im Arm. Durch immer gleiche und einseitige Bewegungen, beispielsweise an der Tastatur, entstehen Verkürzungen an den Beugesehnen der Hände. In der Folge entwickeln sich zu hohe Spannungen in diesem Bereich, wodurch  die Beugesehnen anschwellen — es wird zu eng im Tunnel.

Die Höhe und Dauer der Druckentwicklung im Karpaltunnel bestimmt das Ausmaß des Schadens am  Medianusnerv. Eine erhöhte Gefäßdurchlässigkeit im Karpaltunnel mit Austritt von Immunzellen führt zu einer lokalen Entzündung und Ödembildung im Nerv. Diese Entzündung sorgt dafür, dass sich die Durchblutung rund ums Handgelenk weiter verschlechtert. So verschlimmern sich natürlich deine Schmerzen und Beschwerden im Bereich der Hände und Handgelenke. Langfristig kann es sogar zu einer Nervenschädigung kommen.

Nahaufnahme einer Hand auf der Computer-Maus

Die Frage ist nun, warum und wie genau sich der Druck im Karpaltunnel erhöht?! Das ist zunächst ganz einfach: Zu einer Druckerhöhung kommt es bei einem Missverhältnis zwischen Tunnelweite bzw. Tunnelkapazität und seinem Inhalt (Sehnen und Nerven). Bestimmte Faktoren erhöhen die Gefahr, dass die Sehnen und Nerven im Karpaltunnel anschwellen. Dazu gehören:3)

  • sich wiederholende Bewegungen und Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Hände im Handgelenk,
  • erhöhter Kraftaufwand der Hände, beispielsweise durch kraftvolles Greifen,
  • sowie das Wirken von Hand-Arm-Schwingungen, beispielsweise durch vibrierende Maschinen wie Motorsäge oder  Steinbohrer.

Einige  Berufe und Berufsgruppen haben deshalb ein erhöhtes Risiko, ein Karpaltunnelsyndrom zu bekommen. Gehörst du auch dazu?

  • Fließbandarbeiter, vor allem in der Automobilbranche
  • Forstarbeiter beim Umgang mit vibrierenden Werkzeugen wie Sägen
  • Kassierer im Supermarkt
  • Masseure
  • Arbeiten im Büro

Im Video erklärt dir unser Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht noch einmal anschaulich die Ursache für deine Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom:

Aufgrund sich wiederholender Bewegungsmuster in diesen Berufen werden die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven im Karpaltunnel gereizt, entzünden sich und dehnen sich dabei aus. So baut sich der hohe Druck auf, da alles gegen das Karpalband, das quer über dem Tunnel liegt, drückt.

4. Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms


Seit Januar 2015 gehört das Karpaltunnelsyndrom zu den anerkannten Berufskrankheiten. Das hat einerseits den Vorteil, dass du als Betroffene oder Betroffener nicht mehr milde belächelt wirst, sondern deine Schmerzen und Beschwerden ernst genommen werden. Auf der anderen Seite bringt der Status “Berufskrankheit” ein teilweise recht langes Diagnose-Prozedere mit sich. Wenn du schnelle und effektive Hilfe brauchst, dann erklären wir dir deine unterschiedlichen Möglichkeiten in Kapitel 5.

In der herkömmlichen Medizin gibt es eine Reihe von Tests, die von Ärzten bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom  durchgeführt werden. Dabei wird in der Regel deine Motorik in der Hand überprüft. So gibt dir beispielsweise der Arzt ein rundes Gefäß in die Hand. Bei eingeschränkter Hand-Motorik und -Sensorik  fällt es dir schwer, das Gefäß zu umgreifen — besonders der Daumen spielt dann oft nicht richtig mit. Ist dies der Fall, wird von einem “positiven Flaschenzeichen” gesprochen, das als Indiz für ein Karpaltunnelsyndrom gilt. Um ganz sicher zu sein, muss jedoch eine Rhizarthrose (Arthrose im Daumen) ausgeschlossen werden.

📌 Tests zur Ermittlung eines Karpaltunnelsyndroms:4) 

  • Phalen-Test: Hierfür nimmst du deine Arme waagerecht und presst für 60 Sekunden deine Handrücken aneinander. Der Test ist positiv und spricht dann für ein Karpaltunnelsyndrom, wenn du nach Ablauf der Zeit anormale Körperempfindungen. wie ein Taubheitsgefühl oder Schmerzen im Bereich der Handgelenke, spürst.
  • Umgekehrter Phalen-Test: Dabei presst du für 60 Sekunden die Handinnenflächen aufeinander. Der Test ist allerdings nicht so zuverlässig wie der Phalen-Test.
  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Bei diesem Test bleiben deine Handgelenke in neutraler Handgelenksposition. Jetzt wird der Bereich des Handgelenks, in dem der Medianus Nerv verläuft, abgeklopft. Ruft dies Schmerzen oder Gefühlsstörungen hervor, gilt das als Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Karpal-Kompressions-Test: Deine Hände befinden sich bei diesem Test in neutraler Position und der Untersuchende drückt auf den Medianusnerv in Höhe des Karpaltunnels. Der Test ist positiv, wenn eine Karpaltunnelsymptomatik ausgelöst oder verstärkt wird.
  • Flexions-Kompressions-Test: Deine Arme liegen ausgestreckt auf einer Unterlage und deine Handflächen zeigen nach oben. Der Arzt oder Therapeut beugt das Handgelenk um 60 Grad nach oben und drückt mit dem Daumen auf den Nervus medianus im Karpaltunnelbereich. Auch hier gilt: Der Test ist positiv, wenn Beschwerden ausgelöst werden.
  • Touniquet-Test: Bei diesem Test wird eine Blutdruckmanschette an deinen Oberarm angelegt und über den systolischen Druck (= oberen Blutdruckwert) aufgepumpt. Wenn du unter einem Karpaltunnelsyndrom leidest, dann spürst du Gefühlsstörungen und Schmerzen im Bereich des Medianusnervs im Handgelenk.

Neben diesen Tests kann zur Diagnostik eine Sonographie, also ein Ultraschall, deiner Handgelenke erstellt werden. Mit einer hochauflösenden Sonographie können Veränderungen wie Abflachungen oder Verdickungen des Nervs in deinem Handgelenk dargestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms ist die Magnetresonanztomographie (MRT).5) Veränderungen des Nervs im Handgelenk können mit der Magnetresonanztomographie gut dargestellt werden. Da das Erstellen eines MRT-Bildes allerdings sehr teuer ist, wird diese Methode eher selten  zur Diagnosestellung eingesetzt.

MRT-Gerät zur Diagnostik eines Karpaltunnelsyndroms

Als zuverlässiger und objektiver Nachweis eines Karpaltunnelsyndroms gilt die sogenannte Neurographie (lang: Elektroneurographie, kurz: ENG).6) Daher wird die Neurographie von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur Diagnostik empfohlen. Bei der Elektroneurographie wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. So lassen sich Rückschlüsse auf die Schädigung von Nervenfasern und den Zustand des Nerven umhüllenden Gewebes ziehen. Dies geschieht durch Auswertung von motorischen und sensiblen Antwortpotenzialen nach elektrischer Stimulation (= sanfte Reizung) der Nerven in deinem Handgelenk und besonders der Nervenleitgeschwindigkeit.  

Wenn dir diese ganzen verschiedenen Diagnoseverfahren zu lang oder zu kompliziert erscheinen, musst du dir keine Sorgen machen. Mit unserer Therapie können wir dir bzw. kannst du dir selbst ganz schnell helfen — und das ohne langwierige Tests. Erfahre mehr darüber im nächsten Kapitel und im Kapitel Übungen.

5. Behandlung des Karpaltunnelsyndroms


Mit der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht möchten wir dich genau dort abholen, wo du mit deinen Beschwerden aktuell stehst, und dir verschiedene Wege in die Schmerzfreiheit aufzeigen. Doch zunächst vorweg: Die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht ist eine eigenständige manualtherapeutische Behandlungsmethode, welche  die meisten Schmerzen auf überspannte Muskeln und Faszien aufgrund mangelhafter oder einseitiger Bewegungen zurückführt.

Monotone  Bewegungen kennst du bestimmt aus deinem Alltag. In den Schultern und Armen führen sie beispielsweise zu überspannten Muskeln und Faszien, die dann starke Zugkräfte auf dein Handgelenk ausüben. Dort werden schließlich die Strukturen an der Engstelle im Karpaltunnel zu sehr beansprucht, schwellen daher an, drücken gegen das Karpalband und verursachen deine Beschwerden.

Skelett mit den Osteopressurpunkten bei Schmerzen im Daumen

Unsere Methode setzt genau an der Ursache an und baut die Überspannungen ab. Durch das Drücken von Rezeptoren in der Knochenhaut — die sogenannte Osteopressur —  können akute Schmerzen schnell und effektiv gestoppt werden. Unsere speziellen Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen dehnen verkürzte Muskeln auf und lösen Verklebungen in den Faszien. So kannst du langfristig schmerzfrei bleiben.

