6. Triggerpunkte aus der Sicht von Liebscher & Bracht

In den Muskelsträngen eines grafisch dargestellten Körpers sind Druckpunkte/Triggerpunkte markiert

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6.1 Unterschied zum herkömmlichen Ansatz


Bis heute wird kontrovers diskutiert, wie Triggerpunkte und von ihnen ausgelöste Schmerzen entstehen. Die integrierte Hypothese mag die physiologischen Ursachen für eine dauerhafte Kontraktion der kleinsten Muskeleinheiten einleuchtend erklären. Unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Behandlung von Bewegungsschmerzen zeigt allerdings, dass es sich lohnt, die Schmerzursache nicht in kleinen anatomischen Einheiten zu suchen, wenn man langfristige Schmerzfreiheit erreichen möchte.

Bei unserer Erklärung von Bewegungsschmerzen nehmen wir deshalb das vollständige Bewegungsprofil der Betroffenen in den Blick. Das eröffnet neue Perspektiven:

  • Wir betrachten den Schmerz nicht als Feind oder Krankheit, sondern als nützliches Symptom.
  • Wir verfolgen nicht das Ziel, die Struktur des Körpers durch manuelle Beeinflussung zu verändern — das halten wir sogar für geradezu unmöglich.
  • Wir nehmen die ständigen Veränderungsprozesse des Körpers ernst und beziehen sie in die Therapie mit ein.
  • Wir setzen auf die genetisch angelegten Selbstheilungsmechanismen und bieten Betroffenen wirksame Hilfestellungen, diese anzuregen.
  • Wir behandeln so die tatsächliche Ursache und nicht nur die Symptome der Bewegungsschmerzen.
Roland Liebscher - Bracht lächelt in die Kamera. Es ist nur sein Kopf zu sehen und ein runder Kreis ist um ihn herum gezogen.

Roland Liebscher-Bracht

SPIEGEL-Bestseller Autor von “Deutschland hat Rücken” & Schmerzspezialist

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6.2 Das Schmerz-Modell nach Liebscher & Bracht


Behandelt man Triggerpunkt-Schmerzen auf Basis der integrierten Hypothese, so wird man versuchen, die Struktur im muskulär-faszialen Gewebe durch äußere Einflüsse (zum Beispiel Massagen) so zu verändern, dass die Energiekrise überwunden wird und die Schmerzen nachlassen. Das kann durchaus erfolgreich sein. Wenn sich darüber hinaus aber nichts verändert, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Beschwerden zurückkehren. Der Grund: Die tatsächliche Ursache blieb unangetastet. Doch welche ist das?

Unsere langjährige Erfahrung in der Schmerztherapie zeigt, dass die meisten Bewegungsschmerzen über Jahre hinweg regelrecht antrainiert wurden. Will man sie nachhaltig beseitigen, muss dieses „Training“ verändert werden. Dahinter stecken wichtige Erkenntnisse.

Erkenntnisse aus unserer Schmerztherapie

  • Jedes Gelenk und jeder Muskel hat vielfältige Winkeleinstellungen und Bewegungsmöglichkeiten, die genetisch vorgesehen sind.
  • Im Alltag nutzen wir nur einen Bruchteil (in der Regel etwa 5–10 Prozent) dieser genetischen Bewegungsmöglichkeiten.
  • Unsere Bewegungsabläufe speichert das Gehirn als verinnerlichtes Bewegungsprofil ab.
  • Das Bewegungsprofil schlägt sich in der Körperstruktur nieder, indem sich das muskulär-fasziale Gewebe daran anpasst.
  • Schmerzen werden nicht strukturell verursacht (also zum Beispiel durch Bandscheibenvorfälle oder Knorpelschäden), sondern warnen vor Überspannungen.

6.3 Wie Bewegungen den Körper verändern


Im Alltag nutzen wir demnach nur einen sehr geringen Anteil der Bewegungsmöglichkeiten unserer Gelenke und Muskeln. Von den vielzähligen Winkeleinstellungen des Schultergelenks verwenden wir zum Beispiel nur etwa 2 Prozent!

Das hat Einfluss auf unseren Körper, denn unsere täglichen Bewegungsabläufe wirken vor allem auf zwei Ebenen:

  1. Ebene: Gehirn,
  2. Ebene: Muskeln und Faszien.

Was passiert im Gehirn?

Unser Gehirn speichert ein Abbild unserer täglichen Bewegungen — sowohl derer, die wir ausführen, als auch derer, die wir unterlassen. Dieses Bewegungsprogramm ist permanenten Änderungen unterworfen, es registriert allerdings auch, wenn wir Muskeln und Gelenkeinstellungen vernachlässigen.

Daran beteiligt sind die folgenden Bereiche

  • motorischer Bereich: Hier wird das Bewegungsprogramm festgelegt.
  • Basalganglien: Hier werden Grund- und Bewegungsspannungen der Muskeln definiert.
  • Periaquäduktales Grau: Hier wird die Schmerzwahrnehmung gehemmt oder verstärkt.

