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Endstation Hüft-OP: Künstliches Hüftgelenk & Hüft-TEP (Prothese)

Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

Bestseller-Autor & Schmerzspezialist

Geprüft von: Dr. med. Egbert Ritter  Geprüft von: Dr. med. Egbert Ritter

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Was ist Coxarthrose? Definition, Stadien & Ursachen

Die Implantation künstlicher Hüftgelenke zählt nicht nur zu den zehn häufigsten Operationen in Deutschland überhaupt, sondern sie ist auch noch unter den endoprothetischen Eingriffen der Spitzenreiter: 2020 setzten deutsche Chirurgen 227.851 Hüftprothesen ein; erst dann folgen die Gelenkersatz-OPs am Knie (173.625).1) 2019 hatte die Bundesrepublik sogar die höchste Eingriffsrate für Hüftendoprothesen weltweit.2)

Trägst du dich mit dem Gedanken herum, dich an der Hüfte operieren zu lassen, möchten wir dir hier gerne einige Erstinformationen an die Hand geben, die dir bei deiner Entscheidungsfindung helfen können. Doch auch wenn sich deine Vorstellung an eine Prothese bereits gefestigt hat, erfährst du, worauf du nach und vor der Operation achten solltest. >> Springe zum Fazit über Hüftoperationen/TEPs

Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

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Ein weißer Haken ist in einem khaki-farbenen Schild zu sehen.

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1. Wann ist eine Hüftoperation/Hüftprothese notwendig?


Kunstgelenke können dann notwendig sein, wenn die Strukturen eines Gelenks so zerstört sind, dass daraus eindeutige Beeinträchtigungen in der Funktion und im Alltag sowie Schmerzen für den Patienten resultieren. Die Lebensqualität nimmt unter ihnen ab.

1.1 Gründe für eine Hüftendoprothese

Der häufigste Grund für eine Hüftoperation und die Implantation einer Hüftprothese ist tatsächlich die Hüftarthrose. Dreiviertel aller endoprothetischen Eingriffe in Deutschland gehen auf sie zurück; an zweiter Stelle steht der Bruch des Schenkelhalses am Oberschenkelknochen.3)

Weitere mögliche Gründe sind: rheumatoide Arthritis, Hüftkopfnekrose oder Traumata.

1.2 Kriterien für eine Hüft-TEP aufgrund von Arthrose

  • Versagen konservativer Therapien: Dabei handelt es sich sowohl um medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien: Patientenschulung (Aufklärung & Umgang mit der Erkrankung), Bewegungstherapien, Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patienten oder Adipositas-Erkrankten. Drei bis sechs Monate müssten diese Maßnahmen erfolglos durchgeführt worden sein.

Wichtigste Bedingung, bevor Ärzte künstliche Hüftgelenke implantieren, ist: Die konservativen Therapiemöglichkeiten haben Patienten vorab voll ausgeschöpft! Hier erfährst du mehr darüber: >> Coxarthrose Behandlung: Bewegungstherapien, Schmerzmittel und Co.

  • Andere operative, minimalinvasive Lösungen sind nicht möglich: In manchen Fällen (zum Beispiel bei Fehlstellungen) sind gelenkerhaltende Verfahren wie die Arthroskopie oder Umstellungsosteotomie einer Operation am offenen Gelenk vorzuziehen.
  • Stärke, Dauer und Häufigkeit von Schmerzen sind unerträglich: Ist der Leidensdruck Betroffener hoch, kann ein Grund für den Einsatz einer Hüftendoprothese bestehen – umgekehrt bei einer symptomlosen Hüftarthrose nicht. >> Zu den Symptomen bei Hüftarthrose
  • Nachweis von strukturellen Schäden: Dieser wird am besten radiologisch und unter Belastung durchgeführt. Die Coxarthrose muss fortgeschritten sein – Arthrosegrad 3 oder 4.

Weitere Kriterien

Einschränkungen bei:

  • der Gehstrecke
  • dem langen Stehen
  • dem Treppensteigen
  • der Kraft
  • dem Hinsetzen
  • der Körperhygiene
  • der Nutzung von Verkehrsmitteln oder
  • im sozialen Leben, bei der Ausübung von Beruf und Sport

Daneben können Beinachsen-Fehlstellungen oder die Unterstützung durch Hilfspersonen bzw. Pflegepersonal die Argumente für eine OP untermauern.

