Radikulopathie — Nervenschmerzen im Rücken

Der Oberkörper einer Frau bis zur Hüfte ist zu sehen. Sie hat beide Hände in den Rücken gestemmt, da sie unter Rückenschmerzen leidet.

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Radikulopathie — was bedeutet dieses nicht einfach auszusprechende Wort eigentlich? Unter Radikulopathie versteht man eine Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln nahe der Wirbelsäule, weshalb sie auch als Wurzelsyndrom bezeichnet wird und somit eine Rücken-Erkrankung ist.

Quälende Rückenschmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen können, Taubheitsgefühle oder sogar Lähmungserscheinungen gehören daher zu den typischen Symptomen, die aber letztlich bei jedem ganz unterschiedlich sein können.

Druck auf die Nervenwurzel gilt als die häufigste Ursache für eine Radikulopathie. Unserer Erfahrung nach sind der eigentliche Auslöser für Nervenschmerzen am Rücken dortige Überspannungen und Verkürzungen im Gewebe. Sie rühren von einseitigen Bewegungs-Mustern her: Muskeln und Faszien werden im Alltag nicht mehr ausreichend gestreckt und mit der Zeit unflexibel. Daraus resultiert eine Belastung am Rücken.

Bei der Behandlung deiner Radikulopathie raten wir dir deshalb, genau diesen Verkürzungen gezielt entgegenzuwirken. Dafür haben wir dir die optimalen Übungen für zu Hause zusammengestellt.

Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

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1. Radikulopathie im Überblick


Kurz & Knapp

  • Unter der Rücken-Erkrankung Radikulopathie versteht man eine Reizung der Nervenwurzeln.
  • Diese Nervenfasern entspringen dem Rückenmark und bündeln sich dann in Spinalnerven, die sich wiederum im ganzen Körper verzweigen. Sie leiten Informationen zwischen den peripheren Organen und dem Rückenmark sowie Gehirn weiter.
  • Aus herkömmlicher Sicht betrachtet, gilt als Ursache für eine solche Nervenreizung Druck auf die Nervenwurzeln, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall.

In Kapitel 2 erfährst du, welche Symptome eigentlich bei einer Radikulopathie typisch sind.

1.1 Was ist eine Radikulopathie?

Die Bezeichnung „Radikulopathie” leitet sich von dem lateinischen Wort „Radix” für Wurzel ab. Radikulär bedeutet so viel wie „die Wurzel betreffend”. Die Erkrankung meint eine Schädigung beziehungsweise Reizung der Nervenwurzeln.

Nervenwurzeln

Nervenwurzeln sind Nervenfasern des Rückenmarks, die seitlich an der Wirbelsäule ein- und austreten. Zwischen zwei Wirbeln (die Segmente der Wirbelsäule) befinden sich sowohl links als auch rechts jeweils zwei Nervenwurzeln — eine vordere (ventrale) und hintere (dorsale).

Die vordere und hintere Nervenwurzel vereinen sich jeweils zu einem Spinalnerv. Diese Spinalnerven haben eine wichtige Aufgabe: Sie übertragen Informationen zwischen dem peripheren Nervensystem – das sich außerhalb von Schädel und Wirbelkanal befindet – und dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark).

Bildliche Darstellung eines Wirbels im Querschnitt. Im Wirbelkanal ist das Rückenmark zu sehen. Daraus entspringen die Nervenwurzeln, die sich in Spinalnerven verzweigen.

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Synonym verwendete Begriffe sind Nervenwurzelentzündung (auch Radikulitis), Wurzelneuritis und Wurzelsyndrom. Die Bezeichnung Polyradikulopathie meint mehrere betroffene Nervenwurzeln. Handelt es sich nur um eine Wurzel, sprechen Mediziner auch von einer Monoradikulitis.

Die Erkrankung wird nach der Position ihres Auftretens in der Wirbelsäule eingeteilt: 

  • zervikale Radikulopathie — tritt in der Halswirbelsäule (HWS) auf
  • thorakale Radikulopathie — ist zwar in der Brustwirbelsäule (BWS) möglich, kommt aber sehr selten vor
  • lumbale Radikulopathie — betrifft die Lendenwirbelsäule (LWS)
  • sakrale Radikulopathie — das Kreuzbein ist von der Erkrankung wie die Lendenwirbelsäule am häufigsten betroffen 
  • lumbosakrale Radikulopathie — Schädigungen im Bereich von Lendenwirbelsäule und Kreuzbein

Zur Einordnung: die Wirbelsäule kurz erklärt

Unsere Wirbelsäule unterteilt sich in folgende Abschnitte: 

  • Halswirbelsäule mit sieben Wirbeln
  • Brustwirbelsäule mit zwölf Wirbeln
  • Lendenwirbelsäule mit fünf Wirbeln
  • Kreuzbein mit fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln
  • Steißbein mit drei bis fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln (dort sind aber keine Nerven mehr, die einem Druck ausgesetzt sein könnten)

HWS, BWS und LWS bestehen aus sogenannten freien Wirbeln. Das bedeutet, die Wirbelsäule ist an diesen Stellen dank der Bandscheiben beweglicher, als es das Kreuz- und Steißbein sind. 

Die einzelnen Wirbelkörper haben einen Hohlraum, die alle gemeinsam von oben nach unten den Wirbelkanal bilden. Dort verläuft gut geschützt das Rückenmark. Auf Höhe der Lendenwirbelsäule endet das Rückenmark und mündet in einer Ansammlung von Spinalnervenwurzeln, der sogenannten Cauda equina. Sie verläuft bis ans Steißbein.