Sind deine Beschwerden momentan nicht zu stark, kannst du direkt unsere Übungen im nächsten Kapitel ausprobieren. Sind deine Beschwerden extrem oder hast du die Übungen bereits ausprobiert und deine Schmerzen waren dabei so schlimm, dass du die Übungen überhaupt nicht richtig ausführen konntest, dann gehe am besten zu einem unserer ausgebildeten Schmerzspezialisten in deiner Nähe. Dieser wendet dann unsere Osteopressur an, bei der gezielt Rezeptoren gedrückt werden. Dadurch können sich die zu hohen muskulär-faszialen Spannungen normalisieren und deine Schmerzen lassen nach oder verschwinden in den meisten Fällen ganz. Erst danach machst du unsere Übungen — das wird dir dann viel leichter fallen.

Mit unserem neuen Drücker-Set kannst du übrigens die entsprechenden Schmerzfrei-Punkte auch selbst drücken. Erfahre hier mehr darüber.

📌 Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft:

Gerade in der Schwangerschaft tritt bei einigen Frauen ein Karpaltunnelsyndrom zum ersten Mal auf. Statistisch gesehen leiden mindestens sieben Prozent aller Schwangeren in Deutschland an der Erkrankung bzw. Einengung des Nervs.7) Dabei haben die meisten Frauen (93 Prozent) starke nächtliche Beschwerden und/oder eine anhaltende Sensibilitätsstörung. Wenn du schwanger bist und die Schmerzen im Bereich der Handgelenke zunehmen, probiere unsere Übungen aus. Sie können während der Schwangerschaft deine Beschwerden lindern und nach der Geburt verschwinden die Beschwerden oftmals von alleine.

Eine Kortison-Spritze wird aufgezogen

Kortison-Spritzen: In der herkömmlichen Medizin wird dein Karpaltunnelsyndrom oft mit Kortison behandelt. Doch Studien zeigen, dass Injektionen mit Kortison nur bei leichten Beschwerden kurzfristig Besserung bringen. Langfristig konnte keine Linderung der Beschwerden festgestellt werden. Als Nebenwirkungen hatten die behandelten Patienten lokale Schwellungen und leichte Schmerzen an der Injektionsstelle.8)

Schiene zur Stabilisation und Ruhigstellung des Handgelenks beim Karpaltunnelsyndrom.

© Praisaeng | shutterstock.com

Nachtschienen: In der konservativen Therapie wird davon ausgegangen, dass deine Beschwerden aufgrund von Überbeanspruchung und nicht aufgrund von einseitigen Bewegungen und verkürzten Faszien entstehen. Als Konsequenz dieser Einschätzung wird dein Handgelenk nachts mit sogenannten Nachtschienen ruhiggestellt. Mit einer speziellen Schiene wird dabei dein Handgelenk in Mittelstellung fixiert. Nach dem Aufstehen kann die Schiene abgenommen werden. Aus unserer Sicht ist Schonung jedoch nicht der richtige Weg. In unserem Beitrag “Hör´auf, dich zu schonen!” erklären wir dir auch, wie wir zu dieser Ansicht kommen. Probiere daher lieber unsere Methode aus.

Ärzte bei einer Operation

Operationen: Bei schweren Beschwerden, also beispielsweise bei anhaltender Gefühllosigkeit über mehrere Wochen und nachgewiesener Schädigung des Nervs, raten viele Ärzte zu einer Operation am Karpaltunnel. Bei einer solchen OP  wird das Karpalband (= Retinakulum), das sich über der Knochenrinne am Handgelenk erstreckt, nach Betäubung des Handgelenks durchtrennt. Es haben sich dabei zwei verschiedene Operationsverfahren etabliert: die sogenannte offene Retinakulumspaltung und die endoskopische Retinakulumspaltung. Der Eingriff bei dieser Erkrankung erfolgt in der Regel ambulant mit örtlicher Betäubung. Bei der offenen Retinakulumspaltung wird das Karpalband unter vollständiger Sicht durchtrennt. Das heißt, dass  der Chirurg hier einen vergleichsweise großen Hautschnitt vornimmt. Gleichzeitig wird noch Bindegewebe entfernt. Bei der endoskopischen Retinakulumspaltung wird nur ein kleiner Hautschnitt gemacht und der Chirurg durchtrennt das Karpalband nur unter Sicht einer kleinen eingeführten Kamera.9)  Mittels  Durchtrennung des Karpalbandes soll  mehr Platz für den Nerv und das Gewebe entstehen. Nach wenigen Wochen ist alles verheilt.

Leider wird der Eingriff auch immer wieder bei Patienten durchgeführt, die gar keine klare Diagnose bekommen haben und unter sogenannten idiopathischen Schmerzen im Handgelenk leiden. Damit kommt schlichtweg zum Ausdruck, dass die Ursache der Schmerzen unbekannt ist. Das Durchtrennen des Karpalbandes gilt dann als (hilfloser) Versuch, die Schmerzen endlich zu beseitigen. Egal ob mit oder ohne eindeutige Diagnose: Wir sind der Meinung, dass eine Operation fast immer der falsche Weg ist. Was durch den Eingriff einmal zerstört ist, kann gar nicht oder nur schlecht “repariert” werden. Anstatt dich für diesen Eingriff unters Messer zu legen, empfehlen wir dir dringend,  zunächst alle Alternativen auszuprobieren — und dazu gehören auch unsere Schmerztherapie und unsere Übungen.

6. Übungen zur Schmerzlinderung beim Karpaltunnelsyndrom


Machst du zum ersten Mal eine unserer Übungen? Dann lies dir am besten unsere Checkliste unter der Übungsbeschreibung durch. Sind die Übungen momentan noch zu schwer für dich, empfehlen wir dir, zunächst  zu einem unserer ausgebildeten Schmerztherapeuten zu gehen und danach mit den  Übungen zu beginnen.

Ina rollt beim Karpaltunnelsyndrom mit der Mini-Kugel über das Handgelenk.

Die beste Faszienrollmassage beim Karpaltunnelsyndrom

Übung mit der Mini-Kugel:

Nimm dir unsere Mini-Kugel aus unserem Faszien-Set oder eine vergleichbare Kugel zur Hand. Lege die Mini-Kugel auf eine Unterlage und rolle mit ihr  in kreisenden Bewegungen über dein Handgelenk. Überall dort, wo du Spannungen oder Schmerzen spürst, bleibst du ein wenig länger und rollst die Stellen kreisförmig ab. Arbeite mit der Kugel an deinem  ganzen Handgelenk und bis in die Handflächen hinein.

Ina rollt mit der Mini-Rolle von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms

Übung mit der Mini-Rolle:

Schnappe dir jetzt unsere Mini-Rolle und platziere  sie auf einem flachen Untergrund. Lege die Fingerspitzen der betroffenen Hand auf die Mini-Rolle und übe zusätzlich mit der anderen Hand Druck von oben aus. Rolle jetzt ganz langsam nach vorne über deine Handfläche bzw. die Hohlhand und dein Handgelenk bis zum Unterarm.

Wiederhole die Übung mit der Rückseite. Das heißt: Lege zu Beginn deinen Handrücken auf die Mini-Rolle und rolle ganz langsam bis zum Ellenbogen.

Ina dehnt das Handgelenk beim Karpaltunnelsyndrom

Dehnung im Handgelenk:

Gehe in den Vierfüßlerstand und drehe die betroffene Hand so, dass die Finger zu deinem Knie zeigen. Achte darauf, dass du deinen Daumen zu den anderen Fingern heranziehst. Besonders, wenn die Daumenballenmuskulatur geschwächt ist, wird dir das am Anfang schwerfallen. Wenn es jetzt im Handgelenk schon ordentlich zieht, dann bleibe  zwei Minuten in dieser Position und achte darauf, dass deine Handfläche am Boden bleibt. Falls du noch keine Spannung spürst, ziehe deine Schultern ein wenig zurück oder bringe dein Gesäß in Richtung Boden. Auf diese Weise baust du mehr Spannung im Handgelenk auf.

Variante:

Gehe so weit zurück, dass sich deine Handgelenke abheben und nur noch deine Finger flächig am Boden liegen. Mit deiner freien Hand kannst du nun zusätzlich vorsichtig am Daumen ziehen. Du wirst sofort eine Dehnung in der Daumenballenmuskulatur spüren. Bleibe auch hier zwei Minuten in der Übung.

Checkliste für unsere Übungen

Damit bei unseren Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Dehnung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen und musst nicht gegenspannen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die entspannenden und entzündungshemmenden Reparatur-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jeden Übungsschritt solltest du zwei bis zweieinhalb Minuten investieren und mindestens 90 Sekunden in der jeweiligen Dehnung bleiben.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und Dehnungsintensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse keine Seltenheit darstellen. Die Verkürzungen und Überspannungen in deinem Unterarm und rund um dein Handgelenk können sehr hoch sein. Es kann daher etwas dauern, bis dein Gehirn neue Bewegungsprogramme speichert, sich der Stoffwechsel normalisiert und die Zugkräfte aus Spannung und Gegenspannung zurückgehen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, kannst du deine Schmerzen im Handgelenk — fast unabhängig von der Diagnose — deutlich lindern und künftigen Beschwerden effektiv vorbeugen.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei den Übungen!