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2. Was ist eine künstliche Hüfte?


Die künstliche Hüfte (Hüftprothese, Hüftendoprothese) ist der Ersatz für ein geschädigtes Hüftgelenk. Ein solches Implantat ersetzt Teile des Gelenks (Teilendoprothese) oder dieses komplett (Totalendoprothese, TEP) – je nachdem, wie die Knochenqualität und wie weit fortgeschritten der Knorpelschaden ist.

2.1 Aufbau und Funktion von Totalendoprothesen (TEP)

Hüfttotalendoprothesen sind in ihrem Aufbau und ihrer Funktion einem echten Gelenk komplett nachempfunden – sowohl der Hüftkopf des Oberschenkelknochens als auch die Hüftpfanne im Beckenknochen. Mit dem Hüftschaft ist der künstliche Gelenkersatz am Oberschenkelknochen fixiert. Pfanneneinsätze, sogenannte Inlays in der Gelenkpfanne, imitieren den Knorpel und ermöglichen zusammen mit dem Gelenkkopf die Gleitpaarung.

Die TEP sollte im besten Fall in den Bewegungsapparat einwachsen. Bei Bedarf arbeiten Operateure auch mit Knochenzement, einem künstlichen Stoff zur Verankerung der Endoprothesen.

2.2 Endoprothesen-Modelle

  • Oberflächenersatzendoprothesen: Oberflächenersatzprothesen sind Teilendoprothesen und bestehen meist nur aus einem Metallkopf und einer Metallpfanne. Diese Metall-auf-Metall-Gleitpaarung erwies sich in der Vergangenheit als nachteilig, weil ihr Abrieb (Metallionen) toxisch ist, Schwermetall ins Blut gelangt, Pseudotumoren entstehen können4) und die Implantate nicht vertragen werden.5)
  • Kurzschaftprothese/zementfreie Prothesen: Prothesen mit Kurzschäften zählen zu den zementfreien TEPs. Deshalb muss die Knochenqualität im Oberschenkelknochen stimmen – eine Knochendichtemessung kann zum Beispiel Aufschluss darüber geben –, weil sonst der Prothesenschaft nur unzureichend einwächst und das Gelenk instabil bleibt. Oft setzen Chirurgen jüngeren Patienten dieses Modell ein.
    Kurzschaftprothesen sind kleiner als Geradschaftprothesen, die vergleichsweise längere Hüftschäfte haben. Entsprechend weniger Material muss vom Oberschenkelknochen zur Fixierung des Kurzschaftes entfernt werden.
Grafische Darstellung einer Kurzschaftprothese in der Hüfte.
  • Zementierte Hüftprothesen: Ein Knochenzement zwischen Prothesen und Knochen sorgt dafür, dass insbesondere Geradschaftprothesen Halt am Oberschenkelknochen und im Beckenknochen finden. In der Regel werden ältere Patienten und solche mit kranken Knochen (wie durch Osteoporose) mit ihnen ausgestattet.
  • Hybrid-TEPs: Meistens wird die Gelenkpfanne zementfrei verankert, der Schaft dagegen mit Zement implantiert.
Grafische Darstellung einer zementierten Hüftprothese.

2.3 Materialien von Hüftendoprothesen

Wie schon unter den Oberflächenersatzendoprothesen angedeutet, spielt die Materialwahl generell, aber insbesondere die der Gleitpaare (Hüftkopf und Hüftpfanne) eine wichtige Rolle für die nachhaltige Gesundheit des Patienten.

Übliche Materialien für den Gelenkersatz sind Metall und Keramik. Das Inlay der Hüftpfanne (Pfanneneinsatz) besteht aus abriebfestem Kunststoff (Polyethylen).

Dabei gibt es Unterschiede zwischen den verwendeten Prothesenschäften: zementierte bestehen meist aus Kobalt-Chrom-Legierungen, zementfreie Schäfte und Pfannen dagegen aus Reintitan beziehungsweise Titanlegierungen. Und auch für die Gleitpaare (Pfanneneinsatz und Hüftkopf) gibt es unterschiedliche Kombinationen: Metall-Polyethylen, Keramik-Polyethylen oder Keramik-Keramik. Dabei hat sich die Keramik-Keramik-Gleitpaarung in Sachen Verschleiß und Korrosion hervorgetan: Den geringsten Abrieb dürfen also Patienten erwarten, die solche Gleitpaare bekommen.6)

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3. Wie sieht die Vor- und Nachbereitung einer Hüft-OP aus?


