Schlafphasen einfach erklärt: Ablauf, Bedeutung, Störungen

16.09.2026
Roland Liebscher-Bracht

Roland Liebscher-Bracht

Schmerzspezialist & SPIEGEL-Bestseller-Autor

Medizinische Prüfung: Dr. med. Egbert Ritter
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Jede Nacht durchläuft dein Körper mehrmals denselben Ablauf: Du wirst müde, schläfst ein, sinkst in einen tiefen, kaum weckbaren Schlaf und tauchst später wieder in leichtere Phasen mit lebhaften Träumen auf. Dieser Wechsel aus Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf besteht aus den sogenannten Schlafphasen, die in aufeinanderfolgenden Schlafzyklen ablaufen und deinen Körper systematisch durch Erholung, Regeneration und Verarbeitung führen.

Dieser Ablauf ist kein Nebenschauplatz des Schlafs, sondern sein eigentlicher Kern: Ob du dich morgens erholt fühlst, hängt weniger davon ab, wie viele Stunden du im Bett verbracht hast, sondern davon, wie ungestört dein Körper die einzelnen Schlafphasen durchlaufen konnte. Im Idealfall folgt dieser Ablauf einem stabilen Schlafrhythmus, der den meisten Menschen eine erholsame Nachtruhe ermöglicht.

Wie diese Phasen aufgebaut sind, welche Aufgaben sie im Körper übernehmen, was ihren Ablauf stört und warum ausgerechnet Schmerzen dabei eine besondere Rolle spielen, erfährst du in diesem Artikel.

Was sind Schlafphasen? Ein Überblick

Schlafforscher unterteilen eine Nacht in zwei große Schlaftypen: den Non-REM-Schlaf, der wiederum in drei Stadien (N1, N2, N3) gegliedert ist, und den REM-Schlaf, benannt nach den schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movement), die in dieser Phase auftreten.1 Ein vollständiger Durchlauf aller Phasen wird als Schlafzyklus bezeichnet und dauert bei Erwachsenen im Schnitt 90 bis 110 Minuten. Ein Schlafzyklus beginnt jeweils erneut mit der Einschlafphase, sodass du in einer normalen Nacht mit 7 bis 8 Stunden Schlafdauer 4 bis 6 vollständige Schlafzyklen durchläufst, wobei sich die Zusammensetzung der Phasen von Schlafzyklus zu Schlafzyklus verschiebt. Jedes einzelne Stadium wiederholt sich also mehrfach pro Nacht, und die vier Schlafstadien folgen dabei stets derselben Abfolge. Die Schlafforschung hat diese Einteilung über Jahrzehnte hinweg verfeinert und gilt heute als anerkannter Standard der modernen Schlafmedizin.

Die folgende Übersicht zeigt die typischen Anteile der einzelnen Phasen an der Gesamtschlafzeit eines gesunden Erwachsenen sowie einige der Körperfunktionen, die sich dabei verändern:

Tabelle mit Übersicht der Schlafphasen

Diese Werte schwanken von Nacht zu Nacht und von Person zu Person, geben aber eine gute Orientierung, wie sich eine gesunde Nacht üblicherweise zusammensetzt.

Die vier Schlafphasen im Detail
Einschlafphase (N1)

Die Einschlafphase ist der kurze Übergang zwischen Wachsein und Schlaf. Atmung und Puls werden regelmäßiger, die Muskeln lösen ihre Spannung, und der Körper fährt langsam herunter, auch wenn Geräusche aus der Umgebung noch teilweise wahrgenommen werden. Manche Menschen erleben in diesem Stadium kurze, unwillkürliche Muskelzuckungen (auch hypnagoge Zuckungen genannt), die harmlos sind. Wer während der Einschlafphase geweckt wird, hat oft das Gefühl, gar nicht geschlafen zu haben, da das Wachsein in dieser Phase noch sehr nah am Schlaf liegt. Dieses Stadium wird von den meisten Menschen kaum bewusst wahrgenommen. Die Einschlafphase macht nur einen kleinen Teil der Nacht aus, wird aber am Anfang jedes neuen Schlafzyklus erneut kurz durchlaufen.