💡 Wenn du ein Karpaltunnelsyndrom hast, kann dir dieses Wissen helfen:


Schmerzen im Handgelenk besser verstehen

Im Handgelenk ist alles möglich. Hier erfährst du, wie die Beschwerden entstehen und was du selbst dagegen tun kannst.

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Wenn du unter Fingerschmerzen leidest …

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Die besten Übungen gegen einen Schnappfinger

Damit Schmerzen an den Fingern dich nicht weiter quälen, zeigen wir dir in diesem Video ein paar einfache Dehnübungen zur Behandlung.

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Der Visionär

Roland Liebscher-Bracht

Wir erklären dir, was ein Karpaltunnelsyndrom ist, wie es entsteht und welche Möglichkeiten du hast, um wieder beschwerdefrei zu werden

Schmerzen im Handgelenk, Missempfindungen, Kribbeln in den Fingern, Taubheit und Kraftverlust. Kommt dir das bekannt vor? Dann leidest du vielleicht unter einem Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird ein Nerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt und verursacht diese Beschwerden. Wir erklären dir in diesem Beitrag, was ein Karpaltunnelsyndrom ganz genau ist, welche Symptome auftreten können und welche Ursachen es für die Beschwerden gibt. Außerdem zeigen wir dir, welche Behandlungsmöglichkeiten dir offenstehen und mit welchen Übungen du deine Schmerzen selbst lindern kannst.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

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Frau umgreift mit einer Hand das Handgelenk der anderen Hand. Mit dieser bedient sie eine Maus.

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1. Karpaltunnelsyndrom im Überblick


Bei einem Karpaltunnelsyndrom wird der mittlere Armnerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt. Dieser Nerv versorgt verschiedene Bereiche der Hand und kann  daher Beschwerden wie Kribbeln in den Fingern, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Funktionsstörungen hervorrufen. In diesem Kapitel geben wir dir einen Überblick über den Bereich des Handgelenks, in dem der Karpaltunnel, die Sehnen und der Nerv verlaufen, damit du eine bessere Vorstellung von den anatomischen Strukturen  bekommst. Im nächsten Kapitel erklären wir dir die typischen Symptome, die beim Karpaltunnelsyndrom auftreten. Kapitel 3 klärt dich über die Ursachen auf. Danach lernst du wirksame  Behandlungsmethoden kennen und erfährst, wie du mit  unseren Übungen in die Schmerzfreiheit starten kannst .

Das Karpaltunnelsyndrom steht seit 2015 auf der Liste der anerkannten Berufskrankheiten und wird wie folgt definiert: “Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnelsyndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hand oder durch Hand-Arm-Schwingungen.”10) Zwischen drei und zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an der Einengung des Nervs.

So, jetzt noch einmal ganz in Ruhe: Das Karpaltunnelsyndrom wird oft einfach als KTS abgekürzt oder mit “C” geschrieben, also Carpaltunnelsyndrom oder CTS. Der sogenannte Karpaltunnel ist die Verbindungsstraße zwischen deinem Unterarm und deiner Hand und wird dort durch die Knochen der Handwurzel begrenzt.

Schematische Darstellung eines Karpaltunnelsyndroms mit Karpalband und Medianusnerv

© decade3d – anatomy online | shutterstock.com

Gebildet wird der Karpaltunnel durch die Knochen der Handwurzel und das darüber liegende Karpalband. Im Karpaltunnel verlaufen acht Beugesehnen der oberflächlichen und tiefen Fingerbeugemuskeln. Einer von ihnen ist der Nervus medianus, auch medianus Nerv, Medianusnerv oder mittlerer Armnerv bzw. Mittelnerv genannt. Der medianus Nerv verläuft von der Schulter bis in die Finger und steuert dort die Muskelbewegungen und den Tastsinn der Hand. Auf Höhe deiner Handgelenke verläuft das Karpalband quer über den Karpalkanal samt Sehnen und Nerven. Es sorgt dafür, dass die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven an ihrem vorgesehenen Platz bleiben. Sehnenscheiden sind die mit Gelenkschmiere gefüllten Hüllen um die Sehnen.

Der Karpaltunnel selbst ist nicht als starre Röhre zu verstehen. Denn auch die Handwurzelknochen, die zusammen mit dem Karpalband den Kanal bilden, sind nicht starr. Durch unterschiedliche Handbewegungen kommt es zu einer Verschiebung der Handwurzelknochen und damit zu Änderungen in der Tiefenausdehnung des Karpaltunnels. Das bedeutet, dass bei manchen Handbewegungen viel  Platz im Karpalkanal vorhanden ist, während er bei anderen Bewegungen sehr flach und eng wird. Dieser Effekt entsteht vor allem durch das Karpalband, das quer über den Karpalkanal auf Höhe des Handgelenks verläuft und eine Art Deckel für den Karpaltunnel bildet.

Beim Karpaltunnelsyndrom wird nun der medianus Nerv gereizt oder geschädigt. Dies geschieht oft durch sich ständig wiederholende Bewegungen, also Streckung und Beugung, der Handgelenke bzw. der Hohlhand. Verstärkt wird die Reizung des Nervus medianus, wenn diese Bewegungen mit großem Kraftaufwand ausgeübt werden.

📌In Kürze: Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
Beim Karpaltunnelsyndrom (auch KTS, Carpaltunnelsyndrom oder CTS genannt) wird der Medianus Nerv im Handgelenk eingeengt und verursacht deshalb Beschwerden und Schmerzen.

2. Symptome beim Karpaltunnelsyndrom


Die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom beginnen  meist nachts und werden im späteren Stadium — auch tagsüber — immer intensiver.

Frühe Symptome des Syndroms:

Die meisten Betroffenen mit einem  Karpaltunnelsyndrom schildern, dass ihnen zu Beginn nachts oder früh am Morgen die Hand eingeschlafen ist. Treten die Beschwerden nur nachts und morgens auf, verschwinden sie  oft durch Ausschütteln der Hände. Auch ein Umlagern der Hand in der Nacht kann anfänglich die Schmerzen lindern. Manche Betroffene berichten, dass es ihnen hilft, die Hand unter kaltes Wasser zu halten.

Die Reizung betrifft in diesem Stadium hauptsächlich den Mittelfinger und den Ringfinger. Später sind auch Daumen und Zeigefinger von dem Reizsyndrom beeinträchtigt. Hier noch einmal die ersten Symptome auf einen Blick:

  • Einschlafen der Finger oder Kribbeln in den Fingern nachts und am Morgen
  • Missempfindungen und Gefühlsstörungen zuerst im Mittelfinger und Ringfinger
  • Ausschütteln der Hände hilft ebenso wie kaltes Wasser

Spätere Symptome des Syndroms:

Gefühlsstörungen durch kribbelnde Hände fangen meist an den Handinnenflächen an und dehnen sich im späteren Verlauf nach und nach auf immer mehr Finger aus. Da der Mittelnerv (medianus Nerv) bis in die Schulter verläuft, können starke Schulterschmerzen auftreten. Alltägliche Tätigkeiten, wie Telefonieren, Zeitunglesen oder Fahrradfahren, fallen den Betroffenen immer schwerer.

Ein permanentes Gefühl von Taubheit in den Händen führt zum Verlust der Fingerfertigkeit bzw. Fingergeschicklichkeit. Dies merken viele beim Ausüben von Handarbeiten oder beim Öffnen und Schließen von Knöpfen. Im Extremfall ist die Schädigung im Mittelnerv so groß, dass der Muskel des Daumenballens, der von diesem Nerv gesteuert wird, sich immer weiter zurückbildet.

Schon früher können Betroffene beispielsweise kaum noch eine Tasse in der Hand halten. Durch Verlust von Tastsinn, Sensibilität und Kraft rutschen den Patienten Tassen und andere Gegenstände gegen ihren Willen  einfach aus der Hand.

Hier die Symptome im späteren Stadium des Karpaltunnelsyndroms kurz und bündig:

  • Missempfindungen und Schmerzen in den Händen
  • Eingeschränkter Tastsinn und vermeintliche Ungeschicklichkeit
  • Verlust der Sensibilität in Handfläche und Fingern sowie ausgeprägtes Taubheitsgefühl
  • Kraftverlust und im Extremfall Muskelabbau im Daumenballen

3. Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms


Der Grund für das Entstehen eines Karpaltunnelsyndroms ist der ansteigende Gewebedruck im Karpaltunnel.11) Dieser Druck erhöht sich vor allem wegen zu hoher Spannungen in den Muskeln, Sehnen und Faszien im Arm. Durch immer gleiche und einseitige Bewegungen, beispielsweise an der Tastatur, entstehen Verkürzungen an den Beugesehnen der Hände. In der Folge entwickeln sich zu hohe Spannungen in diesem Bereich, wodurch  die Beugesehnen anschwellen — es wird zu eng im Tunnel.