Nach Vorgesprächen und Untersuchungen bietet sich als Vorbereitung auf eine mögliche Hüftgelenks-OP an, Risikofaktoren zu minimieren und mit den Bewegungstherapien weiterzumachen, damit die Rehabilitation auf ihnen aufbauen kann. Denn Bewegung fördert die Durchblutung und schließlich Wundheilung.

Veränderbare Risiken:7)

  • Nikotinkonsum senken
  • Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus bestmöglich einstellen
  • Gewichtreduktion bei Übergewichtigen und Adipositas
  • mögliche Blutarmut (Anämie) behandeln
  • Entzündungen (aktivierte Arthrose) müssen abklingen
  • bei medikamentöser Therapie mit Kortikoiden diese mindestens sechs Wochen vor der OP absetzen

Nachbereitung

Um die Gangsicherheit und Balance wiederherzustellen, können nach Absprache mit dem Arzt erste Gehversuche nach der OP gemacht werden. So passen sich die Endoprothesen-Teile aneinander an. 

Schulungen zu erlaubten und unerlaubten Bewegungen, zur Alltagsbewältigung sowie Übungen sollen Betroffenen helfen, frisch nach der Operation langsam wieder durchstarten zu können. Im Fokus steht üblicherweise eine Kräftigung der Muskulatur.

Wir weisen darauf hin, dass sich Hüftschmerzen und Arthrose mit einem Gelenkersatz wahrscheinlich nur kurzfristig helfen, langfristig jedoch die Ursache im Auge behalten werden sollte: zu hohe Spannungen in den Muskeln und Faszien aufgrund mangelnder und einseitiger Bewegung. Lies mehr darüber: >> Coxarthrose: Definition, Stadien und Ursachen

Entsprechend wichtig ist es, sowohl bei bestehender Arthrose als auch einem neuen Hüftgelenk, regelmäßige Dehnübungen zu machen. Mit ihnen kannst du sichergehen, die Gelenkstrukturen nicht wieder einseitig zu belasten und abzunutzen. Passende Übungen, die du bei Schmerzen und nach einer Operation nach ärztlicher Absprache ausüben kannst, findest du hier:

4. Was sind die Risiken einer Hüft-OP/TEP?


Mit Operationen sind auch immer Risiken für Komplikationen verbunden, die jedoch sehr selten sind:

  • Infektionen: Entzündungen und Vereiterungen aufgrund von bakteriellen Erregern in der Wunde können auch noch Jahre nach der Implantation auftreten. Das Risiko ist insbesondere für Raucher erhöht.
  • Blutgerinnsel: Bleibt dieser kleine Klumpen geronnenen Blutes im Bein, spricht man von einer Thrombose; von einer Embolie hingegen, wenn es hoch in Herz oder Lunge wandert.
  • Nervenschäden: Nicht beabsichtigte Zug- oder Druckverhältnisse könnten eine Gefühlsstörung oder sogar Lähmungserscheinung nach sich ziehen.
  • Blutgefäß-Verletzungen (Blutverlust)
  • Nachblutungen
  • Unterschied in der Beinlänge: Eine verkürztes oder verlängertes Bein im Vergleich zum anderen kann mit einem Gelenkersatz vorliegen.
  • ausgekugeltes Hüftgelenk: Die stabilisierende Gelenkkapsel muss sich nach der Hüft-OP erst wieder bilden, um das neue Gelenk zuverlässig zu fixieren.
  • Knochenbruch: Da ein Implantat immer eine potenzielle Bruchstelle ist, kann es zum Beispiel bei Stürzen dort zu Brüchen kommen. Die Gefahr ist für zementfreie Prothesen höher.
  • Verknöcherungen: Sie bilden sich auch während der Arthrose-Erkrankung, um den verschlissenen Knorpel zu kompensieren. Während der Wundheilung versucht der Körper ebenfalls diese voranzutreiben.
  • Material-Abrieb: Verschleiß gibt es auch bei einer neuen Hüfte. Nichtsdestotrotz versuchen Orthopäden, den Abrieb von toxischen Materialien mit der richtigen Auswahl verträglicher und allergenfreier Stoffe so gering wie möglich zu halten. Gerade Metall-auf-Metall-Gleitpaarung stehen in Verruf.
  • Instabile Prothese: Es kann vorkommen, dass Prothesen nicht ordentlich einwachsen. Dann kommt es wieder zu Gelenkproblemen.