Leichtschlafphase (N2)

Die Leichtschlafphase ist das Stadium, das insgesamt am meisten Zeit einnimmt. Herzschlag, Atmung und Körpertemperatur sinken in der Leichtschlafphase weiter ab, während sich der Körper auf die folgende Tiefschlafphase vorbereitet. Im EEG zeigen sich charakteristische kurze Aktivitätsmuster, sogenannte Schlafspindeln, denen eine Rolle bei der Gedächtnisbildung zugeschrieben wird. Auch wenn die Leichtschlafphase „nur" Leichtschlaf genannt wird, ist sie für die Erholung des Körpers keineswegs unwichtig, sondern bildet das Grundgerüst jedes Schlafzyklus. Dieses Schlafstadium wird in jeder Nacht deutlich häufiger durchlaufen als jedes andere, auch wenn der reine Leichtschlaf als Begriff manchmal unterschätzt wird.

Tiefschlafphase (N3)

In der Tiefschlafphase, auch Slow-Wave-Sleep genannt, ist der Körper am schwersten weckbar. Herzschlag, Blutdruck und Atmung erreichen ihre niedrigsten Werte der Nacht, und die Muskulatur ist maximal entspannt. Die Tiefschlafphase gilt als die körperlich regenerativste Phase der Nacht: Gewebe wird repariert, die Muskulatur aufgebaut, das Immunsystem gestärkt und Wachstumshormone ausgeschüttet.2 In der Schlafmedizin gilt dieses Schlafstadium deshalb als besonders wichtig für die körperliche Erholung. Dieses Stadium ist zudem besonders empfindlich gegenüber Störungen von außen. Neuere Forschung zeigt zudem, dass gerade in der Tiefschlafphase ein körpereigenes Reinigungssystem im Gehirn (das sogenannte glymphatische System) aktiver arbeitet und Stoffwechselabbauprodukte abtransportiert, die sich tagsüber im Gehirn ansammeln.3 Die Tiefschlafphase konzentriert sich vor allem auf die erste Nachthälfte, in der dein Körper die meiste Regenerationsarbeit leistet.

REM-Schlaf (Traumschlaf)

Im REM-Schlaf, auch Traumschlaf genannt, ist das Gehirn ähnlich aktiv wie im Wachzustand: Die Gehirnaktivität steigt spürbar an, während die Muskulatur des Körpers nahezu vollständig erschlafft, sodass Träume nicht körperlich ausagiert werden. Charakteristisch für den Traumschlaf sind schnelle Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern, denen die REM-Phase ihren Namen verdankt (Rapid Eye Movement); auch ein Zucken der Lider selbst lässt sich von außen häufig beobachten. In dieser Traumphase verarbeitet und festigt das Gehirn Erinnerungen und emotionale Eindrücke des Tages, ein Vorgang, der als wichtiger Bestandteil von Gedächtnisbildung und Lernprozessen gilt.4 Der Traumschlaf ist zu Beginn der Nacht kurz und wird gegen den Morgen hin deutlich länger, weshalb besonders lebhafte Träume häufig kurz vor dem Aufwachen auftreten. Auch dieses Stadium reagiert empfindlich auf Alkohol und Stress.

Illustration eines Schlafzyklus mit den vier Schlafphasen. Einschlafphase, Stabiler Schlaf, Tiefschlaf, REM-Schlaf.

