4. Diagnose: Wie stellt man Triggerpunkte fest?

In den Muskelsträngen eines grafisch dargestellten Körpers sind Druckpunkte/Triggerpunkte markiert

© Naeblys | shutterstock.com

SCHMERZFREI IN SEKUNDEN

Warum die Osteopressur so gut funktioniert

Roland Liebscher-Bracht wendet drückt bei einer Patienten einen Osteopressur-Punkt am Knie
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4.1 Palpation und Diagnosekriterien


Myofasziale Triggerpunkte werden maßgeblich durch manuelle Untersuchungen und Patientengespräche (Anamnese) festgestellt. Das diagnostische Standard-Verfahren ist die Palpation. Dabei wird die Körperstruktur des Patienten mit den Fingern abgetastet. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei folgende Kriterien:

  • Festigkeit des Gewebes,
  • Beweglichkeit des Patienten,
  • Druckdolenz (Schmerzempfindlichkeit) der Muskelfasern.

Weitere Diagnosekriterien

  • ausgeprägter Druck in einem Hartspannstrang eines Skelettmuskels
  • lokale Zuckungsantwort bei Stimulation einzelner Muskelfasern
  • Schmerzübertragung beim Ausüben von Druck oder anderweitiger Stimulation
  • Schmerzreproduktion: Patient erkennt bei ausgeübtem Druck vorübergehend seine Beschwerden wieder
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Muskelschwäche ohne Atrophie (Muskelschwund)
  • autonome Phänomene (zum Beispiel niedrige Hauttemperatur, exzessives Schwitzen nach Triggerpunktbehandlung, Gänsehaut)
Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

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4.2 Ablauf der Palpation


Bei oberflächlichen Muskeln tastet der Untersuchende das Muskelgewebe senkrecht zur Längsachse des Gewebes mit den Fingerspitzen ab. Der Triggerpunkt lässt sich als Verhärtung (als „Knubbel“) erfühlen.

Wird die Suche durch darüberliegendes Muskelgewebe erschwert, hilft eine direkte Druckpalpation. Bei dieser Technik dringen die Finger tief in das Gewebe ein.

Eine auf dem Bauch liegende Frau wird am Rücken palpiert

© Photographee.eu | shutterstock.com

An der Reaktion der Muskulatur ist zu erkennen, ob ein Triggerpunkt ertastet wurde. Bei einem mechanischen Reiz des myofaszialen Triggerpunktes kommt es zu ruckartigen Kontraktionen des umliegenden Muskelfaserbündels. Diese sogenannte Zuckungsantwort („twitch response”) ist ein Zeichen für das Vorliegen eines myofaszialen Triggerpunkts.1)

Achtung

Bei einigen Triggerpunkten kann schon ein geringer Druck starke Schmerzen auslösen. Die gute Kommunikation mit dem Patienten ist das A und O — auch, um Triggerpunkte von einfachen Verspannungen unterscheiden zu können.

Triggerpunkte entstehen an der motorischen Endplatte, also dort, wo das Axon eines Bewegungsnervs die Anweisung zur Kontraktion an eine Muskelzelle weitergibt.

  • Das Axon nutzt Neurotransmitter zur Erregungsübertragung.
  • Botenstoff Acetylcholin (ACh) wird freigesetzt und erreicht ACh-Rezeptoren in der Muskelfaser.
  • Befehl zur Kontraktion wird an die Muskelfaser übermittelt.

Da dieses Areal der motorischen Endplatte aber großflächiger ist, als früher vermutet, gilt sie für die Lokalisierung von Triggerpunkten inzwischen als veraltet. Hilfreicher ist es, auf typische Übertragungsmuster zurückzugreifen.2)

Zeichnerische Darstellung einer motorischen Endplatte, an der ein Bewegungsnerv auf die Muskelzelle trifft

©joshya | shutterstock (bearbeitet)

4.3 Typische Übertragungsmuster


Das typische Übertragungsmuster eines Muskels kann als eine Art „Landkarte” dienen, um den wahrscheinlichen Ursprungsort des Schmerzes und damit auch den Triggerpunkt zu lokalisieren.

Eine Faustregel besagt, dass es sich bei einer schmerzenden Stelle nur dann um einen myofaszialen Triggerpunkt handelt, wenn sie bei Druck auch Schmerzen überträgt.3)

Übertragungsschmerzen werden meist als tiefer, drückender Schmerz empfunden, der durch Bewegung mitunter verschärft wird. Hat man eine verhärtete Stelle gefunden und übt Druck darauf aus, erkennt der Patient unter Umständen sein bekanntes Schmerzmuster wieder (je nachdem, ob der Triggerpunkt aktiv oder latent ist). Dieses Phänomen ist ein wichtiges Diagnosekriterium für myofasziale Triggerpunkte. 4)

Ein Triggerpunkt im Trapezius strahlt Schmerzen in die Schulter aus. Diese Zusammenhänge sind anhand einer Grafik dargestellt, die das Profil eines Menschen rückseitig zeigt und Triggerpunkt sowie Übertragungsschmerz farblich darstellt.