Größtes Manko und Ärgernis Betroffener sind wiederkehrende Schmerzen, wurde doch aus genau diesen Gründen eine Hüftoperation gewagt. Sechs Prozent der Patienten mit korrekt sitzenden Endoprothesen auf dem Röntgenbild klagen trotzdem über Schmerzen.8)

5. FAQ


Nach einer Hüftoperation kommen eine Menge Fragen bezüglich Belastbarkeit, Mobilität und Genesung auf. Es gibt für diese keine Pauschal-Antworten, weil sich die Einzelfälle stark unterscheiden können. Im Zweifel wende dich bitte an deinen behandelnden Arzt.

Wird ein künstliches Hüftgelenk als Behinderung anerkannt?

Nein, in der Regel nicht. Die endgültige Entscheidung über einen Behindertengrad fällt das Versorgungsamt anhand einer Tabellen-Einstufung und mehrerer Gutachten. Voraussetzung sind nämlich deutliche Einschränkungen in der Bewegung und Funktion eines Gelenks. Um diesen Beschwerden eigentlich nachzukommen, finden schließlich Hüft-OPs und Prothesen-Implantationen statt.

Wie lange dauert die Genesung nach einer Hüftoperation?

Die vollständige Genesung kann Wochen bis Monate dauern und ist von diversen Faktoren abhängig: Knochenqualität, Prothesen-Modell, Qualität der operativen Leistung und dergleichen.

Wie lange ist man nach einer Hüftoperation krankgeschrieben?

Die Dauer einer Krankschreibung ist von Fall zu Fall unterschiedlich und kommt ebenso auf die berufliche Tätigkeit an. So ist Autofahren nach der OP zunächst zu vermeiden. Berufskraftfahrer könnten daher länger krankgeschrieben sein als Berufstätige, die Computerarbeit leisten.

Wie lange bleibt man nach dem Eingriff in der Klinik?

Die Verweildauer nach einem Eingriff an der Hüfte in der Klinik beträgt im Schnitt zehn Tage. Auf dem Vormarsch ist die sogenannte Ultra-Fast-Track-Chirurgie: eine Operationstechnik, mit der der Krankenhausaufenthalt auf lediglich bis zu 24 Stunden reduziert werden kann. Sie kommt allerdings nicht für jeden infrage.9) Danach folgt die Rehabilitation.

Wie lange muss man nach einer Hüftoperation mit Krücken gehen?

Circa drei Wochen, je nachdem, wie belastbar das neue Gelenk ist und wie gut du es ansteuern kannst.

Was kann man mit einer künstlichen Hüfte nicht machen? Welche Bewegungen sind tabu? Wie lange nach einer Hüft-OP darf ich mich nicht bücken?

Um die Gefahr einer Auskugelung (Luxation) zu vermindern, solltest du anfangs folgende Bewegungen vermeiden:

  • das Bein verdrehen
  • die Beine übereinanderschlagen oder überkreuzen
  • nicht weiter als 90 Grad beugen, also auch nicht zu tief sitzen
  • Auto fahren (frühestens nach sechs Wochen)

Generell ist Bewegung gut, um die Wundheilung zu unterstützen. Auf gelenkbelastenden Sport solltest du allerdings erst mal verzichten. Schonend sind zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen. Am besten hältst du dazu Rücksprache mit deinem Arzt.

Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?

Künstliche Hüftgelenke halten in drei Viertel der Fälle 15 bis 20 Jahre. Dennoch steigt mit den Folgejahren nach der Operation die Wahrscheinlichkeit für einen Austausch und Wechselprothesen.10) Die Ursachen können Entzündungen, Luxationen (Auskugelungen) und Lockerungen sein.