Darstellung einer Wirbelsäule mit Unterteilung in Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Steißbein. Außerdem ist das Rückenmark zu sehen, das in der Cauda equina mündet und von dem die Spinalnerven abzweigen.

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Eine Radikulopathie wird ähnlich wie Rückenschmerzen in zwei Formen eingeteilt — akut und chronisch.

  • Akute Radikulopathien beziehungsweise die damit verbundenen Schmerzen treten kurzzeitig auf. Das bedeutet, sie halten weniger als sechs Wochen an.
  • Chronische Radikulopathien halten länger als zwölf Wochen an und werden auch als Schmerzsyndrom bezeichnet.

1.2 Wie kommt es zu einer Radikulopathie?

Auslöser der Radikulopathie ist Druck auf die Nervenwurzeln, nach herkömmlicher Meinung beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall. Er gilt als eine der Hauptursachen für eine Radikulopathie. Wieso wir eine Erkrankung nicht als die Ursache für den Druck auf die Nervenwurzeln halten, erfährst du in Kapitel 3. Nur so viel vorab: Dass ein Bandscheibenvorfall die mit Radikulitis verbundenen Schmerzen verursacht, halten wir für unwahrscheinlich.

Das geschieht bei einem Bandscheibenvorfall

Werden die Bandscheiben permanent zusammengedrückt (Kompression), wölben sie sich immer weiter nach vorne (Bandscheibenprotrusion). Verringert sich dieser Druck nicht, können die Bandscheiben irgendwann nicht mehr standhalten — sie platzen (auch als Diskushernie bezeichnet).

Geschieht das, tritt der weiche Kern aus der Bandscheibe in den Wirbelkanal aus und drückt auf die Spinalnerven und eben die Nervenwurzeln im Rückenmark. Am häufigsten ist übrigens die Lendenwirbelsäule von Bandscheibenvorfällen betroffen (lumbaler Bandscheibenvorfall). 

Neugier geweckt? Mehr zum Thema Bandscheibenvorfall erfährst du in unserem großen Schmerzlexikon-Artikel über Bandscheibenvorfälle.

Darstellung von drei Wirbelkörpern mit jeweils einer Bandscheibe. Sie sind untereinander angeordnet. Die obere Bandscheibe ist gesund. Bei der zweiten ist der Faserring geplatzt. Die letzte Abbildung zeigt den Austritt des Kerns und somit einen Bandscheibenvorfall.

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Radikulopathie zählt übrigens zu den sogenannten spezifischen Rückenschmerzen.

  • Spezifische Rückenschmerzen: Schmerzen mit einer erkennbaren Ursache, die zum Beispiel auf einem Röntgenbild oder Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar sind.
  • Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Bei dieser Form der Rückenleiden ist keine Erkrankung wie eine Radikulopathie, ein Bandscheibenvorfall oder Ähnliches ersichtlich.

Für unsere Schmerztherapie spielt die Einteilung in spezifisch und nicht-spezifisch übrigens keine Rolle. Wir sind überzeugt, dass die Schmerzen in den meisten Fällen nur eine Ursache haben: überspannte Muskeln und Faszien. Wie das genau miteinander zusammenhängt, liest du am bestem im dritten Kapitel nach.

Wer ist von einer Reizung der Nervenwurzeln betroffen?

  • Radikulopathie kann in jedem Alter auftreten. 
  • Bei Jugendlichen kommt sie aber nur sehr selten, bei Kindern fast nie vor. 
  • Die meisten Patienten mit dieser Erkrankung sind zwischen 30 und 50 Jahren alt. 
  • Von einer zervikalen Radikulopathie sind oftmals 50- bis 54-Jährige betroffen.1)

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2. Symptome bei einer Radikulopathie


Kurz & Knapp

  • Das typischste Symptom bei Radikulopathie sind Schmerzen im betroffenen Rückenbereich.
  • Diese Schmerzen können sich bei jedem Patienten ganz unterschiedlich äußern.
  • Du solltest daher unbedingt deinen Arzt aufsuchen, vor allem bei den sogenannten Red Flag-Symptomen. Diese signalisieren dir sofortigen Behandlungsbedarf.

Welche Ursachen einer Radikulopathie zugrunde liegen und damit auch die Lösung zur Linderung deiner Symptome, liest du in Kapitel 3.

Das typischste Symptom sind Schmerzen im betroffenen Rückenabschnitt. Sie werden auch als radikuläre Schmerzen bezeichnet. Die Anzeichen können aber ganz unterschiedlich sein, weshalb du dich in jedem Fall von deinem Arzt untersuchen lassen solltest. Viele Beschwerden ähneln außerdem denen eines Bandscheibenvorfalls.

Typische Beschwerden

  • verhärtete Rückenmuskulatur
  • Missempfindungen/Gefühlsausfälle, zum Beispiel Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf der Haut und andere neurologische Defizite im Bereich des Rückens, manchmal auch ausstrahlend in die Gliedmaße — meist bei einem sogenannten Dermatom (Hautbereich, der von bestimmten Spinalnervenwurzeln versorgt wird, daher auch Versorgungsgebiet)
  • Lähmungserscheinungen (Paresen) in Armen oder Beinen
  • beim Abklopfen (durch den Arzt) ist die Wirbelsäule im Rahmen einer Untersuchung an den betroffenen Stellen schmerzhaft
  • Muskelspasmen (Krämpfe)((Childress, M.A.; Becker, B.A.: Nonoperative Management of Cervical Radiculopathy. In: American Family Physician 93 (2016), S. 764-754.))
  • überhöhter Muskeltonus (Muskelspannung)
  • Störung/Ausfall der Funktion der Kennmuskeln (Muskeln, die von einem bestimmten Wirbelsäulensegment, also auch den Spinalnerven dieses Segmentes versorgt werden, zum Beispiel der Schulterblattheber oder Armbeuger)2)
  • Ausfall von Reflexen der Kennmuskeln3)
  • verstärkte Schmerzsymptomatik beim Pressen, zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Stuhlgang
  • eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten durch zu starke Schmerzen
  • eingenommene Schonhaltung, also eine veränderte Körperhaltung, um den Schmerz zu verringern
  • bei einer lumbalen Radikulitis (LWS):

