2. Besonderheit von Triggerpunkten: die Schmerzübertragung

In den Muskelsträngen eines grafisch dargestellten Körpers sind Druckpunkte/Triggerpunkte markiert

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TRIGGERPUNKTE ERFOLGREICH BEHANDELN

So funktioniert die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht

Roland Liebscher-Bracht und eine Patientin sitzen nach einer erfolgreichen Behandlung nebeneinander. Sie zeigen beide einen Daumen-hoch
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2.1 Triggerpunkte und Schmerzen


Myofasziale Triggerpunkte können ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. Neue Untersuchungen1) zeigen, dass sie unter anderem bei folgenden Beschwerden eine Rolle spielen:

  • Spannungskopfschmerzen,
  • Nackenschmerzen,
  • unspezifische Rückenschmerzen,
  • Schulterschmerzen,
  • Fersensporn,
  • Kopfschmerzen,
  • Migräne und
  • Tennisarm.

Allerdings werden Triggerpunkte nicht immer gleich als Auslöser für diese Beschwerden identifiziert. Der Grund: Die Schmerzen, die ein bestimmter Triggerpunkt verursacht, treten nicht zwangsläufig an diesem speziellen Punkt auf, sondern oft in benachbarten Muskeln, Sehnen oder Gelenken. Man nennt dieses Phänomen „Schmerzübertragung”.

Frau hält sich mit Schmerzen den steifen Nacken, der rot hervorgehoben ist

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Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

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2.2 Arten der Schmerzübertragung


In der Medizin werden zwei Arten der Schmerzübertragung unterschieden:

  • Bei der viszeral-somatischen Schmerzübertragung treten die Symptome innerer, organischer Krankheiten als äußere Schmerzen an die Oberfläche.
  • Bei somato-viszeralen Übertragungsschmerzen verläuft die Übertragung in umgekehrter Richtung: Der Schmerz „wandert” aus der Muskulatur in die inneren Organe.

Triggerpunkte können als somato-viszerale Übertragungsschmerzen in Erscheinung treten. Beispielsweise können Schmerzen, die von Triggerpunkten in der Rücken- oder Bauchmuskulatur übertragen werden, den Symptomen von Geschwüren, Gallensteinen, Herzproblemen oder sogar diversen Krebsarten ähneln.2)

Wichtig: Sollte eine Triggerpunkttherapie die Symptome nicht innerhalb einiger Tagen oder Wochen deutlich lindern, sollten nicht-muskuläre Gesundheitsprobleme unbedingt von einem Arzt ausgeschlossen werden.

Hinweise, dass Schmerzen nicht durch myofasziale Triggerpunkte, sondern durch innere Organe verursacht werden:

  • konstante Schmerzen, die sich nicht mit der Haltung oder Bewegung verändern,
  • Schmerzen, die sich durch Beanspruchung nicht-schmerzender Regionen verstärken (zum Beispiel: Schulterschmerzen werden beim Gehen stärker),
  • Schmerzen, die sich nach dem Essen, bei Verdauungs- oder Blasenaktivität, Husten oder tiefem Durchatmen verstärken,
  • Schmerzen, die von Magen-Darm-Beschwerden begleitet werden und
  • Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, blasse Haut, Schwindelgefühl, Müdigkeit oder ungeklärter Gewichtsverlust.

2.3 Wie die Schmerzübertragung neurologisch erklärt wird


Vermutlich wird die Schmerzübertragung durch das zentrale Nervensystem ausgelöst. Untersuchungen haben ergeben, dass es nur im Bereich des Triggerpunktes zu einer Erregung von Nozizeptoren, also schmerzübertragenden Rezeptoren, kommt, während im Bereich der Schmerzübertragung keine Erregung festzustellen ist.3) Daraus folgt, dass der Schmerz vom Triggerpunkt ausgeht und in die entfernte Körperregion geleitet wird.

Es wird davon ausgegangen, dass sogenannte stumme oder ineffektive Synapsen daran beteiligt sind. Solche Synapsen sind inaktiv und zahlreich im zentralen Nervensystem vorhanden. Zu effektiven Synapsen werden sie erst durch Impulse, die von den Nozizeptoren des myofaszialen Triggerpunktes ausgehen.

So kann der vom Triggerpunkt ausgehende Impuls zum Beispiel Nervenzellen erreichen, die eigentlich nur inaktive Verbindungen mit dem Muskel des Triggerpunktes besitzen und eigentlich ganz andere, entfernt liegende Körperregionen versorgen. Werden sie durch den Impuls aktiviert, so können Schmerzen in dieser Körperregion auftreten.4) Der Betroffene bringt diesen Schmerz natürlich nicht in Verbindung mit dem Muskel, von dem er ursprünglich ausging.

2.4 Typische Übertragungsmuster myofaszialer Triggerpunkte


Die Schmerzübertragung führt oft zu einer fehlerhaften Lokalisation der Schmerzquelle. Patienten können Schmerzen in Körperregionen empfinden, die weit vom myofaszialen Triggerpunkt entfernt liegen. 

Myofasziale Schmerzen durch einen Triggerpunkt äußern sich typischerweise an drei Stellen:

  • am Ort des Triggerpunkts selbst,
  • am Ansatz des Muskelstrangs, in dem der Triggerpunkt liegt und
  • weit vom Triggerpunkt entfernt.

Bei der Triggerpunktbehandlung darf man sich deshalb nicht nur auf die Angaben des Patienten verlassen. Vielmehr ist es wichtig, die übertragenen Schmerzmuster („referred pain pattern”) der jeweiligen Schmerzzustände zu kennen. Dieses zugrunde liegende Muster ist typisch für den jeweiligen Muskel, in dem der Triggerpunkt liegt. 

Schulterschmerzen werden durch einen Triggerpunkt im Trapezius ausgelöst

Häufige Beispiele für durch myofasziale Triggerpunkte ausstrahlende Schmerzen sind:

  • Spannungskopfschmerzen durch Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur (musculus trapezius),
  • Schmerzen im Knie, die von Triggerpunkten im vierköpfigen Oberschenkelmuskel übertragen werden,
  • Rückenschmerzen durch Triggerpunkte im Quadratus lumborum, ein Muskel im Bereich der Lendenwirbelsäule,
  • Schmerzen in der Wade, die durch Triggerpunkte in der Gesäßmuskulatur entstehen,
  • Schmerzen vom Rücken ins Bein, die viele als Ischiasschmerz kennen,
  • Schmerzen im Bereich der Bandscheibe, die Triggerpunkte im Gesäß verursachen sowie
  • Unterarmschmerzen, die Triggerpunkte an der Schulter auslösen.

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