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Hüftarthrose (Coxarthrose) Symptome

22.05.2026
Roland Liebscher-Bracht

Roland Liebscher-Bracht

Schmerzspezialist & SPIEGEL-Bestseller-Autor

Medizinische Prüfung: Dr. med. Egbert Ritter
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Hüftarthrose ist ein schleichender Prozess und auf Röntgenbildern oft ein Zufallsbefund. Denn ein degeneratives Hüftgelenk geht nicht sofort und auch nicht zwingend mit Schmerzen und Beschwerden einher. Wir klären hier:

  1. wo Schmerzen bei Hüftarthrose zu spüren sind,
  2. welche Bewegungseinschränkungen bei Hüftgelenksarthrose bestehen,
  3. was es mit Hüftschmerzen nachts auf sich hat
  4. und warum gerade Sport schmerzhafte Hüftgelenke lindert

1. Klinische Symptome bei Hüftarthrose

Bei beginnender Hüftarthrose kommt es typischerweise zu ersten Hüftschmerzen nach Ruhephasen, die in die Leisten und Knie ausstrahlen können. Im fortgeschrittenen Stadium treten sie auch in den Ruhepausen auf sowie beim Ansteuern des Oberschenkels – wie beim Beugen, Strecken oder Drehen, sogar beim Abspreizen. Später kommt eine deutlich herabgesetzte Beweglichkeit des Gelenks im Alltag hinzu.1

  • Knie-, Hüft- und Leistenschmerzen: Hüft- und Leistenschmerzen stehen am Anfang der Coxarthrose und können bei Belastung das Bein hinab über den Oberschenkel in die Knie ausstrahlen. Bei Druckschmerzen im Hüftgelenk könnte es sich um eine Entzündung oder einen Erguss als Spätfolge des Gelenkverschleißes handeln.
  • Anlaufschmerzen nach Ruhephasen: Morgens beim Aufstehen oder nach langen Sitzzeiten treten Schmerzen auf und lassen erst bei Bewegung wieder nach.
  • Ruheschmerz, Nachtschmerzen: Ist die Arthrose fortgeschritten, bleibt es nicht mehr „nur“ bei Anlaufschmerzen, sondern Betroffene verspüren auch in Ruhephasen wie nachts, im Sitzen oder Liegen Schmerzen. Sie bestehen im Spätstadium und können auf eine aktivierte, also entzündliche Arthrose deuten.
  • Morgensteifigkeit: Ein klinisches Kriterium für Hüftarthrose ist, wenn das Gelenk am Morgen länger als 30 Minuten, jedoch kürzer als eine Stunde steif ist und noch dazu, die Hüftdrehung nach innen schmerzt.
  • Geringe Gehstrecke, hinkendes, einknickendes Gangbild: Ein hinkendes Gangbild, bei der die erkrankte Hüftseite absinkt, kann neben bestehenden Schmerzen hinweisgebend auf eine Hüftgelenksschädigung sein. Die zusätzliche Abschätzung der maximalen Gehstrecke hilft dem Arzt, die noch vorhandene Leistungsfähigkeit einzuschätzen.

Hinken ist übrigens neben einem Klick- und Schnappgeräusch des Hüftgelenks ein Hinweis auf eine bei jungen Menschen bestehende Fehlstellung: Der Hüftkopf kann nicht anatomisch korrekt in der Hüftpfanne liegen. Das ist die sogenannte Hüftdysplasie.
  • Bewegungseinschränkung, Gelenksteifigkeit, Gelenkschmerzen: Wegen der Osteophyten und Knochenwucherungen an den Gelenkflächen können alltägliche Bewegungen wie das Anziehen von Schuhen oder Abwärtssteigen von Treppen zu Beschwerden führen und sogar das Gefühl einer Blockade verursachen. Darunter fallen auch Schwierigkeiten, den Oberschenkel zu bewegen – zum Beispiel beim Strecken, Beugen, Heranziehen und Spreizen (Abduktion und Adduktion) oder Übereinanderschlagen der Beine.
  • Rötungen, Schwellungen, Druckschmerz: Sie können Hinweise auf Entzündungen oder eine ungewöhnlich vergrößerte Struktur (Raumforderung) im Gelenk sein.
  • Muskelschwäche: Muskeln, Sehnen und Bänder stabilisieren normalerweise das Gelenk. Bei Bewegungseinschränkungen und -mangel sind die Stoffwechselprozesse gestört, sodass das Gewebe unterversorgt bleibt. Dies kann sich durch eine verminderte Kraft äußern und führt insgesamt zur Gelenksinstabilität.