    • Beinschmerzen
    • Kreuzschmerzen (Schmerzen im unteren Rücken/lumbale Schmerzen) — auch bei lumbosakraler Nervenwurzelentzündung möglich

Halten starke Schmerzen bei einer Radikulopathie über einen langen Zeitraum an beziehungsweise tritt keine Besserung ein, kann sogar eine Depression des Betroffenen die Folge sein. Merkst du bei dir Anzeichen für eine depressive Verstimmung aufgrund deiner Schmerzen, solltest du dir umgehend professionelle Hilfe suchen. Beispielsweise kann dir eine Psycho- oder Verhaltenstherapie, in starken Fälle der Aufenthalt in einer entsprechenden Klinik helfen.

🚩 Die „Red Flags”

Unter Red Flags werden bestimmte Warnsymptome verstanden. Treten sie auf, solltest du dich einer sofortigen Untersuchung deines Arztes unterziehen.

Bei Radikulopathie gehören zu diesen dringenden Warnsignalen:

  • (zunehmende) Lähmungserscheinung (Parese)

Vollständige Lähmungen sind bei einer Radikulopathie aber untypisch.

  • verstärkte Schmerzen in der Nacht
  • Schmerzen (beispielsweise durch einen vorausgegangenen Sturz oder Unfall)
  • Atembeschwerden, schlimmstenfalls Atemausfälle
  • Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Inkontinenz (Harn oder Stuhl)5) oder Mastdarmlähmung (Störungen beim Absetzen von Stuhl oder gar nicht mehr möglich)

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3. Ursachen einer Radikulopathie


Kurz & Knapp

  • Als hauptsächliche Ursache für Radikulopathien gilt Druck auf die Nervenwurzel (Kompression), der durch verschiedene Erkrankungen der Wirbelsäule hervorgerufen werden kann.
  • Außerdem gibt es Entzündungen und andere Krankheiten wie Diabetes oder Knochentumore, die für eine Radikulopathie verantwortlich sein können. Wichtig ist, dass du dies genau mit deinem Arzt abklärst.
  • Unsere Erfahrung sagt aber, dass meistens Überspannungen in Muskeln und Faszien für die Beschwerden im Rücken sorgen. Diese entstehen durch zu wenig und zu einseitige Bewegung im Alltag.

Du möchtest direkt wissen, was du bei einer Radikulopathie unternehmen kannst? In Kapitel 4 erfährst du alles über die Behandlungs-Möglichkeiten.

3.1 Mögliche Druck-Ursachen

Als Ursache für eine Nervenwurzelentzündung gilt letztlich Druck auf die Nervenwurzel selbst. Dafür können verschiedene Erkrankungen verantwortlich sein:


Drückt eine Bandscheibe auf den Hauptnerv des Beines, wird dies als Ischialgie bezeichnet. Auch hier kann es zu Kribbeln in den Beinen und Schmerzen kommen.

  • Osteochondrose: Mit einer solchen Veränderung der Bandscheiben kann auch eine sogenannte Osteochondrosis intervertebrales einhergehen. Bei dieser Erkrankung verlieren die Bandscheiben zunehmend an Höhe. Um den dadurch entstehenden Druck auf die Wirbelkörper auszugleichen, bilden sich dort Knochenanbauten (Spondylophyten/Osteophyten). 
  • Osteophytenbildung:6) Veränderungen der Wirbelsäule sorgen für Knochen-Neubildungen (Osteophyten). Der Überbegriff für diese knöchernen Veränderungen ist Spondylose, worunter auch die Osteochondrose fällt. 
Grafische Darstellung eines Wirbelsäulenabschnittes mit sieben Wirbeln und dazwischenliegenden Bandscheiben. Die Bandscheiben weisen verschiedene Veränderungen wie Abnutzung, Vorwölbung, Vorfall und Verschmälerung auf. An zwei Wirbeln haben sich Osteophyten gebildet. Außerdem ist ein gesundes und ein an Arthrose erkranktes Facettengelenk gekennzeichnet.

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Außerdem können entzündliche Prozesse eine Radikulopathie hervorrufen. Hinter solchen Entzündungen können zum Beispiel Viren oder Bakterien stecken. Im Zusammenhang mit Nervenwurzelentzündungen stehen häufig die folgenden Mikroorganismen und Erkrankungen:


  • Herpes-Zoster-Virus (Windpocken und Gürtelrose)
  • Borrelien (Lyme-Borreliose): Übertragung durch Zecken
  • Abszesse (Ansammlung von Eiter)
  • Staphylococcus aureus: Dieses Bakterium kann Entzündungen an Knochen, also zum Beispiel an den Wirbelkörpern hervorrufen.
  • Rheumatoide Arthritis (vor allem Entzündungen an den Gelenken)
  • Guillain-Barré-Syndrom: Hierbei handelt es sich um eine Entzündung des peripheren Nervensystems, zu dem auch die Nervenwurzeln gehören. Diese sind am häufigsten von dem Syndrom betroffen. Im Zusammenhang mit dieser Krankheit treten oft Lähmungen auf. 
  • Ostitis (Entzündung von Knochengewebe)