Die Höhe und Dauer der Druckentwicklung im Karpaltunnel bestimmt das Ausmaß des Schadens am  Medianusnerv. Eine erhöhte Gefäßdurchlässigkeit im Karpaltunnel mit Austritt von Immunzellen führt zu einer lokalen Entzündung und Ödembildung im Nerv. Diese Entzündung sorgt dafür, dass sich die Durchblutung rund ums Handgelenk weiter verschlechtert. So verschlimmern sich natürlich deine Schmerzen und Beschwerden im Bereich der Hände und Handgelenke. Langfristig kann es sogar zu einer Nervenschädigung kommen.

Nahaufnahme einer Hand auf der Computer-Maus

Die Frage ist nun, warum und wie genau sich der Druck im Karpaltunnel erhöht?! Das ist zunächst ganz einfach: Zu einer Druckerhöhung kommt es bei einem Missverhältnis zwischen Tunnelweite bzw. Tunnelkapazität und seinem Inhalt (Sehnen und Nerven). Bestimmte Faktoren erhöhen die Gefahr, dass die Sehnen und Nerven im Karpaltunnel anschwellen. Dazu gehören:12)

  • sich wiederholende Bewegungen und Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Hände im Handgelenk,
  • erhöhter Kraftaufwand der Hände, beispielsweise durch kraftvolles Greifen,
  • sowie das Wirken von Hand-Arm-Schwingungen, beispielsweise durch vibrierende Maschinen wie Motorsäge oder  Steinbohrer.

Einige  Berufe und Berufsgruppen haben deshalb ein erhöhtes Risiko, ein Karpaltunnelsyndrom zu bekommen. Gehörst du auch dazu?

  • Fließbandarbeiter, vor allem in der Automobilbranche
  • Forstarbeiter beim Umgang mit vibrierenden Werkzeugen wie Sägen
  • Kassierer im Supermarkt
  • Masseure
  • Arbeiten im Büro

Im Video erklärt dir unser Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht noch einmal anschaulich die Ursache für deine Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom:

Aufgrund sich wiederholender Bewegungsmuster in diesen Berufen werden die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven im Karpaltunnel gereizt, entzünden sich und dehnen sich dabei aus. So baut sich der hohe Druck auf, da alles gegen das Karpalband, das quer über dem Tunnel liegt, drückt.

4. Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms


Seit Januar 2015 gehört das Karpaltunnelsyndrom zu den anerkannten Berufskrankheiten. Das hat einerseits den Vorteil, dass du als Betroffene oder Betroffener nicht mehr milde belächelt wirst, sondern deine Schmerzen und Beschwerden ernst genommen werden. Auf der anderen Seite bringt der Status “Berufskrankheit” ein teilweise recht langes Diagnose-Prozedere mit sich. Wenn du schnelle und effektive Hilfe brauchst, dann erklären wir dir deine unterschiedlichen Möglichkeiten in Kapitel 5.

In der herkömmlichen Medizin gibt es eine Reihe von Tests, die von Ärzten bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom  durchgeführt werden. Dabei wird in der Regel deine Motorik in der Hand überprüft. So gibt dir beispielsweise der Arzt ein rundes Gefäß in die Hand. Bei eingeschränkter Hand-Motorik und -Sensorik  fällt es dir schwer, das Gefäß zu umgreifen — besonders der Daumen spielt dann oft nicht richtig mit. Ist dies der Fall, wird von einem “positiven Flaschenzeichen” gesprochen, das als Indiz für ein Karpaltunnelsyndrom gilt. Um ganz sicher zu sein, muss jedoch eine Rhizarthrose (Arthrose im Daumen) ausgeschlossen werden.

📌 Tests zur Ermittlung eines Karpaltunnelsyndroms:13) 

  • Phalen-Test: Hierfür nimmst du deine Arme waagerecht und presst für 60 Sekunden deine Handrücken aneinander. Der Test ist positiv und spricht dann für ein Karpaltunnelsyndrom, wenn du nach Ablauf der Zeit anormale Körperempfindungen. wie ein Taubheitsgefühl oder Schmerzen im Bereich der Handgelenke, spürst.
  • Umgekehrter Phalen-Test: Dabei presst du für 60 Sekunden die Handinnenflächen aufeinander. Der Test ist allerdings nicht so zuverlässig wie der Phalen-Test.
  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Bei diesem Test bleiben deine Handgelenke in neutraler Handgelenksposition. Jetzt wird der Bereich des Handgelenks, in dem der Medianus Nerv verläuft, abgeklopft. Ruft dies Schmerzen oder Gefühlsstörungen hervor, gilt das als Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Karpal-Kompressions-Test: Deine Hände befinden sich bei diesem Test in neutraler Position und der Untersuchende drückt auf den Medianusnerv in Höhe des Karpaltunnels. Der Test ist positiv, wenn eine Karpaltunnelsymptomatik ausgelöst oder verstärkt wird.
  • Flexions-Kompressions-Test: Deine Arme liegen ausgestreckt auf einer Unterlage und deine Handflächen zeigen nach oben. Der Arzt oder Therapeut beugt das Handgelenk um 60 Grad nach oben und drückt mit dem Daumen auf den Nervus medianus im Karpaltunnelbereich. Auch hier gilt: Der Test ist positiv, wenn Beschwerden ausgelöst werden.
  • Touniquet-Test: Bei diesem Test wird eine Blutdruckmanschette an deinen Oberarm angelegt und über den systolischen Druck (= oberen Blutdruckwert) aufgepumpt. Wenn du unter einem Karpaltunnelsyndrom leidest, dann spürst du Gefühlsstörungen und Schmerzen im Bereich des Medianusnervs im Handgelenk.

Neben diesen Tests kann zur Diagnostik eine Sonographie, also ein Ultraschall, deiner Handgelenke erstellt werden. Mit einer hochauflösenden Sonographie können Veränderungen wie Abflachungen oder Verdickungen des Nervs in deinem Handgelenk dargestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms ist die Magnetresonanztomographie (MRT).14) Veränderungen des Nervs im Handgelenk können mit der Magnetresonanztomographie gut dargestellt werden. Da das Erstellen eines MRT-Bildes allerdings sehr teuer ist, wird diese Methode eher selten  zur Diagnosestellung eingesetzt.

MRT-Gerät zur Diagnostik eines Karpaltunnelsyndroms

Als zuverlässiger und objektiver Nachweis eines Karpaltunnelsyndroms gilt die sogenannte Neurographie (lang: Elektroneurographie, kurz: ENG).15) Daher wird die Neurographie von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur Diagnostik empfohlen. Bei der Elektroneurographie wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. So lassen sich Rückschlüsse auf die Schädigung von Nervenfasern und den Zustand des Nerven umhüllenden Gewebes ziehen. Dies geschieht durch Auswertung von motorischen und sensiblen Antwortpotenzialen nach elektrischer Stimulation (= sanfte Reizung) der Nerven in deinem Handgelenk und besonders der Nervenleitgeschwindigkeit.  

Wenn dir diese ganzen verschiedenen Diagnoseverfahren zu lang oder zu kompliziert erscheinen, musst du dir keine Sorgen machen. Mit unserer Therapie können wir dir bzw. kannst du dir selbst ganz schnell helfen — und das ohne langwierige Tests. Erfahre mehr darüber im nächsten Kapitel und im Kapitel Übungen.

5. Behandlung des Karpaltunnelsyndroms


Mit der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht möchten wir dich genau dort abholen, wo du mit deinen Beschwerden aktuell stehst, und dir verschiedene Wege in die Schmerzfreiheit aufzeigen. Doch zunächst vorweg: Die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht ist eine eigenständige manualtherapeutische Behandlungsmethode, welche  die meisten Schmerzen auf überspannte Muskeln und Faszien aufgrund mangelhafter oder einseitiger Bewegungen zurückführt.

Monotone  Bewegungen kennst du bestimmt aus deinem Alltag. In den Schultern und Armen führen sie beispielsweise zu überspannten Muskeln und Faszien, die dann starke Zugkräfte auf dein Handgelenk ausüben. Dort werden schließlich die Strukturen an der Engstelle im Karpaltunnel zu sehr beansprucht, schwellen daher an, drücken gegen das Karpalband und verursachen deine Beschwerden.

Skelett mit den Osteopressurpunkten bei Schmerzen im Daumen

Unsere Methode setzt genau an der Ursache an und baut die Überspannungen ab. Durch das Drücken von Rezeptoren in der Knochenhaut — die sogenannte Osteopressur —  können akute Schmerzen schnell und effektiv gestoppt werden. Unsere speziellen Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen dehnen verkürzte Muskeln auf und lösen Verklebungen in den Faszien. So kannst du langfristig schmerzfrei bleiben.