Der Ablauf einer Nacht: Wie sich die Schlafphasen verändern

Die Reihenfolge innerhalb eines Schlafzyklus ist meist Einschlafphase → Leichtschlafphase → Tiefschlafphase → Leichtschlafphase → REM-Schlaf, bevor der nächste Zyklus beginnt. Diese Abfolge wiederholt sich in jedem Zyklus der Nacht, auch wenn kurze Wachphasen zwischen den einzelnen Zyklen normal sind und meist unbemerkt bleiben. Über mehrere Schlafzyklen hinweg verschiebt sich das Gewicht der Phasen deutlich: In der ersten Nachthälfte überwiegt die Tiefschlafphase, REM-Phasen sind kurz. In der zweiten Nachthälfte nimmt der Anteil der Tiefschlafphase stark ab, während die Phasen des Traumschlafs länger werden. Das erklärt, warum ein früh in der Nacht unterbrochener Schlafzyklus besonders stark die körperliche Regeneration beeinträchtigt, während Unterbrechungen gegen Morgen eher das Traumgeschehen und die geistige Verarbeitung betreffen. Jedes Stadium erfüllt dabei eine eigene Funktion, die sich nicht durch ein anderes ersetzen lässt.

Was im Körper während der Schlafphasen passiert

Der Wechsel der Schlafphasen lässt sich nicht nur im Gehirn, sondern auch am restlichen Körper ablesen. Mehrere Körperfunktionen verändern sich im Verlauf jedes Zyklus messbar:

  • Herzschlag und Blutdruck: Der Herzschlag verlangsamt sich von der Einschlafphase bis zur Tiefschlafphase kontinuierlich und erreicht dort seinen niedrigsten Wert der Nacht, der Blutdruck sinkt parallel dazu ab. Im REM-Schlaf können Herzschlag und Blutdruck dagegen kurzzeitig unregelmäßiger und höher werden, ähnlich wie im Wachzustand.
  • Atmung: Auch die Atmung wird von der Einschlafphase an zunehmend ruhiger und gleichmäßiger. In der Tiefschlafphase ist die Atmung besonders langsam und regelmäßig, während sie im Traumschlaf wieder unregelmäßiger werden kann.
  • Muskulatur: Die Muskulatur entspannt sich von Schlafphase zu Schlafphase zunehmend. In der Tiefschlafphase sind die Muskeln fast vollständig entspannt, im REM-Schlaf verhindert eine aktive Lähmung der Muskulatur, dass Träume körperlich umgesetzt werden.
  • Immunsystem: Das Immunsystem nutzt vor allem die Tiefschlafphase, um Botenstoffe für die Immunabwehr zu bilden und Entzündungsprozesse zu regulieren. Wird die Tiefschlafphase wiederholt verkürzt, kann sich das auf die Abwehrkräfte des Immunsystems auswirken.
  • Gehirnaktivität: Während Tiefschlafphase und Leichtschlafphase die Gehirnaktivität insgesamt niedrig halten, steigt die Gehirnaktivität im Traumschlaf noch einmal deutlich an, was die lebhaften Trauminhalte erklärt.

Diese körperlichen Veränderungen laufen automatisch ab und lassen sich kaum bewusst beeinflussen. Sie zeigen aber, wie eng Körper und Gehirn beim Durchlaufen der Schlafphasen zusammenarbeiten.

Wenn Schlafphasen gestört werden

Der geschilderte Ablauf setzt voraus, dass der Schlaf ungestört verläuft. In der Praxis wird dieser Rhythmus jedoch bei vielen Menschen häufig unterbrochen, mit spürbaren Folgen für die Erholung von Körper und Gehirn:

  • Alkohol: Alkohol lässt zwar schneller einschlafen, unterdrückt aber in der ersten Nachthälfte den REM-Schlaf und führt in der zweiten Nachthälfte zu häufigeren kurzen Wachphasen, was die Schlafqualität vieler Menschen insgesamt verschlechtert.5
  • Schichtarbeit und unregelmäßiger Schlafrhythmus: Wird zur „falschen" biologischen Zeit geschlafen, etwa tagsüber nach einer Nachtschicht, verkürzt sich vor allem der REM-Schlaf spürbar, während die Tiefschlafphase zwar weitgehend erhalten bleibt, sich aber intensiver und weniger erholsam anfühlen kann. Insgesamt bleibt der Schlaf nach Nachtschichten weniger stabil, mit häufigeren kurzen Wachphasen.6
  • Bildschirmlicht, Koffein und Geräusche am Abend: Bildschirmlicht und Koffein verzögern das Einschlafen, störende Geräusche aus der Umgebung verkürzen zusätzlich die Zeit, die für Tiefschlafphase und REM-Schlaf zur Verfügung steht.
  • Stress und Anspannung: Dauerhaft erhöhte Stresshormone halten Herzschlag, Atmung und Muskeln in erhöhter Anspannung, sodass sich die Muskulatur nur schwer entspannen kann und das Erreichen der Tiefschlafphase erschwert wird. Auch der Blutdruck bleibt unter Dauerstress nachts oft erhöht.
  • Schlafapnoe und andere Schlafstörungen: Nächtliche Atemaussetzer reißen den Körper wiederholt aus der Tiefschlafphase, sodass kein Stadium mehr vollständig durchlaufen wird. Fachleute empfehlen bei anhaltendem Verdacht auf Schlafapnoe, einen Arzt aufzusuchen, da auch der Blutdruck davon betroffen sein kann.

Wiederholt gestörte Schlafphasen führen dazu, dass sich der Schlaf trotz ausreichender Stundenzahl nicht erholsam anfühlt, ein Effekt, der sich häufig zuerst in Tagesmüdigkeit, Konzentrationsproblemen und einer geringeren Belastbarkeit des Körpers bemerkbar macht.

Schlafphasen und Schmerzen: ein wechselseitiger Zusammenhang

Ein Faktor, der beim Thema Schlafphasen oft zu kurz kommt, sind Schmerzen. Zwischen Schlaf und Schmerzempfinden besteht eine wechselseitige Beziehung, die in beide Richtungen wirkt.7

Auf der einen Seite fragmentieren anhaltende Schmerzen, etwa bei chronischen Rückenschmerzen oder Fibromyalgie, den Schlaf und verhindern, dass der Körper ausreichend tiefe, ungestörte Schlafphasen erreicht. Betroffene wachen nachts häufiger auf oder rutschen immer wieder aus der Tiefschlafphase in leichtere Schlafstadien zurück, ohne dass ihnen das bewusst auffällt.8

Auf der anderen Seite wirkt sich gestörter oder verkürzter Schlaf umgekehrt auch auf die Schmerzverarbeitung im Körper aus. Studien mit experimentellem Schlafentzug zeigen, dass bereits eine einzige schlecht durchschlafene Nacht die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und die körpereigene Schmerzhemmung abschwächen kann.9 Es entsteht so leicht ein Kreislauf: Schmerzen stören den Schlaf, und der gestörte Schlaf senkt wiederum die Schmerzschwelle, wodurch Beschwerden am nächsten Tag stärker wahrgenommen werden.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang bei Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie oder langanhaltenden Rückenschmerzen: Bei ihnen lässt sich im Schlaflabor häufig ein charakteristisch unruhiges, fragmentiertes Schlafmuster mit verminderter Tiefschlafphase nachweisen, selbst wenn die Betroffenen selbst angeben, „irgendwie" durchgeschlafen zu haben.10 Doch auch kurzfristige, akute Schmerzzustände, etwa nach einer Verletzung oder bei einem akuten Rückenschmerz-Schub, können denselben Mechanismus in kleinerem Maßstab auslösen. Auch andere Erkrankungen, die mit nächtlichen Schmerzen oder Beschwerden einhergehen, können auf ähnliche Weise die Schlafstadien beeinflussen.

Wer also unter wiederkehrenden Schmerzen leidet und gleichzeitig bemerkt, dass der Schlaf trotz ausreichender Länge nicht erholsam ist, sollte beide Themen gemeinsam betrachten, statt sie getrennt zu behandeln. Eine Verbesserung der Schlafqualität kann sich spürbar auf das Schmerzempfinden auswirken, und umgekehrt kann eine gezielte Behandlung der Schmerzursache die nächtliche Erholung des Körpers fördern. Für die Praxis bedeutet das: Wer ausschließlich an der Schlafhygiene ansetzt, obwohl im Hintergrund ein unbehandelter Schmerz die Nacht fragmentiert, wird oft enttäuscht bleiben, solange die eigentliche Ursache unbehandelt bleibt.