Weitere Ursachen sind


  • Diabetes mellitus: Die Zuckerkrankheit kann das Gewebe der Nervenwurzeln zerstören. Dann ist von einer diabetischen Radikulopathie die Rede. 
  • Hämatome (eine Ansammlung von Blut): Wir kennen es auch als Bluterguss oder blauen Fleck. Ursache ist zum Beispiel ein Sturz oder Schlag. Das angesammelte Blut ist eine Art Raumforderung, die eine Nervenwurzel einengen kann. 
  • Verletzungen (Läsionen) im Bereich des Rückens/der Wirbelsäule, zum Beispiel durch einen Unfall
  • Osteopathien: Erkrankungen der Knochen, wie zum Beispiel Osteoporose aber auch Knochentumore.
  • Tuberkulose: Das ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die oftmals die Lunge, aber auch andere Organe wie zum Beispiel den Darm sowie Knochen befällt.
  • Pilzerkrankungen: Ein Beispiel für diese Form der Infektionskrankheit ist die Pilzinfektion Histoplasmose, die meistens die Lunge, aber auch Knochen befällt.
  • Syphilis: Sexuell übertragbare Infektionskrankheit, die auch Entzündungen im Bereich des Rückens hervorrufen kann.

Wichtig ist, dass du die genaue Ursache auf jeden Fall mit deinem Arzt besprichst! Spätestens bei Knochentumoren ist eine medizinische Behandlung (Indikation) erforderlich. Das Gleiche gilt für einige der hier aufgeführten (Infektions-)Krankheiten.

3.2 Überspannte Muskeln und Faszien als wahre Ursache

Natürlich ist es wichtig, dass du eine Radikulopathie genau untersuchen lässt. Wir wissen aber auch, dass du deine Schmerzen unabhängig von Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose und Co. beseitigen kannst. Du fragst dich wie? 

Ganz einfach: Wir sind davon überzeugt, dass diese Krankheiten nicht die Ursache deiner Schmerzen sind. Wir bestreiten nicht, dass bei dir zum Beispiel eine Bandscheibenprotrusion, ein Gleitwirbel oder Ähnliches vorliegen kann. Das hast du vielleicht sogar selbst auf dem MRT gesehen – diese Veränderungen gibt es selbstverständlich.

Allerdings halten wir dies bei der Schmerz-Entstehung für nebensächlich. Denn: All diese Wirbelsäulenveränderungen haben einen gemeinsamen Ursprung – und der liegt bei den Muskeln und Faszien. Und Veränderungen an ihnen können MRT, Röntgenbilder und andere bildgebende Verfahren gar nicht abbilden!

Von welchen Veränderungen wir sprechen? Von Überspannungen und Verkürzungen im muskulär-faszialen Gewebe!

Was gegen die vermeintlichen Ursachen-Krankheiten der herkömmlichen Medizin spricht

  1. Bei vielen Patienten werden durch bildgebende Verfahren Bandscheibenvorfälle nachgewiesen. Sie haben aber keinerlei Beschwerden.
  2. Der Körper baut den ausgetretenen Bandscheibenkern einfach wieder ab.
  3. Zudem solltest du dich fragen, wie eine derart weiche Masse einen Nerv dauerhaft abdrücken kann. Diese Ungereimtheit haben selbst Ärzte zugegeben!
  4. Experimente zeigten, dass das Zusammendrücken (Kompression) der Nervenwurzeln nicht automatisch Schmerzen auslöst.7)

Also, kommen wir noch mal auf die muskulär-faszialen Überspannungen und Verkürzungen zu sprechen

Überlege doch mal, wie dein Alltag aussieht. Vermutlich sitzt du viel, vielleicht stehst du auch oft, aber wie regelmäßig bewegst du dich wirklich vielseitig? Nehmen wir das Beispiel Sitzen, da viele von uns wohl die meiste Zeit des Tages sitzend verbringen.

Da du mit angewinkelten Beinen auf dem Stuhl sitzt und meistens noch mit dem Oberkörper nach vorne zusammensackst, sind deine Muskeln und Faszien auf der Vorderseite deines Körpers ständig verkürzt. Sie werden viel zu selten oder gar nicht mehr in ihre volle Länge gebracht. Und die Rückenmuskulatur mit ihren Faszien überspannt sich, während sie versucht, dich doch noch aufrecht zu halten. Sie ist also keineswegs zu schwach — im Gegenteil.

Eine Frau im roten Oberteil sitzt auf einem Stuhl. Sie hat die Arme nach vorne ausgestreckt, wie an einem Schreibtisch. Ihr Oberkörper ist nach vorne gefallen, sie macht einen runden Rücken und überstreckt den Hals.

Exkurs: Unsere Faszien

Genau genommen gibt es nur eine Faszie oder besser gesagt ein großes Fasziennetz. Dieses besteht aus einzelnen Faszienfäden, die von Fibroblasten ununterbrochen neu gewebt werden. Die Fibroblasten kannst du dir also wie kleine Spinnentierchen vorstellen, die permanent bei der Arbeit sind.

Letztlich sind Faszien Bindegewebe — sie geben deinem Körper Halt, indem sie deine Muskeln und Organe umhüllen. Gleichzeitig sind sie aber im optimalen Zustand sehr flexibel und ermöglichen erst dadurch ein reibungsloses Zusammenspiel der Muskeln. Bewegung machen sie erst möglich.