Sind deine Beschwerden momentan nicht zu stark, kannst du direkt unsere Übungen im nächsten Kapitel ausprobieren. Sind deine Beschwerden extrem oder hast du die Übungen bereits ausprobiert und deine Schmerzen waren dabei so schlimm, dass du die Übungen überhaupt nicht richtig ausführen konntest, dann gehe am besten zu einem unserer ausgebildeten Schmerzspezialisten in deiner Nähe. Dieser wendet dann unsere Osteopressur an, bei der gezielt Rezeptoren gedrückt werden. Dadurch können sich die zu hohen muskulär-faszialen Spannungen normalisieren und deine Schmerzen lassen nach oder verschwinden in den meisten Fällen ganz. Erst danach machst du unsere Übungen — das wird dir dann viel leichter fallen.

Mit unserem neuen Drücker-Set kannst du übrigens die entsprechenden Schmerzfrei-Punkte auch selbst drücken. Erfahre hier mehr darüber.

📌 Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft:

Gerade in der Schwangerschaft tritt bei einigen Frauen ein Karpaltunnelsyndrom zum ersten Mal auf. Statistisch gesehen leiden mindestens sieben Prozent aller Schwangeren in Deutschland an der Erkrankung bzw. Einengung des Nervs.16) Dabei haben die meisten Frauen (93 Prozent) starke nächtliche Beschwerden und/oder eine anhaltende Sensibilitätsstörung. Wenn du schwanger bist und die Schmerzen im Bereich der Handgelenke zunehmen, probiere unsere Übungen aus. Sie können während der Schwangerschaft deine Beschwerden lindern und nach der Geburt verschwinden die Beschwerden oftmals von alleine.

Eine Kortison-Spritze wird aufgezogen

Kortison-Spritzen: In der herkömmlichen Medizin wird dein Karpaltunnelsyndrom oft mit Kortison behandelt. Doch Studien zeigen, dass Injektionen mit Kortison nur bei leichten Beschwerden kurzfristig Besserung bringen. Langfristig konnte keine Linderung der Beschwerden festgestellt werden. Als Nebenwirkungen hatten die behandelten Patienten lokale Schwellungen und leichte Schmerzen an der Injektionsstelle.17)

Schiene zur Stabilisation und Ruhigstellung des Handgelenks beim Karpaltunnelsyndrom.

© Praisaeng | shutterstock.com

Nachtschienen: In der konservativen Therapie wird davon ausgegangen, dass deine Beschwerden aufgrund von Überbeanspruchung und nicht aufgrund von einseitigen Bewegungen und verkürzten Faszien entstehen. Als Konsequenz dieser Einschätzung wird dein Handgelenk nachts mit sogenannten Nachtschienen ruhiggestellt. Mit einer speziellen Schiene wird dabei dein Handgelenk in Mittelstellung fixiert. Nach dem Aufstehen kann die Schiene abgenommen werden. Aus unserer Sicht ist Schonung jedoch nicht der richtige Weg. In unserem Beitrag “Hör´auf, dich zu schonen!” erklären wir dir auch, wie wir zu dieser Ansicht kommen. Probiere daher lieber unsere Methode aus.

Ärzte bei einer Operation

Operationen: Bei schweren Beschwerden, also beispielsweise bei anhaltender Gefühllosigkeit über mehrere Wochen und nachgewiesener Schädigung des Nervs, raten viele Ärzte zu einer Operation am Karpaltunnel. Bei einer solchen OP  wird das Karpalband (= Retinakulum), das sich über der Knochenrinne am Handgelenk erstreckt, nach Betäubung des Handgelenks durchtrennt. Es haben sich dabei zwei verschiedene Operationsverfahren etabliert: die sogenannte offene Retinakulumspaltung und die endoskopische Retinakulumspaltung. Der Eingriff bei dieser Erkrankung erfolgt in der Regel ambulant mit örtlicher Betäubung. Bei der offenen Retinakulumspaltung wird das Karpalband unter vollständiger Sicht durchtrennt. Das heißt, dass  der Chirurg hier einen vergleichsweise großen Hautschnitt vornimmt. Gleichzeitig wird noch Bindegewebe entfernt. Bei der endoskopischen Retinakulumspaltung wird nur ein kleiner Hautschnitt gemacht und der Chirurg durchtrennt das Karpalband nur unter Sicht einer kleinen eingeführten Kamera.18)  Mittels  Durchtrennung des Karpalbandes soll  mehr Platz für den Nerv und das Gewebe entstehen. Nach wenigen Wochen ist alles verheilt.

Leider wird der Eingriff auch immer wieder bei Patienten durchgeführt, die gar keine klare Diagnose bekommen haben und unter sogenannten idiopathischen Schmerzen im Handgelenk leiden. Damit kommt schlichtweg zum Ausdruck, dass die Ursache der Schmerzen unbekannt ist. Das Durchtrennen des Karpalbandes gilt dann als (hilfloser) Versuch, die Schmerzen endlich zu beseitigen. Egal ob mit oder ohne eindeutige Diagnose: Wir sind der Meinung, dass eine Operation fast immer der falsche Weg ist. Was durch den Eingriff einmal zerstört ist, kann gar nicht oder nur schlecht “repariert” werden. Anstatt dich für diesen Eingriff unters Messer zu legen, empfehlen wir dir dringend,  zunächst alle Alternativen auszuprobieren — und dazu gehören auch unsere Schmerztherapie und unsere Übungen.

6. Übungen zur Schmerzlinderung beim Karpaltunnelsyndrom


Machst du zum ersten Mal eine unserer Übungen? Dann lies dir am besten unsere Checkliste unter der Übungsbeschreibung durch. Sind die Übungen momentan noch zu schwer für dich, empfehlen wir dir, zunächst  zu einem unserer ausgebildeten Schmerztherapeuten zu gehen und danach mit den  Übungen zu beginnen.

Ina rollt beim Karpaltunnelsyndrom mit der Mini-Kugel über das Handgelenk.

Die beste Faszienrollmassage beim Karpaltunnelsyndrom

Übung mit der Mini-Kugel:

Nimm dir unsere Mini-Kugel aus unserem Faszien-Set oder eine vergleichbare Kugel zur Hand. Lege die Mini-Kugel auf eine Unterlage und rolle mit ihr  in kreisenden Bewegungen über dein Handgelenk. Überall dort, wo du Spannungen oder Schmerzen spürst, bleibst du ein wenig länger und rollst die Stellen kreisförmig ab. Arbeite mit der Kugel an deinem  ganzen Handgelenk und bis in die Handflächen hinein.

Ina rollt mit der Mini-Rolle von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms

Übung mit der Mini-Rolle:

Schnappe dir jetzt unsere Mini-Rolle und platziere  sie auf einem flachen Untergrund. Lege die Fingerspitzen der betroffenen Hand auf die Mini-Rolle und übe zusätzlich mit der anderen Hand Druck von oben aus. Rolle jetzt ganz langsam nach vorne über deine Handfläche bzw. die Hohlhand und dein Handgelenk bis zum Unterarm.

Wiederhole die Übung mit der Rückseite. Das heißt: Lege zu Beginn deinen Handrücken auf die Mini-Rolle und rolle ganz langsam bis zum Ellenbogen.

Ina dehnt das Handgelenk beim Karpaltunnelsyndrom

Dehnung im Handgelenk:

Gehe in den Vierfüßlerstand und drehe die betroffene Hand so, dass die Finger zu deinem Knie zeigen. Achte darauf, dass du deinen Daumen zu den anderen Fingern heranziehst. Besonders, wenn die Daumenballenmuskulatur geschwächt ist, wird dir das am Anfang schwerfallen. Wenn es jetzt im Handgelenk schon ordentlich zieht, dann bleibe  zwei Minuten in dieser Position und achte darauf, dass deine Handfläche am Boden bleibt. Falls du noch keine Spannung spürst, ziehe deine Schultern ein wenig zurück oder bringe dein Gesäß in Richtung Boden. Auf diese Weise baust du mehr Spannung im Handgelenk auf.

Variante:

Gehe so weit zurück, dass sich deine Handgelenke abheben und nur noch deine Finger flächig am Boden liegen. Mit deiner freien Hand kannst du nun zusätzlich vorsichtig am Daumen ziehen. Du wirst sofort eine Dehnung in der Daumenballenmuskulatur spüren. Bleibe auch hier zwei Minuten in der Übung.

Checkliste für unsere Übungen

Damit bei unseren Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Dehnung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen und musst nicht gegenspannen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die entspannenden und entzündungshemmenden Reparatur-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jeden Übungsschritt solltest du zwei bis zweieinhalb Minuten investieren und mindestens 90 Sekunden in der jeweiligen Dehnung bleiben.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und Dehnungsintensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse keine Seltenheit darstellen. Die Verkürzungen und Überspannungen in deinem Unterarm und rund um dein Handgelenk können sehr hoch sein. Es kann daher etwas dauern, bis dein Gehirn neue Bewegungsprogramme speichert, sich der Stoffwechsel normalisiert und die Zugkräfte aus Spannung und Gegenspannung zurückgehen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, kannst du deine Schmerzen im Handgelenk — fast unabhängig von der Diagnose — deutlich lindern und künftigen Beschwerden effektiv vorbeugen.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei den Übungen!