Praktische Tipps, um deine Schlafphasen zu unterstützen

Auch wenn sich die Abfolge der Schlafphasen nicht willentlich steuern lässt, helfen dir die folgenden Tipps dabei, im Idealfall ungestörte Schlafzyklen zu ermöglichen:

  1. Tipp 1 – Feste Schlafenszeiten einhalten: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus erleichtert es deinem Körper, Tiefschlafphase und REM-Phasen in ihrer natürlichen Reihenfolge zu durchlaufen.
  2. Tipp 2 – Abends auf Alkohol und Koffein verzichten: Beide Substanzen beeinträchtigen nachweislich die Tiefschlafphase oder den REM-Schlaf und belasten zusätzlich den Körper, je nach Zeitpunkt der Einnahme.
  3. Tipp 3 – Bildschirme rechtzeitig weglegen: Weniger Bildschirmlicht am Abend erleichtert vielen Menschen das Einschlafen und verkürzt so die Wachphasen vor dem ersten Zyklus.
  4. Tipp 4 – Ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer schaffen: Äußere Geräusche und Störreize sind eine der häufigsten Ursachen für unbemerkte kurze Aufwachreaktionen, die die Tiefschlafphase unterbrechen und deinem Körper die volle Erholung erschweren.
  5. Tipp 5 – Stress vor dem Schlafengehen abbauen: Ruhiges, bewusstes Atmen entspannt die Muskeln, lockert die Muskulatur und erleichtert deinem Körper den Übergang in die Tiefschlafphase.
  6. Tipp 6 – Tagsüber für Bewegung sorgen: Regelmäßige körperliche Aktivität kräftigt die Muskulatur, unterstützt Herzschlag und Kreislauf und kann die Tiefschlafphase in der folgenden Nacht verlängern.
  7. Tipp 7 – Anhaltende Schmerzen ernst nehmen: Werden Schmerzen als Ursache für unruhigen Schlaf vermutet, lohnt sich eine gezielte Abklärung und Behandlung der Schmerzursache, statt ausschließlich an der Schlafumgebung anzusetzen.

Jeder einzelne Tipp wirkt für sich genommen moderat, in Kombination miteinander jedoch deutlich stärker auf deinen Schlafrhythmus. Vielen Menschen hilft schon eine Auswahl von zwei oder drei dieser Tipps spürbar weiter. Bessert sich die gefühlte Schlafqualität trotz dieser Maßnahmen über mehrere Wochen nicht, oder bestehen zusätzlich Tagesmüdigkeit, Atemaussetzer oder anhaltende Schmerzen, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Wann solltest du wegen gestörter Schlafphasen einen Arzt aufsuchen?

Nicht jede unruhige Nacht ist ein Grund, gleich einen Arzt aufzusuchen. In den folgenden Fällen ist der Rat eines Arztes jedoch sinnvoll:

  • Du fühlst dich über mehrere Wochen hinweg trotz ausreichender Schlafdauer nicht erholt.
  • Dein Umfeld bemerkt lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ein möglicher Hinweis auf eine Schlafapnoe.
  • Anhaltende Schmerzen stören regelmäßig deine Nachtruhe, ohne dass eine Behandlung Besserung bringt.
  • Zusätzlich zu den gestörten Schlafphasen treten Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein erhöhter Blutdruck auf, oder du leidest unter weiteren Erkrankungen.

In diesen Fällen ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Ein Arzt kann erste Ursachen abklären und bei Bedarf an einen Schlafmediziner überweisen, der mit schlafmedizinischen Methoden wie der Polysomnografie arbeitet. Schlafmediziner sind auf die Diagnose und Behandlung gestörter Schlafphasen spezialisiert und lassen sich die einzelnen Schlafstadien in der Schlafmedizin genau analysieren, häufig in einem spezialisierten Zentrum für Schlafmedizin. Auch andere Fachleute, etwa aus der Schmerztherapie, können hinzugezogen werden, wenn Erkrankungen wie chronische Schmerzen oder Herz-Kreislauf-Probleme die Schlafphasen beeinflussen. Ein Arzt kann zudem beurteilen, ob deine individuelle Schlafdauer ausreicht oder ob im Idealfall Anpassungen an deinem Schlafrhythmus sinnvoll sind.