Arthrose gleich Schmerzen? Keineswegs!

Bei Verdacht auf Arthrose ordnen Ärzte Röntgenuntersuchungen an, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können. Die Auswertung zweier groß angelegten Studien zeigt aber, dass der positive Befund nicht von Schmerzen begleitet sein muss:

  • In der sogenannten Framingham-Studie (946 Teilnehmer, Durchschnittsalter 63) kam heraus: Nur rund 16 Prozent der Teilnehmer mit Hüftschmerzen hatten Gelenkverschleiß. Von diesen wiederum litten auch nur rund 21 Prozent unter besonders schmerzhaften Hüften.
  • Auch die zweite Studie der Osteoarthritis-Initiative (4.366 Teilnehmer, Durchschnittsalter 61) bestätigt: Nicht einmal bei zehn Prozent derjenigen, die über Hüftschmerzen klagten, lag eine degenerative Hüfte vor. Und bei denen die Hüftschmerzen mit der Arthrose korrelierten, hatten auch nur rund ein Viertel starke Schmerzen.

© ChooChin | shutterstock.com

Das Fazit: Viele Arthrose-Betroffene hatten keine Hüftschmerzen und viele mit Schmerzen zeigten keine Hüftarthrose auf Röntgenbildern. Bei lediglich 20 bis 24 Prozent der Betroffenen stimmten die klinischen Symptome mit einer röntgenologisch nachgewiesenen Arthrose überein.2 Und auch der Arthrosegrad bestimmt nicht das Ausmaß der Symptome.3

2. Schmerzen bei Hüftarthrose lindern

Es gibt einen Grund dafür, dass Spitzensportler deutlich weniger über Schmerzen klagen als solche Arthrosepatienten, die keinen Sport treiben. Obwohl Athleten aufgrund der hohen Gelenkbelastungen durchaus Merkmale von Verschleiß tragen – ähnlich wie beim Risikofaktor Übergewicht. Mediziner gehen sogar davon aus, dass Bewegung Gelenkdegeneration vorbeugt, die Gelenkfunktion verbessert und Schmerzen verringert.4 5

  • Treibender Faktor ist nämlich die regelmäßige Ent- und Belastung des Gelenkknorpels, die seine Nährstoffversorgung aus der Gelenkflüssigkeit sicherstellt. Von solchen zyklischen Phasen sind die Knorpelzellen abhängig, um das Gelenk zu schmieren und es gesund zu halten.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt ist die umfangreiche Nutzung der Gelenke, damit der Knorpel auch in allen Winkeln ent- und belastet wird.
  • Zusätzlicher Multiplikator für die Gesunderhaltung der Hüftgelenke sind gewohnheitsmäßige Dehneinheiten. Überspannte Muskeln und unflexible Faszien üben eine starke Zugkraft auf den Gelenkknorpel aus. Dies erhöht die Abnutzung des Knorpels.
Bildausschnitt von der Hüfte einer Frau. Sie stemmt ihre Hand gegen ihre Taille. Auf dem Bild steht in schwarzen Buchstaben: Hüftarthrose. Zwei Übungen für die gesamte Hüfte.

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  • in alle Gelenkwinkel gelangen, um die Knorpelschicht mit der nährstoffreichen Gelenkflüssigkeit zu versorgen,
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  • und dabei auch noch etwaige Muskelspannungen und verfilzte Faszien lösen

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Dr. med. Egbert Ritter

Facharzt für Unfallchirurgie & Eh. Oberarzt in Salzburg

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Quellen & Studien

  1. 1 G. Matziolis: S2k-Leitlinie. Koxarthrose. 2019.
  2. 2 C. Kim/Nevitt, M./Niu, J. u. a.: Association of hip pain with radiographic evidence of hip osteoarthritis: diagnostic test study. In: BMJ 351 (2015).
  3. 3 S. Nehrer/Neubauer, M.: Möglichkeiten und Grenzen der konservativen Therapie der Arthrose. Sportberatung, Trainingstherapie, Orthesen und Knorpeltherapeutika. In: Orthopäde 50 (2021). S. 346–355.
  4. 4 T. Cymet/Sinkov, V.: Does long-distance running cause osteoarthritis? In: J Am Osteopath Assoc 6 (2006). S. 342–345.
  5. 5 N. Bosomworth: Exercise and knee osteoarthritis: benefit or hazard? In: Can Fam Physician 9 (2009). S. 871–878.

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