Bewegung ist das Stichwort und ein entscheidender Faktor. Sie ist nämlich umgekehrt auch für deine Faszien ungeheuer wichtig. Zwischen Zellen und Bindegewebe zirkuliert die sogenannte Zwischenzellflüssigkeit. Sie ist dafür verantwortlich, Abfallstoffe von den Zellen weg- und frische Nährstoffe hinzutransportieren. Bewegung sorgt dafür, dass diese Flüssigkeit durch die engen Zwischenzellräume strömen kann. Dabei stimulieren sie kleine Flimmerhärchen der Fibroblasten und regen sie so zur Produktion neuer Faszienfäden an. Durch dieses System bleiben die Faszien schön weich und geschmeidig.

Genauer erklärt, geschieht Folgendes bei mangelnder und einseitiger Bewegung:

→ Durch den Bewegungsmangel erhalten die Fibroblasten viel zu wenig Anreize, neue Fäden zu weben — die Faszien verfilzen.

→ Das immer dichter werdende Bindegewebe sorgt dafür, dass die Zwischenzellflüssigkeit nicht mehr richtig zirkulieren und Abfallstoffe nicht ausreichend abtransportiert werden können.

Fazit: Dein Bindegewebe wird immer unflexibler und du unbeweglicher.

Was haben verfilzte Faszien und überspannte Muskeln mit deinen Beschwerden zu tun?

Durch diese immer kürzer werdenden Muskel- und Faszienpartien entsteht ein starker Zug nach vorne. Deine Rückenmuskeln verfolgen gleichzeitig ihre Aufgabe: den Körper gerade halten; sie ziehen folglich nach hinten. Durch diese nach vorne und hinten ziehende Kräfte entsteht Druck, den deine Wirbelsäule zu spüren bekommt. 

Rezeptoren an deinen Rücken-Knochen messen diese muskulär-faszialen Spannungen und leiten sie an das Gehirn weiter. Wird der Druck auf die Wirbelsäule zu hoch und dein Gehirn sieht zum Beispiel Bandscheiben oder Wirbel in Gefahr, meldet es einen Schmerz. Dieser soll dich warnen: Achtung, die Strukturen deiner Wirbelsäule stehen unter viel zu hohem Druck, sie könnten beschädigt werden. Wir nennen den Schmerz daher Alarmschmerz.

Übrigens besteht oft ein Zusammenspiel zwischen Alarm- und Überlastungsschmerz. Letzterer entsteht, wie du wahrscheinlich schon ahnst, durch eine anhaltende Belastung der Muskeln und äußert sich ziehend und brennend.

Die Zusammenhänge von Bewegung, Muskeln und Faszien, der Druck-Entstehung sowie von typischen Rücken-Erkrankungen erklärt dir Roland Liebscher-Bracht im Video noch einmal ganz genau:

Schau doch mal in unser Schmerzlexikon. Dort wirst du sehen, dass viele Schmerzzustände die Spannungen von Muskeln und Faszien als Ursache gemeinsam haben.

Die gute Nachricht ist aber: Gegen überspannte und verkürzte Muskeln sowie Faszien kannst du etwas tun, sodass du deine Schmerzen reduzieren oder ganz loswerden kannst. Damit du dieses Ziel erreichst, haben wir die passenden Übungen für dich.

Die besten Übungen und Tipps bei Radikulopathie

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4. Behandlung bei Radikulopathie


Kurz & Knapp

  • Bei Verdacht auf Radikulopathie wirst du zunächst gründlich untersucht und nach Vorerkrankungen oder Unfällen gefragt.
  • Die herkömmlichen Behandlungs-Möglichkeiten sind vielfältig. Zur Therapie gehören zum Beispiel die Einnahme von Schmerzmitteln, eine Physiotherapie oder Operationen.
  • Bettruhe gilt als ungeeignet.
  • Wir empfehlen dir, deine Spannungen in Muskeln und Faszien so schnell wie möglich zu reduzieren. Sie sind in den meisten Fällen die Ursache der Schmerzen und es ist wichtig, nicht nur das Symptom zu bekämpfen.
  • Das gelingt dir mit regelmäßigen Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen.

Du möchtest direkt loslegen? In Kapitel 5 findest du die passenden Übungen bei Radikulopathie.

Was kommt auf dich zu, wenn du mit einem Verdacht auf Radikulopathie zum Arzt gehst? Erst einmal erfragt er eventuell vorhandene Grunderkrankungen wie zum Beispiel Gürtelrose, Diabetes oder bereits bekannte Bandscheibenvorfälle sowie die genau Symptomatik. Zudem informiert er sich wahrscheinlich, ob du in der Vergangenheit Verletzungen oder einen Unfall hattest. 

Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Dazu können auch ein Test deiner Kraft in den Händen, deiner Sensibilität bei Berührungen der Haut sowie deiner Reflexe (Muskeleigenreflexe) gehören. Je nach Verlauf der Symptomatik können bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder Computertomografie (CT) zum Einsatz kommen. Das MRT ermöglicht eine Darstellung von Weichgewebe wie Bändern und Nerven. Mit dem CT kann das Skelett dreidimensional dargestellt werden. Eine weitere Maßnahme zur Diagnostik ist die Betäubung des betroffenen Spinalnervs. 

Schließlich bespricht der Arzt in einer Aufklärung je nach Befund mit dir, welche Therapien infrage kommen. Eine genaue Leitlinie für die Behandlung von Radikulitis gibt es aufgrund der unterschiedlichen Verläufe und Schmerzentstehung nicht.