6. Fazit: Wie sinnvoll sind künstliche Hüftgelenke?


Wie eingangs erwähnt, setzen Operateure in Deutschland so viele Hüftendoprothesen ein wie sonst nirgendwo. Man spricht von einer Überversorgung der gesundheitlichen Leistungen generell.11) In der Endoprothetik kommt dem auch noch eine hohe sozioökonomische Bedeutung zu. Kritische Stimmen zielen auf die vermutete Bereicherung zulasten der Patienten ab. Vergütungsformen nach Menge und Technik setzen Anreize für solche Hüftoperationen. Neueste Kenntnisse darüber, dass die Vergütung für Endoprothesen in den letzten Jahren sehr stark eingebrochen sei, lassen die Vermutung zu, dass Gelenkersätze nicht mehr lohnenswert seien. Das Thema „unnötige Versorgung mit Prothesen“ seit somit vom Tisch.12)

Ein Argument, welches zur Rechtfertigung der großen Anzahl an Hüft-OPs und Endoprothesen herangezogen wird, ist das hohe Durchschnittsalter. Das Alter gilt schließlich als die Hauptursache für Gelenkverschleiß. Dem entgegenzusetzen ist: Hüftgelenksarthrose muss keineswegs mit Schmerzen einhergehen: Nur 20 bis 24 Prozent der Betroffenen mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren litten in zwei groß angelegten Studien (circa 5.000 Teilnehmer) unter Hüftschmerzen, die man auf Coxarthrose zurückführen konnte.13)

Interessanterweise haben auch noch sportlich aktive Menschen deutlich weniger Arthrose-Anzeichen und Schmerzen. Damit kommen wir zum zweiten Argument, warum das Alter nicht die Hauptursache von verschlissenen Gelenken sein muss:

Exkurs: Ursache von Arthrose – Bewegungsmangel und Muskelüberspannungen

Du kannst dir vorstellen: Deine Hüfte ist ein Kugelgelenk, welches dir erlaubt, deine Beine in alle Richtungen zu bewegen. Auf diese Weise sollte der Gelenkknorpel gleichmäßig be- und entlastet werden, um sich mit Nährstoffen aus der Gelenkflüssigkeit vollzusaugen.

Leider ist es häufig dem Alltag geschuldet, dass sich bei den meisten Menschen Bewegungsgewohnheiten einschleichen. Bei auftretenden Schmerzen kommt zudem die Schonhaltung hinzu. All dies summiert sich in einer Unterversorgung des Gelenks und hohen Spannungen in den Muskulaturen sowie spröden Faszien, die die Strukturen noch fester aufeinanderreiben lassen. Arthrose ist die Folge.

Erfahre die Details zur Coxarthrose-Entstehung

Trotz den im Vergleich geringen Risiken einer Hüft-OP und Endoprothese, sollte ein Eingriff gut überlegt sein. Auch dein Arzt sollte dich darauf hinweisen, dass konservative Therapien, allen voran die Bewegungstherapien, wirklich vollumfänglich ausprobiert werden sollten.

Wir können nur betonen, regelmäßige Kraft- und Dehnübungen für deine Hüfte zu machen! Viel und abwechslungsreiche Bewegung sind der Schlüssel für ein gesundes Gelenk.

Der Austausch des Hüftgelenks ist kein Garant für Schmerzfreiheit. Bleibst du in deiner gewohnten Bewegungsarmut und kümmerst dich nicht um einen gesunden muskuloskelettalen Bewegungsapparat, kann Arthrose wiederkommen.

Eine sehr gute weitere Möglichkeit, etwaige Zweifel aus dem Weg zu räumen, sind zudem Zweitmeinungsverfahren. Fachärzte, die in Einrichtungen ausgebildet wurden, in denen sie nur Gelenkersätze implantiert haben, mögen eher dazu geneigt sein, eine Endoprothese als Behandlungslösung vorzuschlagen als Chirurgen, die ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten für Coxarthrose gelernt haben.14)

Hier weiterlesen:

Über diesen Artikel

Roland Liebscher-Bracht

Autor:
Roland Liebscher Bracht
Schmerzspezialist und Spiegel-Bestseller Autor

Mehr über den Autor
Dr. Egbert Ritter, Unfallchirurg und eh. Oberarzt im UKH Salzburg

Medizinische Prüfung:
Dr. med. Egbert Ritter
Facharzt für Unfallchirurgie & Eh. Oberarzt in Salzburg

Mehr über den Prüfer

Veröffentlicht am: 13.06.2022 | Letzte Aktualisierung: 13.06.2022

Quellen & Studien

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