Die moderne Schlafforschung erklärt viele Zusammenhänge zwischen Schlafstadien, Erkrankungen und Erholung inzwischen gut. Trotzdem ersetzt keine Selbstdiagnose den Rat von Fachleuten aus der Schlafmedizin, insbesondere wenn mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten. Viele Menschen zögern diesen Schritt lange hinaus, obwohl ein frühzeitiges Gespräch mit einem Arzt oft schnell Klarheit schafft.

Fazit: Schlafphasen sind ein empfindlicher Ablauf mit großer Bedeutung für unsere Gesundheit

Schlafphasen laufen nicht einfach nebeneinanderher, sondern folgen einem fein abgestimmten Muster, das Körper und Gehirn in jedem Schlafzyklus mehrfach durchlaufen. Jedes Stadium trägt auf seine Weise zur Erholung bei: Die Tiefschlafphase sorgt vor allem für die körperliche Erholung von Herzschlag, Atmung, Muskulatur und Immunsystem, der Traumschlaf für die geistige und emotionale Verarbeitung, und beide Phasen sind auf einen ungestörten Ablauf angewiesen, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Die Schlafmedizin bietet geeignete Diagnoseverfahren, wenn sich Beschwerden trotz eigener Bemühungen nicht bessern. Alkohol, unregelmäßige Schlafzeiten, Stress und insbesondere anhaltende Schmerzen können diesen Ablauf empfindlich stören, oft ohne dass die betroffenen Menschen es bewusst bemerken. Wer regelmäßig unter unruhigem oder wenig erholsamem Schlaf leidet, sollte deshalb nicht nur die Schlafgewohnheiten, sondern auch mögliche Schmerzursachen im Blick behalten und im Zweifel einen Arzt einbeziehen, denn beide Themen hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.