  • Medikamente: Das sind beispielsweise Schmerzmittel (Analgetika), Opioide, Antibiotika, Kortison, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung). Diese werden über einen bestimmten Zeitraum verordnet. Schmerzmittel können auch epidural verabreicht werden, das heißt, sie werden direkt in den spinalen Raum gespritzt.

Wir halten die Einnahme von Medikamenten wie Opioide oder NSAR zur Behandlung von Schmerzen nicht für die geeignete Lösung. Zum einen können sie Nebenwirkungen haben. Zum anderen bekämpfen sie nur das Symptom (den Schmerz), nicht aber die Ursache (meistens überspannte Muskeln und Faszien). 

  • Physiotherapie oder Rückenschule: Dort erlernst du Rückenübungen, die deine Beschwerden lindern sollen. Die Anwendungen können sich sich je nach Symptomen (zum Beispiel Kreuzschmerzen, Beinschmerzen) ein wenig unterscheiden.

Wichtig ist, dass sich dieses Training nicht ausschließlich auf deine Rückenmuskulatur konzentriert. Du weißt ja aus Kapitel drei bereits, dass sich das größere Problem auf deiner Vorderseite abspielt und die Rückenmuskeln nicht zu schwach sind. Daher ist ein vielseitiger Ausgleich wichtig wie du ihn mit unseren Übungen auch bekommst.

  • Massagen oder Wärmebehandlungen

Bei beidem gilt: Mach das, was dir guttut. Es spricht natürlich nichts gegen den Einsatz einer Massage oder eines warmen Bades. Aber auch hier solltest du bedenken, dass du damit nicht die Ursache an sich behandelst. Daher unser Tipp: Betrachte Wärmebehandlungen als eine zusätzliche Maßnahme zu unseren Dehnübungen.

  • Bettruhe: Generell gilt Bettruhe bei der Diagnose Radikulopathie, auch Radikulitis als ungeeignet.

Dem können wir nur zustimmen: Da Bewegungsmangel meist der Auslöser für die Beschwerden sind, solltest du dich nicht schonen, sondern den Schmerzen mit gezielten Bewegungen entgegenwirken.

  • Rückenschonender Alltag: Vermutlich hast auch du schon den Tipp erhalten, beim Sitzen auf eine gerade Haltung zu achten und schwere Gegenstände rückenschonend zu heben. Außerdem solltest du auch mal im Stehen arbeiten. Dafür gibt es spezielle höhenverstellbare Tische. So bietest du deinen Muskeln und Faszien auch schon etwas Abwechslung.

Erfahrungsgemäß ist das gerade Sitzen leichter gesagt als umgesetzt. Meistens richten wir uns erst dann auf, sobald uns unsere krumme Haltung auffällt und sinken nur kurz darauf wieder in uns zusammen. Wichtig ist, dass du diese Position regelmäßig mit unseren Übungen ausgleichst. Rückenschonendes Heben kann durchaus sinnvoll sein, da Bandscheiben bei schnellen, ruckartigen Bewegungen platzen können, wenn sie bereits unter zu hohem muskulär-faszialen Druck stehen. 

  • Operationen: In der Regel werden operative Eingriffe bei Radikulopathien nur selten durchgeführt.8) Diese sollen der Entlastung der Wirbelsäule dienen. Es gibt verschiedene Verfahren, unter anderem Folgende: 
    • Das beschädigte Bandscheibengewebe wird entfernt (Diskektomie).
    • Nur das ausgetretene Bandscheibengewebe wird entfernt.
    • Nach Entfernen der gesamten Bandscheibe wird ein Implantat beziehungsweise eine Bandscheibenprothese (künstliche Bandscheibe) eingesetzt. 
    • Das Stützen der Wirbelsäule durch eine Art Schiene.

Ein operativer Eingriff sollte immer gut überlegt und die letzte Maßnahme einer Therapie sein. Wir gehen davon aus, dass sich die Mehrzahl der durchgeführten Operationen vermeiden lässt. Außerdem ist es bei vielen Patienten so, dass Schmerzen nach der OP zwar verschwinden, mit der Zeit aber wiederkommen. Das liegt daran, dass der Eingriff nichts an den verkürzten Muskeln und Faszien ändert und diese dann erneut Druck ausüben. 

Die besten Übungen und Tipps bei Radikulopathie

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5. Übungen zur Selbstbehandlung bei Radikulopathie


Kurz & Knapp

  • In diesem Kapitel findest du ein Video mit drei Übungen und einer Faszien-Rollmassage für deinen Rücken sowie eine Übungs-Anleitung.
  • Dazu gibt’s eine Checkliste und einen kostenfreien Ratgeber.

Es ist also wichtig, die zu hohen Spannungen von Muskeln und Faszien dauerhaft zu beseitigen. Durch regelmäßige Engpassdehnungen kombiniert mit der Faszien-Rollmassage kann dir das gelingen. So einfach soll das sein? Ja, wichtig ist nur, dass du am Ball bleibst!

Roland zeigt dir im Video drei Übungen für deine ganze Wirbelsäule. Anschließend machst du noch eine Faszien-Rollmassage für deinen gesamten Rücken.

Unsere gezielten Dehnübungen sorgen dafür, dass deine Muskeln und Faszien wieder auf ihre volle Länge gebracht werden. Das macht deine Faszien wieder viel flexibler und auch die Zwischenzellflüssigkeit kann besser zirkulieren, sodass Abfallstoffe abtransportiert werden. Das Ergebnis: Du kannst spüren, wie deine Schmerzen nachlassen und du viel beweglicher wirst.