💡 Wenn du ein Karpaltunnelsyndrom hast, kann dir dieses Wissen helfen:


Schmerzen im Handgelenk besser verstehen

Im Handgelenk ist alles möglich. Hier erfährst du, wie die Beschwerden entstehen und was du selbst dagegen tun kannst.

hier informieren

Wenn du unter Fingerschmerzen leidest …

… bist du hier genau richtig. Unser Schmerzlexikon-Artikel erklärt dir, wie die Schmerzen in den Fingern entstehen und was dir schnell helfen kann.

Finger entspannen

Die besten Übungen gegen einen Schnappfinger

Damit Schmerzen an den Fingern dich nicht weiter quälen, zeigen wir dir in diesem Video ein paar einfache Dehnübungen zur Behandlung.

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Der Visionär

Roland Liebscher-Bracht

Frau umgreift mit einer Hand das Handgelenk der anderen Hand. Mit dieser bedient sie eine Maus.

© interstid | shutterstock.com

Wir erklären dir, was ein Karpaltunnelsyndrom ist, wie es entsteht und welche Möglichkeiten du hast, um wieder beschwerdefrei zu werden

Schmerzen im Handgelenk, Missempfindungen, Kribbeln in den Fingern, Taubheit und Kraftverlust. Kommt dir das bekannt vor? Dann leidest du vielleicht unter einem Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird ein Nerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt und verursacht diese Beschwerden. Wir erklären dir in diesem Beitrag, was ein Karpaltunnelsyndrom ganz genau ist, welche Symptome auftreten können und welche Ursachen es für die Beschwerden gibt. Außerdem zeigen wir dir, welche Behandlungsmöglichkeiten dir offenstehen und mit welchen Übungen du deine Schmerzen selbst lindern kannst.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

Mehr über Roland Liebscher-Bracht

Karpaltunnelsyndrom im Überblick

Bei einem Karpaltunnelsyndrom wird der mittlere Armnerv im Bereich des Handgelenks eingeklemmt. Dieser Nerv versorgt verschiedene Bereiche der Hand und kann  daher Beschwerden wie Kribbeln in den Fingern, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Funktionsstörungen hervorrufen. In diesem Kapitel geben wir dir einen Überblick über den Bereich des Handgelenks, in dem der Karpaltunnel, die Sehnen und der Nerv verlaufen, damit du eine bessere Vorstellung von den anatomischen Strukturen  bekommst. Im nächsten Kapitel erklären wir dir die typischen Symptome, die beim Karpaltunnelsyndrom auftreten. Kapitel 3 klärt dich über die Ursachen auf. Danach lernst du wirksame  Behandlungsmethoden kennen und erfährst, wie du mit  unseren Übungen in die Schmerzfreiheit starten kannst .

Das Karpaltunnelsyndrom steht seit 2015 auf der Liste der anerkannten Berufskrankheiten und wird wie folgt definiert: “Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnelsyndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hand oder durch Hand-Arm-Schwingungen.”19) Zwischen drei und zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an der Einengung des Nervs.

So, jetzt noch einmal ganz in Ruhe: Das Karpaltunnelsyndrom wird oft einfach als KTS abgekürzt oder mit “C” geschrieben, also Carpaltunnelsyndrom oder CTS. Der sogenannte Karpaltunnel ist die Verbindungsstraße zwischen deinem Unterarm und deiner Hand und wird dort durch die Knochen der Handwurzel begrenzt.

Schematische Darstellung eines Karpaltunnelsyndroms mit Karpalband und Medianusnerv

© decade3d – anatomy online | shutterstock.com

Gebildet wird der Karpaltunnel durch die Knochen der Handwurzel und das darüber liegende Karpalband. Im Karpaltunnel verlaufen acht Beugesehnen der oberflächlichen und tiefen Fingerbeugemuskeln. Einer von ihnen ist der Nervus medianus, auch medianus Nerv, Medianusnerv oder mittlerer Armnerv bzw. Mittelnerv genannt. Der medianus Nerv verläuft von der Schulter bis in die Finger und steuert dort die Muskelbewegungen und den Tastsinn der Hand. Auf Höhe deiner Handgelenke verläuft das Karpalband quer über den Karpalkanal samt Sehnen und Nerven. Es sorgt dafür, dass die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven an ihrem vorgesehenen Platz bleiben. Sehnenscheiden sind die mit Gelenkschmiere gefüllten Hüllen um die Sehnen.

Der Karpaltunnel selbst ist nicht als starre Röhre zu verstehen. Denn auch die Handwurzelknochen, die zusammen mit dem Karpalband den Kanal bilden, sind nicht starr. Durch unterschiedliche Handbewegungen kommt es zu einer Verschiebung der Handwurzelknochen und damit zu Änderungen in der Tiefenausdehnung des Karpaltunnels. Das bedeutet, dass bei manchen Handbewegungen viel  Platz im Karpalkanal vorhanden ist, während er bei anderen Bewegungen sehr flach und eng wird. Dieser Effekt entsteht vor allem durch das Karpalband, das quer über den Karpalkanal auf Höhe des Handgelenks verläuft und eine Art Deckel für den Karpaltunnel bildet.

Beim Karpaltunnelsyndrom wird nun der medianus Nerv gereizt oder geschädigt. Dies geschieht oft durch sich ständig wiederholende Bewegungen, also Streckung und Beugung, der Handgelenke bzw. der Hohlhand. Verstärkt wird die Reizung des Nervus medianus, wenn diese Bewegungen mit großem Kraftaufwand ausgeübt werden.

📌In Kürze: Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
Beim Karpaltunnelsyndrom (auch KTS, Carpaltunnelsyndrom oder CTS genannt) wird der Medianus Nerv im Handgelenk eingeengt und verursacht deshalb Beschwerden und Schmerzen.

Symptome beim Karpaltunnelsyndrom

Die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom beginnen  meist nachts und werden im späteren Stadium — auch tagsüber — immer intensiver.

Frühe Symptome des Syndroms:

Die meisten Betroffenen mit einem  Karpaltunnelsyndrom schildern, dass ihnen zu Beginn nachts oder früh am Morgen die Hand eingeschlafen ist. Treten die Beschwerden nur nachts und morgens auf, verschwinden sie  oft durch Ausschütteln der Hände. Auch ein Umlagern der Hand in der Nacht kann anfänglich die Schmerzen lindern. Manche Betroffene berichten, dass es ihnen hilft, die Hand unter kaltes Wasser zu halten.

Die Reizung betrifft in diesem Stadium hauptsächlich den Mittelfinger und den Ringfinger. Später sind auch Daumen und Zeigefinger von dem Reizsyndrom beeinträchtigt. Hier noch einmal die ersten Symptome auf einen Blick:

  • Einschlafen der Finger oder Kribbeln in den Fingern nachts und am Morgen
  • Missempfindungen und Gefühlsstörungen zuerst im Mittelfinger und Ringfinger
  • Ausschütteln der Hände hilft ebenso wie kaltes Wasser

Spätere Symptome des Syndroms:

Gefühlsstörungen durch kribbelnde Hände fangen meist an den Handinnenflächen an und dehnen sich im späteren Verlauf nach und nach auf immer mehr Finger aus. Da der Mittelnerv (medianus Nerv) bis in die Schulter verläuft, können starke Schulterschmerzen auftreten. Alltägliche Tätigkeiten, wie Telefonieren, Zeitunglesen oder Fahrradfahren, fallen den Betroffenen immer schwerer.

Ein permanentes Gefühl von Taubheit in den Händen führt zum Verlust der Fingerfertigkeit bzw. Fingergeschicklichkeit. Dies merken viele beim Ausüben von Handarbeiten oder beim Öffnen und Schließen von Knöpfen. Im Extremfall ist die Schädigung im Mittelnerv so groß, dass der Muskel des Daumenballens, der von diesem Nerv gesteuert wird, sich immer weiter zurückbildet.

Schon früher können Betroffene beispielsweise kaum noch eine Tasse in der Hand halten. Durch Verlust von Tastsinn, Sensibilität und Kraft rutschen den Patienten Tassen und andere Gegenstände gegen ihren Willen  einfach aus der Hand.

Hier die Symptome im späteren Stadium des Karpaltunnelsyndroms kurz und bündig:

  • Missempfindungen und Schmerzen in den Händen
  • Eingeschränkter Tastsinn und vermeintliche Ungeschicklichkeit
  • Verlust der Sensibilität in Handfläche und Fingern sowie ausgeprägtes Taubheitsgefühl
  • Kraftverlust und im Extremfall Muskelabbau im Daumenballen

Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms

Der Grund für das Entstehen eines Karpaltunnelsyndroms ist der ansteigende Gewebedruck im Karpaltunnel.20) Dieser Druck erhöht sich vor allem wegen zu hoher Spannungen in den Muskeln, Sehnen und Faszien im Arm. Durch immer gleiche und einseitige Bewegungen, beispielsweise an der Tastatur, entstehen Verkürzungen an den Beugesehnen der Hände. In der Folge entwickeln sich zu hohe Spannungen in diesem Bereich, wodurch  die Beugesehnen anschwellen — es wird zu eng im Tunnel.

