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Nackenschmerzen – wann muss ich zum Arzt?

08.06.2026
Roland Liebscher-Bracht

Roland Liebscher-Bracht

Schmerzspezialist & SPIEGEL-Bestseller-Autor

Medizinische Prüfung: Dr. med. Egbert Ritter
Mehr über den Autor

In den meisten Fällen resultieren Nackenschmerzen aus zu hohen muskulär-faszialen Spannungen im Schulter- und Nackenbereich. Nach ein paar Tagen klingen die Beschwerden in der Regel von selbst wieder ab. Wenn die Schmerzen länger anhalten, chronisch werden oder auffällige Symptome hinzukommen, kann es sinnvoll sein, dass Betroffene ihre Ärztin oder ihren Arzt aufsuchen – vor allem, um Ängste und Unsicherheit abzubauen.

Sehr selten sind jedoch Nackenschmerzen das Symptom von entzündlichen Prozessen oder echten Schädigungen an der Halswirbelsäule (HWS). Die wichtigsten Erkrankungen haben wir im Folgenden aufgelistet. Wichtig dabei: Bei fast allen der hier genannten Schmerzzustände kannst du unsere Übungen einfach testen. Helfen sie dir, ist der Arztbesuch womöglich nicht mehr notwendig. Dann weißt du, dass Muskeln und Faszien in deinem Fall bei der Schmerzentstehung die Hauptrolle spielen und du dir auch sehr effektiv selbst helfen kannst.

1. Schleudertrauma oder Unfall

Wenn der Kopf einer ruckartigen Bewegung ausgesetzt ist, wie zum Beispiel beim Aufprall auf ein Auto oder einem tiefen Sturz, kann es zu einem Schleudertrauma kommen. Das ist eine Verletzung der Weichteilstrukturen rund um Hals und Nacken – Muskeln, Bänder oder Sehnen.1) Eine heftige Muskelverspannung oder ein steifer Nacken sind nach einem Unfall nicht ungewöhnlich, denn die Muskulatur verhärtet, um die Halswirbelsäule (HWS) zu schützen.

Sollten die Nacken- oder Kopfschmerzen nach einem solchen Unfall länger anhalten2) oder Schwindel, Übelkeit und Lähmungen hinzukommen, müssen Betroffene zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Denn im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, das Teil des zentralen Nervensystems ist. Bei einem Unfall könnten Teile des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln verletzt worden sein.3)

2. Muskelschmerzen: Fibromyalgie

Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom leiden unter einer chronischen, erhöhten Schmerzwahrnehmung an mehreren Körperstellen. Oft sind bei dem Krankheitsbild der Rücken- und Nackenbereich besonders von den Beschwerden betroffen. Hinzu kommen Müdigkeit und Schlaflosigkeit.

Fibromyalgie zählt zu den Rheuma-Krankheiten und die Ursachen sind bisher nicht abschließend geklärt. Der zentrale Aspekt der Behandlung ist Bewegung. Oft vermeiden Menschen mit Fibromyalgie Sport aufgrund der Schmerzen und nehmen Schonhaltungen ein. Das kann Fehlhaltungen in der Wirbelsäule begünstigen. Studien haben gezeigt, dass Bewegung die Schmerzen im Nacken verbessern kann.4) 5) 6)

Mehr Informationen zur Entstehung und Behandlung findest du in unserem Schmerzlexikon-Artikel zu Fibromyalgie.

3. Entzündliche Prozesse: Morbus Bechterew

Bei Morbus Bechterew kommt es durch entzündliche Prozesse zu einer zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule. In der Regel beginnt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr und macht sich zunächst durch chronische Rücken-, Gesäß- oder Nackenschmerzen bemerkbar. Zwischen diesen ersten Symptomen und der Diagnose liegen oft Jahre.7)

Häufig nehmen die Schmerzen nachts zu und lassen tagsüber nach, wenn der Körper in Bewegung kommt.8) Erst im späteren Stadium versteift die Wirbelsäule zunehmend in einer vornübergebeugten Haltung (Rundrücken im Bereich der Brustwirbelsäule, nach vorne hängende Schultern). Der Kopf sitzt also nicht mehr aufrecht auf der Wirbelsäule und die Nackenmuskulatur muss ständig arbeiten. Das führt zu Nackenverspannungen und -schmerzen.

Mehr zu Ursachen und Behandlung findest du in unserem Schmerzlexikon-Artikel zu Morbus Bechterew.

4. Bandscheibenvorfall

Ungefähr 25 % der Bandscheibenvorfälle treten in der Halswirbelsäule, also im Nacken auf. Die elastische Bandscheibe sitzt als Puffer zwischen den Wirbeln und federt Bewegungen und Stöße ab. Die Bandscheibe ist nicht an den Blutkreislauf angeschlossen und ernährt sich per Diffusion. Dafür benötigt sie einen Wechsel an Druck und Entlastung, um den Flüssigkeitsaustausch zu gewähren.