Mit der Faszien-Rollmassage drückst du deine Faszien gewissermaßen aus. Das trägt ebenfalls zu einem verbesserten Stoffwechsel bei, sodass frisches, nährstoffreiches Wasser in die Faszien gelangen und Abfallstoffe abtransportiert werden können. Du verstärkst damit also die Effekte der Übungen und sorgst für ein flexibleres Bindegewebe.

Weitere Übungen mit Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du außerdem in unserem kostenfreien Ratgeber.

Noch keine Erfahrungen mit unseren Übungen? Dann wirf am besten erst mal einen Blick in unsere Checkliste. Unter dem Video findest du außerdem eine ausführliche Beschreibung unserer Übungen

Übung 1: Überstreckung der Wirbelsäule

  1. Stelle dich aufrecht hin. Lege die Handflächen an dein Gesäß und lehne dich nach hinten. Deine Leiste schiebst du dabei immer weiter nach vorne.

Du stehst unsicher, wenn du deinen Oberkörper nach hinten legst? Dann stelle dich neben einen stabilen Tisch oder Stuhl und halte dich während der Übung daran fest.

  1. Öffne als Nächstes deine Schultern und ziehe dein Kinn nach hinten. So erwirkst du die Überstreckung deiner Brustwirbelsäule.
  2. Lasse nun deinen Kopf langsam und vorsichtig nach hinten fallen. Dein Oberkörper bildet jetzt einen gleichmäßigen Bogen.
Roland Liebscher-Bracht zeigt einer Frau eine Dehnübung bei einer Bandscheibenprotrusion. Sie hat die Hände am Gesäß abgestützt und beugt ihren Oberkörper weit nach hinten.
  1. Atme tief ein und aus und schiebe deine Leiste bei jeder Ausatmung weiter nach vorne, um die Dehnung zu steigern.

Du hast nun deine gesamte Wirbelsäule von oben nach unten überstreckt. Gleichzeitig hast du den Hüftbeuger und andere Muskelgruppen auf deiner Körpervorderseite gedehnt. Dies ist wichtig, um Fehlhaltungen aus dem Alltag auszugleichen.

  1. Du kannst die Dehnungs-Position nach zwei bis zweieinhalb Minuten langsam lösen. Beginne mit dem Kopf und richte dann erst die Brustwirbelsäule und anschließend die Lendenwirbelsäule auf.
  2. Nimm jetzt die Gegenbewegung ein, indem du ein Hohlkreuz machst und dann deinen Oberkörper nach vorne beugst. Fahre dabei mit deinen Händen die Oberschenkel entlang nach unten, um dich zu stützen.
  3. Bist du schon so weit nach vorne gebeugt, dass dein Oberkörper etwa parallel zum Boden gerichtet ist, löse dich aus dem Hohlkreuz. Mache deinen Rücken immer runder, indem du dich einfach weiter nach unten beugst.
  4. Zum Schluss, wenn dein Rücken komplett gerundet ist, legst du deine Hand an deinen Hinterkopf und drückst das Kinn zu deinem Brustbein. Dadurch erwirkst du eine Dehnung des ganzen Rückens inklusive deiner Halswirbelsäule. Richte dich anschließend langsam auf.

Übung 2: Dehnung der seitlichen Muskulatur

  1. Beuge deinen rechten Arm über deinen Kopf nach links. Schiebe deine Hüfte so weit wie du kannst nach rechts
  2. Beuge deinen Oberkörper nach links, blicke dabei nach vorne. Du kannst mit der linken Hand dein Bein nach unten fahren, während du deinen Oberkörper immer weiter in diese Richtung beugst. 
  3. Neige den Kopf zur Seite und ziehe auch ihn nach links.

Wichtig ist, dass du die Achse deines Körpers nicht verändert. Das heißt, du solltest immer nach vorne blicken, sodass sich deine Halswirbelsäule nicht verdreht und außerdem nicht mit deinem Oberkörper nach vorne oder nach hinten fallen. 

Eine Frau steht mit seitlich gebeugtem Oberkörper. Ihren rechten Arm hat sie über ihren Kopf gehoben, ihren linken auf ihrem linken Oberschenkel liegen. Hinter ihr steht Roland Liebscher-Bracht und hilft ihr, weiter in die Dehnung zu gehen.
  1. Atme tief ein und aus und verstärke die Dehnung bei jeder Ausatmung.

Du hast nun deine Hüfte und deine Flanke gedehnt.

  1. Richte dich langsam auf. Dehne jetzt deine linke Seite und beachte dabei die gleichen Schritte.

Übung 3: Rotation der Wirbelsäule

  1. Hast du wieder eine aufrechte Position eingenommen, strecke beide Arme zur Seite aus, deine Hüfte bleibt dabei gerade stehen. Versuche nun, deinen Bauchnabel nach links zu drehen, ohne deine gerade Position zu verlassen.
  2. Schiebe dein Brustbein nach links, während dein Becken ganz gerade bleibt. 
  3. Drehe anschließend beide Arme so weit du kannst nach links. Beuge dann deinen rechten Arm auf Höhe, sodass beide Arme parallel sind. 
  4. Schaue mit deinen Augen nach links, bevor du auch deinen Kopf in die gleiche Richtung drehst. 
  5. Atme tief und verstärke die Dehnung beim Ausatmen.
Roland Liebscher-Bracht leitet eine Frau bei einer Engpass-Dehnung gegen Bandscheibenprotrusion an. Sie hat die Arme horizontal ausgestreckt und den Oberkörper zur Seite gedreht.
  1. Drehe dich langsam zurück nach vorne. Danach dehnst du dich in die andere Richtung, indem du die beschriebenen Schritte wieder durchführst.
  2. Richte dich nach vorne aus und lasse deine Arme locker hängen.