Du möchtest wissen, welche Übertragungsmuster bei …

  • Schulterschmerzen,
  • Nackenschmerzen,
  • Knieschmerzen und
  • Rückenschmerzen

… zugrundeliegen? Alles darüber erfährst du im Kapitel zu den Schmerzzuständen.

4.4 Diagnostische Schwierigkeiten


Es gibt bis heute keine Goldstandards, also einheitliche Kriterien, für die Triggerpunkt-Diagnose.5) Gängige Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren (MRT, CT, Röntgen) liefern in der Regel keine Befunde, oft werden die Schmerzzustände daher als „unspezifisch” abgetan. Für die Patienten ist das doppelt frustrierend.

Kern des Problems ist auch, dass herkömmliche Ansätze zwar auf ein grundlegendes Erklärungsmodell für die Entstehung von Triggerpunkten zurückgreifen, der genaue Entstehungsprozess aber bis heute nicht eindeutig geklärt ist.6) Gängige diagnostischen Verfahren können es nicht eindeutig belegen. Vielmehr analysiert die herkömmliche Diagnose lediglich Symptome und zieht daraus Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache.

Wir gehen das anders an: In unserer Behandlung von Triggerpunkt-Schmerzen greifen wir unter anderem auf die Osteopressur zurück.

Diese spezielle Drucktechnik lindert nicht nur die Schmerzen des Patienten, sondern fungiert gleichzeitig als Diagnoseinstrument, indem es unser Erklärungsmodell zur Entstehung von Triggerpunkt-Schmerzen bestätigt.

4.5 Diagnoseverfahren nach Liebscher & Bracht


Auch wir finden zunächst in einem Anamnese-Gespräch heraus, an welcher Stelle, wie lange schon und in welcher Intensität die Schmerzen auftreten. Damit beginnen wir unsere Diagnostik. Zudem wird der aktuelle Schmerz dokumentiert, um die Entwicklung durch eventuell fortlaufende Behandlungen zu beobachten. Nachdem das Schmerzbild des Patienten definiert wurde, beginnt der Therapeut mit der Osteopressur. 

Nach unserer Ansicht werden die meisten Bewegungsschmerzen durch hohe Spannungen im muskulär-faszialen Gewebe verursacht.

Steht dieser Verdacht im Raum, können wir ihn mit der Osteopressur ganz einfach bestätigen oder ausräumen.

So entstehen Schmerzen durch Spannungen:

  • Muskeln und Faszien verkürzen durch einseitige Bewegungen und entwickeln Überspannungen.
  • Im antagonistischen (gegenspielenden) Gewebe entstehen ebenfalls hohe Spannungen als Reaktion auf den einseitigen Zug der verkürzten Muskeln.
  • An einem Gelenk wird nun von zwei Seiten „gezogen“.
  • Rezeptoren in der Knochenhaut messen die Spannungsverhältnisse im muskulär-faszialen Gewebe rund um ein Gelenk. Die Messdaten senden sie ans Gehrin.
  • Dort werden die Daten im Zusammenspiel von Basalganglien (BG) und Periaquäduktalem Grau (PAG) ausgewertet.
  • Wird die Spannung als zu hoch ermittelt und ist das Gelenk bedroht, schaltet das Periaquäduktale Grau (PAG) einen Alarmschmerz in die entsprechende Körperregion.

Mehr darüber erfährst du im Kapitel „Triggerpunkte nach Liebscher & Bracht„.

Unsere Osteopressur bestätigt dieses Modell: Dabei wenden wir händischen Druck auf die Alarmschmerzrezeptoren in der Knochenhaut an.

Liegt die Schmerzursache tatsächlich in einer zu hohen Spannung des umliegenden Gewebes, lassen die Beschwerden durch den ausgeübten Druck oft augenblicklich nach. Denn:

  • Der Druck veranlasst die Basalganglien (BG) dazu, die festgelegte Grundspannung für eine bestimmte Bewegung kurzzeitig herunterzufahren. Fehlprogramme werden also gelöscht und die Struktur wird gemäßigter angesteuert.
  • Die Rezeptoren vermessen die Spannungszustände neu und schicken „frische“ Daten ans Gehirn. Dort registriert das Periaquäduktale Grau (PAG) die Veränderung und sendet deshalb kurzfristig keinen Alarmschmerz mehr in die betroffene Körperregion.
Die Grafik zeigt die Wirkungsweise der Osteopressur nach Liebscher & Bracht im Zusammenspiel zwischen beteiligten Hirnprogrammen, Rezeptoren in der Knochenhaut und der Steuerspannung in Muskeln und Faszien

Die Osteopressur hat also zwei entscheidende Vorteile:

  • effektive Akutmaßnahme
    Die Osteopressur fährt Schmerzzustände schnell herunter und bereitet den Körper damit auf langfristige Selbsthilfe-Maßnahmen vor (Engpassdehnungen).
  • zuverlässiges Diagnoseinstrument
    Der Erfolg der Osteopressur ist ein sicherer Hinweis darauf, dass die Schmerzen auf zu hohe Spannungen der Muskeln und Faszien zurückgehen.

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