Was passiert in den Muskeln und Faszien?

Faszien sind ein sich über den gesamten Körper erstreckendes Gewebenetz, das Muskeln und Organe umgibt. Vor allem im Bereich der Muskulatur gewährt die Faszie dank ihrer biomechanischen Struktur innerhalb des Körpers Stabilität und Beweglichkeit.

Durch unsere Bewegung beeinflussen wir die Struktur des Netzwerks: Bindegewebszellen, die Fibroblasten, erschaffen Faser für Faser der Faszien und weben sie in jeder Sekunde unseres Lebens um. Den Bauplan dafür liefert das jeweilige Bewegungsmuster.

Durch einseitige Bewegungsmuster verkürzen Muskeln und Faszien in den wenig beanspruchten Bereichen. Das kann man sich gut am Beispiel von Rückenschmerzen durch häufiges Sitzen verdeutlichen.

Abgebildet ist ein 3D-Bild eines Fasziennetzes.

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Der Einfluss der Bewegung am Beispiel Rückenschmerz

  • Die Sitzhaltung sorgt für permanentes Strecken der Muskeln und Faszien im Rückenbereich.
  • Im vorderen Körperbereich kommt es zu Verkürzungen und Verfilzungen des muskulär-faszialen Gewebes.
  • In aufrechter Haltung müssen die Rückenstrecker zunehmend gegen die Verkürzungen im vorderen Bereich gegenhalten, um sie auszugleichen.
  • Es entstehen starke Spannungen, die Körperstrukturen schädigen können.

6.4 Warum einseitige Bewegung Schmerzen verursacht


Die ursächlich durch Verkürzungen im muskulär-faszialen Gewebe verursachten Überspannungen erzeugen Schmerzen. Doch warum ist das so?

Interstitielle Rezeptoren in der Knochenhaut messen permanent die Spannungsverhältnisse im muskulär-faszialen Gewebe. Die Signale werden ins Gehirn geleitet und dort ausgewertet.

Die Grundspannung im muskulär-faszialen Gewebe wird durch die Basalganglien festgelegt. Ergibt ein Abgleich mit dieser Grundspannung, dass die Spannungen ein gefährliches Maß überschreiten, löst das Periaquäduktale Grau einen Schmerz aus, den wir als „Alarmschmerz” bezeichnen.

Der Alarmschmerz ist ein Symptom, mit dem der Körper vor zu hohen Spannungen im muskulär-faszialen Gewebe warnt. Wird er ignoriert, läuft der Betroffene Gefahr, schwere Gewebe- und Gelenkschäden davonzutragen.

6.5 Funktionale versus strukturelle Schmerzen


Die herkömmliche Schmerztherapie verortet die Schmerzursache in der Struktur. Unser Ansatz hingegen zeigt, dass Schmerzen vielmehr funktional sind. Was bedeutet dieser wichtige Unterschied?

Strukturelles Schmerz-Modell: Die Struktur macht den Schmerz

  • Strukturelle Schäden sind aus herkömmlicher Sicht beispielsweise Gelenkverschleiß bei Arthrose oder andere anatomische Verletzungen wie Meniskusrisse oder Bandscheibenvorfälle.
  • diese Strukturschäden verursachen Schmerzen
  • Problem: Viele Menschen haben Schmerzen, aber keine Strukturschäden (Triggerpunkt-Patienten kennen das). Auch der umgekehrte Fall kommt häufig vor, beispielsweise bei nachgewiesener Arthrose ohne Schmerzen.

Funktionales Schmerz-Modell: Die Bewegung macht den Schmerz

  • Die Funktion meint die warnende Absicht des Schmerzes, den Körper auf eine potenzielle oder bereits eingetretene Schädigung aufmerksam zu machen.
  • Die tatsächliche Schmerzursache liegt in den hohen Spannungen, die durch dieses Bewegungsmuster entstehen.
  • Strukturschäden sind lediglich mögliche Symptome/ Begleiterscheinungen der zu hohen Spannungen.

Das funktionale Schmerzmodell hat nicht nur den Vorteil, dass die angewandten therapeutischen Maßnahmen es bestätigen können, sondern dass es auch viele Schmerzzustände erklären kann, in denen Betroffene keine feststellbaren Schäden haben und dennoch unter Schmerzen leiden. 

Das gilt auch für Triggerpunkte, bei denen die dauerhafte Kontraktion der Sarkomere ein Symptom, aber nicht die Ursache der Schmerzen ist. Die strukturelle Situation, die die Integrierte Hypothese als Ursache anführt — lokale Ischämie, Blutleere im Gewebe, Energiekrise — ist letztlich nur Begleiterscheinung der eigentlichen Schmerzursache.

Diese Schmerzursache wiederum liegt im Gehirn, das auf die zu hohen Spannungen des muskulär-faszialen Gewebes mit einer Warnung reagiert. Diese Spannungen sind auf Bewegungsmuster zurückzuführen, die genetisch nicht so einseitig vorgesehen sind, wie wir sie ausführen.

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