Faszien-Rollmassage

Bei der Faszien-Rollmassage ist es wichtig, dass du folgende Punkte beachtest: 

  1. Rolle so langsam wie möglich.
  2. Bringe dabei konstant starken Druck, also möglichst viel Gewicht auf.
  3. Bleibe länger auf Stellen, die besonders schmerzhaft sind.
  4. Rolle immer nur in eine Richtung, nämlich zu deinem Herzen. Das bedeutet, bei der Wirbelsäule beginnst du unten am Steißbein und arbeitest dich bis zu deinen Schultern hoch. Beim Nacken fängst du dort an, wo du am Kopf eine Knochenkante spürst und rollst nach unten bis zum Beginn deiner BWS.

Nutze für die Faszien-Rollmassage am besten unsere Medi-Rolle. Ihre umlaufende Rille mit Flankenintensivierung bietet deiner Wirbelsäule Platz und schützt sie.

  1. Setze dich auf die Medi-Rolle, sodass sie sich etwa auf Höhe deines Steißbeins befindet. Arbeite dich nun langsam deine Wirbelsäule entlang bis zu deinen Schultern.
  2. Auch deine Halswirbelsäule möchte natürlich versorgt werden. Setze dich dafür aufrecht hin und nimm die Medi-Rolle in beide Hände. Lege sie an der Stelle an, an der du das Ende deines Schädelknochens spürst. Rolle nun mit Kraft in Richtung deiner Schulterblätter hinunter. 

Du hast jetzt deine ganze Wirbelsäule abgerollt. Von der nun frei zirkulierenden Zwischenzellflüssigkeit profitieren besonders deine Bandscheiben. Sie können sich mit frischen Nährstoffen vollsaugen.

Eine Frau liegt auf einer Matte mit der Medi-Faszienrolle von Liebscher & Bracht unter ihrer Wirbelsäule. Damit rollt sie ihren Rücken vom Steißbein in Richtung Kopf ab. Ihrer Unterarme hat sie neben sich abgestützt.

Immer noch Schmerzen oder Schwierigkeiten mit unseren Übungen?

Wenn deine Schmerzen zu stark sind und du große Probleme bei der Durchführung unserer Übungen hast, empfehlen wir dir den Besuch eines von Liebscher & Bracht ausgebildeten Therapeuten. Er wendet bei dir die Osteopressur an, bei der er bestimmte Knochenpunkte drückt. Dies sind genau die Punkte, die die Informationen an das Gehirn weitergeben und den Alarmschmerz auslösen. Durch das gezielte Drücken kannst du sofort eine Schmerzlinderung spüren und anschließend mit den Dehnübungen weitermachen.

📌 Checkliste für die Liebscher & Bracht-Übungen

Damit bei unseren Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst. So hast du alle Tipps auf einen Blick und kannst mit einem guten Gefühl üben.

✅ Orientiere dich immer an deiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du bei jeder Dehnung auf einer Stufe von acht oder neun arbeitest. Neun bedeutet: Du spürst einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen und musst nicht gegenspannen.

✅ Übe an sechs Tagen pro Woche und führe die Übung mindestens einmal täglich aus. Falls du die entspannenden Reparatur-Vorgänge in deinen Muskeln und Faszien noch besser unterstützen möchtest, kannst du die Wiederholungen auch im 12-Stunden-Rhythmus durchführen: einmal morgens, einmal abends.

✅ Für jeden Übungsschritt solltest du zwei bis zweieinhalb Minuten investieren und mindestens 90 Sekunden in der jeweiligen Dehnung bleiben.

✅ Benutze professionelle Hilfsmittel und keine Billig-Produkte bei der Behandlung deiner Schmerzen. Wenn du hier auf ein mangelhaftes Produkt setzt, kann sich das negativ auswirken. Wir haben bei der Entwicklung unserer Hilfsmittel daher größte Sorgfalt walten lassen und sie speziell zur Schmerz-Behandlung entwickelt.

Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Übungen nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert. Du solltest ihn daher nicht künstlich unterdrücken, sondern als Orientierung für die korrekte Übungsdurchführung und Dehnungsintensität einsetzen. Schmerzmittel würden deine Fortschritte nur verfälschen und dir ein unrealistisches Bild deines Schmerzzustands vermitteln.

Sei geduldig — auch wenn schnelle Ergebnisse keine Seltenheit darstellen. Es kann etwas dauern, bis dein Gehirn neue Bewegungsprogramme speichert, sich der Stoffwechsel normalisiert und die Zugkräfte aus Spannung und Gegenspannung zurückgehen.

✅ Sollten die Schmerzen aufgrund der Übungen zunehmen, besteht kein Grund zur Panik. Eine Erstverschlimmerung kann eine normale Reaktion deines Körpers sein. Wenn sich deine gesamte Körperstatik durch regelmäßiges Training verändert, muss sich der Bewegungsapparat erst nach und nach daran anpassen. Geht es dir nach den Übungen aber dauerhaft schlechter statt besser, signalisiert dir dein Körper, dass du es womöglich übertreibst. Pausiere dann einfach für einen oder zwei Tage und/oder verringere bei deinen nächsten Übungseinheiten ein wenig die Intensität, um dich anschließend wieder in kleinen Schritten zu steigern. So führst du deinen Körper schonend an die für dich richtige Acht oder Neun auf der Schmerzskala heran.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei den Übungen!

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