Die Höhe und Dauer der Druckentwicklung im Karpaltunnel bestimmt das Ausmaß des Schadens am  Medianusnerv. Eine erhöhte Gefäßdurchlässigkeit im Karpaltunnel mit Austritt von Immunzellen führt zu einer lokalen Entzündung und Ödembildung im Nerv. Diese Entzündung sorgt dafür, dass sich die Durchblutung rund ums Handgelenk weiter verschlechtert. So verschlimmern sich natürlich deine Schmerzen und Beschwerden im Bereich der Hände und Handgelenke. Langfristig kann es sogar zu einer Nervenschädigung kommen.

Nahaufnahme einer Hand auf der Computer-Maus

Die Frage ist nun, warum und wie genau sich der Druck im Karpaltunnel erhöht?! Das ist zunächst ganz einfach: Zu einer Druckerhöhung kommt es bei einem Missverhältnis zwischen Tunnelweite bzw. Tunnelkapazität und seinem Inhalt (Sehnen und Nerven). Bestimmte Faktoren erhöhen die Gefahr, dass die Sehnen und Nerven im Karpaltunnel anschwellen. Dazu gehören:21)

  • sich wiederholende Bewegungen und Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Hände im Handgelenk,
  • erhöhter Kraftaufwand der Hände, beispielsweise durch kraftvolles Greifen,
  • sowie das Wirken von Hand-Arm-Schwingungen, beispielsweise durch vibrierende Maschinen wie Motorsäge oder  Steinbohrer.

Einige  Berufe und Berufsgruppen haben deshalb ein erhöhtes Risiko, ein Karpaltunnelsyndrom zu bekommen. Gehörst du auch dazu?

  • Fließbandarbeiter, vor allem in der Automobilbranche
  • Forstarbeiter beim Umgang mit vibrierenden Werkzeugen wie Sägen
  • Kassierer im Supermarkt
  • Masseure
  • Arbeiten im Büro

Im Video erklärt dir unser Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht noch einmal anschaulich die Ursache für deine Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom:

Aufgrund sich wiederholender Bewegungsmuster in diesen Berufen werden die Sehnen, Sehnenscheiden und Nerven im Karpaltunnel gereizt, entzünden sich und dehnen sich dabei aus. So baut sich der hohe Druck auf, da alles gegen das Karpalband, das quer über dem Tunnel liegt, drückt.

Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms

Seit Januar 2015 gehört das Karpaltunnelsyndrom zu den anerkannten Berufskrankheiten. Das hat einerseits den Vorteil, dass du als Betroffene oder Betroffener nicht mehr milde belächelt wirst, sondern deine Schmerzen und Beschwerden ernst genommen werden. Auf der anderen Seite bringt der Status “Berufskrankheit” ein teilweise recht langes Diagnose-Prozedere mit sich. Wenn du schnelle und effektive Hilfe brauchst, dann erklären wir dir deine unterschiedlichen Möglichkeiten in Kapitel 5.

In der herkömmlichen Medizin gibt es eine Reihe von Tests, die von Ärzten bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom  durchgeführt werden. Dabei wird in der Regel deine Motorik in der Hand überprüft. So gibt dir beispielsweise der Arzt ein rundes Gefäß in die Hand. Bei eingeschränkter Hand-Motorik und -Sensorik  fällt es dir schwer, das Gefäß zu umgreifen — besonders der Daumen spielt dann oft nicht richtig mit. Ist dies der Fall, wird von einem “positiven Flaschenzeichen” gesprochen, das als Indiz für ein Karpaltunnelsyndrom gilt. Um ganz sicher zu sein, muss jedoch eine Rhizarthrose (Arthrose im Daumen) ausgeschlossen werden.

📌 Tests zur Ermittlung eines Karpaltunnelsyndroms:22) 

  • Phalen-Test: Hierfür nimmst du deine Arme waagerecht und presst für 60 Sekunden deine Handrücken aneinander. Der Test ist positiv und spricht dann für ein Karpaltunnelsyndrom, wenn du nach Ablauf der Zeit anormale Körperempfindungen. wie ein Taubheitsgefühl oder Schmerzen im Bereich der Handgelenke, spürst.
  • Umgekehrter Phalen-Test: Dabei presst du für 60 Sekunden die Handinnenflächen aufeinander. Der Test ist allerdings nicht so zuverlässig wie der Phalen-Test.
  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Bei diesem Test bleiben deine Handgelenke in neutraler Handgelenksposition. Jetzt wird der Bereich des Handgelenks, in dem der Medianus Nerv verläuft, abgeklopft. Ruft dies Schmerzen oder Gefühlsstörungen hervor, gilt das als Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Karpal-Kompressions-Test: Deine Hände befinden sich bei diesem Test in neutraler Position und der Untersuchende drückt auf den Medianusnerv in Höhe des Karpaltunnels. Der Test ist positiv, wenn eine Karpaltunnelsymptomatik ausgelöst oder verstärkt wird.
  • Flexions-Kompressions-Test: Deine Arme liegen ausgestreckt auf einer Unterlage und deine Handflächen zeigen nach oben. Der Arzt oder Therapeut beugt das Handgelenk um 60 Grad nach oben und drückt mit dem Daumen auf den Nervus medianus im Karpaltunnelbereich. Auch hier gilt: Der Test ist positiv, wenn Beschwerden ausgelöst werden.
  • Touniquet-Test: Bei diesem Test wird eine Blutdruckmanschette an deinen Oberarm angelegt und über den systolischen Druck (= oberen Blutdruckwert) aufgepumpt. Wenn du unter einem Karpaltunnelsyndrom leidest, dann spürst du Gefühlsstörungen und Schmerzen im Bereich des Medianusnervs im Handgelenk.

Neben diesen Tests kann zur Diagnostik eine Sonographie, also ein Ultraschall, deiner Handgelenke erstellt werden. Mit einer hochauflösenden Sonographie können Veränderungen wie Abflachungen oder Verdickungen des Nervs in deinem Handgelenk dargestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms ist die Magnetresonanztomographie (MRT).23) Veränderungen des Nervs im Handgelenk können mit der Magnetresonanztomographie gut dargestellt werden. Da das Erstellen eines MRT-Bildes allerdings sehr teuer ist, wird diese Methode eher selten  zur Diagnosestellung eingesetzt.

MRT-Gerät zur Diagnostik eines Karpaltunnelsyndroms

Als zuverlässiger und objektiver Nachweis eines Karpaltunnelsyndroms gilt die sogenannte Neurographie (lang: Elektroneurographie, kurz: ENG).24) Daher wird die Neurographie von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur Diagnostik empfohlen. Bei der Elektroneurographie wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. So lassen sich Rückschlüsse auf die Schädigung von Nervenfasern und den Zustand des Nerven umhüllenden Gewebes ziehen. Dies geschieht durch Auswertung von motorischen und sensiblen Antwortpotenzialen nach elektrischer Stimulation (= sanfte Reizung) der Nerven in deinem Handgelenk und besonders der Nervenleitgeschwindigkeit.  

Wenn dir diese ganzen verschiedenen Diagnoseverfahren zu lang oder zu kompliziert erscheinen, musst du dir keine Sorgen machen. Mit unserer Therapie können wir dir bzw. kannst du dir selbst ganz schnell helfen — und das ohne langwierige Tests. Erfahre mehr darüber im nächsten Kapitel und im Kapitel Übungen.

Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Mit der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht möchten wir dich genau dort abholen, wo du mit deinen Beschwerden aktuell stehst, und dir verschiedene Wege in die Schmerzfreiheit aufzeigen. Doch zunächst vorweg: Die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht ist eine eigenständige manualtherapeutische Behandlungsmethode, welche  die meisten Schmerzen auf überspannte Muskeln und Faszien aufgrund mangelhafter oder einseitiger Bewegungen zurückführt.

Monotone  Bewegungen kennst du bestimmt aus deinem Alltag. In den Schultern und Armen führen sie beispielsweise zu überspannten Muskeln und Faszien, die dann starke Zugkräfte auf dein Handgelenk ausüben. Dort werden schließlich die Strukturen an der Engstelle im Karpaltunnel zu sehr beansprucht, schwellen daher an, drücken gegen das Karpalband und verursachen deine Beschwerden.

Skelett mit den Osteopressurpunkten bei Schmerzen im Daumen

Unsere Methode setzt genau an der Ursache an und baut die Überspannungen ab. Durch das Drücken von Rezeptoren in der Knochenhaut — die sogenannte Osteopressur —  können akute Schmerzen schnell und effektiv gestoppt werden. Unsere speziellen Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen dehnen verkürzte Muskeln auf und lösen Verklebungen in den Faszien. So kannst du langfristig schmerzfrei bleiben.

