Histaminintoleranz: Der Grund für deine Schmerzen?

Schätzungsweise ein bis sechs Prozent der Bevölkerung ist davon betroffen – einer Unverträglichkeit von histaminhaltigen Lebensmitteln. Auffällig: Über 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen.1) 2) Eine Reaktion auf Histamin äußert sich kunterbunt wie ein Kaleidoskop: Von Kopfschmerzen, Hautrötungen über Erbrechen, Müdigkeit und Krämpfe bis hin zu Darmerkrankungen sind viele unterschiedliche Symptome dabei.
Petra erklärt dir im Video, was Histamin ist, wie es zu einer versteckten allergischen Reaktion kommt und sie verrät dir, wie du eine Histaminintoleranz in den Griff bekommen kannst. Die Antworten gibt’s ebenso schriftlich zum Nachlesen weiter unten.
Außerdem haben wir dir eine FAQ sowie eine kostenfreie Liste histaminarmer und histaminreicher Lebensmittel zusammengestellt.
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1. Grundwissen Histamin
1.1 Definition
Was ist Histamin eigentlich? Darauf gibt es eine fachliche Antwort. Gleichwohl wissen wir aber auch, dass nicht jeder Chemiker oder Ernährungswissenschaftlerin ist. Deshalb lass uns folgendermaßen vorgehen:
Definition für Chemiker
Histamin ist ein Neurotransmitter sowie biogenes Amin. Es entsteht, wenn das Enzym L-Histidin-Decarboxylase (HDC) von der Aminosäure Histidin Kohlendioxid abspaltet (Decarboxylierung).
Definition für Laien
Histamin ist ein ganz natürlicher Botenstoff in jedem menschlichen Körper. Es wirkt als Gewebshormon und Signalüberträger in unserem Nervensystem.
1.2 Aufgaben von Histamin
Histamin wirkt als Botenstoff für die physiologische Funktion vieler Organsysteme wie dem Verdauungs- und Genitaltrakt und dem Zentralen Nervensystem.3) Beispielsweise reguliert Histamin die Magensaft-Produktion, den Blutdruck, den Schlaf- und Wach-Rhythmus oder es kontrolliert das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl.
Der Botenstoff spielt zudem bei der Vermittlung von allergischen und nicht-allergischen Reaktionen eine bedeutende Rolle: Körpereigene Abwehrzellen (Mastzellen) beinhalten Histamin und schütten es bei bestimmten Auslösern aus. Das können Stress, Infekte, Insektenstiche, Medikamente und Lebensmittel sein.
1.3 Histamin-Produktion
Das Freisetzen von Histamin aus den Mastzellen macht deutlich, dass es nicht nur durch den Verzehr von Lebensmitteln in den Körper gelangt, sondern auch im Körper synthetisiert wird.
Ansonsten enthält jedes Lebensmittel Histamin, nur in unterschiedlich hoher Konzentration. Reifung, Fermentation und Gärung steigern den Gehalt. Deshalb haben langgereifter Käse, Sauerkraut, Sojasauce oder Wein – also solche Lebensmittel, die mit Bakterien- und Hefekulturen hergestellt werden4) – die höchsten Histamin-Werte. Auch Geräuchertes, Gepökeltes, Getrocknetes, Verdorbenes oder schlecht Gelagertes ist besonders histaminreich.
Je frischer die Nahrungsmittel, desto geringer der Histamingehalt. Weiterverarbeitung, Haltbarmachung sowie erneutes Erwärmen lassen ihn ansteigen.
2. Histaminunverträglichkeit
Doch was passiert da im Körper mancher Menschen, wenn nach dem Verzehr von Lebensmitteln eine so unterschiedliche Symptomatik wie Durchfall, Kopfschmerzen, Migräne, kampfartige Schmerzen, Hautrötungen oder Bluthochdruck (näheres siehe FAQ) auftritt?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten einen verminderten Histaminabbau und einen daraus resultierenden Überschuss des biogenen Amins als Ursache der Intoleranz. Es besitzt vier Rezeptoren und kann sich mit diesen an nahezu jedes Organ binden. Das erklärt, warum die Symptome eines Histaminüberschusses so vielfältig sind.5)
Unter normalen Umständen erfolgt der Abbau a) intrazellulär durch Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) wie im Zentralen Nervensystem und b) extrazellulär durch die Diaminoxidase (DAO, Histaminase) wie in den Organen Dünndarm, Niere oder Leber.
Im Fokus der Ursachenerklärung steht der „gestörte“ extrazelluläre Histaminabbau, also durch die Diaminoxidase.
Eine weitere Vermutung für Histaminunverträglichkeit ist eine unkontrollierte Anhäufung von Mastzellen (Mastzellaktivierungssyndrom, MCAS), die schließlich Histamin speichern.6)
Histamin – Allergie oder Unverträglichkeit?
Obwohl die Reaktionen des Körpers darauf schließen lassen: Sie sind keine Abwehrreaktion des Immunsystems! Denn es reagiert auf die erhöhte Menge an Histamin nicht über. Statt um eine Allergie handelt sich viel mehr um versteckte allergische Reaktionen auf eine Histaminunverträglichkeit.
FAQ
Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?
Welche Lebensmittel sind histaminfrei?
Welches Obst darf ich essen bei Histaminintoleranz?
Wie äußert sich Histaminintoleranz? Welche Schmerzen hat man bei Histaminintoleranz?
Kann Histamin Gelenkschmerzen verursachen?
Kann Histamin Muskelschmerzen auslösen?
Wie lange dauert eine Reaktion bei Histamin?
Wie kann man Histamin schnell abbauen?
Quellen & Studien
- ↑1 H. Kofler: Histaminunverträglichkeit. Vortragszusammenfassung vom Bodenseesymposium 2013. In: hautnah 13 (2014). S. 13–15.
- ↑2 A. Wichary: Wenn Rotwein und Camembert nicht vertragen werden Histaminunverträglichkeit – ein Mythos? https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-092006/wenn-kaese-und-wein-kein-genuss-sind/ (17.08.2022 – 15:28 Uhr).
- ↑3 I. Reese: Histaminintoleranz – wirklich eine Unverträglichkeit im Sinne einer reproduzierbaren Gesundheitsstörung auf definierte Auslöser? In: Bundesgesundheitsbl 59 (2016). S. 771–776.
- ↑4 A. Wichary: Wenn Rotwein und Camembert nicht vertragen werden Histaminunverträglichkeit – ein Mythos? https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-092006/wenn-kaese-und-wein-kein-genuss-sind/ (17.08.2022 – 15:28 Uhr).
- ↑5 A. Wichary: Wenn Rotwein und Camembert nicht vertragen werden Histaminunverträglichkeit – ein Mythos? https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-092006/wenn-kaese-und-wein-kein-genuss-sind/ (17.08.2022 – 15:28 Uhr).
- ↑6 F. Klein: Histamin – ein Botenstoff, der krank macht? https://www.aerztezeitung.de/Kongresse/Histamin-ein-Botenstoff-der-krank-macht-428724.html (15.08.2022 – 15:29 Uhr).