Wie viele Schlafphasen gibt es und wie oft durchläuft man sie pro Nacht?
Es gibt vier Schlafphasen beziehungsweise Stadien: die Einschlafphase (N1), die Leichtschlafphase (N2), die Tiefschlafphase (N3) und den REM-Schlaf. Ein vollständiger Schlafzyklus (ein sogenannter Zyklus) aus allen vier Schlafphasen dauert 90 bis 110 Minuten, in einer Nacht werden davon üblicherweise vier bis sechs Schlafzyklen durchlaufen.
Welche Schlafphase ist am wichtigsten?
Alle Phasen erfüllen eigene Aufgaben und lassen sich nicht gegeneinander aufwiegen: Die Tiefschlafphase steht vor allem für die körperliche Regeneration, der Traumschlaf für die geistige und emotionale Verarbeitung. Fehlt eine der beiden über längere Zeit, macht sich das an unterschiedlichen Beschwerden bemerkbar.
Was passiert mit Herzschlag und Atmung während der Schlafphasen?
Herzschlag und Atmung werden von der Einschlafphase bis zur Tiefschlafphase zunehmend ruhiger und erreichen dort ihre niedrigsten Werte. Im REM-Schlaf können beide kurzzeitig wieder unregelmäßiger werden, während eine aktive Entspannung der Muskulatur die Muskeln lähmt und der übrige Körper dadurch weitgehend bewegungslos bleibt.
Warum wache ich nachts auf, ohne mich richtig zu erinnern?
Kurze Wachphasen zwischen den Schlafphasen sind normal und werden häufig gar nicht bewusst wahrgenommen. Häufen sie sich jedoch, etwa durch Schmerzen, störende Geräusche, Schlafapnoe oder Stress, sinkt die Zeit in der erholsamen Tiefschlafphase spürbar, auch wenn die Gesamtschlafzeit unverändert bleibt. An diese kurzen Wachphasen bestehen im Nachhinein meist keine Erinnerungen.
Können Schmerzen den Schlaf stören, selbst wenn ich davon nicht aufwache?
Ja. Schmerzen können den Schlaf fragmentieren, also den Übergang in tiefere Schlafphasen wiederholt unterbrechen, ohne dass ein vollständiges Erwachen erfolgt. Die Betroffenen erinnern sich am nächsten Tag oft nicht an diese Unterbrechungen, fühlen sich aber trotzdem unausgeschlafen.
Wie erkenne ich, ob ich zu wenig Tiefschlaf bekomme?
Ein deutliches Anzeichen ist, dass du dich trotz ausreichender Schlafdauer morgens nicht erholt fühlst, tagsüber schnell erschöpft bist oder dich schlecht konzentrieren kannst. Eine sichere Aussage darüber, wie viel Zeit dein Körper tatsächlich in der Tiefschlafphase verbringt, liefert nur eine schlafmedizinische Untersuchung (Polysomnografie).
Wie viele Stunden Schlaf brauche ich, um genug Tiefschlaf- und REM-Phasen zu bekommen?
Da ein Schlafzyklus 90 bis 110 Minuten dauert und mehrere Schlafzyklen nötig sind, um sowohl ausreichend Tiefschlafphase (vor allem in der ersten Nachthälfte) als auch ausreichend Traumschlaf (vor allem in der zweiten Nachthälfte) zu erreichen, gelten für Erwachsene 7 bis 9 Stunden Schlafdauer als Richtwert. Wird die Nacht deutlich verkürzt, geht das überproportional oft zulasten der späten, traumreichen Schlafzyklen.
Wann sollte ich wegen gestörter Schlafphasen einen Arzt aufsuchen?
Wenn sich deine Schlafphasen über mehrere Wochen hinweg nicht erholsam anfühlen, laute Atemaussetzer auffallen oder anhaltende Schmerzen deine Nachtruhe stören, ist ein Arzt der richtige Ansprechpartner. Ein Arzt kann erste Ursachen abklären und bei Bedarf an einen Schlafmediziner überweisen, der die Schlafstadien genauer untersucht.

Über diesen Artikel

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Roland Liebscher-Bracht

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Facharzt für Unfallchirurgie & Eh. Oberarzt in Salzburg

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Quellen & Studien

  1. 1 Patel, A. K., Reddy, V., & Araujo, J. F. (2024). Physiology, Sleep Stages. In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK526132/
  2. 2 Patel, A. K., Reddy, V., & Araujo, J. F. (2024). Physiology, Sleep Stages. In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK526132/
  3. 3 Xie, L., Kang, H., Xu, Q., Chen, M. J., Liao, Y., Thiyagarajan, M., O'Donnell, J., Christensen, D. J., Nicholson, C., Iliff, J. J., Takano, T., Deane, R., & Nedergaard, M. (2013). Sleep drives metabolite clearance from the adult brain. Science, 342(6156), 373–377. https://doi.org/10.1126/science.1241224
  4. 4 Rasch, B., & Born, J. (2013). About sleep's role in memory. Physiological Reviews, 93(2), 681–766. https://doi.org/10.1152/physrev.00032.2012
  5. 5 Gardiner, C., Weakley, J., Burke, L. M., Roach, G. D., Sargent, C., Maniar, N., Huynh, M., Miller, D. J., Townshend, A., & Halson, S. L. (2025). The effect of alcohol on subsequent sleep in healthy adults: A systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews, 80, 102030. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2024.102030
  6. 6 Pedersen, T. T., Sunde, E., Wisor, J., Mrdalj, J., Pallesen, S., & Grønli, J. (2022). Sleep homeostasis and night work: A polysomnographic study of daytime sleep following three consecutive simulated night shifts. Nature and Science of Sleep, 14, 243–254. https://doi.org/10.2147/NSS.S339639

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