Sind deine Beschwerden momentan nicht zu stark, kannst du direkt unsere Übungen im nächsten Kapitel ausprobieren. Sind deine Beschwerden extrem oder hast du die Übungen bereits ausprobiert und deine Schmerzen waren dabei so schlimm, dass du die Übungen überhaupt nicht richtig ausführen konntest, dann gehe am besten zu einem unserer ausgebildeten Schmerzspezialisten in deiner Nähe. Dieser wendet dann unsere Osteopressur an, bei der gezielt Rezeptoren gedrückt werden. Dadurch können sich die zu hohen muskulär-faszialen Spannungen normalisieren und deine Schmerzen lassen nach oder verschwinden in den meisten Fällen ganz. Erst danach machst du unsere Übungen — das wird dir dann viel leichter fallen.

Mit unserem neuen Drücker-Set kannst du übrigens die entsprechenden Schmerzfrei-Punkte auch selbst drücken. Erfahre hier mehr darüber.

📌 Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft:

Gerade in der Schwangerschaft tritt bei einigen Frauen ein Karpaltunnelsyndrom zum ersten Mal auf. Statistisch gesehen leiden mindestens sieben Prozent aller Schwangeren in Deutschland an der Erkrankung bzw. Einengung des Nervs.25) Dabei haben die meisten Frauen (93 Prozent) starke nächtliche Beschwerden und/oder eine anhaltende Sensibilitätsstörung. Wenn du schwanger bist und die Schmerzen im Bereich der Handgelenke zunehmen, probiere unsere Übungen aus. Sie können während der Schwangerschaft deine Beschwerden lindern und nach der Geburt verschwinden die Beschwerden oftmals von alleine.

Eine Kortison-Spritze wird aufgezogen

Kortison-Spritzen: In der herkömmlichen Medizin wird dein Karpaltunnelsyndrom oft mit Kortison behandelt. Doch Studien zeigen, dass Injektionen mit Kortison nur bei leichten Beschwerden kurzfristig Besserung bringen. Langfristig konnte keine Linderung der Beschwerden festgestellt werden. Als Nebenwirkungen hatten die behandelten Patienten lokale Schwellungen und leichte Schmerzen an der Injektionsstelle.26)

Schiene zur Stabilisation und Ruhigstellung des Handgelenks beim Karpaltunnelsyndrom.

© Praisaeng | shutterstock.com

Nachtschienen: In der konservativen Therapie wird davon ausgegangen, dass deine Beschwerden aufgrund von Überbeanspruchung und nicht aufgrund von einseitigen Bewegungen und verkürzten Faszien entstehen. Als Konsequenz dieser Einschätzung wird dein Handgelenk nachts mit sogenannten Nachtschienen ruhiggestellt. Mit einer speziellen Schiene wird dabei dein Handgelenk in Mittelstellung fixiert. Nach dem Aufstehen kann die Schiene abgenommen werden. Aus unserer Sicht ist Schonung jedoch nicht der richtige Weg. In unserem Beitrag “Hör´auf, dich zu schonen!” erklären wir dir auch, wie wir zu dieser Ansicht kommen. Probiere daher lieber unsere Methode aus.

Ärzte bei einer Operation

Operationen: Bei schweren Beschwerden, also beispielsweise bei anhaltender Gefühllosigkeit über mehrere Wochen und nachgewiesener Schädigung des Nervs, raten viele Ärzte zu einer Operation am Karpaltunnel. Bei einer solchen OP  wird das Karpalband (= Retinakulum), das sich über der Knochenrinne am Handgelenk erstreckt, nach Betäubung des Handgelenks durchtrennt. Es haben sich dabei zwei verschiedene Operationsverfahren etabliert: die sogenannte offene Retinakulumspaltung und die endoskopische Retinakulumspaltung. Der Eingriff bei dieser Erkrankung erfolgt in der Regel ambulant mit örtlicher Betäubung. Bei der offenen Retinakulumspaltung wird das Karpalband unter vollständiger Sicht durchtrennt. Das heißt, dass  der Chirurg hier einen vergleichsweise großen Hautschnitt vornimmt. Gleichzeitig wird noch Bindegewebe entfernt. Bei der endoskopischen Retinakulumspaltung wird nur ein kleiner Hautschnitt gemacht und der Chirurg durchtrennt das Karpalband nur unter Sicht einer kleinen eingeführten Kamera.27)  Mittels  Durchtrennung des Karpalbandes soll  mehr Platz für den Nerv und das Gewebe entstehen. Nach wenigen Wochen ist alles verheilt.

Leider wird der Eingriff auch immer wieder bei Patienten durchgeführt, die gar keine klare Diagnose bekommen haben und unter sogenannten idiopathischen Schmerzen im Handgelenk leiden. Damit kommt schlichtweg zum Ausdruck, dass die Ursache der Schmerzen unbekannt ist. Das Durchtrennen des Karpalbandes gilt dann als (hilfloser) Versuch, die Schmerzen endlich zu beseitigen. Egal ob mit oder ohne eindeutige Diagnose: Wir sind der Meinung, dass eine Operation fast immer der falsche Weg ist. Was durch den Eingriff einmal zerstört ist, kann gar nicht oder nur schlecht “repariert” werden. Anstatt dich für diesen Eingriff unters Messer zu legen, empfehlen wir dir dringend,  zunächst alle Alternativen auszuprobieren — und dazu gehören auch unsere Schmerztherapie und unsere Übungen.

Übungen zur Schmerzlinderung beim Karpaltunnelsyndrom

Machst du zum ersten Mal eine unserer Übungen? Dann lies dir am besten unsere Checkliste unter der Übungsbeschreibung durch. Sind die Übungen momentan noch zu schwer für dich, empfehlen wir dir, zunächst  zu einem unserer ausgebildeten Schmerztherapeuten zu gehen und danach mit den  Übungen zu beginnen.

Ina rollt beim Karpaltunnelsyndrom mit der Mini-Kugel über das Handgelenk.

Die beste Faszienrollmassage beim Karpaltunnelsyndrom

Übung mit der Mini-Kugel:

Nimm dir unsere Mini-Kugel aus unserem Faszien-Set oder eine vergleichbare Kugel zur Hand. Lege die Mini-Kugel auf eine Unterlage und rolle mit ihr  in kreisenden Bewegungen über dein Handgelenk. Überall dort, wo du Spannungen oder Schmerzen spürst, bleibst du ein wenig länger und rollst die Stellen kreisförmig ab. Arbeite mit der Kugel an deinem  ganzen Handgelenk und bis in die Handflächen hinein.

Ina rollt mit der Mini-Rolle von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms

Übung mit der Mini-Rolle:

Schnappe dir jetzt unsere Mini-Rolle und platziere  sie auf einem flachen Untergrund. Lege die Fingerspitzen der betroffenen Hand auf die Mini-Rolle und übe zusätzlich mit der anderen Hand Druck von oben aus. Rolle jetzt ganz langsam nach vorne über deine Handfläche bzw. die Hohlhand und dein Handgelenk bis zum Unterarm.

Wiederhole die Übung mit der Rückseite. Das heißt: Lege zu Beginn deinen Handrücken auf die Mini-Rolle und rolle ganz langsam bis zum Ellenbogen.

Ina dehnt das Handgelenk beim Karpaltunnelsyndrom

Dehnung im Handgelenk:

Gehe in den Vierfüßlerstand und drehe die betroffene Hand so, dass die Finger zu deinem Knie zeigen. Achte darauf, dass du deinen Daumen zu den anderen Fingern heranziehst. Besonders, wenn die Daumenballenmuskulatur geschwächt ist, wird dir das am Anfang schwerfallen. Wenn es jetzt im Handgelenk schon ordentlich zieht, dann bleibe  zwei Minuten in dieser Position und achte darauf, dass deine Handfläche am Boden bleibt. Falls du noch keine Spannung spürst, ziehe deine Schultern ein wenig zurück oder bringe dein Gesäß in Richtung Boden. Auf diese Weise baust du mehr Spannung im Handgelenk auf.

Variante:

Gehe so weit zurück, dass sich deine Handgelenke abheben und nur noch deine Finger flächig am Boden liegen. Mit deiner freien Hand kannst du nun zusätzlich vorsichtig am Daumen ziehen. Du wirst sofort eine Dehnung in der Daumenballenmuskulatur spüren. Bleibe auch hier zwei Minuten in der Übung.

Checkliste für unsere Übungen

Damit bei unseren Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Dehnung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen und musst nicht gegenspannen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die entspannenden und entzündungshemmenden Reparatur-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jeden Übungsschritt solltest du zwei bis zweieinhalb Minuten investieren und mindestens 90 Sekunden in der jeweiligen Dehnung bleiben.

✅ Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und Dehnungsintensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

✅ Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse keine Seltenheit darstellen. Die Verkürzungen und Überspannungen in deinem Unterarm und rund um dein Handgelenk können sehr hoch sein. Es kann daher etwas dauern, bis dein Gehirn neue Bewegungsprogramme speichert, sich der Stoffwechsel normalisiert und die Zugkräfte aus Spannung und Gegenspannung zurückgehen. Doch wenn du am Ball bleibst und die Übungen zu deiner täglichen Routine machst, kannst du deine Schmerzen im Handgelenk — fast unabhängig von der Diagnose — deutlich lindern und künftigen Beschwerden effektiv vorbeugen.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei den Übungen!

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