Bei andauerndem Druck – zum Beispiel durch jahrelange Fehlhaltungen oder arbeitsbedingte Überlastung9) – ist zum einen der Stoffwechsel der Bandscheibe stark eingeschränkt und sie wird immer dünner. Zum anderen drücken die Wirbelkörper sie nach außen gegen den Faserring. Langfristig kann es deshalb passieren, dass die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern austritt und im schlimmsten Fall Nerven irritiert. Zwar können Bandscheibenvorfälle auch jahrelang asymptomatisch sein, aber wenn sie Nerven trifft, spüren Betroffene neben den Nackenschmerzen oft ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Händen und Armen. Alle Formen von Lähmungen können auf Nervenschädigungen hinweisen, deshalb solltest du in diesem Fall immer eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

In unserem Schmerzlexikon-Artikel zu Bandscheibenvorfällen haben wir alles Wichtige zu Entstehung und Behandlung festgehalten.

5. Verschleiß der Halswirbelsäule

Wenn über längere Zeit ein zu hoher Druck, zum Beispiel durch Verspannungen oder Verkürzungen, auf dem Nacken lastet, drohen erhöhte Verschleißerscheinungen an der HWS:

  • Arthrose der Facettengelenke (Spondylarthrose, Wirbelsäulenarthrose): Die Facettengelenke verbinden die einzelnen Wirbel miteinander und sitzen an den Wirbelbögen. Genau wie in anderen Gelenken kann der Knorpel verschleißen. Das bedeutet, er wird immer dünner, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt. Das kann Schmerzen verursachen. Meistens sind ältere Personen von der Arthrose in der Wirbelsäule betroffen.
  • Osteochondrose: Osteochondrose (auch: Osteochondrosis) bezeichnet den Verschleiß von Knochen und Knorpel. Sie kann überall im Körper vorkommen. Osteochondrose in der Wirbelsäule wirkt sich auf den Bandscheibenknorpel und die Wirbelkörper aus. Die Bandscheiben verlieren an Höhe und der Knorpel degeneriert. Ursachen können Fehlhaltungen und langes Sitzen oder Stehen sein.10) 11)
  • Spinalkanalstenose: Verschiedene Verschleißerscheinungen – arthrotische Veränderungen, Bandscheibenvorfälle und Osteochondrose – können zu einer Verengung des Spinalkanals führen. Da in ihm das Rückenmark verläuft, kommt es bei einigen Betroffenen zu Druck auf die Nerven. Neben Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen gehören Störungen der Feinmotorik und Gefühlsstörungen zu den Symptomen.12)

6. Fazit zu Nackenschmerzen

Immer, wenn du dir unsicher bist, mehrere Symptome gleichzeitig hast oder eine ernsthafte Erkrankung bei dir vermutest, solltest du entweder deine Hausarzt-Praxis oder eine Orthopädin aufsuchen. So können Schädigungen mittels bildgebender Verfahren und einer gründlichen Anamnese13) frühzeitig erkannt und behandelt werden. Doch auch, wenn dich hin und wieder mal Nackenschmerzen und Muskelverspannungen plagen und Expertinnen und Experten keine Ursache finden können, lohnt es sich, aktiv zu werden: Denn die Überspannung in Muskeln und Faszien übt einen enormen Druck auf die Halswirbelsäule aus. Langfristig kann dieser Druck zu unnatürlich hohen Verschleißerscheinungen führen, vor denen dich dein Körper mit Schmerzen warnt. In unserem Ratgeber findest du passende Übungen, die die muskulär-faszialen Spannungen normalisieren können.

Wenn du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abgeklärt hast, dass keine ernsthafte Ursache vorliegt, kannst du auch unseren Nackenretter ausprobieren. Mit ihm entspannst du ganz passiv deine Nackenmuskulatur:

Leichter üben bei Nacken- und Kopfschmerzen

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Dr. med. Egbert Ritter

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Dr. med. Egbert Ritter

Facharzt für Unfallchirurgie & Eh. Oberarzt in Salzburg

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Quellen & Studien

  1. 1 Binder A. (2007). The diagnosis and treatment of nonspecific neck pain and whiplash. Europa medicophysica, 43(1), 79–89.
  2. 2 Peterson, G., Landén Ludvigsson, M., & Peolsson, A. (2021). Neck-related function and its connection with disability in chronic whiplash-associated disorders: secondary analysis of a randomized controlled study. European journal of physical and rehabilitation medicine, 57(4), S. 607-619. https://doi.org/10.23736/S1973-9087.21.06518-7
  3. 3 Dr. K. Alektoroff, P. Papanagiotou: Schleudertrauma der Halswirbelsäule. Der Radiologe. Ausgabe 8/2021.
  4. 4 Bidonde J, et al.: Aerobic exercise training for adults with fibromyalgia. Cochrane Database Syst Rev 2017; (6): CD012700.
  5. 5 Bidonde J, et al.: Aquatic exercise training for fibromyalgia. Cochrane Database Syst Rev 2014; (10): CD011336.
  6. 6 Hartung, W. et al.: Sport und Bewegungstherapie bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen. In: Rheumatol. 2021 Apr;80(3). S. 251-262. German. https://doi.org/10.1007/s00393-021-00970-z

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