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Hyaluronsäure: Helfen Knie-Spritzen wirklich gegen Arthrose-Schmerzen?

26.05.2026
Roland Liebscher-Bracht

Roland Liebscher-Bracht

Schmerzspezialist & SPIEGEL-Bestseller-Autor

Medizinische Prüfung: Dr. med. Egbert Ritter
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Wenn Kniegelenke und Knorpel stark verschleißen, dann lautet die Diagnose: Arthrose. Um die dabei auftretenden Schmerzen ohne Operation in den Griff zu bekommen, setzen einige Ärzt*innen Hyaluronsäure-Spritzen ein. Doch helfen die Spritzen wirklich, die Schmerzen zu lindern?

© romaset | Fotolia.com

1. Was bedeutet Arthrose?

Bei einem Gelenk mit Arthrose ist der Knorpel entweder ganz oder teilweise verschlissen. Abgelöste Knorpelteilchen, Entzündungen und Osteophyten (Knochen-Neubildung) können dabei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.


Übermäßig starker Verschleiß im Kniegelenk ist die häufigste Form von Arthrose.1
Eine Abbildung zeigt, wie ein normales Gelenk im Gegensatz zu einem Kniegelenk mit Arthrose im verschleißendem und verschlissenem Zustand aussieht.

© reineg | Fotolia.com

Hyaluronsäure, ein künstliches Gemisch? Keineswegs!

Hyaluronsäure kommt als natürliches Element unter anderem in der Gelenkflüssigkeit vor und sorgt dafür, dass sie dickflüssig ist. Dadurch fungiert die auch Synovia genannte Flüssigkeit als Schmiermittel, welches die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen unterstützt. Auch der Knorpel, der zwischen den Gelenkknochen sitzt, sorgt als eine Art Stoßdämpfer dafür, dass die knöchernen Flächen nicht aneinanderreiben.

2. Wie funktioniert eine Behandlung mit Hyaluronsäure-Spritzen?

Voraussetzung für die Behandlung mit Hyaluronsäure ist, dass die Arthrose noch nicht allzu weit fortgeschritten ist. Dann werden insgesamt eine, drei oder fünf Hyaluronsäure-Spritzen über einen bestimmten Zeitraum injiziert. Dabei wird zwischen der langkettigen (hochmolekularen) und der kurzkettigen (niedermolekularen) Variante der Hyaluronsäure unterschieden.


Die kurzkettige Hyaluronsäure soll vor allem schmerz- und entzündungshemmend wirken, während die langkettige Variante die Gleitfähigkeit der Gelenkflüssigkeit verbessern soll.

Molekülketten der Hyaluronsäure legen sich in die Vertiefungen des Gelenkknorpels, wodurch die Funktion des Knorpels als Stoßdämpfer wiederhergestellt werden soll. Der weitere Abrieb des zerstörten Knorpels soll dadurch verringert und Entzündungen der Gelenkinnenhaut sowie in diesem Zusammenhang entstehende Schmerzen gelindert werden.

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3. Wirken die Hyaluronsäure-Spritzen?

Ob diese erwünschte Wirkung der Hyaluronsäure tatsächlich eintritt, ist allerdings hochumstritten. Studien zeigen hier sehr unterschiedliche, teils widersprüchliche Ergebnisse. Das hängt damit zusammen, dass unterschiedliche Zeiträume und Hyaluronsäure-Präparate untersucht und einige Studien gründlicher als andere durchgeführt wurden.


Bei allen Studien konnte jedoch keine dauerhafte Schmerzfreiheit durch Hyaluronsäure erzielt werden.

Selbst mit neueren Methoden – wie der Hyaluronsäure-Doppelkammerspritze – kann Schmerzfreiheit maximal für einige Monate erreicht werden. Anschließend muss eine erneute Injektion mit Hyaluronsäure erfolgen.

Beispielsweise erschien 2012 eine Untersuchung von 89 Studien, die nur einen kleinen und klinisch unbedeutenden Nutzen durch die Hyaluronsäure-Spritzen ergab. Demgegenüber standen Risiken und unerwünschte Folgen der Gelenk-Injektionen.2 Im Jahr 2015 folgte eine weitere Analyse von acht aussagekräftigen Studien, in denen Hyaluronsäure-Spritzen mit einer Placebo-Behandlung verglichen wurden. Dort ergab sich nach zwölf Wochen zwar eine messbare, aber nur mäßige Verbesserung der Schmerzen durch Hyaluronsäure.3

Bertelsmann-Studie: Kniespritzen oft wirkungslos!

Eine große Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass Spritzen bei Kniearthrose „häufig wirkungslos“ sind und „darüber hinaus unerkannte Risiken“ bergen, über die Patienten oft nicht aufgeklärt werden.4 Besonders Hyaluronsäure-Injektionen sind nach Einschätzung des an der Studie beteiligten Harding Zentrums „kritisch zu bewerten“: Es zeige sich zwar gelegentlich eine geringfügige Verbesserung, die aber schon „nach wenigen Monaten oft nicht mehr nachweisbar“ ist.5 Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Zentrums, kritisiert, dass der Nutzen der Spritzen „allzu oft überschätzt [wird] und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen oder Schwellungen, ausgeblendet“ werden.6 Dass Patienten darüber häufig nicht aufgeklärt werden, bemängelt Gigerenzer besonders:


„Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Faktenlage bei häufig eingesetzten Behandlungen recht dünn ist. Doch die Patienten werden selten darüber aufgeklärt!“

Prof. Gerd Gigerenzer (Direktor des Harding Zentrums)

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4. Was hilft gegen Knieschmerzen?

Der Ansatz nach Liebscher & Bracht hat zum Ziel, hohe Spannungen deiner Muskeln und Faszien abzubauen. Diese Spannungen könnten für Schmerzen, die oft mit Arthrose einhergehen, verantwortlich sein. Auch Studien zeigen, dass Bewegungsübungen bei Kniearthrose eine empfehlenswerte Maßnahme sind.7

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Über diesen Artikel

Roland Liebscher-Bracht

Autor:

Roland Liebscher-Bracht

Schmerzspezialist & SPIEGEL-Bestseller-Autor

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Dr. med. Egbert Ritter

Medizinische Prüfung:

Dr. med. Egbert Ritter

Facharzt für Unfallchirurgie & Eh. Oberarzt in Salzburg

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Quellen & Studien

  1. 1 J. Jerosch: "Intraartikuläre Therapie. Effektivität der Injektionsbehandlung bei Coxarthrose". In: Orthopädie & Rheuma 22 (2019), S. 39f.
  2. 2 Anne W. S. Rutjes et al.: "Viscosupplementation for Osteoarthritis of the Knee: A Systematic Review and Meta-analysis." In: Annals of Internal Medicine 157(2012), S. 180-191.
  3. 3 Pascal Richette et al.: "Hyaluronan for knee osteoarthritis: an updated meta-analysis of trials with low risk of bias." In: Rheumatic and Musculoskeletal Diseases Open 1 (2015), S. 1-7.
  4. 4 Bertelsmann-Stiftung (2014): "Spritzen gegen Knieschmerzen oft wirkungslos."
  5. 5 Bertelsmann-Stiftung (2014): "Spritzen gegen Knieschmerzen oft wirkungslos."
  6. 6 Bertelsmann-Stiftung (2014): "Spritzen gegen Knieschmerzen oft wirkungslos."

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